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Kokattonsdruck und Verlag der Buchdruckers her «rein. ev. Waisenhauses in Hanau.
AMlichtS Organ für Stadt- M MKreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Bonn» und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Elnrückungsgebüh«
Die SgesMtenr Petitzell« oder deren Ras« Ä Pf- im ReNamentril di, Z«il« 45 Pfg.
verantwortl. Redakteur: S. Schrecke« in Sanaa,
Nr. 132 M-rnspr-chaMlust Nr. 230. Donnerstag den 8. Juni »'-»-"' > > ——-» ' ■lllWjK II | . ... . '—!
Fernsprechanschlittz Nr. 230 1911
Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Auf Grund der allgemein erteilten höheren Ermächtigung wird hierdurch für Sonntag den 18. Juni d. J. eine vermehrte Beschäftigungszeit für alle Zweige des stehenden Handelsgewerbes in der Stadt Hanau und zwar bis 7 Uhr' abends zugelaffen.
Während des Gottesdienstes, und zwar in der Zeit von 9% bis 11% Uhr vormittags und von 2 bis 3 Uhr nachmittags, ist jedoch jede Art der Beschäftigung im Sinne des § 105b Abs. 2 der Reichs-Gewerbe-Ordnung ausgeschlossen.
In Betreff des Offenhaltens der Verkaufsbuden auf der hiesigen Frühjahrsmesse bleiben die seitherigen Bestimmungen unberührt; nur ist den Verkäufern von Verzehrungsgegenständen das Feilhalten am Sonntag den 11. und am Sonntag den 18. d. M. in den für das stehende Handelsgewerbe freigegebenen Stunden und bis abends 7 Uhr gestattet.
Gleichzeitig mache ich unter Bezugnahme auf § 139e der Reichs-Gewerbe-Ordnung im Jntereffe der Meffebesucher darauf aufmerksam, daß die offenen Verkaufsstellen an allen Wochentagen um 9 Uhr abends und die offenen Verkaufsstellen für Schuhwaren in Gemäßheit des § 139f der Reichs-Gewerbe-Ordnung an allen Wochentagen außer Samstag um 8 Uhr abends geschloffen sein müffen.
Hanau den 6. Juni 1911.
Königliche Polizei-Direktion.
J. V.: Karbe.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
In Bad Nauheim, Kreis Friedberg, ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden. 1
Hanau den 7. Juni 1911. iV. 3583
Infolge Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Eroß-Steinheim, Hainstadt, Seligenstadt und Kleinwelzheim sind die Gemeinden Kahl, Eroßwelzheim und Dettingen als Beobachtungsgebiet erklärt worden.
Hanau den 7. Juni 1911. V. 3583
Im Schlacht- und Viehhof zu Frankfurt a. M. ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden. Hanau den 7. Juni 1911.
Gefundene nnd verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 englischer Schraubenschlüssel, 1 Double- Kollier mit Anhänger mit Herrenphotographie.
Heinrich Umbach f.
Ein Herz, so stark im schwersten Erdenleide, Ein edles Herz, so treu der strengen Pflicht, Hat kampfesmüde aufgehört zu schlagen. — Wir haben trauernd ihn zu Grab getragen, Der es im Busen trug — ihm strahlt nun ew'ges Licht.
Begeistert für die göttlichste der Künste, Begeistert für den herrlichsten Beruf, Sah man ihn nie bei ernster Arbeit fehlen, Die ihm und Tausenden von jungen Seelen Der schönsten Früchte reiche Ernte schuf. —
Wie könnten seine Freunde je vergessen, Wenn er mit ihnen treu und eng vereint, In hehrer Tonkunst Schönheit eingedrungen, Mit ihnen sich in jene HLh'n geschwungen, Wo Irdisches uns zu entschwinden scheint?!
Der Segen eines edlen Menschenlebens Wird nimmermehr im Sturm der Zeit verweh'n; Mag ihn ein lauter Ruhm auch nicht begleiten, Er wirkt im Stillen fort durch alle Zeiten; Rie werden seine Spuren untergeh'n!-- Juni 1911. Z. F. E.
Die Tage der Rosen.
Novellette von O. Elster.
(Nachdruck verboten.)
Der Doktor der Philosophie Hans Regner lag in dem Grase einer Waldwiese und schaute träumenden Auges in den lachenden blauen Junihimmel hinein. Und plötzlich
Verloren: 1 Frauenhemd mit Monogramm A. W., 1 Füllfederhalter, 1 Quittung über 12.40 Mk., 1 Paket mit 61 Exemplaren der Frankfurter Illustrierten Zeitung.
Entlaufen: 1 braungefleckte Kriegshündin mit schwarzem Rücken.
Hanau den 8. Juni 1911.
Politische Rundschau.
