Hanauer K Anzeiger
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General-Anzeiger
AM-« Tyan für Siebt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Mr. 186 ^ernsprechanschlns; Nr. 230.
Amtliches.
Stadtkreis F)an au.
Bekanntmachung.
5m Anschluß an die unter dem 22. v. Mts. in Nr. 169 des »Hanauer Anzeigers" erlassene Bekanntmachung, betreffend die Untersuchung von eingeführtem Klauenvieh, weise ich darauf hin, daß der Schlachthof Hanau als weitere llntersuchungsstelle bestimmt ist und zwar für das auf dem Landwege aus dem Großherzogtum Hessen (Mainbrücke) sowie das aus Bayern eingeführte, für den hiesigen Schlachthof bestimmte Schlachtvieh, endlich für die aus dem Schlachtviehhof in Frankfurt a. M. unmittelbar mittels Wagens auf dem Landwege nach dem hiesigen Schlachthofe gehenden Schweine- und Kleinviehtransporte. Mit der Ausführung der fraglichen Untersuchungen ist der jeweilige diensttuende Schlachthoftierarzt beauftragt.
Hanau den 7. August 1911. P. 8169
Königliche Polizeidirektion.
I. B.: Karbe.
Bekanntmachung.
Die öffentlichen Arbeitsnachweise des jetzt 3 Jahre bestehenden Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbandes, der das Großh. Hessen, die Provinz Hessen-Nassau, das Fürstentum Waldeck und die Kreise Kreuznach und Wetzlar umfaßt, werden in steigendem Matze von den Interessentenkreisen, besonders der Landwirtschaft und des Handwerks, in -Anspruch genommen unb erfreuen sich dank der Mitwirkung und Unterstützung staatlicher und kommunaler Behörden, sowie öffentlicher Körperschaften, insbesondere der Landwirtschaftskammern, immermehr des Vertrauens der Interessenten. Insonderheit ist es, wie die Tätigkeitsberichte des Verbandes und der einzelnen Arbeitsnachweise beweisen, gelungen, den Arbeitsnachweis auf dem Lande zu organisieren und den besonderen Bedürfnissen des Landes schon jetzt in erheblichem Umfange gerecht zu werden. Während im Jahre 1908/1909 von den Arbeitsnachweisen in Kleinstädten im Verbandsgebiet 2440 Stellen besetzt wurden, wuchs die Zahl im Jahre 1909/10 bereits auf 10 572, das ist ein Zehntel aller besetzten Stellen im ganzen Der- bandsgebiet. Diese Tatsache ist darauf zurückzuführen, daß die landwirtschaftliche Vermittlung immer mehr von den Großstädten auf die Kleinstädte übergeht.
Um den verschiedenartigsten Bedürfnissen in den verschiedenen Teilen des Verbandsgebietes besser gerecht werden zu können, wurden fast in allen Kreisen Arbeitsnachweise ins Leben gerufen. Diese haben sich durchweg sehr gut
Insekten als Musikanten.
Eine Studie aus der heimischen Natur.
Von Alfred Schrader.
(Nachdruck verboten.)
Brütend lagert die Schwüle des Hochsommers über Feld, Wald und Wiesen; verstummt sind die bunten Frühlingslieder der Singvögel. An Stelle der tausendstimmigen Weisen der gefiederten Sänger aber belebt der millionenstimmige Chor der Insekten die Natur, der sich gerade die heißeste Zeit des Jahres zu seinem seltsamen Konzerte auserwählt hat. Die Dichtkunst weiß nicht nur vom Vogelgesange zu erzählen, sondern auch das Singen, Summen, Brummen, Zirpen und Schrillen der Insekten hat seine Verherrlichung durch den Dichtermund gefunden. So heißt es z. B. bei der Droste:
Da krimmelt, wimmelt es im Heidgezweige
Die Grille dreht geschwind das Beinchen um, Streicht an des Taues Kolophonium,
Und spielt so schäferlich die Liebesgeige.
Ein tüchtiger Hornist, der Käfer, schnurrt, Die Mücke schleift behend die Silberschwiügen,
Daß heller der Triangel möge klingen;
Diskant und auch Tenor die Flieg surrt;
Und immer mehrend ihren werten Gurt, Die reiche Katze um des Leibes Mitten,
Ist als Bassist die Biene eingeschritten.
Schwerfällig hockend in der Blüte rummeln
Das Contraviolon die trägen Hummeln.
Die Insekten haben keine Lunge und wissen doch zu singen; sie haben keinen Mund wie Säugetiere und Vögel und geben doch Töne von sich. Wie ist das möglich? Schon Aristoteles hat dem Jnsektenkonzert gelauscht und seine Beobachtungen darüber niedergelegt. In der Naturgeschichte der Tiere laut er. nachdem er den Unterschied
Freitag den IL August
bewährt, wo der Arbeitsnachweis an verkehrsreiche Orte gelegt wurde und wo der ländliche Arbeitsnachweis die Unterstützung und die Benützung der interessierten Kreise gefunden hat. Nach den vorliegenden Erfahrungen konnten eine Reihe von Arbeitskräften der heimischen Produktion erhalten werden, während sonst der stellenlose Arbeiter bei dem Fehlen einer Organisation des Nachrichtenverkehrs über die offenen Stellen im Kreise, gezwungen worden wäre, den städtischen Arbeitsnachweis, in erster Linie den großstädtischen Arbeitsnachweis, aufzusuchen.
