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Hanauer K Anzeiger

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Mittwoch den 10. Mai

F-rnfpr-chartfthlutz Nr. 230 1911

Anttliches.

Stadt- und Eandkrds Ranau.

In der letzten Zeit sind aus dem Publikum häufig be­gründete Klagen über das Verhalten der Radfahrer geführt worden. Abgesehen von dem zu schnellen Fahren und dem Fahren ohne Laterne nach Einbruch der Dunkelheit, sowie unrichtigem Ausweichen und lleberholen wird am meisten das Verbot des Befahrens der Bankette nicht beachtet, ins­besondere weicht auch ein großer Teil der Radfahrer den auf den Banketten gehenden Fußgängern nicht aus.

Ich nehme hieraus Veranlassung, die Radfahrer erneut auf genaues Innehalten der für den Radfahrverkehr be­stehenden Vorschriften hinzuweisen. Die Polizeiorgane sind angewiesen, auf die strikte Innehaltung dieser Vorschriften ihr besonderes Augenmerk zu richten.

Dis Herren Bürgermeister des Landkreises ersuche ich, Verstöße gegen die Polizeiverordnung über den Radfahr- Verkehr vom 2. Juni 1908 nachdrücklich zu bestrafen.

Hanau den 9. Mai 1911. P. 5303

Der KLnigl. Landrat und Polizeidirektor.

J.V.: Karbe.

Aufgebot!

1. Der Privatmann Johann Peter Georg Nicolay in Hanau und

2. die Erben des verstorbenen Metzgers Friedrich Jakob Horst von Hanau

haben das Aufgebot der Teilhypothekenbriefe beantragt, welche für die Anteile des Antragstellers zu 1 und für den Erblasier der Antragsteller zu 2 in Höhe von je 333% Mk. von der in Band 14 Artikel 793 auf den Grundstücken Abt. I Nr. 1 und 2 des Goldarbeiters Martin Rumpf und Frau Anna Maria, geb. Steigerwald in Großauheim in Abt. III Nr. 1 des Grundbuches von Großauheim eingetragenen Hypothek von 1000 Mk. Darlehen nebst Zinsen gebildet find.

Der Inhaber der Urkunden wird aufgefordert, spätestens in dem auf

den 16. November 1911, vormittags 9 Uhr,

vor dem unterzeichneten Gericht anberaumten Aufgebots­termine seine Rechte anzumelden und die Urkunden vorzu­legen, widrigenfalls die Kraftloserklärung der Urkunden erfolgen wird.'

Hanau den 3. Mai 1911. 11487

Königliches Amtsgericht 5.

Grundstücksverpachtung.

Die domänenfiskalischen Einzelgrundstücke in der Ge­markung von Niederdorfelden in der Gesamtfläche von ,52,5641 Hektar sollen vom 1. Januar 1912 ab anderweit auf 12 Jahre öffentlich meistbietend verpachtet werden.

Termin hierzu wird auf Dienstag den 16. d. M., vor­mittags von 7% Uhr ab, in dem Saale der Hohlhorst'schen Wirtschaft in Niederdorfelden anberaumt.

Hanau den 8. Mai 1911. 11503

Reinhardt, Domänenrentmeister.

Politische Rundschau.

Das vorläufige Einnahmeergebnis der neuen Reichs- steuern. Die Verkehrssteuern, Stempelsteuern und Erb­schaftssteuer, durch die im Reich die aus dem Massen­verbrauch gedeckten Steuern ergänzt werden, haben, so schreibt dieNeue Polit. Korresp.", nach dem vorläufigen Einnahme-Ergebnis des Rechnungsjahres 1910 269,2 Millionen Mark aufgebracht und damit den Etatsansatz erheblich überstiegen.

