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Erstes Blatt.

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verantwort!. Revakteur: & Schreck«» in Senn»

Nr. 240 ^ernsprechanschlitsr Nr. 230. Freitag dtN 13. Oktober ft -rn sprech«,»sch luf; Nr. 230 1911

Das neue Justizgebäuöe in Kanarr.

^ur ginmeU^mtgsfeier am 13, AâioHev 1911.

Mit dem Ende dieses Jahres geht ein Bau seiner Vollen­dung entgegen, der berufen ist, einen Markstein in der Bau­tätigkeit Hanaus zu bilden; es sind die Justizneubauten, die sich auf dem Gelände des ehemaligen Deutschen Fried­hofes erheben und heute morgen eingeweiht und ihrer Be­stimmung übergeben worden sind.

Die Geschichte dieses Neubaues reicht schon etliche Jahre zurück. Das alte Landgericht am Bangert erwies sich schon seit Jahren als zu klein und die räumliche Trennung von Land- und Amtsgericht in zwei verschiedenen Gebäuden zeitigte unzuträgliche Mißstände, die einen Neubau zur un­bedingten Notwendigkeit machten. Die Städte Han.ru und Fulda bemühten sich in gleicher Weise darum, den künftigen Neubau in ihren Mauern zu beherbergen, bis es schließlich der Stadt Hanau durch weitgehendste Zugeständnisse gelang, das Landgericht zu halten, indem es die alten Gebäude für 300 000 Mark käuflich erwarb und einen Bauplatz auf dem ehemaligen deutschen Friedhofe an der Nußallee zur Ver­fügung stellte. .

Das neue Gebäude wird in seinem Inneren das Land­gericht und das gesamte Amtsgericht mit seinen 5 Abtei­lungen sowie in einem besonderen Bau das Gefängnis mit Hafträumen für ungefähr 80 Gefangene aufnehmen. Für spätere Erweiterung ist Sorge getragen.

Die Vorprojekte wurden im Ministerium der öffent­lichen Arbeiten von Herrn Regierungs- und Ge­heimen Sautat Mönnich in Berlin aufgestellt. Die Aus­führung der Einzelpläne, die künstlerische Durcharbeit und die gesamte Bauleitung lag in Händen von Herrn Regie­rungsbaumeister B o d e, unter Aufsicht der Königlichen Regierung in Cassel. Ihm waren zeitweilig die Regierungs­bauführer Suhr und Wemhöner, sowie ein zahlreiches Bu­reaupersonal unterstellt. Die Vorarbeiten wurden so schnell gefördert, daß bereits im August 1908 mit der Herstellung der Fundamente begonnen werden konnte. Im Winter ruhte die Arbeit, doch im Frühjahr 1909 wurde die Bautätigkeit mit allen Kräften wieder ausgenommen und im Herbst des­selben Jahres war der Rohbau im wesentlichen vollendet und die Gebäude unter Dach. Die beiden Jahre 1910 und 1911 waren dem inneren Ausbau gewidmet und welche Fülle

von Arbeit im Innern des gewaltigen Baus unbeobachtet von den mehr oder weniger kritisch veranlagten Blicken des Hanauer Publikums geschaffen ist, davon kann sich nur der den rechten Begriff machen, der die gewaltige Halle des Haupttreppenhauses sowie die großen Verhandlungssäle sich betrachtet, die sich in ihrem farbenprächtigen Reichtum den Blicken des Beschauers darbieten.

Die Beschreibung des Bauwerks wäre unvollständig, wenn nicht auch die Gedanken und Empfindungen, aus denen heraus die äußere und innere Erscheinung entstanden ist, mit einigen Worten gestreift würden. Die Gestaltung der Formen knüpft an jene alte Ueberlieferung des Maintals, der an Geschichte reichen Kulturstätte des deutschen Vater­landes mit seinen stolzen Bischofssitzen und Schlössern an. Die Architektur schöpft ihre Anregungen aus jenen unvergleichlich schönen alten Bauwerken nicht nur inbezug auf die äußere Form, sondern auch indem sie das heimatliche Material zur Geltung bringt und vor allem dem heimischen Handwerk wieder Aufgaben zu­weist, wie es sie seit jenen Zeiten nicht mehr gelöst hat, nämlich schlicht und handwerkmäßig dem verwendeten Ma­terial entsprechend zu arbeiten und ohne die prunk- haste Ueberladung und Verkleidung, die hinter sich oft eine schlechte und untüchtige Konstruktion verbarg. Möge das heimische Handwerk sich diese Anregungen tu' nutze machen, und wieder zu dem werden, was es auch früher ge­wesen ist, nämlich zu einem Kunsthandwerk.

