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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei de» verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
AAèWes Grzn für Stabt- aub fanbkrtis Hanas.
Erscheint tLgttch mit Ausnahme der Sonn. und Feiertage, mit belletristischer Vellage. Berantwortl. R-Slckteur: S. Schrecke, tu Donee,
Nr. 212 F-exr°sp^charcschs«f; Nr. 230. Montag den 11. September Ferttsprechattschlich Nr. 230 1911
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Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Zeichnung von den Architekten Kämpfer & Wissenbach, 1 Radfahrlaterne, 1 Korallen-Halskettchen.
Verloren: 1 schwarzer Damen-Sonnenschirm (in Wilhelmsbad), 1 Portemonnaie mit 21 Mk. (bestehend aus einem 20 Markschein und einem 1 Markstück), 1 Aushängeschild „Gefrorenes" ist in der verflossenen Nacht von einem Geschäftslokale des Marktplatzes abgenommen worden.
Abhan dengekömmen: 1 grünliche Segetluch- Handtasche mit einer Turnergarderobe.
Hanau den 11. September 1911.
Gefunden auf dem Marktplatz: 1 kleines Körbchen mit 2 Tüchern und 1 Markttasche. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung. 21595
Politische Rundschau.
Der Kaiser ist gestern nachmittag 6 Uhr 10 Min. im Automobil in Schloß Boitzenburg eingetroffen. Er wurde vom Grafen Arnim empfangen. Der Ort ist festlich geschmückt.
Die Standorte des deutschen Reichsheeres mit Armee-EiiNeilung und Verzeichnis der Regimenter nach dem Stande vom 1. Oktober 1911. Preis 20 Pfg. Leipzig, F. A. Berger. Der Titel gibt den Inhalt des kleinen Heftchens wieder, das alle am 1. Oktober 1911 eintretenden Veränderungen enthält und als Hilfsmittel zum Nachschlagen besonders geeignet, bequem und durchaus zuverlässig ist. Für Besitzer von Ranglisten eine willkommene Ergänzung.
Ueber die durch die Dürre hervorgerufenen Schädigungen schreibt die „Nordd. Allg. Ztg." in ihrem gestrigen Wochenüberblick: Die infolge der anhaltenden Dürre eingetretenen und noch zu erwartenden Schädigungen bilden überall den Gegenstand ernster Sorge. Der Kaiser hat bereits ausgesprochen, wie sehr ihn die dem Lande aus dem Mißwachs dieses Jahres drohende Not beschäftige, und den Reichskanzler und Ministerpräsidenten beauftragt, alle im Bereiche staatlicher Möglichkeit liegenden Maßregeln zur Abhilfe des Notstandes zu ergreifen. Die Staatsregierung hatte, sobald die Futternot einen gefahrvollen Umfang annahm und erkennbar war, daß auf eine wesentliche Besserung nicht mehr zu hoffen sei, die sofortige Einführung von Notstandstarifen und durch eine Reihe anderer Maßregeln fordernd eingegriffen. Inzwischen ist geprüft worden, was weiter geschehen kann, um den durch die Dürre gefährdeten Interessen mit augenblicklichen praktischen Maßnahmen zu Hilfe zu kommen. Alle Möglichkeiten, von denen man sich in dieser Hinsicht einen Erfolg versprechen kann, sind eingehend erwogen worden. In der bevorstehenden Sitzung des Staatsministeriums wird über die Ausführbarkeit und Zweckmäßigkeit der einzelnen Vorschläge entschieden und das danach Erforderliche sogleich veranlaßt werden. Es steht zu hoffen, daß es dem einmütigen und uneigennützigen Zusammenwirken aller berufenen staatlichen und volkswirtschaftlichen Kräfte gelingen wird, dem Lande über die Folgen des verhängnisvollen Sommers hinwegzuhelfen. Wir bedauern, daß hier und da versucht wird, die durch ein elementares Ereignis heroorgerufene Not, die zunächst die landwirtschaftlichen Produzenten in den von der Dürre leidenden Landestellen trifft, aber auch in jedem Haushalt durch die Verteuerung von Lebensmitteln fühlbar wird, zur Bekämpfung unserer Wirtschaftspolitik auszunutzen. Wie wenig unser wirtschaftliches System für den gegenwärtigen Notstand verantwortlich gemacht werden kann, zeigt am besten die Tatsache, daß die Folgen der ungewöhnlichen klimatischen Erscheinungen dieses JahreS sich mit gleicher und größerer Härte auch da geltend machen, wo die Wirtschaftspolitik auf anderer Grundlage beruht. Die „Nordd. Allg. Zig." oer» gißt, daß Frankreich und Belgien, ivo die Hungerrevolten ausgebrochen sind, die gleiche Wirtschaftspolitik verfolgen wie wir, ferner daß die Preise trotz der Dürre um so viel niedriger sein würden, wie der Zoll beträgt. Im übrigen Dietze sich ja der Versuch machen, die Fntterinittelzölle zu suspendieren.
