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Die einzelne Nummer kostet 10 Psg.

Dotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Cknrllckungsgeiü-tt

Die SgcfpoTtene Petitzeil« oder beten Raum 20 PH

AMchcs Grga« für Stabt« und fnnikrris Kam«.

Erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn» und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

tm Reklamenteil die Zeile 45 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: D, Schrecker tu Hana»

^L 10 Merttsprechanschlust Nr. 230.

Donnerstag den 12. Januar

ßetniprcd)aiifd)lnf; Nr. 230 1911

Amtliches.

Eandkreis F)anau.

An die Ortspolizeibehörden des Kreises.

Unter Bezugnahme auf meine Nundverfügung vom 3.1. 1960 V. 1341G ersuche ich, soweit dies noch nicht ge­schehen ist, mir binnen 5 Tagen anzuzeigen, wieviel Legi- )imationskarten (§ 44a Abs. 1 der Neichs-Eewerbe-Ordnungz während des Kalenderjahres 1910 ausgestellt»worden sind; evtl. ist Fehlanzeige zu erstatten.

Hanau den 12. Januar 1911. V. 174

Der Königliche Landrat.

Frhr. Laur.

S t a d t k reis Ran a 11.

Diejenigen Arbeitgeber, welche in ihren Betrieben aus­ländische Arbeiter beschäftigen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß deren Jnlandslegitimationskarten (Arbeiter­legitimationskarten) mit dem 31. Dezember d. Z. ihre Gültigkeit verlieren und daher behufs Erneuerung seitens der Arbeiter mit den in Händen befindlichen Heimat- papieren im Sekretariat Zimmer 5 hier vorzu­legen sind.

Letzte Vorlagcfrist am 15. Januar 1911.

Die nach dieser Frist zur Vorlage kommenden Karten werden nur bei Zahlung der Legitimationsgebühren von 5 Mk. bezw. 2 Mk. neu ausgesertigt.

Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Arbei­ter die vorschriftsmäßige Umschreibung ihrer Legitimations­karten binnen einer Frist von drei Tagen nach Antritt des treuen Arbeitsverhältnisses hier zu beantragen haben.

Hanau den 29. Dezember 1910. P. 15138

Königliche Polizcidirektior.

Frhr. Laur.

Belairntrrmchrmft.

Es wird beabsichtigt, den hiesigen öffentlichen Arbeits­nachweis auch für die Vermittelung von Lehrstellen aller Berufe kostenfrei nutzbar zu machen.

Wir richten deshalb an alle Interessenten das Ersuchen, ihren Bedarf an Lehrlingen bei der städtischen Arbeiisver- Mittelungsstelle Langstraße Nr. 41 hier anzumelden.

Ebenso werden Eltern und Vormünder ersucht, sich zur Erlangung von Lehrstellen der Vermittelungsstelle bedienen zu wollen, die Anmeldungen jederzeit gern entgegennimmt.

Hanau den 81. Oktober 1910. 1119

Der Magistrat.

Hild.

Für die Einrichtung der hiesigen Wanderer-Arbeitsstätte sind erforderlich:

40 Stück Holz- oder Eisenbettstellen einfachster Aus­führung mit Boden, Größe 80X185 cm,

40 Stück Ueberzüge 185X130 cm,

40 Stück Kissenbezüge (Couvert),

80 Stück Schlafdecken, dunkelgrau, 130X180 cm,

40 Stück Bettücher (Barch.), 140X199 cm,

40 Stück Strohsäcke (gefüllt),

40 Stück Kopfkeile (gefüllt).

Angebote können alsbald beim Stadtbuuamt, Zimmer Nr. 18, cingereicht werden.

Hanau den 10. Januar 1911.

Der Magistrat.

Hild.

^cfmmtiimrlpmiv

Montag den 16. Januar 1911, vormittags 9 Uhr, erfolgt in öffentlicher Sitzung im unteren Saale des Rathauses Zimmer Nr. 1 die Vereidigung der Beisitzer und Ersatz- beisitzer für das Kaufmannsgericht, sowie die Auslosung der Reihenfolge, in welcher die Beisitzer und Ersatzbeisitzer­herangezogen werden.

Im Anschluß hieran findet öffentliche Sitzung des Kauf­mannsgerichts statt.

Hanau den 9. Januar 1911.

Der Vorsitzende des Kaufmannsgerichts.

Hild.

^efmwniindmis«^

Am Montag den 16. d. M., vormittags 10 Uhr, firM im unteren Saale des Neustädter Rathauses, Zimmer 1, öffent­liche Sitzung des Kaufmannsgerichts statt.

Der Vorsitzende des Kaufmannsgorichts.

Hild.

Städtisches Wasserwerk.

