Erstes Blatt
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General-Anzeiger
ANlliliics Organ für Stabt- unb fanbkrm Sanaa.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hana»
Mk. 6 Fernfprechanschl«?; Nr. 230.
Smiictng neu 7. Jaiuiar
Ferttsprechauschlutz Nr. 230
1911
Die KeMeNilnuntt nmfstM anszer LWjiltWfrtWI 16 Seiten.
Amtliches
Hand el s^egifte ^.
L Die offene Handelsgesellschaft in Firma: „Cluth & Oberländer" mit dem Sitze in Hanau ist aufgelöst.
Tie Firma ist erloschen.
Das Handelsgeschäft wird von dem bisherigen Gesellschafter Peter Oberländer in Hanau fortgeführt, der es mit Aktiven und Passiven, jedoch ohne Firma, übernommen hat.
2. Unter der Firma:
„Peter Oberländer"
betreibt zu Hanau der Ziseleur Peter Oberländer in Hanau ein Handelsgeschäft als Einzelkaufmann.
Einträge des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau vom 3. Januar 1911. 797
GtsWtHt und verlorene ©cnenftäiibe rt.
Gesunden: 1 Herren-Portemonnaie mit 50 Pfg. (tm Theater, Galerie), 1 weißes Tuch (Shawl), 1 Briefumschlag mit verschiedenen Formularen der Deulschnatio- nalen Kranken- und Degräbniskasse, 1 Mülleimer, 2 Nollen 1 Pfg.-Stücke ä 50 Pfg., 1 Krawattennadel (Hufeisennagel mit Saphir).
Lü e g e n g e b l i e b e n bei Vrög, Sandstr. 5: 1 Paket mit Straußfedern; Empfangnahme daselbst.
Verloren: 1 schwarzes Opernglas, 1 silberne Damen- uhr (Monogramm G. L. H.), 1 20-Markstück, 1 braune Ecldmappe mit diversem Inhalt, verschiedenen Papieren und einem Wandergewerbeschcin für 1910 für Seligmann Oppenheimer (auf dem hiesigen Viehmarkt).
Zugelaufen: 1 großer grauer Spitz.
Hanau den 7. Januar 1911.
Politische Rundschau.
Zur Errichtung eines Kolonialgerichtshofes. In einer Eingabe der Berliner Handelskammer an den Reichstag zur geplanten Errichtung eines Kolonial- und Konsular-Ee- richtshofes wird bargetan, daß für den Sitz des neuen Gerichtshofes Berlin, das den Mittelpunkt der kolonial- aMtlichen Interessen bildet, vor Hamburg den Vorzug ver
Das Volk im Theater.
Von Dr. Hans Stieler.
(Nachdruck verboten.)
Moderne Dolksfcstspirle! Ueberall in den deutschen Städten Festspielhäuser, deren jedes dank der Künste Max Reinhardts, dieses erfindungsreichen Mieding des modernen Theaters, zu einem populären Bayreuth werden soll! Das ist fast noch mehr eine Vision als ein Plan. Ob der Plan ausführbar sein, ob er, wenn er zur Verwirklichung gelangt, Stich halten, sich bewähren wird: wer könnte das jetzt voraussagen? Gewiß aber ist, daß die dähiNterstèhende Vision schon selbst in ihrer gegenwärtigen nebelhaften Form, die bedeutende Manifestation eines echt Modernen Kunst- und Kulturgedankens bildet: des Gedankens, das Theater dem Volke, im breitesten Sinne des Wortes, zu eröffnen, zwischen ibn- und der dramatischen Kunst einen lebendigen Zusammenhang herzustellen. Ein moderner Gedanke fürwahr! Noch Schiller und Goethe standen ihm im ganzen fern; sie -waren froh, daß sich in deutschen Landen überhaupt nur erst ein festes Theater gebildet hatte, des Vagantenjammers ledig, auf einen würdigen Spielplan sich stützend, und daß sich ein empfängliches Publikum vor den leichten Brettern zusammenfand. Was man so das Volk zu nennen pflegt, das hatte damals schon seit beiläufig 200 Jahren die lebendige Fühlung mit dem Theater eingebüßt. Unb heut trägt sich •ine hochfliegende Zeit mit dem Plane, was einst die Entwickelung abbrach, aus freischaffendem, zielbewußtem Geiste heraus wieder aufzubauen. Wieder soll man das Volk, das wirkliche ganze Volk, im Theater sehen, wie in langver- gangenen Zeiten.
