Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei der verein, w. Waisenhauses in Hanau.
AMihtr GkW fit Mi- und Landkreis Smu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Die tzgèfpslken« Petitzeile oder deren Rasa SO WA im ReNamenteil die Zell« 45 Pfg,
verantwort!. Redakteur: T. Schrecker in Hamm.
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Donnerstag den 9. März
^ernsprechanschlusr Nr. 230
1911
Amtliches.
Stadtkreis Ranau. Bekanntmachttttft.
Gesuche um Gewährung von Schulgeldbeihilfen zu dem Schulgeld der Oberrealschule, oer höheren Mädchenschule, der Mittelschulen und der kaufmännischen Fortbildungsschule sind bis zum 25. März 1911 auf Zimmer 14 des Rathauses anzubringen.
Später eingehende Gesuche finden keine Berücksichtigung mehr.
Beihilfen werden nur gewährt, wenn der Schüler gute Leistungen in der Schule aufzuweisen hat und die Familien, and Bermögensverhältnisse der Gesuchsteller die Gewährung einer Beihilfe rechtfertigen.
Gesuche, bei denen diese Voraussetzungen nicht vorliegen, werden abgelehnt.
Hanau den 2. März 1911. 5811
Der Magistrat.
Hild.
Bekanntmachung.
Gesuche um Gewährung von Schulgeldbeihilfen zu dem Schulgeld der Oberrealschule, der höheren Mädchenschule und der Mittelschulen aus der Pedro Jung'schen Stiftung sind bis zum 25. März er. auf Rathaus, Zimmer 14, anzubringen.
Später eingehende Gesuche finden keine Berücksichtigung mehr.
Diese Schulgeldbeihilfen, welche als Prämien anzusehen KnL, werde« nur solchen Schülern zuteil, die durchweg gute Leistungen in ihrer Schule aufzuweisen haben.
Hanau den 2. März 1911. 5809
Das Kuratorium der Pedro Jung'schen Stiftung.
Hild.
Bekanntmachnng.
Die Ordnung vom 22. August 1899 betr. die Erhebung einer Gemeindesteuer von Wild und Geflügel für den Bezirk der Stadt Hanau wird vom 1. April d. Z. ab aufgehoben.
Hanau den 3. März 1911. 5837
Der Magistrat.
3. A.. Vartmus.
Bekanntmachung
Es wird beabsichtigt, den hiesigen öffentlichen Arbeitsnachweis auch für die Vermittelung von Lehrstellen aller Berufe kostenfrei nutzbar zu machen.
Wir richten deshalb an alle Interessenten das Ersuchen, ihren Bedarf an Lehrlingen bei der städtischen Arbeitsver- mittelungsstelle — Langstraße Nr. 41 hier — anzumelden.
Ebenso werden Eltern und Vormünder ersucht, sich zur
Stadttheater in Hanau.
Der Compagnon.
Lustspiel in 4 Akten von Adolf L'Arronge.
Anläßlich des Geburtstages des populären produktiven Schriftstellers Adolf L'Arronge verstand sich die Direktion unserer Bühne darauf, sein Lustspiel „Der Compagnon« wieder einmal nach jahrelanger Pause in den Spielplan einzuverleiben, um gleichzeitig damit einem wohltätigen Zweck Genüge zu leisten, indem die fällige Tcmtième des gestrigen Abends der Adolf L'Arronge-Stiftung zugedacht ist. Obschon die Première des gelungenen Lustspiels schon mehrere Jahrzehnte zurückliegt, sichern sonniger, urwüchsiger Humor, verbunden mit lebenswahren natürlichen Stimmungsmomenten demselben immer noch bis zum heutigen Tage eine unverkennbare aktuelle Beständigkeit. Die eigenartige Kunst des Autors in diesem Lustspiel besteht fernerhin in dem Geschick, Situationen zu erfinden, die nur die lächerlichen Seiten der Menschen in den Vordergrund treten lassen; Ueberraschungen aller Art mit der Handlung zu verflechten, damit sie sich verwickele und uns bis zum Schlüsse in Spannung erhalte, wie sich das seltsame und doch ungefährliche Durcheinander wohl lösen werde. — Wir sind in der angenehmen Lage über eine recht gelungene Vorstellung (Regie Herr Schneider) berichten zu können. Mit der Wiedergabe des biederen Fabrikanten „August Voß" traf Herr Schneider den Nagel auf den Kopf. Die Treuherzigkeit dieses schlichten, jovialen Menschen, die drollig-verhaltene Schalkhaftigkeit, das urwüchsig auflodernde Temperament, alle diese »auniLlachett Züge wußte der Künstler zu einem Ganzen
Erlangung von Lehrstellen der Nermittelungsstelle bedienen zu wollen, die Anmeldungen jederzeit gern entgegennimmt.
