Bezugspreis»
MerketzöhrNch 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für im» bärtige Abonnenten mit dem betreff. Postaufschla-. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdrucker«! drs verein. ev. Waisenhauses in Hana«.
General-Anzeiger
Amtlicher Organ für SW und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Vellage.
feiger
Einrückungsgebllhrt
Die Lgefpalten« Petitzeile oder deren Nau» 20 Ps- im Nâmentell bie Zell« 45 Pfg.
verantworkl. Redakteur: 8, Schreckn« in Han«.
Nr. 130 Aerttsprechanschlittz Nr. 230.
.. 1,1 •'■”—.'■ 1 1 — ....... T
Aitttliches.
Stadt- und Eandhreis F)anau.
Es sind in letzter Zeit verschiedene Anzeigen gegen Personen aus Ortschaften des Landkreises Hanau vorgelegt worden, die mit ihren
Rindviehgespannen in die Stadt Hanau gefahren sind. Das ist zur Zeit unzulässig, da der Stadtkreis Hanau einschließlich Kesselstadt ein Beobachtungsgebiet bildet, in welchem das Treiben von Klauenvieh, soweit nicht für einheimische Viehbesitzer Ausnahmen zugelaßen sind, verboten ist.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister, auf die Bestimmungen der Bekanntmachungen vom 12. v. M. — abgedruckt km „Hanauer Anzeiger" vom 13. und 15. v. M. — und vom 20. v. M. — abgedruckt im „Hanauer Anzeiger" vom 22. und 23. v. M. — in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise ausdrücklich hinzuweisen.
Hanau den 2. Juni 1911. P. 5946
Der Königl. Landrat und Polizeidirektor.
J. A.: Karbe.
Wiesenverpachtung.
Königliche Oberförsters Hanau.
Am Samstag den 10. Juni 1911, nachm. 5 Uhr, wird im Jagen 16 „Große Horst" an Ort und Stelle der diesjährige Wiesenschnitt von rd. 15 ha in 55 Losen An die Meistbietenden verkauft werden.
Die Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben.
Der Forstmeister. 13463g
^ 7 „ " ■ . ____________________________________________ ,
Beschluß.
In dem Verfahren zum Zwecke der Zwangsversteigerung der in der Gemarkung Soden belegenen, im Grundbuchs von Soden, Artikel 521 Abtl. I Nr. 2 bis 9, la, 1b, lc, Id, 10 bis 22 auf Tien Namen des Sanatoriums Stolzenberg e. E. m. b. H. zu Frankfurt a. M. eingetragenen Grundstücke wird der auf den 12. Juni 1911 bestimmte Versteigerungstermin verlegt auf
den 20. September 1911, vormittags 10 Uhr.
Salmünster den 2. Juni 1911. 13485
K 4/11 20 Königliches Amtsgericht.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Monatskarte zur Fahrt Hanau-West— Frankfurt a. M.-Ost für Karl Schmidt, 1 Kinderschnürschuh (frisch besohlt).
MM»^'^SS>k»S>S!«w«w»»»Ww0l»M»S«W»Ml«»M1»«s»U»WWWMM»ââLII»W«W>w«U»»NUI^«I«MS»»>»I«»I»'cMLMWW>««^
Kunst und Leben.
Uraufführung im Casieler Hoftheater.