5. Bundestag der geprüften Sekretäre und Obersekre- târc der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung. Der Bund hielt vom 7. bis 10. September in Berlin seinen 5. Bundestag ab. Er hat sich im letzten Jahre weiter günstig entwickelt. Die Mitgliederzahl hat 2300 überstiegen. Das
der Sterbeunterstützungskasse ist bereits auf
00 Mk. angewachsen. Der Bund vertritt nach wie vor unaolllssig die Gleichstellung der Post- und Tclegraphen- sekretare im Rang und Gehalt mit den Sekretären der preußischen Provinzialbchörden und die Hebung der Beamten der Obersekretärklasse. Die bisherigen Vorsitzenden,
Oberpostsekretär Vlievornicht und Obertelegraphensekretär Dochow in Berlin wurden wiedergewählt. Am 8., nachmittags, besichtigten die Abgeordneten die Kabelwerke Ober-Spree der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in Ober-Schöneweide und hörten hinterher einen sehr lehrreichen Lichtbilder-Vortrag des Oberingenieurs Herrn von Moellendorf über die Entwickelung der Kupferindustrie. Am 9., mittags, wurde das Postmuseum besichtigt. Der 6. Bundestag soll in Berlin abgehalten werden.
Der türkische Thronfolger ist gestern von Wien nach Konstantinopel abgereist.
Die Kämpfe in Persien. Der Endjumen bekam aus Teheran von Morgan Schuster 70 000 Tomans für den Kampf gegen den Exschah. Hier wird die Sache des Ex- fchahs für verloren gehalten. Es geht das Gerücht, daß die Karadjadag-Fürften Schudja ed Dauleh verlassen haben.
Zur Marokko-Frage.
Marokkopanik an der Berliner Börse?
Die Tatsache, daß die deutsch - französischen Marokko - Verhandlungen noch zu keinem greifbaren Resultat geführt haben und daß in Paris Gegenvorschläge vorliegen, auf die noch keine Antwort erfolgt ist, hat die Berliner Vörsenkreise nervös gemacht, und so kam es am Samstag zu starken Kursrückgängen, die allerdings auch mit durch börsentechnische Manöver und New- yorker Meldungen veranlaßt wurden. Hierzu wird dem „Berl. Lok.-Anz." aus anscheinend offiziöser Quelle berichtet: Die Berliner Geschäftswelt sollte sich darüber klar werden, daß sie im Begriffe ist, sich vor der Welt zu blamieren. Wir haben noch nichts davon gehört, daß es in Paris und London zu einer panikartigen Stimmung gekommen wäre. Die nachdrücklichsten Versicherungen, daß von einer tatsächlichen Gefährdung des Friedens nicht die Rede sein kann, verhallen wirkungslos, wenn auf der anderen Seite ganz unbeglaubigte, ja direkt sinnlose Gerüchte ausgesprengt werden. Jeder Geschäftsmann sollte Verständnis dafür haben, daß die Bemühungen der Diplomaten nicht durch einen Schriftwechsel von wenigen Tagen oder Wochen zum Ziele geführt werden können. Ueber dieses Ziel ist bereits eine Einigung ereicht (diese Worte sind fett gedruckt), es handelt sich nur um die Mittel, die es sichern sollen. Deutschland will sich in Marokko desinteressieren, aber wirtschaftlich nicht an die Wand drücken lassen. Es bedarf daher einer Abgrenzung dieser beiden Sphären und der Schaffung von Garantien, sowohl für Frankreich als auch für Deutschland. An dieser Aufgabe arbeitet die Diplomatie beider Länder mit angestrengtestem Eifer, und es ist klar, daß ihre