Hanau den 31. Oktober 1910. 1119
Der Magistrat.
Hild.
Attsschreiben.
Der Bedarf an Lebensmitteln, wie Fleisch, Brot, Milch, Butter und sonstigen Bedürfnissen, wie Kolonialwaren, Seife usw. für das städtische Pflegehaus für die Zeit vom 1. April 1911 bis 31. März 1912 soll vergeben werden.
Die Angebote sind bis zum 15. März d. I., vormittags 13 Uhr, in Zimmer Nr. 2 des Armenamtes, Rathaus, Lang, straße Nr. 43, abzugeben, wo auch die Lieferungsbedingungen in der Zeit von 8—12 Uhr vormittags aufliegen.
Im laufenden Jahre betrug der Verbrauch des Pflege- Hauses u. a. etwa 5550 Laibe Brot zu 1,125 Kilogr., 17 000 Brötchen, 450 Kilogr. Ochsenfleisch, 70 Kilogr. Kalbfleisch, 320 Kilogr. Schweinefleisch, 45 Kilogr. Speck, 560 Kilogr. verschiedene Wurstwaren, 150 Kilogr. Schmalz, 125 Kilogr. Nierenfett, 50 Kilogr. Lungen, 265 Kilogr. Mehl, 80 Kilogr. Erbsen, 70 Kilogr. Linsen, 70 Kilogr. Bohnen, 185 Kilogr. Kaffee, 185 Kilogr. Malz, 130 Kilogr. Nudeln, 110 Kilogr. Reis, 50 Kilogr. Gries, 40 Kilogr. Hafergrütze, 55 Kilogr. Graupen, 30 Kilogr. Sago, 32 Kilogr. Grünkern, 5 Kilogr. Tee, 80 Liter Essig, 50 Liter Speiseöl, 215 Kilogr. Zucker, 3750 Liter Milch, 225 Kilogr. Salz, 100 Kilogr. Backobst, 450 Kilogr. Butter, Limburger- und Edamerkäse, 640 Stück Eier, 1050 Stück Handkäse, 130 Stück Bücklinge, 550 Stück Heringe, 30 Kilogr. weiße, 105 Kilogr. gelbe, 260 Kilogr. Schmierseife, 50 Kilogr. Soda, 325 Liter Petroleum, 75 Kilogr. Sand, 60 Dosen Wichse und Schuhfett, 15 Dosen Putzpomyde usw.
Hanau den 1. März 1911. 5711
Der Magistrat.
Hlld. ____
Stehen geblieben im Stadttheater: 1 Herr eirund 1 Damen-Regenschirm. Abzuholen bei der Armenverwaltung.
Hanau den 9. März 1911.
Politische RtmdTchau*
Der Kaiser stattete gestern Bremen einen kurzen Besuch ab und begab sich dann nach Kiel.
Der Reichstag trat gestern in die zweite Lesung des Postetats ein. (Den Bericht siehe in der Beilage.)
Zn der Schiffahrtsabgabenkommission des Reichstags trat der preußische Verkehrsminister von Breitenbach scharf einem von den Nationalliberalen und Freisinnigen gestellten Kompromißantrag Junck entgegen.
