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Verantwortl. Redakteur: 6. SchreSe, ta g«tt#

Mk. 86 fWrnhn'edjanhhhtf; Nr. 230.

Dienstag den 11. April

ssernsprechairschlittz Nr. 230 1911

Dit LeMeNüMer mW anfier MntttHtWW 14 Seiten.

Amtliches. Handelsregister.

1. Firma:Mitteldeutsche Creditbank, Filiale Hanau", Zweigniederlassung der Aktiengesellschaft in Firma Mitteldeutsche Creditbank" mit Hauptniederlassung in Frankfurt am Main.

Durch Beschluß der Generalversammlung vom 9. März 1911 ist das Grundkapital (§ 5 des Statuts) um 6 000 000 Mark durch Ausgabe von 5000 auf den Inhaber lautenden Aktien im Nennbeträge zu je 1200 Mark erhöht worden. Die neuen Aktien sollen zum Kurs von 114 Prozent aus­gegeben werden. Das Grundkapital beträgt jetzt 60 000 000 Mark. Außer dem § 5 find die §§ 2, 4, 18 und 37 des Eesellschaftsvertrags bezüglich des Sitzes der Ge­sellschaft, der Pflichtblätter, Höchstzahl der Aufsichtsrats­mitglieder und Verteilung des Reingewinns abgeän­dert worden.

2. Firma:Jean Eauff".

Das Handelsgeschäft ist auf die Witwe des bisherigen Inhabers Jean Eauff, Auguste Gauf, geb. Gerhardt, zu Hanau übergegangen, welche es zu Hanau unter unver- äderter Firma fortführt. 9075

Einträge des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau zu 1 vom 3. April 1911 und zu 2 vom 5. April 1911.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 großes Taschenmesser.

Li egeng eblieb en bei Wilcke u. Co.: 1 schwarzer Pompadour und 1 schwarzbraunes Portemonnaie mit 85 Pfennig und einer kleinen Photographie; Empfangnah .,? daselbst.

Entlaufen: 1 schwarzes Huhn, 1 schwarzer Dober­mannpinscher m. Eeschl.

Zugelaufen: 1 starker Hofhund, gelb mit 4 weißen Pfoten, männl. Eeschl.; abzuholen bei Fabrikant Friedrich Kromm, Ravolzhausen.

Hanau den 11. April 1911.

politische Kunâfâao.

Zur Rückkehr in die Heimat. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Das Kronprinzenpaar trifft heute nach fünf­monatiger Abwesenheit in Potsdam ein. Der Kronprinz bringt Erfahrungen und Eindrücke heim, die von dauern­dem Wert für ihn sein werden. Neben eingehenden Studien wichtiger Kultur- und Wirtschaftsgebiete hatte der Thronfolger reiche Gelegenheit, mit seinen Lands­leuten in der Fremde und Vertretern anderer Nationen in vielfache Beziehung zu treten. Leider mußte er da­rauf verzichten, seine Reise nach Siam, China und Japan auszudehnen. Dafür konnte er eine umso genauere Kenntnis Indiens gewinnen, wo er dank der entgegen­kommendsten Aufnahme durch die englischen Behörden und Private erinnerungsreiche Monate verlebte. Die reiche herzliche Gastfreundschaft genoß das kronprinzliche Paar in Aegypten bei dem Khedive und den anglo- ägyptischen Behörden. Der glücklich verlaufenen hohen Mission, mit der der Kaiser den Kronprinzen und Ge­mahlin beim italienischen Königspaar betraut hat, folgte der Besuch des Wiener Hofs, der erneut bekundete, in wie innigen Beziehungen die beiden Kaiserhäuser ver­bunden sind. Mit besonderer Freude verfolgte Deutsch­land, mit welch warmen Sympathien der Kronprinz überall ausgenommen wurde und wie einmütig und an­erkennend das Urteil des Auslands über seine Person und sein Auftreten gelautet hat. So ist die Reise ein voller Erfolg für den Kronprinzen und ein Gewinn für Deutschland.' Zu der Rückkehr in die Heimat heißen wir das Kronprinzenpaar von Herzen willkommen.