Werfen wir einen Blick auf diese Zeiten! Vergegenwärtigen wir uns, in welchen Epochen die Bühne wirklich eine Angelegenheit und Anstalt des ganzen Volkslebens gewesen ist und unter welchen Bedingungen sie es gewesen ist.
Griechenlands großes Vorbild leuchtet da allem ewig voran. Griechenland — eigentlich müßten wir sagen: Athen;
dient. Die Eingabe betont: „Von den insgesamt im Deutschen Reiche bestehenden 39 Kolonial- und Schutzgebiets- Gesellschaften befinden sich drei in Hamburg, zwei in Düffcl- dorf, eine in Köln und 33 in Berlin. Die Errichtung des Gerichtshofes in Hamburg dürfte auch deswegen weniger empfehlenswert sein, weil nicht lediglich amtliche Interessen, sondern unzweifelhaft überwiegend landwirtschaftliche. bergrcchtliche und dergl. Interessen in Frage kommen, die sachgemäß zu beurteilen ein Gerichtshof in Berlin besser im Stande ist."
Die neue Fernsprechgebühren-Ordnung. Zu dem Entwurf der neuen Fernsprechgebührenordnung teilt die „Norddeutsche Allgem. Ztg." gegenüber den unrichtigen, durch die Presse hervorgerufenen Auffassungen mit: Die Vorlage bringt durchweg eine Ermäßigung der Grundgebühr um 10 Mark jährlich für sämtliche Netze; ferner wird die Gesprächsgebühr überall von 5 auf 4 Pfg. herabgesetzt. Des weiteren wird nicht mehr verlangt, daß jeder Erundge- bührenteilnchmcr jährlich mindestens 20 Mark für 400 Ortsgespräche zahlen muß. Darüber hinaus führte die Budgetkommission, um eine abgekürzte Stichzählung zu ermöglichen, eine gestaffelte Pauschgebühr ein, die einen sich steigernden Rabatt gewährt. Dadurch tritt bei voller Ausnutzung eine weitere Herabsetzung der Gesprächsgebühren auf 3 Pfg. in der letzten Staffel ein. Trotzdem wird für die, den telephonischen Ortsverkehr stark benutzenden Teilnehmer eine Erhöhung der jährlichen zahlbaren Vergütung eintreten, die in Anbetracht der großen Inanspruchnahme der Einrichtung als unbillig nicht bezeichnet werden kann. Von besonderer Bedeutung endlich ist, daß die Gebühr für Ferngespräche bei Entfernungen bis zu 20 Kilometer um 10 Pfg. herabgesetzt werden soll. Der Entwurf ist also nicht verkehrsfeindlich, sondern gerade das Gegenteil ist der Fall. Die für den Mittelstand von der Presse angeführten Ee- sprächszahlen gehen weit über die amtlich ermittelten Durchschnittszahlen hinaus. Daß die Vorlage auf eine Bevorzugung des flachen Landes vor den Städten hinauslaufe, ist ganz unrichtig. Nach den amtlichen Erhebungen werden mindestens 60 Prozent aller Teilnehmer eine Gebührenermäßigung erfahren; davon kommen 80 Prozent auf die Netze in den mittleren und größeren Städten und nur 20 Prozent entfallen auf kleinere Vermittelungsanstalten mit weniger als 100 Stellen.
