Vezugsprelst
Merkeljâhrlkch 1.80 Ml., monatlich 60 Pfg., ffft MS. wârtige Abonnenten mit dem betreff. Bostausschlag. Die einzelne Nummer lostet 10 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei de» verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtlich» Organ für Stabt- trab Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Eknrückungsgevührt
Die SßefpaTtene Petitzeil« oder deren Raum 20 psi im Reklamenteil die Zette 45 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker in Sanaa,
Nr. 7 N-rnspr-char, schlich Nr. 230. MvNtllg dtN 9. JNNUlll
Fernfprechattfchlttb Nr. 230 1911
AmMches.
Landkreis Ranau. Bekanntmachung.
Gemäß § 8 des Krankenversicherungesetzes vom 10. April 1892, 25. Mai 1903 und Ziffer 6 der Anweisung zur Ausführung des Krankenversicherungsgesetzes vom 10. Juli 1892 ist der ortsübliche Tagelohn gewöhnlicher Tagearbeiter für den Landkreis Hanau von dem Herrn Regierungs-Präsidenten zu Cassel einer Revision unterzogen und, wie folgt, festgesetzt worden:
Namen der Gemeinden und Gutsbezirke
Für erwachsene Arbeiter
Für jugendliche
Arbeiter
g
"es
-wH T-i
é
männl.
weibl.
männl.
X 14
weibl.
M
4
4
1
Gemeinden: Bergen, Bischofsheim, Fechenheim, Großauheim und Großkrotzenburg
Gutsbezirke: Oberförsterei Hanau, Pulverfabrik, Wilhelm-bad und Oberförsterei Wolftang
3
1
80
1
60
1
30
90
2
Alle übrigen Gemeinden und Gutsbezirke des Landkreises Hancku
2
50
1
70
1
so
1
20
—
90
Die neuen Sätze treten mit dem 1. Juli 1911 an die Stelle der unter dem 24. Juni 1901 festgesetzten ortsüblichen Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter. (Vergl. Amtsblatt 1901, Seite 148.)
Hanau den 5. Januar 1911. V 7357/10
Der Königliche Landrat.
F r h r. L a u r.
Stadt k reis Ran au. Bekanntmachung.
Der Entwurf zur Satzung betr. Ausdehnung der örtlichen Zuständigkeit des Gewerbe-Gerichts der Stadt Hanau auf den Gemeindebezirk Großauheim liegt in Gemäßheit des 8 13 der Städteordnung für die Provinz Hessen-Nassau auf dem Rathaus, Zimmer 11 (Stadtsekretariat), zur Einsicht offen.
Kunft und Heben. 11. Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischen Natnr- forschenden Gesellschaft.
Frankfurt a. M., 7. Januar 1911.
Vorsitzender: Prof. Dr. August Knoblauch.
Der Vorsitzende begrüßt die zahlreich erschienenen Mitglieder und ihre Damen in der ersten Sitzung des neuen Jahres und spricht den mit Ende 1910 nach zweijähriger Amtsführung ausgeschiedenen Direktionsmitgliedern Sanitätsrat Dr. Ern st Roediger und Dipl.-Ing. Paul Prior den Dank der Gesellschaft für ihre mühevolle, aber auch besonders erfolgreiche Wirksamkeit aus. Die Zahl der beitragenden Mitglieder ist im abgelaufenen Jahre erfreulicherweise von 1081 auf 1217 angestiegen, das Museum ist von 74 664 Personen besucht worden. Für die Jahre 1911 und 1912 wurden Prof. Dr. A u g u st Knoblauch zum 1. Direktor und Friedrich W. Winter zum 1. Schriftführer gewählt.
Nach diesen Mitteilungen des Vorsitzenden hält Prof. Dr. M. Hartmann, Berlin, einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über:
„Sie moderne Protozoensorschung in ihrer Bedeutung für die Medizin und allgemeine Biologie."
Die einzelligen Urtiere oder Protozoen haben in den letzten 10—15 Jahren eine große Bedeutung gewonnen in rein wiffenschaftlicher Beziehung für verschiedene Probleme der allgemeinen Biologie, sowie in praktischer Hinsicht als Erreger einer Anzahl gefährlicher, meist tropischer Seuchen des Menschen und seiner Haustiere. Das Tatsachenmaterial ist in den letzten Jahren nach beiden Richtungen hin so ungeheuer angewachsen, daß in einem kurzen Vortrag nur Einzelnes herausgegriffen werden kann. Im Gegensatz zur Bakteriologie sind die Forschungsmethoden der Protozoologie wesentlich andere, was vor allem durch die höhere Organisation im Bau der Einzelligen sowie ihre meist recht komplizierte Entwickelung bedingt ist. Das erste Postulat bei der Forschung ist die Feststellung des Entwicklungszyklus, und dieses Ziel wird, wie die Geschichte der Malariaforschung
Einsprüche können während zweier Wochen vom 10. d. M. ab erhoben werden.
Hanau den 31. Dezember 1910. 865
Der Oberbürgermeister.