Die Aufstellung des nächsten Reichsetats soll so beschleu­nigt werden, daß der Etat dem Reichstag noch früher zu- gehen kann als sonst, woraus gefolgert wird, daß die Reichs­tagswahlen doch erst im Februar stattfinden werden.

Der Nationalliberale Hauptverein für Oldenburg erklärt in derNordwestdeutschen Morgenzeitung", daß der natio­nalliberale Parteiausschutz in Berlin mit ihm keine Füh­lung genommen habe und datz er sich durch die Berliner Ab­machungen in keiner Weise gebunden fühle. Die National­liberalen erklären wiederholt, datz Re unter keinen Um»

ständen im Wahlkreis Oldenburg stch mit den Freisinnigen vereinigen würden, daß sie vielmehr an einer Sonderkandi­datur unbedingt festhielten.

Die Rede des Kardinals Kopp im Herrenhause war von dem Bestreben erfüllt, die päpstlichen Dekrete, die so viel Unruhe in Deutschland hervorgerufen haben, als rein kirch­liche Angelegenheiten hinzustellen und nachzuweisen, daß sie nichts neues enthalten. Der Kardinal machte aber einige bei aller Vorsicht doch deutliche Zugeständnisse an den von der preußischen Regierung eingenommenen Standpunkt. Zu­nächst gab er ohne weiteres zu, daß es besser gewesen wäre, wenn die Kurie vor Erlaß der Vorschriften über den Anti­modernisteneid die preußische Regierung verständigt hätte. Anlaß dazu war besonders bei den Geistlichen vorhanden, die als Professoren der katholischen Fakultäten und als Schullehrer im Staatsdienste stehen. Ferner erkannte der Kardinal an, daß bei Ausführung des Dekrets über die Kin­derkommunion die staatliche Schulordnung unbedingt zu respektieren sei. Die preußischen Bischöfe scheinen auch die Kurie hierauf aufmerksam gemacht zu haben; denn es ist, wie der Kardinal mitteilte, die päpstliche Weisung er­gangen, daß die Bischöfe diese Angelegenheit in voller Ein­tracht mit den Staatasbehörden behandeln sollen. Endlich suchte der Herrenhausredner auch die neuen Vorschriften über die sog. amotio, die Versetzung der Pfarrer, ihres be­denklichen Charakters zu entkleiden; im Grunde werde alles beim alten bleiben. Der Redner schloß mit der Versicherung, daß der Episkotat bestrebt sein werde, die Ausführung kirch­licher Anordnungen mit den Aufgaben, Interessen und Kom­petenzen des Staates in Einklang zu bringen. Die Rede im ganzen beweist, daß die Bischöfe die schwierige Lage aner­kennen, in die unsere katholischen Mitbürger durch das ein­seitige Vorgehen der Kurie geraten find. Die neuen Vor­schriften mußten in Deutschland Unruhe und Gefahren für den konfessionellen Frieden um so mehr erzeugen, als hier die Erscheinungen, gegen die sie gerichtet find, in viel ge­ringerem Maße bestehen als anderswo, und das paritätische Zusammenleben von Katholiken und Protestanten besondere Rücksicht erfordert. So sehr man auch die milde Tendenz der Rede Kopps anerkennen mag, so war es doch gut, daß der Kultusminister v. Trott zu Solz von den Darlegungen, die der Ministerpräsident und er selbst im Abgeordneten­hause über die allein von der Kurie geschaffenen neuen Rei- bungsslächen zwischen katholischer Kirche und Staat gemacht hatte, nichts zurücknahm. Der preußische Episkotat mag durch die Tat zeigen, daß er willens und imstande ist, weiteren Schaden zu verhüten!