Wie aus dem Neichskolonialamt mitgeteilt wird, reiste gestern der Gouverneur der deutschen Schutzgebiete in der Südsee, Exzellenz Dr. Hahl, nach den Karolinen ab. Er war vor einigen Monaten nach Deutschland beurlaubt, bricht aber nunmehr seinen Urlaub hier ab und wird sich alsbald nach Ponape begeben, um die Strafexpedition, soweit sie noch nicht beendet sein wird, weiter zu leiten. In
denn die dramatische Dichtung war attische Großtat, und erst seit dem 4. Jahrhundert scheinen wandernde Gesellschaften in den Demen Attilas und in den anderen griechischen Landschaften die Werke des klassischen thenischen Spielplans aufgeführt zu haben. Noch später entstanden dann überall viele Theater. Das Dionysos-Theater am Fuße der Akropolis ist also die wahre klassische Stätte des griechischen „Volks im Theater", und fügen wir gleich hinzu: auch dies nur einmal im Jahre, bei Gelegenheit der Dionysos-Spiele. Ein sehr wichtiges Moment, wie jedermann sogleich bemerkt: seltene Feste, schöne Feste; das Theater war in dieser Einrichtung den Athenern stets etwas Neues, Großes, ein Hochgipfel im Wandelpanorama des Jahreslebens. Unb in dieser Seltenheit erregte es sie allerdings, wie Goethe einmal g- sagt hat, leidenschaftlich. Woher die äußerst starke Wirkung? Fehlte doch den Stücken das, was Jakob Burckhardt die gemeine Spannung nennt, da sie alle die gleichen Gegenstände, die Stoffe des Mythos, behandelten. Darin gerade liegts! Aus dem religiösen Leben unmittelbar hervorgegangen, brachte die Bühne im Mythos die Selbstbesinnung und die I ideale Selbstdarstellung des Griechenvolkes, das eigentliche Herzstück des griechischen Volksgeistes, das Organ, mit dem er alles ergriff, zu hoher lichter Gestalt. Im Mythos hatte der Grieche eine geistige Bildung, in dem sich ihm Religion und Geschichte, Patriotismus und Weltweisheit, Nächstes und Fernstes zu lebendiger Einheit verbanden; daher sein leidenschaftlicher Anteil an Darstellungen, die, durch die Religion geheiligt, doch im Grunde nur Idealbilder jedes einzelnen Stammes, ja schließlich jedes einzelnen Individuums gaben — daher die Unmöglichkeit wahrer Wiederbelebung der antiken Tragödie, trotz allen modernen Bühnenkünsten. Denn just, was dem Athener am lebendigsten war, bleibt uns am totesten.
Ganz anders das Bild, das sich in Rom bietet. Da war das Theater kein bodenständiges Gewächs, war es nicht aus dem religiösen Kultus herausgewachsen und von ihm getragen. Kunstprodukt war es, fremder Import: ein Taren- |
8 bis 10 Tagen erwartet man das Eintreffen des Kreuzer« „Nürnberg" in Ponape, worauf unverzüglich an die Niederwerfung und Bestrafung der an den Unruhen beteiligten Stämme geschritten wird.
Der belgische Bergarbeiterausstand. Der Ausstand der Bergarbeiter des linken Maasufers hat im Laufe des gestrigen Tages an Umfang zugenommen. Man schätzt die Zahl der Ausständigen heute auf 15 000, die Zahl ist also seit gestern um 3000 gestiegen. Daraus erklärt sich, daß einzelne Gruben nunmehr den Betrieb vollständig einstellen müßen. Während hier der Streik an Umfang gewonnen, hat sich die Bewegung in der Borinage fast vollständig gelegt und von den 1500 Arbeitern, die vorgestern dort noch streikten, haben heute fast alle die Arbeit wieder ausgenommen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß in der Streik- kaffe nicht mehr viel Geld vorhanden ist. Der Metallarbeiterverband forderte auch in einem Aufruf zur Unterstützung der Ausständischen auf. Die anderen Arbeiter- gruppen scheinen aber nicht gewillt zu sein, mit den Bergarbeitern gemeinsame Sache zu machen. Es stellt sich jetzt auch heraus, daß auch andere Arbeiterklaffen mit betroffen werden, daß z. B. die Metallindustrie mit einem Kohlenmangel zu-rechnen hat, so daß man glaubt, daß in der kommenden Woche einige Fabriken der Lütticher Gegend gezwungen sein werden, den Betrieb still zu legen, wenn inzwischen keine Kohlenlieferungen erfolgen können. Fortgesetzt werden Arbeitswillige von den Ausständigen angegriffen. In einem kleinen Dorfe bei Lüttich wurden gestern abend Arbeitswilligen die Fenster eingeworfen. Zu ernsteren Zusammenstößen ist es jedoch nicht gekommen.