Am 2. Juni kam im Casseler Hoftheater das Werk einer hessischen Dichterin, Frau Moriton v. Mellenthin, zur Aufführung. Es heißt „Araspas" und kann als ein bemerkenswerter Versuch gelten, das große Stil-Drama nicht nur wieder zu Ehren zu bringest, sondern auch den Weg zu zeigen, wie ein solches möglich ist, ohne mit unseren modernen Welt- und Lebensanschauungen zu disharmonieren. Das in prägekräftiger Sprache geschriebene Drama behandelt eine Episode aus Xenophons Kyropädie. König Kyros von Persien hat das Heer der Babylonier in einer Feldschlacht besiegt. Unter den Gefangenen befindet sich die Gattin des Abradatas, eines babylonischen Großen, Pan- thea, „das schönste Weib der Erde". Beim prunkvollen Siegesmahl im 1. Aufzug, das mit bewundernswerter Lebendigkeit gezeichnet ist, wird sie dem König vorgeführt und übt durch ihre Reinheit und Würde einen eigenen Zauber auf ihn aus. Er nimmt sie in sein Frauenhaus, doch ohne von seinem Siegerrecht Gebrauch zu machen, und übergibt sie dem Schutze seines liebsten Freundes, des Feld- obersten A r a s p a s. Eine schwere Probe für dessen Gehorsam und Treue! A r a s p a s entbrennt in heißer Leidenschaft zu dem Weibe und bedrängt sie im 2. Akt hart mit Bitten, Versprechungen, ja Drohungen. Doch P a n t h e a, dem fernen Gatten, der in der Feldschlacht verwundet, treu, widersteht und flüchtet zum König, obwohl der Tod ihr droht nach dem Gesetz: Wer ungerufen vor des Königs Antlitz tritt, der stirbt. Kyros schenkt ihr das Leben und läßt Araspas holen. Doch schon naht dieser selbst, willig, die Strafe für sein Vergehen zu erdulden: den T o d, da er ein Weib aus seines Königs Frauenhaus berührt hat. Schon winkt Kyros den Lanzenträgern, ihn fortzuführen, da wirft sich Panthea ihm zu Füßen und bittet selbst um Gnade für
Dienstag den 6. Juni
■■■■■—i— I l^^»iB■mne■■■■■^a■MgB■^■E8■■■■^ uw m—psw—mbp—mm
Verloren: 1 gelber Damenhalbschuh, 1 Monatskarte zur Fahrt Hanau-West—Mainkur.
Entflogen: 1 Kanarienvogel.
Entlaufen: 1 hellgestreifter junger Boxer m. Eeschl.
Hanau den 7. Juni 1911.
politische Rundschau.
Das Befinden des Prinzen Joachim ist durchaus befriedigend. Der Prinz erhielt nach Vornahme der Punktion eine bedeutende Erleichterung, die Schmerzen haben nachgelassen. Es scheint, daß die Heilung nunmehr einen regelrechten Verlauf nimmt. Die Kaiserin weilte, wie täglich, gestern vormittag längere Zeit am Krankenlager.
Die Tarifgemeinschaft im Vuchdruckgewerbe. In der in Hamburg abgehaltenen Hauptversammlung des Deutschen Buchdruckervereins wurde nach einem Vortrage des Geh. Kommerzienrats Vüxenstein-Berliu über die bevorstehenden Tarifverhandlungen nachfolgende von Kommerzienrat Neven Du Mont-Köln eingebrachte Entschließung einstimmig angenommen: „1. Die außerordentlich stark besuchte Hauptversammlung des Deutschen Buchdruckervereins in Hamburg am 27./2S. Mai 1911 erklärt ihr einmütiges Einverständnis mit den Ausführungen des Berichterstatters zur bevorstehenden Revision des Deutschen Vuchdruckerlarifs. 2. Sie wünscht, daß das große Werk der Tarifgemeinschaft durch einträchtiges Zusammenarbeiten der Prinzipale und Gehilfen aufrechterhalten wird. Sie ist aber der Meinung, daß dies nur gelingt, wenn jede Vertragsseite auf die Verhältniße und berechtigten Interessen der anderen Seite gebührende Rücksicht nimmt. 3. Sie erwartet daher, daß den wesentlichen grundjätzlichen Wünschen der Prinzipale bei den Revisionsverhandlungen Rechnung getragen wird. 4. Die Hauptversammlung betont ausdrücklich, daß sie ihren Kreisvertretern voll vertraut und geschlossen hinter ihnen steht."