Die Gebäude sind in allen ihren Teilen massiv erbaut und haben einen besonderen Schmuck erhalten durch die reiche Anwendung des heimischen, geflammten roten Sand­steins, der aus den Brüchen der Firma Arnold u. Söhne in Reistenhausen stammt. Wenn das Innere im großen und ganzen auch schlicht und einfach gehalten ist, so sind die Haupträume doch durch reiche Bildhauer- und Malerarbei­ten in würdiger Weise hervorgehoben. Der Mittelpunkt der ganzen Anlage ist die große Treppenhalle, die sich durch sämtliche Geschosse erstreckt und durch eine reich kassetierte und bemalte Stuckdecke abgeschlossen wird. Auch hier ist der rote Mainsandstein wieder in ausgiebigem Maße verwendet morden. Der Hauptsaal ist der große Schwurgerichtssaal,

der durch zwei Geschosse reicht, und mit seiner reich bemalten Holzdecke, den einfachen und doch schönen Schreinerarbeiten, der Paneele und des Gestühls, sowie den wuchtigen Kron­leuchtern einen ernsten, erhebenden Eindruck macht. Die Baukosten betrugen einschließlich der inneren Einrichtung etwas über 1 Million, welche zum größten Teil dem hei­mischen Handwerk und der Industrie zu gute gekommen sind.

An dem Neubau waren die Firmen Friedrich Rumps, W. Franz, Jean Wörner, Karl Lucht und Ed. Schlingloff in Hanau, Schmitt u. Sohn und Clemens Brendel in Frankfurt und W. Zügel-Hanmver beteiligt. Die kunstvollen Schmiedearbeiten wurden von der Firma A. I. Zilg Nachfolger in Hanau ausgeführt. Die Zentralheizung wurde von der Firma Rietschel und Henneberg in Berlin, die elektrische Beleuchtung von den Siemens-Schuckert-Werken geliefert und eingebaut. Die künstlerische Ausmalung des Treppenhauses lag in den Händen der Firma Prof. A. Linnemann aus Frankfurt.

Zu den Einweihungsfeierlichkeiten, über deren Ver­lauf wir morgen berichten werden, sind von auswärtigen Gästen u. a. eingetroffen die Herren: Oberlandesgerichtspräsi­dent Wirkl. Geh. Oberjustizrat von H a s s e l l - Gaffel, Oberstaatsanwalt v. D i t f u r t h-Cassel, Regierungs- und Baurat Niemann- Gaffel, als Vertreter des Regierungs- prästdeüten; Landgerichtspräsident Geh. Oberjnstizrat Muhl- Marburg, die Aintsgerichtsräte v. B o I t o g - Bergen und Hengsberger - Schlüchtern, Z e d die s - Gelnhausen, die Amtsrichter Göbel- Birstein, Eckhard- Burghaun, Hesse- Langenselbold, v. Kinzel- Meerholz, F i sh e r - Windecken; als Vertreter des Landkreises Hanau war Herr Landrat Frhr. L a u r , als Vertreter der Stadt Hanau Herr Oberbürgermeister Dr. Gebesch us sowie Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung er­schienen, ferner bemerkten wir Vertreter der Garnison, de, Kirche und Schule und der Handelswelt, den Präsidenten, die Richter, die Staatsanwälte, die Handelsrichter und di« übrigen Beamten des hiesigen Land- und Amtsgerichts, di« "EU" ^sud- und Amtsgerichte zugelaffenen Rechtsanwält« und Rechtsanwälte aus dem Landgerichtsbezirk.