Prinz Max von Baden scheidet aus dem Militärdienst aus. Der „Karlsruher Zeitung" zufolge ist Prinz Max von Baden, Generalmajor und Kommandeur der 28. Kavallerie-Brigade, aus dem aktiven Militärdienst ausgeschieden, da er zu der Ueberzeugung gelangte, daß er die ihm als Präsident der Ersten Kammer erwachsenen Aufgaben und die militärischen nicht gleichzeitig in der Weise zu lösen imstande sei, wie er das bei der Bedeutung jedes einzelnen für seine Pflicht erachte. Sehr ungern hätte er sich aus diesem Grunde entschloffen, um Enthebung von seiner derzeitigen militärischen Stellung zu bitten, die ihm in einer sehr ehrenvollen, die Lage vollkommen würdigenden Allerhöchsten Kabinettsorder unter Belastung L la suite des Leibdragoner-Regiments und des Earde-Kürassier-Regiments bewilligt worden ist.
Der frühere französische Ministerpräsident Rouvier gestorben. Gestern nachmittag 2 Uhr starb in Paris infolge eines Schlaganfalles der frühere Ministerpräsident Rouvier. Maurice Rouvier wurde im Jahre 1842 in Aix in der Provence geboren. 1871 war er Deputierter von Marseille und wurde 1877 wiedergewählt. 1881 übernahm er das Handelsministerium unter Gambetta, wurde 1887 Ministerpräsident und Finanzminister. Das Finanzportefeuille behielt er während der Ministerien von 1889, 1890, März und Dezember 1892. Im Jahre 1893 gab er infolge des Panamaskandals seine Demission. Im Jahre 1903 wurde er in den Senat gewählt.
Der Rückzug aus Marokko. General Moinier wird am 5. Juli Fez verlaffen. Die Richtung, in der die französischen Truppen abmarschieren werden, steht noch nicht fest, doch werden sie wahrscheinlich durch das Gebiet der Beni Mter kommen und das bei Sais errichtete Feldlager berühren. In der Nähe von Mokinos sollen sich über 15 000 Berber gezeigt haben, doch ist diese Zahl wahrscheinlich sehr übertrieben.
Spanien und Marokko. Nach einer Meldung des ,Zm- parcial" hat der neue Noghi Tazia dem Stamme der Beni M'Sara Von Marlock und dessen beide Söhne ausgeliefert, die alle drei unter entsetzlichen Martern ermordet wurden. Der „Jmparcial" erklärt, Spanien könne unter keinen Umständen mehr in Larrasch untätig bleiben. In Larrasch glaubte er wieder in zwei lachende blaue Mädchenaugen zu blicken, und ein süßer Duft wie von frisch erblühten Rosen schien ihn zu umwehen.
Wie lange hatte er an diese lachenden blauen Augen nicht gedacht. . . . Doch nein, heute in der Frühe erst, als er aus dem kleinen Gebirgsstädtchen hinauswanderte in den Wald und an der hübschen Villa vorüberkam, die ganz von blühenden Rosen umwuchert war und in deren Garten eine jugendliche Stimme laut jubelnd das altmodische Lied sang: „Noch sind die Tage der Rosen".
Da waren die lachenden blauen Augen wieder vor ihm aufgetaucht, denen er in der großen Stadt Berlin während der trüben Winterszeit öfter begegnet war, und der Duft der Rosen hatte ihn an jenen Vallabend erinnert, wo er die Besitzerin der lachenden blauen Augen kennen gelernt, wie sie einen Strauß blühender Rosen in den schlanken weißen Händen hielt und ihm lachend als einem guten Bekannten von der Straße her entgegentrat.
Sie schienen denselben Weg zu haben, denn eine Zeitlang trafen sie sich jeden Morgen auf derselben Straße, er auf dem Wege nach der Universität, sie auf dem Wege nach irgendeinem Institut, in dem sie Musikunterricht nahm. Dann sah er sie auf dem Ball, einem Künstlerfest. Er hatte mit ihr getanzt, geplaudert und gelacht, und zum Abschied schenkte sie ihm eine Rose aus ihrem schönen Bukett. Von ihrem Namen hatte er nur ihren Vornamen „Röschen" behalten, mit dem eine, ältere, würdige Dame sie anredete.
Und darauf hatte er sie nicht wieder gesehen! — Die große Stadt schien sie verschlungen zu haben. Vergebens suchte er nach ihr und nach der alten würdigen Dame, und schalt sich töricht und leichtsinnig, daß er sich nicht nach den näheren Umständen ihres Lebens erkundigt hatte.
Aber wie die Rose, die sie ihm in schelmischer Laune, in der^ sprudelnden Lust des Festes geschenkt, in der kleinen Vase auf seinem Schreibtisch verwelkte und verfiel, so welkte die Erinnerung an sie dahin in dem hastigen Leben und
liegen augenblicklich 200 Mann Polizeitruppen, von denen 40 beritten sind. Der „Jmparcial" schlägt vor, Spanien solle sich mit Raisuli in Verbindung setzen.