Die Reichstagskommission für das Kurpfuschereigesetz beschloß gestern, die unentgeltliche Behandlung mittels mystischer Heilverfahren (Gesundbeten, Besprechen, Spiritismus, Sympathie usw.) zu verbieten.
von glaubhafter' Echtheit zu vereinen. Frl. Hammer als die überlegene, vernünftige „Mathilde« verschmähte in wohlberechneter Weise die große Geste und wirkte durch ihre maßvolle Natürlichkeit und Schlichtheit sehr sympathisch. Ueber die „Adele« des Frl. Rubens können wir ebenfalls ein recht günstiges Urteil fällen. Infolge bestimmten Auftretens, sowie munteren, glaubwürdigen Spieles, verlieh die begabte Darstellerin dieser putzsüchtigen, verliebten Frauennatur diejenigen Eigenschaften, die zu einer sehr abgerundeten und gut gelösten Leistung führten. Zwei dargereichte hübsche Blumenbuketts versetzten Frl. Rubens in sichtliche Freude. Als Darsteller des „Oscar Schumann" verstand Herr Freytag das erforderliche behende Wesen zur Schau zu bringen. Mit der Auffassung des Herrn Max Grundmann als der schroffe, polternde Pessimist „Bernhard Voß" konnten wir uns sehr befreunden, indem der Darsteller ein bestimmtes Auftreten und vor allem eine distingierte, eindringliche Spielweise recht löblich an Tag legte. Auch die gewählte Maske fanden wir sehr charakteristisch. Die verliebte, wackere „Marie» stellte Frau Schneider-Sieg ganz vorzüglich auf die Bretter, indem sie die wohltuende Frische vereint mit einer höchst wirksamen Dosis angenehmen Humors für diesen Charakter vorbildlich entwickelte. Herr Hell gestaltete den begeisterten Dichterphantasten und Schwärmer „Ferdinand Winkler« mit glücklicher Gewandheit und Drolerie, Frl. N a t h u s i u s, die aufopfernde, weichherzige „Witwe Lerche" mit wohltuender Natürlichkeit und Dezenz. Schließlich konnte man mit dem Gemütsmenschen eines Hausdieners „Friedrich" des Herrn Droz-Dupont und der heiratslustigen „Wally" von Frl. Gumprecht sehr zufrieden sein. L. &
Im preußischen Abgeordnetenhaus wurde gestern di« Debatte über den Kultusetat geschlossen. Zur Frage des Modernisteneides ergriff der preußische Kultusminister noch einmal das Wort.
Zum 90. Geburtstag des Prinzregenten. Aus München, 8. März, wird berichtet: Die Festlichkeiten zum 90. Geburtstag des Prinzregenten von Bayern begannen heute mit einer Galavorstellung im Hoftheater vor geladenem Publikum. Der Zuschauerraum war festlich mit Lorbeer und Gold geschmückt. Als der Regent in der Königsloge erschien, würbe er mit begeisterten Hochrufen begrüßt und nach der Jubel- ouvertüre von Weber erneuerten sich die Ovationen. Der Huldigungsprolog von Martin Greif feierte die Tugenden des Landesvaters in schlichten, edlen Versen, die von der Hoffchauspielerin Hagen im Rahmen einer griechischen Tempelhalle, vor einer Büste des Regenten gesprochen wurde«. Der Regent, der sehr frisch aussah, blieb bis zum Schluß der Vorstellung, die dem wuchtigen Wiesenakt aus den Meistersingern ein niedliches Intermezzo, „Susannens Geheimnis", folgen ließ.
Armeebrot. In Mainz werden von dieser Woche ab für die Truppen Versuchsbrote vom Proviantamt ausgegeben. Dieselben sind von einem nach besonderem Mahlverfahren hergestellten Roggenmehl gebacken. Wenn die Brote Anklang finden, werden sie in der Armee eingeführt.