Das neue französische Champagner-Gesetz. Die Neueinteilung der Departements im Champagnergebiet hat im Aube-Departement große Erregung hervorgerufen, da die Ansprüche, die die Weinbauern des Aube-Departements gestellt haben, nur zum geringsten Teile befriedigt worden sind. Für die Fassung der neuen Bestimmungen ist als verantwortlich wohl Senator Leon Bourgeois, der Vertreter der Marne, anzusehen. Für die Produkte des Marnege- bietes bleibt die Bezeichnung, die durch das Delimitations- gesetz vom Februar geschaffen worden ist, bestehen. Die Marne-Schaumweine werden also als „Champagner" bezeichnet werden. Dagegen wird für die Departements Aube, Aisne, Hautemarne und Seine-et-Marne eine neue Bezeichnung geschaffen. Die Schaumweine aus diesem Gebiete er- Araspas. Kyros verzeiht. Zum Zeichen seines Dankes geht Araspas nach Babylon, um als Sühne den Gatten Pan- theas herzuführen. Im 3. Akt tritt dieser, Abradatas, von Kyros',Hoheit bezwungen, zu ihm über und stirbt in einer neuen Schlacht den Heldentod. An seiner Bahre tötet sich Panthea, so dem Gatten treu bis in den Tod. Auch Araspas fällt in dieser Schlacht, seine Treue als Freund mit dem Tode besiegelnd.
Das Drama bewegt sich in der Richtung des Hebbelßchen „E y g e s" und „Herodes und Marianne", ist aber insofern frei von Hebbel, als es von jeder Abstraktion losgelöst ist und vor einer outrierten Verallgemeinerung (Tendenz) bewahrt bleibt. Ein Drama impulsiver Leidenschaft, eigenwertig in jedem Akte. Und wenn es auch für die Dichterin eine Erlösung nur durch den Untergang des Individuums gibt, so tönt aus der Vernichtung doch feierlich eine große Versöhnung mit dem Willen des Alls. Hebbel und Shakespeare begegnen sich in diesem Drama.
Die Charaktere desselben stehen vor uns wie ausgemeißelt; Kyros: edel, weitblickend, echt königlich seine Kräfte beherrschend; Araspas: zuerst leidenschaftlich, stür- misch, nach der Wandlung aber sich selbst überwindend, ja sich selbst aufopfernd. Ein Charakter, wie wir w e n i g e im modernen Drama haben. Ein Held jeder Zoll; das Gegenteil von ihm Wradatas: mißtrauisch und langsam im Wechsel seiner Ueberzeugung. Panthea: das reine Weib, ursprünglich in Fühlen und Denken, verfeinerte Natur.
Den Kyros stellte ein geborener Hanauer, Herr Alberti, dar, der uns als Uriel noch in guter Erinnerung ist. Er schuf eine Gestalt voll Leben und disziplinierter Kraft. Den Araspas gab Herr Herzberg mit viel Feinheit und psychischer Vertiefung; eine hervorragende Leistung war auch die des Herrn Bohnäe (Pheraulas, persischer Feldoberster) und Panthea fand durch Frl. Jähnert eine Verkörperung, wie man sie sich kaum anders und besser denken kann.
^-rnsprechanschltttz Nr. 230 1911
halten den Namen „Champagner zweiter Zone". Bei der Champagnerbereitung dürfen die Weine aus diesen Departements im Marnegebiet mitverarbeitet werden und umgekehrt, doch nur für die reinen Marneprodukte bleibt der Schutz des Gesetzes vom Februar 1911 bestehen, d. h., daß sie schlankweg als „Champagner" bezeichnet werden dürfen.
Der Oberstaatsanwalt von Monastir wurde von einem Unbekannten erschoßen. In Monastir herrscht große Aufregung.
I« der Nähe von Köprülu, auf dem Wege, den der Sultan auf seiner Reise nach Mazedonien benutzen mutz, wurden 42 Kilogramm Dynamit gefunden, sowie Material, welches zur Herstellung von Bomben nötig ist.
Bei einem Grenzkonflikt zwischen griechischen und türkischen Soldaten wurden vier türkische Soldaten erschoßen. Das Dazwischentreten der Offiziere beendete de« Kampf.