Dr. E e b e s ch u s.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 31. Dezember 1910 bis 6. Januar 1911:
1 Dienstmädchen, 1 Erdarbeiter, 2 Fahrburschen, 1 Hausbursche, 1 Schreiner, 5 Tagelöhner.
Im Monat Dezember 1910 erhielten Stellen zugewiesen: 1 Fahrbursche, 1 Hausbursche, 1 Knecht, 4 Schlosser, 1 Schneider, 2 Schreiner, 2 Schuhmacher, 13 Tagelöhner.
Hanau den 7. Januar 1911. 867
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Schippe und 1 Schneeschaufel, 1 brauner Schweif von einem Damenpelz.
Entlaufen: 1 langhaariger brauner Jagdhund mit kupierter Rute.
Zu g e l a u f en: 1 Rehbock.
Hanau den 9. Januar 1911.
Politische Rundschau.
Reichstag und Landtag treten am Dienstag, 10. Jan., zusammen. Der Reichstag, der am 14. Dezember in die Weihnachtsferien gegangen ist, nimmt am Dienstag um 2 Uhr nachmittags seine Arbeit wieder auf. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung dieser 102. Plenarsitzung bildet die Interpellation der Fortschrittlichen Volkspartei über die Aufhebung des Zündwarensteuergesetzes, die vom Bundesratstische sofort beantwortet werden wird. Mittags 12 Uhr am Dienstag erfolgt im Weißen Saale des königl. Schlosses die Eröffnung des Landtages. Die Thronrede wird der Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg verlesen. Der Eröffnungsfeier geht um 11 Uhr im Dome für die evangelischen, um halb 12 Uhr in der Hedwigskirche für die katholischen Mitglieder des Landtages ein Gottesdienst voran. An die Eröffnungsfeier schließt sich um 1 Uhr die erste Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses an, in der unmittelbar nach der vorläufigen Konstituierung des Hauses der Finanz- minister den Staatshaushaltsetat einbringen wird. Um 3 Uhr nachmittags tritt das Herrenhaus zu seiner ersten Sitzung zusammen, um die Konstituierung des Hauses und die Wahl des Präsidenten vorzunehmen.
Der deutsche Kronprinz ist gestern in Lahore eingetroffen. Es fand kein offizieller Empfang statt. Nachmittags unter
zeigt, durch ausgedehnte vergleichende Studien an den verschiedensten Protozoen am besten erreicht. Durch die Entdeckung S ch a u d i n n s an den Coccidien und R o ß' an der Vogelmalaria fand das Malaria-Problem seine Lösung. Der so lange vergeblich gesuchte Erreger der Syphilis wurde von Schaudinn in der Spirochaeta pällida erst gefunden, nachdem er durch Untersuchung von Blutparasiten von Vögeln auf spirochätenartige Organismen aufmerksam : geworden war und sein Auge in deren Erkennung geschult hatte. Ja, in Brasilien wurde kürzlich eine neue weitverbreitete Trypanosomenkrankheit der Kinder von E h o g a s erst entdeckt, nachdem er gefunden hatte, daß durch den Stich von Wanzen, die Flagellaten in ihrem Darm beherbergten, bei Affen eine tödliche Trypanosomenkrankheit erzeugt werden kann.
Dem Umstand, daß bei der Schlafkrankheit des Menschen in Afrika und bei den Trypanosomenkraukheiten der Tiere die biologische Bedeutung der morphologischen Formen noch nicht erkannt und die Beziehungen zwischen der Entwicklung des Parasiten und dem Krankheitsverlauf noch nicht geklärt sind, ist es wohl auch zuzuschreiben, daß trotz der bedeutenden Heilresultate Ehrlichs an mit Trypanosomen geimpften Laboratoriumsticren die praktischen Heilerfolge in Afrika noch manches zu wünschen übrig lassen. Vielleicht wird auch hier eine Kombination der E h r l ich schen physiologischbiologischen Versuche mit auf breiter vergleichender Basis angestellten entwickelungs-physiologischen Experimenten, spez. über das Zustandekommen sexueller Formen sowie ihre experimentelle Umwandlung zu ungeschlechtlichen Formen, zum Ziele führen. Die Erfahrung an unveröffentlichten Experimenten des Vortragenden und seiner Mitarbeiter, die auf Grund theoretischer Vorstellungen über das Zustandekommen von Recidiven angestellt wurden, weisen nach dieser Richtung.
Auch in allgemein-biologischer Hinsicht hat die neue ent- wickeluilgsgeschichtlichè Richtung der Protozoenforschung Tatsachen und Theorien von großer Tragweite gezeitigt. So ergibt sich aus diesen Untersuchungen, daß die herrschende < Ansicht, nach der das Wesen der Befruchtung in einer Vcr-
nahm der Kronprinz in Begleitung des Gouverneurs und des gesamten Gefolges auf Elefanten einen Ritt durch die Eingeborenenstadt und besichtigte das Fort und andere Sehenswürdigkeiten.
Silberne Hochzeit. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Am 9. Januar feiert das Fürstenpaar von Bülow das Fest der silbernen Hochzeit. Von weiten Kreisen der europäischen Gesellschaft, voran denen der deutschen Reichshauptstadt, wird der Familienfeier aufrichtiger und warmer Anteil entgegengebracht. Wir wünschen dem fürstlichen Paare, das den Tag in der Villa Malta zu Rom begeht, Glück und reichen Segen.