Der König von Württemberg hat, wie neulich schon der Prinzregent von Bayern, die Tätigkeit der Presse bei der Silbernen Hochzeit anerkennend gewürdigt. Dem Vorsitzenden des württembergischen Journalisten- und Schriftstellervereins, Redakteur Heller, ging ein Schreiben des Kabinettschefs v. Soden zu, in dem mitgeteilt wird, daß das Königspaar fteudig und wohltuend durch die Art und Weise berührt worden sei, in der die gesamte durch den Verein vertretene Presse der Feier gedacht und damit das ihrige dazu beigetragen habe, den Tag zu einem festlichen und volkstümlichen zu gestalten.

Das künftige deutsch-russische Handelsverhältnis. Im russischen Reichsrat erinnerte der frühere Handelsminister Timirjasew daran, daß im Jahre 1917 der Handelsvertrag mit Deutschland abläuft. Er wies auf die Notwendigkeit der Vorarbeiten zu einer Revision des Vertrages hin und betonte, daß Deutsckchland jetzt selbst Roggen ausführe und sogar nach Rußland, was früher nie geschehen sei. Es be­stehe eine vollständige wirtschaftliche Hegemonie Deutsch­lands gegenüber anderen Staaten. Deshalb befürworte er, sich in allen Zweigen der Volkswirtschaft Deutschland zum Vorbild zu nehmen. Der Großindustrielle Rotwand führte aus, die Staatsfinanzen Rußlands seien jetzt so glänzend, daß der Staat im Laufe von zehn Jahren keine Anleihen und auch keine Erhöhung der Steuern benötigen werde und dennoch nicht nur die ordentlichen, sondern auch die außer­ordentlichen Ausgaben decken könne. Der Finanzminister betonte, daß eine lleberbürüung des Volkes nicht statfinde, da die Ersparnisse des Volkes im Wachsen begriffen seien. Im Jahre 1876 seien sie hundertsechzig mal geringer als in Deutschland gewesen. Jetzt seien sie nur vier mal geringer. Der Zufluß von ausländischem Kapital sei für Rußland unumgänglich, stoße aber leider in der öffentlichen Meinung auf Widerstand.

Im russischen Ministerrat legte der Handelsminister ein Projekt einer in Petersburg zu errichtenden russisch-japa­nischen Gesellschaft vor, deren Aufgabe die wirtschaftliche Annäherung beider Länder und die Erforschung der beider­seitigen Kulturverhültnisse sein soll.

Die Reichsduma hat die Ergänzungskredite in Hohe a» 15% Millionen Rubel für das Kriegsminfterium zur Deckung von Lieferungsforderungen bewilligt. Der Reichs­rat hat gestern die Beratung des Budgets beendet und die Einzeletats größtenteils mit den von der Reichsduma fest­gesetzten Summen angeordnet.

Stolypins Kampf gegen das Parlament. Wie das Berl. Tagebl." aus Petersburg zu melden weiß, nimmt die Spaltung in der Oktobristenfraktion immer mehr zu. Man spricht schon von 18 Mitgliedern, die sich vom linken Flügel abgespaltet haben sollten, um eine neue Gruppe zu bilden. Ueber Stolypins Position sind die Stimmen sehr geteilt; viele ernsthafte Abgeordnete find der Meinung, daß der Rücktritt nur eine Frage der nächsten Zeit sei, während auf der rechten Seite die Ueberzeugung herrscht, daß Stoly­pin sich höchstens bis zum Herbst halten könne.