Abschaffung der Kriegshunde. Die bei den Jäger- und Schützenbataillonen gehaltenen Kriegshunde werden abgeschafft. Die Hunde sollen möglichst bald an Interessenten oder Vereine verkauft und die bei den Bataillonen bestehenden Hundezwinger abgebrochen werden. Sie haben die in sie gesetzten Hoffnungen nicht in dem Maße erfüllt, daß ihre weitere Beibehaltung gerechtfertigt wäre.
Einen schlimmen Hereinfall, so schreibt der „Dogtl. Anz. u. IgbL“, erlebte die sozialdemokratische Fraktion de« Dresdener Stadtverordnetenkollegiums. Bei der Beratung eines Gesuches der sogenannten freien Turner um Ueber» lassung der städtischen Turnhallen für ihre Zwecke würd« von jener Seite der Versuch gemacht, die freien Turner- Vereinigungen von ihren Rockschößen zu streifen., Von nationaler Seite wurde aber der Beweis erbracht, daß tatsächlich die Arbeiter-Turnvereine und Arbeiter-Sportvereine Anhängsel der Sozialdemokratie sind. Daraufhin erwiderten die sozialdemokratischen Abgeordneten im Entrüstungstone, daß solches nicht der Fall wäre. Nun erhob sich der Stadtrat und Dezernent der städtischen Schulen, Dr. Matthes, und erbrachte an der Hand des hiesigen sozialdemokratischen Organs den eklatanten Beweis, daß in einer Konferenz der Arbeiter-Sport- und -Turnvereine diese von dem sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Sindermann direkt aufgefordert worden sind, nunmehr offen Farbe zu bekennen und vor den Reichstagswahlen rührig in die Agitation der Sozialdemokratie mit einzugreifen. Auf dies« Erklärung hin wagte keiner der Stadtverordneten auf der äußersten Linken zu widersprechen, und unter großer Erregung im Kollegium wurde das Gesuch der freien Turner gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Freisinnigen abgelehnt.
Das ungarische Abgeordnetenhaus hat die Verlängerung des Privilegiums der gemeinsamen Bank endgültig ange- nontmen.
Die Mobilmachung von 20000 Mann amerikanischer Truppen gegen Mexiko hat begonnen. Der englische Botschafter in Washington hat von der amerikanischen Regierung den Schutz der englischen Interessen in Mexiko ve^ langt.
Flottendebatte in der Deputiertenkammer.
Paris, 7. März. Die Kammer nahm heute die Debatte über den Bau der beiden Panzerschiffe wieder auf. Der Arttkel I der Vorlage wurde angenommen, und der Minister dadurch ermächttgt, im Jahre 1911 zwei Panzerschiffe bauen zu lassen. Jaures trat für die sofortige Einführung der 34- Zentimeter-Geschütze auf diesen Panzerschiffen ein. Delcasse erwiderte, die Einführung der 34 Zentimeter-Geschütze würde eine nachteilige Erscheinung zur Folge haben. Denn die dann notwendig werdende Konstruktton von 20 Geschützen würde Maschinen und Werkzeuge fordern, die man noch nicht besitze. Doch solle dies Geschütz auch auf den beiden Panzerschiffen zur Anwendung kommen, deren Bau man 1912 in Brest und Lorient beginnen werde. Die Kammer nahm einen Zusatzparagraph zum Artikel I an, in dem die Zeit von der Kiellegung bis zur Vollendung der beiden Panzerschiffe auf höchstens zwei Jahre festgesetzt wird. Darauf wurde der Artikel Ila angenommen, der den Minister ermächtigt, im Jahre 1911 die Ausrüstung in gewissen Hafenarsenalen zu verbessern. Die Vorlage wurde sodann im ganzen mit 466 gegen 74 Stimmen angenommen und die Sitzung aufgehoben. — In der Nachmittagssitzung der Deputiertenkammer erklärte Delcasse, er werde sich bemühen, die für die Flotte geforderten Reformen durchzuführen, damit die Flotte liess bereit {ein möge, ihre Ausgabe« au erfüllen.