Arbeit um so glatter von statten gehen kann, je weniger sie von außen her aufgehalten und gestört wird. Das deutsche Volk 'at bis jetzt eine würdige Haltung bewahrt, und nur die Geschäftswelt scheint nicht länger ruhig bleiben zu können, gerade sie, die für das Wesen eines großen Handelsgeschäfts — und um nichts anderes dreht es sich bei dem Marokkoabkommen — Verständnis haben sollten. Abgesehen davon, daß unsere Unterhändler wahrlich nicht zu beneiden sind, wenn sie in ihrem eigenen Lande auf Zeichen mangelnden Vertrauens stoßen, sollte die Börse doch auch im Interesse ihres eigenen guten Rufes auf die Lage Rücksicht nehmen, wie sie wirklich ist. Die Geschäftswelt sollte auch nicht so sehr an die Regierung appellieren, daß von dieser Seite endlich ein beruhigendes Wort gesprochen werde. Erst vor wenigen Tagen wurde halbamtlich der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Verhandlungen nunmehr einen glatteren Verlauf nehmen würden. Mit viel größerem Recht als die Börse an die Regierung könnte diese an die Börse appel- ieren, sie sollte sich doch endlich besinnen und aus sich selbst heraus zu einer Gesundung der Verhältnisse kommen.
England sieht Gespenster.
Wie die „Times" meldet, hat die englische Admiralität angeordnet, daß eine Abteilung des Kreuzers „Hermione" die Docks und den Hafen von Barrow bewacht. Auch die Forts des Dockbassins stehen unter scharfer Kontrolle. Wenn es jemand gelänge, das Wasser des Bassins abzulassen, so würden die Kriegsschiffe, die im Hafen liegen, auf Grund laufen und schwere Havarie erleiden. Zur Ueberwachung sind die Matrosen mit scharfen Patronen ausgerüstet. Gleiche Vorsichtsmaßregeln entfalten die Marinewerke der Firma Wickerts. Der „Matin", welcher» das „Times"-Telegramm veröffentlicht, glaubt zu wissen, daß diese Vorsichtsmaßregeln nicht ohne Beziehungen zu der gegenwärtigen internationalen Spannung sind. Aus guter Quelle verlautet, daß auch in den übrigen großen Häfen und Werften ähnliche Maßregeln angeordnet worden sind.
Mißstimmung in Paris.
Paris, 9. Septbr. In Paris herrscht nicht unerhebliche Mißstimmung über die Wendung, die in den Marokkoverhandlungen eingetreten ist. Uebereinstimmend wird versichert, Deutschland fordere in Marokko nicht nur Gleichberechtigung, sondern eine bevorrechtigte Stellung gegenüber anderen Mächten. Dies zu bewilligen, sei unmöglich, weil die anderen Staaten gleiches fordern und vertragsgemäß erhalten würden, womit Deutschlands Vorrechte erlöschen müßten. Die deutschen Kaufleute und Industriellen seien so konkurrenzfähig in anderen Weltgegenden, daß Vorrechte in Marokko völlig überflüssig seien. Man befürchtet lebhaft, daß die Unterhandlungen fruchtlos sein würden, falls die deutschen Forderungen aufrecht erhalten würden. Am Quai d'Orsay wird strengstes Schweigen beobachtet. Im Ministerium des Krieges wird erklärt, die Entlassung der Reservisten erfolge in Frankreich und Deutschland gleichzeitig unter den üblichen, gleichen Umständen, daher sei das Gerede von der Wehrlosigkeit Frankreichs nach der Entlassung der Reservisten albern. Die Regierung wird den Entlassungstermin nicht ändern.