Diejenigen, welche mit Zahlung des Wassergeldes und der Kanalgebühr für Oktober-Dezember 1910 noch im Rück­stände sind, werden hierdurch aufgefordert, diese Rückstände bis zum 16. Januar 1911 bei unserer Kaste, Leipzigerstr. 17, während der Stunden vormittags von 81412% Uhr und nachmittags von 35 Uhr einzuzahlen, da vom 17. Januar ab die zwangsweise Beitreibung der rückständigen Beträge erfolgen wird.

Bemerkt wird noch, daß die Mahngebühr auch dann zu zahlen ist, sobald die Mahnzettel zur Zustellung ausgegeben sind.

Hanau den 3. Januar 1911. 757

Die Wasserwerks-Direktion.

v. Gäßler.

Bekanntmachnttg.

Das Proviantamt Hanau setzt den Ankauf von Hafer und Stroh (Roggenlangpreß- und Flegelstroh) fort.

Die Einlieferung des . Strohs kann täglich mit Aus­nahme der Samstag-Nachmittage ohne vorherige An­meldung erfolgen.

Bei Haferlieferung empfiehlt es sich, vor dem Ver­kaufe ein ungeschmeicheltes Durchschnittsmuster von mindestens 250 g mit Preisforderung einzusenden.

Königliches Proviantamt Hanau. V 166

Hafer und Stroh (Noggenlangpreß- und Flegelstroh) kauft 449

Proviantamt Hanau.

Liegengeblieben auf der städt. Sparkaste 1 Hand­schuh. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenver­waltung.

Hanau den 11. Januar 1911. 1143

Politische Rundschau.

Der deutsche Kronprinz ist am Dienstag in Peschawar eingetroffen. Er unternahm am Mittwoch im Automobil einen Ausflug nach dem Khaibarpas; und dem an der afgha­nischen Grenze gelegcnenFort Landi Kotal. Auf der Rück­fahrt besichtigte der Kronprinz englische und eingeborene Erenztruppen.

Ein evangelischer Preßverband für Deutschland ist ins Leben getreten. Die in Berlin unter dem Vorsitz des Ad­mirals Büchse! geschaffene Zentrale, der zurzeit 42 Pro­vinzialverbände und Vereine angehören, will in voller Un= abhängigkeit der deutschen Presse zu dienen suchen durch schnelle, umfastende und zuverlässige Berichterstattung über die Lebensäußerungen der evangelischen Kirche sowie durch Darbietung sachkundiger Erörterungen über aktuelle Fragen, wie sozial-ethische Probleme, Frauenfrage, literarische Er­scheinungen, Kunst, Theater, Sittlichkeit, Alkohol, Woh­nungsfrage usw. Parteipolitische und theologische Streit­fragen sollen ausgeschlosten bleiben. Der Evangelische Preßverband wendet sich soeben in einem Aufrufe, der von 86 hervorragenden Männern aus den verschiedensten Kreisen der Kirche und der Wissenschaft, der Parlamente und der Gesellschaft, der Industrie und des Handels unter­zeichnet ist, an alle gleichgesinnten, wohlhabenden Kreise und Persönlichkeiten Deutschlands. Geschäftsführer des Prcßverbandes ist Direktor Wilhelm Spicker» Berlin- Steglitz, Hohenzollernstraße 7.

Die Landflucht in Ostpreußen hat sich auch im Landkreise Tilsit erheblich bemerkbar gemacht, wie aus Anlaß der letzten Volkszählung am 1. Dezember 1910 deutlich festge- stellt wurde. Die Bcvölkerungszahl des Landkreises ist gegen 1905 nur von 46 441 auf 46 449, 22 359 männliche und 24 693 weibliche Personen, also um 8 Personen, ge­wachsen; im Kreise gibt es jetzt 1727 mehr wcibl'che als männliche Personen. Die rein ländlichen Orte haben in der Mehrzahl viele Abwanderungen nach dem Westen und damit einen Verlust an Einwohnern zu verzeichnen.

Zu den deutsch-russischen Verhandlungen. Die englische und die französische Presse können sich noch immer nicht über die deutsch - russischen Verhandlungen beruhigen, und cs scheint, als ob die Erkenntnis, daß bis jetzt überhaupt noch kein Abkommen, son­dern nur ein an die deutsche Regierung gerichteter russi­scher Vorschlag vorliegt, die Lust, in schwebende Unter­handlungen hineinzureden, noch gesteigert habe. Das war wohl auch der Zweck der zuerst in einem Londoner Blatte