Der Wahlkreis Bassermanns, Rothenburg-Hoyerswerda, hat einen Wechsel in der liberalen Kandidatenfrage ge­bracht. In einer neuerlichen Vertrauensmänner-Versamm­lung der Fortschrittlichen Volkspartei wurde nämlich be­schloßen, den Berliner Stadtverordneten Karl Goldschmidt, den Vorsitzenden der Gewerkvereine Hirsch-Duncker, als Kandidaten zu proklamieren, nachdem Gutsbesitzer Scheuer­mann-Nikolassee die Uebernahme der Kandidatur nach­träglich abgelehnt hatte. Die Nationalliberalen gaben vorläufig persönliche Erklärungen dahin ab, daß sie auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichten werden.

Marokko. Offizielle Nachrichten aus Wadai melden die Besetzung Aradas. Die Einrichtung dieses Postens war notwendig wegen der Einfälle von Banden, die am

18. Februar in Arada den Mahamiden taufend Kamele geraubt, am 2. März das Lager bei Kadina im Norden Aradas angegriffen und zehn Araber getötet hatten. Andererseits wird gemeldet, daß Alar Dinar zwei Raub­züge im Dar-Tama-Etzbiet unternommen, Ende Januar zwölf Dörfer verbrannt, Frauen und Kinder geraubt und 4000 Rinder gestohlen habe.

Der Kaiser in Metz.

Metz, 9. Mai. Auf dem Wege hierher hat der Kaiser die Werke der Ostfront besichtigt. Auf dem ganzen Wege von Straßburg bis Metz wurde der Kaiser überall aufs herz­lichste begrüßt. An dem Mahle beim Vezirksprästdenten nahmen außer dem Gefolge u. a. teil: Statthalter Graf Wedel, der kommandierende General v. Prittwitz und Eaff- ron, der Gouverneur von Metz, Generalleutnant v. Oven, Eeneralinspèkteur Generalleutnant Mudra, Bischof Benz- ler, der Präsident des reformierten Konsistoriums, Pfarrer Hoffet, der Präsident des Landesausschusses, Staatsrat von Jaunez, Bürgermeister Dr. Foret, Polizeipräsident Baum­bach v. Kaimberg, Landrat a. D. Dr. v. Haniel. Nach dem überreichte der Bezirkspräfident Graf Zeppelin-Aschhausen als Vorsitzender der Gesellschaft Mr lothringische Altertums­kunde dem Kaiser das Jahrbuch der Gesellschaft, ferner eine Schrift des Obersten Schramm über Rekonstruktion griechi­scher und römischer Geschütze, sodann zwei Faksimilia von neugebundenen lothringischen Urkunden, von denen die eine einen der ältesten Wiegendrucke darstellt. Die beiden Fac- similia sind dadurch selten, daß sie das farbige lothringische Wappen haben. Der Kaiser nahm ferner aus den Händen des Archivdirektors Hauviller deffen Schrift:Elsäffisch- Lothringische Verfaffungs- und Verwaltungswünsche im 18. Jahrhundert" entgegen und sah zwei Modelle des Prof. Sauer-Karlsruhe für das kaiserliche Wappen, das der Kaiser der Münze in Vic überweisen will. Die große mili­tärische Uebungs die gestern abend begonnen hatte und über Nacht fortgesetzt worden war, fand heute vormittag gegen 9 Uhr ihren Abschluß in der Gegend zwischen St. Pri­vat und Saulny, nachdem von 7 Uhr ab heftiges Feuerge­fecht stattgefunden hatte. Der Kaiser hatte um halb 7 Uhr im Automobil das Generalkommando verlaffen und war bei der Feste Lothringen zu Pferde gestiegen. An die Uebung schloß sich nach der Kritik durch den Kaiser ein Vorbeimarsch der beteiligten Truppen in der Nähe der Feste Lothringen. Das Wetter ist sehr schön.

Schließung des LandesausWnsses.