Die Tschechen in Wien. Von tschechisch-nationaler Seite wird seit Jahren hartnäckig der Versuch gemacht, Wien al- zweitgrößte slawische Stadt Oesterreichs zu erklären. Zu diesem Behufe wurde vom Tschechenlager die Nachricht ver­öffentlicht, daß in Wien mehr als eine halbe Million Tschechen leben. Dies ist vollkommne unwahr. Im Jahre 1890 bekannten sich in Wien nur 63 834 Einwohner zur tschecho-slowakischen Nationalität. Diese bescheidene Zahl wuchs im folgenden Jahrzehnt, also bis zum Jahre 1900, auf 102 974. Es ist dies die größte Zahl, die jemals in Wien erreicht wurde und findet im folgenden ihre Erklär­ung. In diesem Jahrzehnt wurde nebst anderen öffentliche« Bauten das Stadtbahnnetz gebaut. Es fand nun damals seitens der tschecho-flowakischne Taglöhner, Bahnarbeiter, Handwerker usw. ein größerer Zuzug nach Wien statt. Im letzten Jahrzehnt hat die allgemeine Bautätigkeit etwas nachgelassen und die jüngste Volkszählung meldet nur mehr 93 400 in Wien lebende Tschechen und mährische Slowaken. Es ist dies bei einer Einwohnerzahl Wiens von etwa 2 090 000 kein beunruhigendes Zeichen. Auch die Differenz von ca. 4574 Tschecho-Slowaken findet einerseits darin ihr« Erklärung, daß bei allen öffentlichen Arbeitsgelegenheiten deutschsprachige Elemente vorgezogen werden, andererseits aber allerdings der geringste Prozentsatz wirdder Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb" deutsch kultiviert.

Finnlands Adresse an den Zaren. Die im finnischen Landtag vorbereitete Adresse an den Zaren, die einen letz­ten Versuch bildet, die Finnland drohenden Gefahren abzu­wenden, ist soeben nach langer Debatte vom Landtag ange­nommen worden. Mit dem im vorigen Sommer von der Reichsduma genehmigten Finnlandsgsetz, das die Gesetz­gebung für das Eroßfürstentum nach Petersburg verlegt, hat die russische Regierung ein Mittel erhalten, die Rusfi- fizierung Finnlands in wirksamerer Weise, als es früher möglich war, durchzuführen. Darum gilt es nun für Finn­land, dem Zaren in eindringlicher Weise Kenntnis von der Stimmung der Bevölkerung zu geben, und in der Adresse wird auch unumwunden ausgesprochen, daß die Verfaffungs- konflikte nicht durch Machtsprüche gelöst werden könnten, und daß das finnische Volk an den von den Monarchen be­stätigten Grundgesetzen des Landes festhalten müsse. Auch die Führerer der verschiedenen Parteien beriefen stch in der Debatte mit Entschiedenheit auf die alten Rechte Finn­lands. Der bekannte Politiker, frühere Senator Mechelin, erklärte, die russische Macht habe keine Aussicht, das Finn­landsgesetz vom Juni 1910 zur Geltung zu bringen. Höch­stens würde es rechtliche Verwirrung, Konflikte und Seihen aller Art herbeiführen. Mit dem Finnlandsgesetz solle das finnische Volk in eine provinzielle Stellung ge­bracht und mit dem russischen Volk verschmolzen werden. Aber dies Ziel sei unerreichbar, unb welche Aufopferungen und Leiden auch erforderlich wären, die Durchführung des Gesetzes zu verhindern, so müßten die Opfer gebracht wer­den. Aehnlich sprach sich auch Professor Danielson-Kalmari von der altfinnischen Partei aus. Nur die Sozialdemo­kraten wollten nichts von der Adresse derbürgerlichen" Parteien wissen und hatten eine weit schärfere Fassung ver­langt. Es zeigt sich daher die für Finnland charakteristisch« Erscheinung, daß der Landtag selbst in dieser wichtigen Sache uneinig ist, da die Adresse nur mit 109 gegen 72 Stimmen zu Stande kam, während der Landtag 200 Mit­glieder zählt.

Die Kämpfe an der montenegrinischen Grenze. Aus Ce- tinje, 10. April, wird berichtet: Sämtliche aktiven monte­negrinischen Offiziere wurden nach der Grenze komman­diert. Der Führer des albanessichen Ausstandes in Monte­negro ist mit 300 bewaffneten Kriegern bei Andrijevitza auf türkischen Boden übergetreten. In Podgoritza find 60 verwundete albanesische Soldaten angekommen. Die jüngste große Niederlage der türfischen Truppen bei Tuzr wird Don