Paris, 10. Septbr. Die Agence Havas veröffentlicht folgende Note: Die deutschen Gegenvorschläge über Marokko find gestern abend angekommen; sie werfen gewisse Fragen grundsätzlicher Natur auf und erfordern eine ernsthafte und eingehende Prüfung.
Paris, 10. Septbr. Nach Meldungen verschiedener Blätter werden der Minister des Aeußeren und der Ministerpräsident sich bereits am Dienstag im Ministerrat mit der Angelegenheit der deutschen Gegenvorschläge befassen. Es macht sich der Eindruck geltend, daß eine Einigung zu Stande kommen wird.
„Kein gewöhnlicher Mensch".
In dieser bewegten Zeit, in der es Blätter aller Richtungen für ihre Aufgabe halten, sich die Zähne nicht nur an allen öffentlichen Einrichtungen zu wetzen, sondern vielmehr noch an den ersten Personen des Reiches, in einer Zeit, in der es als besonders klug und mannhaft gilt, namentlich an der Person des Kaisers Kritik zu üben und dabei nur selten wenigstens eine gewisse Objektivität gelten zu lassen, in dieser Zeit muß es besonders auffallen, wenn sich gerade im Lande unserer geborener Gegner, in Frankreich, ein Mann findet, der sich der Mühe unterzieht, der Welt ein möglichst objektives Bild von Kaiser Wilhelm II. zu geben. Der deutsche Kaiser muß gewissermaßen in Feindesland gehen, um in seiner vollen Bedeutung verstanden, ja gerecht gewürdigt zu werden.
Aus der Feder des Franzosen Arren ist jetzt ein Buch im Historisch-Politischen Verlage (Rudolf Hofstetter), Halle a. d. Saale, unter der Presse: „Wilhelm II., Was er sagt, was er denkt", von dem uns der Verlag die ersten Aushängebogen freundlichst zur Verfügung gestellt hat; und schon diese Aushängebogen lassen erkennen, um welch bedeutsames Werk es sich bei diesem Buche handelt.
Paul Adam, der bekannte französische Romanschriftsteller, Sozialdemokrat und theoretischer Anarchist, hat diesem Buche ein überschwengliches Vorwort beigegeben, das in unserem Kaiser augenblicklich sogar den Beherrscher „her ganzen alten, skandinavischen, lateinischen und slawischen Welt" erblickt. Nach dessen Auffassung find „London, Petersburg und Paris" gegenwärtig nur noch Provinzial- haupfftädte. Paul Adam fügt die Frage hinzu: „Werden sie immer in dieser Abhängigkeit bleiben?" „Es ist unwahrscheinlich", so antwortet Adam selbst; „nichtsdestoweniger besteht die Tatsache jetzt, Mitte 1911."
Daß diese Auffassung eine sehr erhebliche Uebertreibung darstellt, darüber kann ein Zweifel nicht bestehen; interessant bleibt aber jedenfalls die Tatsache, daß ein eingefleischter Republikaner, wie Adam, der in der Theorie immer die Anarchie gepredigt hat, zu solcher übertriebenen Vorstellung von der Macht unseres Kaisers gelangen konnte.
So überschwenglich Paul Adam über Wilhelm II. in dem Vorwort urteilt, so nüchtern und sachlich trägt Arren jeden einzelnen Charakterzug des Kaisers zu einem fesselnden Gesamtbilde zusammen, nachdem er in seiner Einleitung von der Vielgestalt ausgegangen ist, in der die moderne Kritik unseren Kaiser zu schildern pflegt. Arren stützt sich aber mit seinen Darstellungen auf keine Erzählungen anderer, noch auf Gewährsmänner aus der kaiserlichen Umgebung, sondern er schöpft des Kaisers Bild aus dessen Reden und^ Aeußerungen seit dem Regierungsantritt. Von des Kaisers Schwur auf die Verfassung an, von dessen erster Botschaft an sein Volk, hat Arren aus den zahlreichen Kaiserreden. Devekchen usw. hat er alles genau nach den