Straßburg i. E., 9. Mai. Zu Beginn der heutigen Sitzung des elsaß-lothringischen Landesausschuffes verlas sein Präsi­dent v. Jaunez eine Erklärung gegen die in derKöln. Zeitung" schon besprochene Erklärung des Metzer Polizei­präsidenten Baumbach v. Kaimberg unb des Straßburger Kreisdirektors Frhrn. v. Gemmingen in derStraßburger Post". Die beiden Beamten hatten dort die beleidigende Art, wie sie im Landesausschuß von den Abgeordneten Wetterle und Blumenthal angegriffen worden waren, der Oeffentlichkeit mitgeteilt und dem Präsidium vorgeworfen, es habe seiner Pflicht, die Beamten gegenüber den Angriffen der außerhalb des Hauses nicht verfolgbaren Abgeordneten zu schützen, nicht genügt. Auf diese Erklärung antwortete der Präsident des Landesausschuffes heute feierlich, er habe keinen Anlaß gehabt, zu Gunsten der Beamten einzugreifen und die Angriffe der Abgeordneten namentlich auf die Per­son des Metzer Polizeipräsidenten zurückzuweisen. Nach dieser Erklärung erhob sich der Staatssekretär Frhr. Zorn von Bulach und verlas eine Allerhöchste Botschaft, die den Landesausschuß mit Berufung auf einen Bericht des Statt­halters vom 6. d. M. schließt. Der Staatssekretär erklärte sodann auf Grund dieser Kabinettsorder und im Auftrage des Statthalters die 33. Tagung des Landesausschuffes für geschloffen. Der Präsident v. Jaunez brachte ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus und die Abgeordneten entfernten sich. Wie der Straßburger Mitarbeiter derKöln. Ztg." mitteilt, war der Eindruck dieser richtigen Antwort aus das Verhalten des Landesausschuffes sichtlich stark, und es ist unzweifelhaft, daß man sich im Reiche des kaiserlichen Ent­schlusses freuen wird. Die halb alberne, halb frivole Art, wie die Abgeordneten mit den Vertretern der Regierung und den höchsten Beamten des Landes umsprangen, hat dem Fasse den Boden ausgeschlagen; darüber hinaus boten die Verhandlungen dieses kleinen Parlamentes ein so klägliches Bild, daß man im Interesse des Reichslandes hoffen muß, der elsaß-lothringische Landesausschuß, der den Etat übri­gens kürzlich verabschiedet hat, habe mit der heutigen Sitzung sein Leben geschloffen und werde einem besseren Ge­bilde Platz machen. Die Aussichten, daß eine Einigung zwi­schen Parteien und Regierung in der reichsländischen Ver-

faffungsfrage erzielt wird, haben nach der gestrigen Eini­gung bei der unverbindlichen Besprechung durch die heuti­gen Verhandlungen in der Kommission einen neuen Stoß bekommen. Ueber die Zusammensetzung der Ersten Kammer ist man zu keiner Einigung gekommen, und die Reichspartei droht, wenn man ihre Sprachenanträge verwerfe, sich ge­meinsam mit den Konservativen vom Schauplatz zurückzu­ziehen. Man hat deshalb keinen Anlcch, der Entwicklung der Dinge allzu opttmistisch zuzusehen.

Mexiko.

Washington, 9. Mai. Der Umstand, daß Madera an­scheinend die Kontrolle über sein halborganisterteS Rebellen« Heer verloren hat, erweckt hier dir größte Beunruhigung. Wie aus San Diego gemeldet wird, haben die Aufständischen einen Teil der eingenommenen mexikanischen Grenzstadt Tia Juana niedergebramrt. Auf beiden Seiten sind schwere Ver­luste zu verzeichnen.