Bei der großen Bedeutung einer geordneten Arbeitsvermittlung für die Stetigkeit der gesamten Produktionsverhältnisse, ist es notwendig, daß alle Interessenten am Arbeitsmarkt sich eines zuverlässigen und unparteiischen Organes bedienen und das ist der öffentliche Arbeitsnachweis.
Indem wir Vorstehendes zur Kenntnis bringen, ersuchen wir die Herren Arbeitgeber, sich bei Bedarf von Arbeitskräften jeder Art der hiesigen städtischen Arbeitsvermitte- lungsstelle — Langstratze 41 — bedienen zu wollen.
Besonders weisen wir noch darauf hin, daß die gedachte Stelle auch weibliches Personal, als Dienstmädchen, Putz- unb Monatsfrauen, Fabrikarbeiterinnen, Taglöhnerinnen, Kochfrauen rc., für Haus-, Land- und Eastwirtschaftsbetrieb vermittelt und diesbezügliche Aufträge jederzeit gern entgegennimmt.
Die Vermittlung erfolgt kostenfrei.
Hanau den 14. Oktober 1910. 1657
Der Magistrat.
Hild.
Konkurs verfahren.
Das Konkursverfahren über das Vermögen des Schreiners Otto Grün zu Großauheim wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben.
Hanau den 1. August 1911. 19343
Königliches Amtsgericht 5.
Jagdverpachtung.
Die Jagdnutzung in der Gemarkung Hanau und hanau-Kesselstadt soll für die Zeit vom 1. Februar 1912 bis 31. Januar 1918 öffentlich meistbietend verpachtet werden.
Die Pachtbedingungen liegen vom 15. August bis 29. August 1911 einschließlich im Rathause, Zimmer Nr. 12, offen.
Die Jagdgenossen können gegen die Art der Verpachtung und gegen die Pachtbedingungen während der Auslegefrist Einspruch beim Bezirksausschuß erheben zwischen Stimme, Ton und Sprache auseinandergesetzt hat: „Die Insekten haben weder Stimme noch Sprache, sondern bringen mittels der inneren, nicht der nach außen strömenden Luft, Töne hervor, denn seins von ihnen atmet Luft; einige summen vielmehr, wie die Bienen und die geflügelten Insekten, andere, sagt man, singen, z. B. die Zikaden. Alle diese bringen nämlich, wenn sie, wie die Zikaden, gegliedert sind, einen Ton mittels des Häutchens unter der Einschnürung durch Reiben der Lust hervor: sowohl die Fliegen, wie die Bienen, wie die anderen indem sie diese (die Luft) im Fluge heben und senken; der Ton ist nämlich eine Reibung. Die Feldheuschrecken dagegen erzeugen den Ton, indem sie mit den Springfüßen reiben." Wie man sieht, hat Aristoteles hierbei eine ganze Reihe von Irrtümer begangen, die allerdings wohl alle dem Mangel seiner Beobachtungsmittel gutzuschreiben sind. Was er über die Feldheuschrecken sagt, ist dagegen richtig beobachtet. Die Zoologen haben sich der Frage der Jnsektenstimmen angenommen und im Laufe der Zeit die meisten Fragen, die dabei auftraten, richtig beantwortet, allerdings nicht, ohne daß über manche Punkte viel und heftig hergestritten worden ist. Landois ist als einer der ersten zu nennen, der eine größere Abhandlung über die Stimmen der Insekten verfaßt hat. Seine Arbeit ist trotz mancher falscher Ansichten noch immer grundlegend. Unter den neueren sind dem, der den Jnsektenstimmen weiter nachgehen will, die eingehenden Arbeiten Prochnows unentbehrlich.
Wenn die Dichter die Lautäußerungen der Insekten mit Geigen und Fiedeln vergleichen, so sind sie durchaus auf dem rechten Wege. In der Tat sind eine ganze Reihe von Insekten als Jnstrumentalmusiker zu bezeichnen, bei denen wirklich einzelne Körperteile geigenartig arbeiten. Der bekannteste unter den Jnstrumentalmusikern der heimischen Jnsektcnwelt ist die Heuschrecke. Es ist eigentümlich, daß man von der Meinung des Aristoteles, sie brächte ihre eigentümlich schnarrenden Töne durch Reibung der Schenkel
^eensprechanschlittz Nr. 230 1911
(§ 21 Abs. 4 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907).
Der Termin der Verpachtung wird auf Samstag den 9. September 1911, vormittags 10 Uhr, im Rathause, Zimmer Nr. 1, festgesetzt.
Hanau den 8. August 1911. 19375
Der Jagdvorsteher.
politische RundTtbao.