begangenen Indiskretion, die den russischen Vorschlag ane Licht brachte und zugleich das, was nur der Beginn der Verhandlungen sein konnte, als ihr Ergebnis ausgab. Gleichwohl glauben wir nicht, daß die vorzeitigen englischen und französischen Kommentare ihr Ziel, die Verhandlungen zu stören, erreichen werden. Der neue russische Minister der Auswärtigen Sasonow hat sich bisher, wie es scheint, nicht wankend machen lassen, wie er auch gegenüber dem Versuch russischer Blätter, den Potsdamer und Berliner Besprech­ungen eine einschränkende Interpretation zu geben, bei der Darlegung geblieben ist, die der Reichskanzler v. Beth­mann darüber im Reichstage gegeben hat. Mehrfach wird für den Fall, daß sich Deutschland und Rußland über ihr Verhältnis zu Persien und über die Zweiglinien der Vag- dadbahn von Bagdad nach Hanckin einigen sollten, eine deutsch-englische Verständigung über das Endstück der Bag­dadbahn nach dem persischen Golf in Aussicht gestellt. Son­derbarerweise verlangt ein großes konservatives Blatt, der Daily Telegraph", von dem Minister Sir Edward Grey» er sollte dafür, daß Deutschland eine russische Garantie für seine wirtschaftlichen Jnteresten im nördlichen Persien er­langt, deutsche Kompensationen an England fordern. Die offene Tür in Persien (st ja schon in dem englisch-russischen Abkommen von 1907 festgesetzt worden, und zwar für alle Länder, oder soll das nur eine leere Redensart gewesen sein? Etwas anderes ist es, wenn England an der End­strecke der Bagdadbahn wegen seiner Jnteresten im persi­schen Golfe beteiligt sein will. Hierbei kommt aber nicht Persien, sondern die Türkei in Betracht, deren Gebiet bis zum Golfe reicht. Eine Verständigung hierüber wäre schon lange und ohne Rücksicht auf die persischen Wirren möglich gewesen, wenn sie England unter Anerkennung der Vor­rechte der Konzessionäre der Bagdadbahn gewünscht hätte. Es hat jedoch eine Verständigung auf die lange Bank ge­schoben, einmal in der Annahme, daß der Bau der Bagdad­bahn nicht so schnell vorrücken würde, als nun tatsächlich der Fall ist, dann um inzwischen seine Position im persischen Golf zu verstärken, endlich und hauptsächlich, weil die Stimmung in Großbritannien in den Zeiten der Jsolierungs - Politik und der Furcht vor derdeutschen Gefahr" für jeden diplomatischen Ver­such eines Einvernehmens höchst ungünstig war. Auch jetzt verlautet nichts von deutsch-englischen Verhandlungen, und von deutscher Seite braucht auch nicht darauf hingedrängt zu werden, da wir durchaus in der Lage sind, abzuwarten, zumal wenn es wirklich zu dem von der ausländischen Preste so vorlaut kommentierten Einvernehmen mit Rußland kommt.

Hansabund und Fernsprechgebührenordnung. Bereits vor einem Jahre hat der Hansabund gegen die von der Reichs- regierung geplante Verteuerung des Fernsprechers als eines unentbehrlichen Verkehrsmittels mit aller Entschiedenheit Verwahrung eingelegt, da diese Verteuerung eine überaus starke Belastung der Industrie, des Handels, der städtischen Mittelbetriebe und des Handwerks bedeutet. Auch in den jetzigen Rcichstagsvcrbandlungen sind diese berechtigten Wünsche des erwerbstätigen Bürgertums nicht berücksichtigt. Der Zentralausschuß Berlin des Hansabundes hat deshali ^einstimmig eine Entschließung angenommen, die wir nach­stehend um ihrer Wichtigkeit und Bedeutung für das ge­samte deutsche Erwerbsleben auch an dieser Stelle ver­öffentlichen: Der jetzt vorliegende Kommissionsentwurf der Fernsprechgebührenordnung zeigt wiederum, daß ein der gewerblichen Entwicklung fremd und unfreundlich gegen. Lberstchender Geist in der deutschen Gesetzgebung zur Herr­schaft gelangt ist. Bereits gegenüber dem Regierungsent­wurf war von der Kommission des Hansabundes unter dem 29. November v. I. und ebenso von seinen Zwcigorgani- sationen und anderen großen gewerblichen Körperschaften darauf hingewiesen worden, daß die beabsichtigte Abschaf­fung der Pauschalgebühr eine durchaus ungerechtfertigte Belastung von Handel, Gewerbe und Industrie, besonders des städtischen Mittelstandes und Handwerks, mit sich brin­gen müßte. Die Beschlüsse der Reichstagskommission haben zwar den Negierungsentwurf abgeändert, jedoch ist der Grundgedanke des Gesetzes, eine unverhältnismäßig starke Heranziehung von Industrie, Handel und Gewerbe zu den Kosten des Fernsprechwesens, der gleiche geblieben. Der Fernsprecher als wichtiges Werkzeug des täglichen Ge­brauchs und modernen Verkehrs darf nicht vorwiegend ein Gegenstand fiskalischer Interessen werden. Dahin geht jedoch das Bestreben; denn die Fernsprechgebührenordnung dient offensichtlich der Schaffung neuer Finanzmittel zu Lasten der gewerblichen Kreise und besonders des Mittel­standes. Hiergegen muß energisch und nachdrücklichst Protest erhoben werden. Die beutiaen Göke dürfen unter keine»