El Paso, 9. Mai. Bei dem Angriff auf Jaarez ent» wickelte sich ein heftiger Straßenkampf, " Die Aufständischen drangen in die Hauptstraßen von allen Seiten ein, um die Verschanzungen zu stürmen. Die Verteidiger feuerten aus Fenstern und Haustüren. Der Kommandant ließ in den Hauptstraßen Geschütze und Maschinengewehre aufpflanzen. Darauf zogen sich die Aufständischen auf die hügeligen Teile der Stadt zurück. Mc Zahl der Toten wird jetzt bereits auf 300 geschätzt, darunter 15 amerikanische Mitkämpfer. Oberst Steever ist angewiesen, sein Möglichstes zur Durch­führung der Reutralitätsgesetze zu tun und die Amerikaner von der Fenerzone fernzuhalte«. Alle Dächer sind mit Zuschauern angefüllt.

Sa« Diego, 9. Mai. Die Aufständischen nahmen die Stadt Tiajuana heute morgen gegen 4 Uhr ein.

Parlamentarisches.

Die Abgeordnetenhauskommiffion für das Ausführungs­gesetz zum Reichswertzuwachssteuergesetz nahm ihre Be­ratungen beim § 4 der Vorlage wieder auf. Des längeren wurde die Frage der Beteiligung der Kreise und der Euts- b^zirks an den Erträgnissen ' der Wertzuwachssteuer er­örtert. Die Abstimmung ergibt, daß den Kreisen ein Viertel und den Gemeinden drei Viertel von den den Gemeinde- verbänden zustehenden 40 Prozent des Ertrages Zufällen soll. Den Kreisen bleibt es über lassen, den auf sie entfallen­den Anteil für öffentlich rechtliche Verpflichtungen der Ge­meinden unb Gutsbezirke zu verwenden.

In der Budgetkommission des Reichstages wurde gestern die Diamantenfrage erörtert. Der Staatssekretär des. Reichskolonialamtes bejahte folgende Fragen eines Zen-, trumsabgeordneten, die dieser schon früher zum Vergrezeß von 1908 an das R eichskolonialamt gestellt hatte: 1. Hat die Kolonialgesellschaft auf alle Hoheitsrechte bei Annahme ihres Vertrages verzichtet? 2. Kann der Fiskus im Gebiet der Gesellschaft Bergbau betreiben? 3. Kann der Fiskus eine Sperre über diese Gebiete verhängen? Kann der Fis­kus im Gebiete der (Äsellschaft für sich Gebühren erheben? Der Redner wünscht für die Vertretung der Interessen der Produzenten eine Mineukammer mit dem Sitze in Lüderitz­bucht; die Regierung solle dafür Sorge tragen, daß eins solche Institution möglichst bald ins Leben gerufen werde. Der Staatssekretär bezeichnet diesen Gedanken als durchaus gesund. Schließlich findet eine von Vertretern aller Parteien beantragte Resolution folgenden Wortlauts einstimmig«! Annahme:Der Reichstag wolle beschließen: Der Reichstag spricht die Erwartung aus, daß gemäß den Erklärungen des Reichskolonialamts, mit denen sich der Reichstag einverstanden erklärt, eine Organisation der Schürfer in Eüdwestaftika und deren Anteilnahme an der Diamantenbeförderung bald vollzogen werde." Mitt­woch: Fortsetzung der Baumwollfrage.

Die Schiffahrtsabgabenlommksfion des Reichstages be­riet gestern zunächst den § 9, der den Ertrag der Abgaben gemeinsamen Stromkaffen überweisen will; von diesen wird der Ertrag an die Verbandsstaaten im Verhältnis ihrex nach 88 2 und 4 zu deckenden Aufwendungen verteilt. Dev § 0 erhält auf Antrag des Referenten Dr. Am Zehnhoff (Zentr.) folgenden neuen Absatz 2:Die Bundesstaaten haben keinen Anspruch auf vollen Ersatz ihrer im Schiff» fahrtsinteresse aufgewandten Strombaukosten; ihr Anspruch geht nur auf die Zuwendung eines diesen Kosten ent­sprechenden Anteils an den Einnahmen der Strombau« kassen." In dieser Fassung wurde § 9 angenommen, § IQ bleibt unverändert.