Eine neue Rüge für die »Post". Die „Post", die alb Organ der Freikonservativen gilt, ist vor kurzem in einem hochoffiziösen Artikel der „Nordd. Allgem. Ztg." wegen ihrer Schmähungen gegen den Kaiser aus Anlaß der diplomatischen Verhandlungen in der Marokkofrage sehr scharf getadelt worden. Auch von Parteiwegen erhält das Blatt eine Rüge. Der Vorsitzende der Reichspartei, Fürst v. Hatz- feldt, Herzog zu Trachenberg, hat an den Schriftführer der Reichspartei, Neichstagsabg. Amtsgerichtsrat Dr. Brunster- mann zu Stadthagen (Schaumburg-Lippe), das nachfolgende Schreiben gerichtet! „Z. Zt. Ostende den 8. August 1911. Verehrter Freund und Kollege! Es drängt mich, Ihnen meine Meinung über den Artikel der „Post" vom 4. d. Mts. auszusprechen, worin der Verlauf der Verhandlungen über die Marokkofrage als eine nationale Schmach, viel schlimmer als Olmütz, bezeichnet wird. Dieser Artikel ist, da ich mich zurzeit auf Reisen befinde, erst nachträglich zu meiner Kenntnis gelangt. Empörend ist die Leichtfertigkeit, mit welcher über Dinge abgeurteilt wird, welche der „Post" nicht bekannt sind. Sie selbst wird nicht behaupten können, daß ihr die Details der Besprechungen zwischen dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts und dem französischen Botschafter bekannt wären. Noch schlimmer ist es, daß die Person S. M. des Kaisers hierbei in einen direkten Gegensatz zu dem Reichskanzler und dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts gebracht wird, ein Umstand, den das Ausland ausbeuten und der unserm Auswärtigen Amt die Führung der Geschäfte erschweren muß. Für das monarchische Gefühl tiefverletzend ist die Art und Weise, mit welcher, in der Form rhetorischer Fragen, über S. M. den Kaiser zu Gericht gesessen wird. Wie Ihnen bekannt ist, habe ich im Mai b. Js. Anlaß genommen, das Verhalten der „Post" in unserer Fraktion zur Sprache zu bringen. Mit dem Artikel vom 4. August hat dieses Blatt alle Beziehungen zu der Reichstagspartei unmöglich gemacht, und wird es nötig sein, nach Wiederzusammentritt des Reichstags hierüber einen Beschluß der Fraktion zu fassen und zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. Ich erwarte bestimmt, daß die Partei mir hierbei zustimmen wird. Mit kollegia- lischem Gruß Ihr ergebenster Hatzfeldt." — Die „Post" veröffentlicht eine Entgegnung auf den Brief des Fürsten Hatz- hervor, wieder abgewichen ist, und die verschiedensten anderen Körperteile des Insekts als Musikinstrument angesehen hat. Denn hierbei hatte Aristoteles vollständig recht. Tatsächlich zirpt die Feldheuschrecke, indem sie die Schenkel an den Flügeldecken reibt. An der Innenseite des Schenkels sieht man bei genauerer Beobachtung zwei Adern, von denen die eine — die obere — über die Fläche hervorragt. Die Vermutung, daß dies der Fiedelbogen des Insektes ist, bestätigt sich, wenn man das Mikroskop zur Hilfe zieht. Bei starker Vergrößerung entdeckt man nämlich gerade an der Stelle, die mit den Flügeldecken in Berührung gebracht werden kann, viele aneinander stehende Zähnchen mit abgestumpften Spitzen. Jedes Zähnchen ist in eine besondere, ringförmige Vertiefung eingesenkt, was die Elastizität erhöht. Landois gibt als Längenmaße der Zähnchen 0,045, als Breitenangabe 0,025 Millimeter, und hat einen Abstand von 0,055 Millimeter gemessen. Unter den Adern der Flügeldecken ist ebenfalls eine Längsader ausgezeichnet. Sie trägt eine scharfe, erhabene Kante, die sich an der Reibleiste des Schenkels reiben kann. Sobald das Insekt mit der bezahnten Schrillader des Schenkels über die erhabene Ader des Flügels streicht, gerät die Flügeldecke in Schwingungen. Jeder kennt das Feldheuschreckenkonzert, denn diese Tiere musizieren zur Sommerzeit zu vielen Hunderten auf den Wiesen. Man kann an einer toten Feldheuschrecke das Musikinstrument selbst zum Ertönen bringen, wenn man die beiden Adern richtig aufeinander entlang reibt, llebrigens ist nur das Männchen imstande diese Töne zu erzeugen; beim Weibchen sind sie zwar auch vorhanden, jedoch ist die Reibleiste nicht so stark entwickelt, daß sie den Flügel zum Tönen bringen kann.
Es gibt noch eine ganze Reihe von Insekten, die auf ähnliche Weise ihre Stimme ertönen lassen. Die Feldgrille, die zu den geräuschvollsten Musikern unserer Jnsektenwelt gehört, hat einen ganz ähnlichen Apparat, wenigstens der Arbeitsnachweise nach. während die Anbrinauna etwas an«