25. WUM-WMeMsstellllng der Deutschen Landwirtschasts - Gesellschaft za Cassel vom 22.-27. Juni 1911.
Die fünfundzwanzigste Wiederkehr der Ausstellung führt die deutsche LandwirtschaftS • Gesellschaft in das Herz von Deutschland, nach Hessen-Nassau, und eS konnte für die Deutsch« Landwirtschafts-Gesellschaft fein Zweifel sein, daß ihr Besuch nunmehr dem Norden der Provinz zu gelten hab«, nachdem Frankfurter». M. die Ausstellung zweimal ausgenommen hatte. So folgten wir der Einladung TaffelS, dieses alten Zentrums hessischen Volkslebens und mitteldeutscher Kultur gern in der Erwartung, daß neben der Ausstellung auch die Ausstellungsstadt selber unsere Mitglieder zu einem Besuch anreizen werde, und daß namentlich die bäuerliche Bevölkerung Hessens und der ihm benachbarten Gebietstelle Thüringens, Waldecks, Westfalens, Hannovers, Braunschwtigs gern Gelegenheit nehmen werbe, bie Ausstellung zu besuche«.
Wenn auch die Mauk- und Klauenseuche durch den Ausfall der SlauenviehauSstellung eine gewisse Einschränkung der Schau bewirkt hat, so hat sich doch von allen Seiten das Bestrebe« gezeigt, die anderen Abteilungen desto reichhaltiger auszubauen, so daß die Besucher, auch wenn sie nicht ganz das gewohnte Bild der Ausstellung wiederstndm, nicht ohne reiche Anregungen auch von tiefer Ausstellung Heimkehrer» werden.
Wenn wir im folgenden versuchen, dl kurzen Striche« das Bild der Schau pt zeichnen, so kann dies in keiner Weise erschöpfend sein: Auskünfte über Einzelheiten erteilt jederzeit die Hauptstell« der Gesellschaft, auch werben die Kataloge vom 10. b. MtS. ab versandt.
Ein gewaltig Drama, das noch von sich reden machen wird, E .,«
Die Memoiren einer Sozialistin.
Frau Lily Braun, die viel gerühmte unb noch mehr geschmähte Tochter des Generals von Kretschmar», die vor nunmehr 1*/’ Jahrzehnten ihr Weg in die Reihen der Sozialdemokratie führte, hat, laut „Leipz. R. Nachr.", im Verlag von Albert Langen in München den zweiten Band ihrer „Memoiren einer Sozialistin" erscheinen lassen, den sie „Kampfjahre betitelt (Preis geheftet 6 Mk.). Schon der erste Teil dieses selbstbiographischen Romans, in dem sie Wahrheit und Dichtung zu einem packenden, fesselnden Ganzen verschmilzt, hat seiner Zeit viel Aufsehen hervorgerufen. In jenem schildert« ste ihr» Jugend und ihr Leben bis zum Tode ihres ersten Gatten, des Berliner Professors von Gizycki. Die „Kampfjahre" behandeln ihre aus ihrer ganzen" Lebensanschauung flch ergebende Entwicklung zur Sozialdemokratin und die maßlosen Kämpfe und Stürme, die sie innerhalb dieser Partei an der Seite ihres revistoni- stischen zweiten Gemahls Dr. Heinrich Braun über sich dahin brausen laßen mußte. Es ist in der Tat ein Kampsesleben, das sie schildert, ein inneres sowohl wie ein äußeres: ein Kampf inneren Zwiespalts zwischen den sozialen Neigungen, die sie zur Sozialdemokratie hinüberziehen, und dem angeborenen und anerzogenen Empfinden der feinfühligen gebildeten Frau, das sie abstößt vom praktischen Parteileben gerade dieser Partei, in der persönliche Eifersüchteleien und die Politik der Nadelstiche ja stets das gemeine Zusammen- schaffen durchwuchern. Und im Zusammenhang damit der Kampf ihrer starken, selbstbewußten Persönlichkeit gegen den durch Voreingenommenheit, Mißtrauen, aber auch durch den Gegensatz prinzipieller Anschauungen hervorgerufenen Widerstand, dem sie überall in der Partei begegnet. Ein Kampf, in dem sie äußerlich unterliegt, innerlich aber siegt.
Ist Lily Braun Sozialdemokratin? Sie selbst behauptet es, und die Partei führt ihren Namen in ihren Listen. Und doch sind ihre ^Kamvfjahre" ein langes und uoL dazu glän-