Nationalliberaler Landesausschuh Hessens. Unter zahlreicher Beteiligung der Delegierten aus allen Teilen des Landes tagte gestern der Nationalliberale Landesausschuf Hessens im Saalbau zu Darmstadt. Er nahm nach mehrstündiger Debatte die folgende Resolution zu den Reichs- tagswahlen an: „Der Landesausschuß der Nationalliberalen Partei Heffens billigt die Auffaffung, die der geschäftsführende Ausschuß in seinen Schreiben vom 11. und 19. November 1910 an den hessischen Landesvorstand der Fort- schrittlichen Volkspartei niedergelegt hat. Er hält auch seinerseits die Zersplitterung der bürgerlichen Parteien nur für verderblich und die Sozialdemokratie fördernd. Der Landesausschuß würde es mit Freuden begrüßen, wenn be: der bevorstehenden Reichstagswahl über ganz Hessen ein« Einigung der bürgerlichen Parteien im Kampf gegen die Sozialdemokratie als gemeinsamer Gegnerin ermöglicht werden könnte und fordert die einzelnen Wahlkreisorganisationen auf, in diesem Sinne die Verhandlungen über die Aufstellung der Kandidaten zu führen.
Die deutsch-russischen Vereinbarungen über Persien. Die „Köln. Ztg." melbet aus Berlin: Man muß sich darauf gefaßt machen, daß die nächste Zeit noch manche Nachrichten über die deutsch-russischen Vereinbarungen bringen wird, die nicht viel mehr sind als Fühler, durch die man die Wahrheit herauslocken möchte. Wenn jetzt englische Blätter schon den Wortlaut des Abkommens zwischen Deutschland und Rußland veröffentlichen, so ist darauf nur zu erwidern, daß zwar Verhandlungen zwischen den beiden Staaten schweben, daß aber noch keinerlei Vereinbarungen getroffen sind. Daß sich die Verhandlungen ungefähr auf den Gebieten bewegen, die in die Angaben der Londoner Blätter eingezogen sind, liegt so nahe, daß ihre Herausfindung keine große Sehergabe erfordert. Wir wiederholen, daß sich die Angelegenheit im Stadium der Verhandlungen befindet und noch kein Abschluß vorliegt.
Ein Erfolg der russischen Diplomatie. Der Pariser „Temps" beschäftigt sich in seinem Leitartikel mit dem deutsch-russischen Abkommen, das er als in der Hauptsache schmelzung zweier Zellen bestehe und ihre Bedeutung hauptsächlich in der Qualitätenmischung liege, nicht zutrifft. Dem widerspricht, daß Schaudinn, vonProwazek und der Vortragende Befruchtungsvorgänge nachgewiesen haben, bei denen sich der ganze Prozeß in einer einzigen Zelle abspielt. Dagegen ist Schaudinn durch seine Untersuchungen in der Trypanosomenzelle zur Auffaffung gelangt, daß in der sexuellen Differenzierung das wesentliche Moment liege, und daß jede Zelle gewissermaßen zwitterig sei, jedoch durch ihr eigenes Lebensgetriebe entweder mehr nach der männlichen oder mehr nach der weiblichen Richtung sich differenziere, was endlich zum Ausgleich bei der Befruchtung führe.
Im Anschluß an S ch a u d i n n hat der Vortragende die Konstitution der Protozoenkerne erforscht und ist dabei zu dem merkwürdigen Resultat gelangt, daß bei den Protozoen es einwertige und vielwertige Kerne und Zellen gibt. Die einzelnen Protozoen können daher nicht mehr als gleichwertige Elemente im Sinne der bisherigen Zellenlehre betrachtet werden, da nur die einwertigen Teile, die der Vortragende „Energiden" genannt hat, untereinander homolog sind. Dies trifft eventuell auch für die Metazoenzellen zu, die dann einem mehrfachen der einfachen Protozoenzelle entsprächen. Auf Grund der Untersuchungen von Schaudinn, von Prowazek, sowie des Vortragenden und seiner Schüler kann man aber auch jede sonstige höhere Komplikation einer Protozoenzelle auf eine Vermehrung sich ungleich differenzierender Energiden zurückführen, so daß ganz allgemein anstelle der Zellenlehre eine Energiden- lehre im Sinne des Vortragenden zu setzen sei.
Auch in dem Vererbungsproblem, dem Problem des Lebens kat exoehen, sind die Protozoen sicher berufen, wichtige-Ergebnisse an den Tag zu fördern. So hat Ehrlich bei seinen interessanten und bedeutungsvollen chemotherapeutischen Versuchen Trypanosomenraffen gezüchtet, die dauernd andere biologische und morphologische Eigenschaften gewonnen haben. Auch hier sind von einer Kombination derartiger Versuche mit Variabilitäts- und Selektionsstudien und der I o h a n n s e n schen Methode, der Züchtung reiner Linien, noch reiche Resultate von der Zukunft zu erhoffen.