Die Vorgänge in Albanien. Das Wiener „Fremdenblatt" schreibt an leitender Stelle: Die ernsten Nachrichten aus Albanien seien geeignet, die Hoffnungen herabzustimmen, daß diesem Lande nach zwei Jahren endlich die Wohltat des Friedens beschieden sein werde. Die türkische Regierung lohnte die Unterstützung, welche die mohamedanischen Albanesen der Begründung eines konstitutionellen Regimes leisteten, mit Undank. Dies führte zum Aufstande im Frühjahr 1910. Die Art der Unterdrückung desselben und dis darauf eingeleitete Waffenakiton bereiteten den Boden für die gegenwärtige Erhebung vor. Schon angesichts der unnötigen Härten jener vorjährigen Regierungsaktion in Albanien machte die österreichisch-ungarische Diplomatie auf den zweifelhaften Wert einer Unternehmung aufmerksam, deren Erfolg nicht die Unterwerfung des albanesischen Geistes unter den türkischen Staatsgedanken, sondern nur das grollende Verstummen einer Nation sein konnte, mit deren Treue der Bestand der europäischen Türkei verknüpft war. Dennoch halte die türkische Regierung in dem neuerlichen Aufstande den Albanesen gegenüber an der Methode schonungsloser Energie fest. Vielleicht werde die jetzt gemeldete Bewegung unter den Mirditen dazu beitragen, daß das Konstantinopeler Kabinett endlich die Zweckwidrigkeit seiner albanesischen Politik und die guten Absichten und wiederholten Ratschläge Oesterreich-Ungarns erkenne. Dis besondere Eigenart der albanesischen Stämme erheische eine besondere Behandlung im Sinne einer aufgeklärten, wahrhaft lieberalen Regierung. Das albanesische Volk dürfe nicht gebeugt, sondern müsse geschont werden. Die Hebung des wirtschaftlichen Wohlstandes wäre das beste Mittel, um Albanien an das osmanische Reich zu schmieden. Das lebhafte Jntereffe, mit der die öffentliche Meinung Oesterreich- Ungarns die letzten Peripetien der türkischen Politik in Albanien verfolge, entspreche nicht nur den guten Gesinnungen der Monarchie für das osmanische Reich, sondern auch ihren alten Sympathien für die Albanesen aller drei Konfessionen, insbesondere auch noch dem Protektorate, das sie über den Katholizismus in Albanien ausübe. Wenn Oesterreich- Ungarn auch die albanesische Frage für eine innere Angelegenheit der Türkei erklärte, berechtigten doch die Wünsche nach einem Fortbestehen der europäischen Türkei und der traditionellen Beziehungen zu den Albanesen die Diplomatie und die Monarchie ihre Ansicht über eine Politik zu äußern, die zu unhaltbaren Zuständen führte.
Das Kaiserpaar in Mecklenburg.
Neustrelitz, 7. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin sind im Sonderzug um 11 Uhr 50 Min. hier eingetroffen. Auf
Treiben der Millionenstadt, das ihn umbrauste und dem er jetzt entflohen war, müde der Vergnügungen, der Zerstreuungen, der Arbeit des großstädtischen Lebens.
Und erst hier in der Einsamkeit der Berge und Wälder, unter dem lachenden blauen Junihimmel, bei dem Dust der blühenden Rosen dachte er wieder an die blauen Augen, an die lachenden roten Lippen, an ihre schlanke, schwellende Gestalt, an ihre schmalen weißen Hände und an die rote Rose, die sie ihm geschenkt und die einsam verwelkt war in seinem dumpfen Arbeitszimmer.
„Noch sind die Tage der Rosen" . . . summten seine Lippen die alte Melodie nach, die ihm ein Klang aus längfl- vergangenen Tagen seiner stöhlichen Jugendzeit zu sein schienen, als er noch nicht der eifrig arbeitende und strebende Privatdozent an der Universität der großen Stadt Berlin war und sich noch nicht in das Studium staubiger Akten uns vergilbter Schriften versenkt hatte.
Wie öde, wie unfruchtbar, wie trocken erschien ihm jetzt dieses Studium, da der blaue Junihimmel lachend auf ihn herabsah, da der Wald in seinem stischen Grün ihn umrauschte und seine Seele die Melodie jenes alten Liedes umschwebte und umflatterte wie ein schillernder Falter dig eben aufgeblähte Rosenknospe.
„Noch sind die Tage der Rosen" . . . hatte er sie nicht versäumt, diese schönen, sonnigen Tage der Rosenzeit seiner Jugend, die in anstrengendem Studium verfloffen war, die ausgefüllt wurde durch einen brennenden Ehrgeiz, Großes in seiner Wiffenschaft zu erreichen, sich einen Namen in der wiffenschaftlichen Literatur zu machen?
Was hatte er erreicht? — Er war Doktor der Philosophie und Privatdozent der altdeutschen Literatur? Er hatte ein dickes Werk über die Minnedichter veröffentlicht — aber darüber die Poesie der Minne, der Jugendlust selbst vergessen, und jetzt wurde sein Haar auf der Stirn schon büThtec und an den Schläfen zeigten sich bereits einzelne araue Haare.