Weitere „Politische Rundschau" im zweiten Blatt
Hus Hanau Stadt und Tand«
Hanan, ? Januar.
* Beauftragt. Herr Rcgierungsastestor Dr. v. Waldow ist während der Landtagslagung mit der Vertretung des für diese Zeit beurlaubten Herrn Landrats Zu er de in Rotenburg a. F. beauftragt worden.
• Schul-Personalien. Ernannt: .jum Hauptlchrer der Lehrer Rosenstock, bisher in Niederissigheim, an der StadischnIe in Neukirchen, Kr. Ziegenhain. — Em b g ü 11 i g angrstelli: der Lehrer Beier aus Gel'enkirchen an der Bezirksschule III in Hanau, vom I. April 1911 ab, die technische Lehrerin Behl in Fechenheim. — E i n st w e i l i g a n g e st r l l t: die Schulamlsbewerberin Lilienthal als technische Lehrerin in Bergen - Enkheim. — B e r s c tz t: der Lebrer Siemon von Niedergren;ebach nach Nüdigbeim. —
tier namens Livius Andronicus hat zuerst wirkliche Bühnenspiele in Rom eingeführt. Solche wurden dann zunächst bei den ludi Romani regelmäßig ein paar Tage lang gegeben; aber allmählich wurden die Aufführungen zahlreicher, schon gegen das Ende der Republik zählte man etwa 50 Spieltage im Jahre, später noch mehr — wobei hier natürlich nur vom Theater, nicht von den Gladiatoren- spielen usw. gesprochen wird. So ward dem Theater in Rom der Schmetterlingsstaub der Seltenheit genommen. Es spielte überhaupt eine ganz andere Rolle als in Athen. In Athen war es wahrhaft öffentliche Angelegenheit: Religion, Volksbildung, Volkserziehung, und insofern hatte es guten Grund, wenn der Staat das Eintrittsgeld übernahm. In Rom war es, vom ersten Anfang an, Unterhaltung — und nichts als dies. Das Repertoir stand unendlich tiefer, und die Häuser waren bei den bedenklichen pyrrhichischcn Tänzen und den zuchtlosen Atcllanen weit bester besucht als bei den „regelmäßigen" Tragödien. Comme chez nous! Was aber die Stellung des Staates zum Theater anlangt, so war es ihm Ablcnkungsmittcl für die Masten — panem et circenses! — die sich denn auch durch Luxusaufführungen und grandiose szenische Veranstaltungen abfinden ließen, aber freilich dann auch wieder das Theater gelegentlich zu politischen Demonstrationen benutzten. Solche Demonstrationen waren ja den Machthabern nicht gerade angenehm, aber bester, die Populatoin demonstrierte, als sie revoltierte. Und also ging das Volkstheater der Antike in Rom zügellos, ohne echten inneren Gehalt und ohne sittlichen Halt, eine übelriechende Leiche schon bei Lebzeiten, von dem jungkräftigen Christentums verachtet, seiner Auflösung entgegen.
Aber im Boden der neuen Religion selbst schlummerte schon der Keim zu einem neuen Volkstheater, und zum zweiten Male sieht Europa das schöne Schauspiel, wie die lebendige Religion und ihr Kultus eine dramatische Kunst hervorbringen und speisen, deren Träger und Empfänger das ganze Volk ist. In der Liturgie selbst lagen bereits dramatische Elemente, sie bilden sich aus, erweitern, forme«