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General-Anzeiger
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«rein. ev. Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!, Redakteur: T. Schrecker tu Hana»
Nr. 4
Ferktsprechanschlns; Nr. 230.
Donnerstag Jen 5. Januar
F-r»sprechanschl«b Nr. 230
1911
Amtliches.
Landkreis Fjanau.
Unter Bezugnahme auf meine Kreisblattbekanntmachung vom 15. Januar 1908 —in Nr. 3 der amtlichen Beilage zum „Hanauer Anzeiger" — mache ich die Ortspolizeibehörden darauf aufmerksam, daß die Listen über die im Jahre 1910 ausgestellten grauen Quittungskarten B. (Selbstvsrsicherer) unverzüglich der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau in Cassel einzureichen sind.
Fehlanzeige ist nicht erforderlich.
Hanau den 3. Januar 1911. J. 13
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Eutsvorsteher, die mit der Erledigung meiner Verfügung vom 25. April v. J. V. 2594, betreffend Hochwasser und Ueberschwemmung 1910, im Rückstände sind, ersuche ich, die ausgefüllte Karte binnen längstens 3 Tagen einzureichen.
Hanau dm 3. Januar 1911. V. 2594 II
Der Königliche Landrat.
. Frhr. Laur.
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Bäckermeisters Bernhard Mayer von Langenselbold, jetzt in Offenbach a. M., wird Termin für eine Eläubigerver- sammlung zum Zwecke der Beschlußfassung:
. a) über die noch ausstehenden Forderungen, deren zwangsweise Beitreibung aussichtslos erscheint, â) über einen Antrag auf Zwangsversteigerung eines Grundstücks der Gemarkung Langenselbold auf den 31. Januar 1911, vormittags 9% Uhr, anberaumt.
Langenselbold den 29. Dezember 1910. 499
Der Eerichtsschreiber des Königl. Amtsgerichts.
Hafer und Stroh
(Roggenlangpreß- und Flegelstroh) kauft 449
Proviantamt Hanau.
Politische Rundschau.
Der Kaiser und die internationale Lage. Einer Meldung der „Allgemeinen Korrespondenz" zufolge soll sich Kaiser Wilhelm am Neujahrstage zu einigen Botschaftern über die internationale Lage geäußert und diese als äußerst beruhigend bezeichnet haben. Der Kaiser hat bemerkt, daß
Stadttheater in Hanau.
Die Schmetterlingsschlacht.
Komödie in 4 Akten von Hermann Sudermann.
Das gestern an unserer Bühne wieder einmal zur Darstellung gelangte vieraktige Schauspiel „D i c S ch m e t t e r I i n g s s ch I a ch t" läßt immer wieder von neuem die Bewunderung aufkommen, mit welch tiefem Kennerblick der erfolgreiche Autor in den Entwicklungsgang der Psychologie problematischer Frauennaturen eingedrungen ist und mit welcher technischen Cewandheit er die Handlung, die allerdings in diesem Werke gegenüber der Schilderung des Lebens gewißer in Vergleich gezogener Gesellschaftskreise, in zweite Linie tritt, in einer äußerst interessanten Weise ihren Kulminationspunkt erreichen läßt. Das überaus Rühmliche an diesem Schauspiel ist, ähnlich wie in der „Ehre", der Umstand, daß der Dichter kein romanhaftes Sujet dem Hörer als Schauspiel bietet, sondern, daß er seinen Stoff aus dem Urquell der unnachsichtigen Realistik des Lebens schöpft, worin eben das Geheimnis besteht, daß das Werk stets einen tiefen nachhaltigen Eindruck hinterläßt.
Eine Darbietung, die unseres vollsten Beifalls gewiß war, bot Herr Schneider, der auch für die Inszenierung gewissenhafteste Sorge getragen hatte, als der vom Schicksal geprüfte und sich um sein Lebensglück vollständig geraubt fühlende Pessimist „Winkelmann". Schlicht und überzeugend in den ruhigen Szenen und von frappanter Echtheit und Kraft in den erregten Momenten, traf er, ohne sich zu irren, mit unbedingter Sicherheit immer die rechte Nuance. — Den rücksichtslosen Lebemann und Renommierhelden „Richard Keßler" gab Herr Paul H o ch f e l g vom Stadtthcater in Eleiwitz als Gast. Der Künstler, der wohl noch manchem
schon lange keine so friedliche Stimmung geherrscht habe wie jetzt, und diese erfreuliche Erscheinung darauf zurückgeführt, daß die verschiedenen Staaten im Falle von auftauchenden Gegensätzen sich jetzt bemühen, zu einer Verständigung zu gelangen, was mehr verspricht, als die Führung eines gefährlichen Krieges.
Deutschlands Entschädigung. Die „Köln. Ztg." meldet aus Tanger: Die Arbeiten der Schiedskommission zur Prüfung der deutschen Forderungen sind beendet worden, bewilligt wurden 050 026 Fr., gefordert waren 1 271 405 Fr. Dieses Ergebnis, das vor allem der Tätigkeit des deutschen Schiedsrichters Hoffmann zu verdanken ist, befriedigt im großen ganzen die Beteiligten, nachdem die rein marokkanische Kommission trotz energischer Wahrung der deutschen Rechte durch den Vertreter der deutschen Gesandtschaft nur einen bescheidenen Teil unserer Forderungen bewilligt hatte.
Mandatsmüde Abgeordnete. Von gut unterrichteter Seite verlautet, daß der bayerische Abgeordnete Dr. Heim aus Gesundheitsrücksichten bei den nächsten Reichstags- wahlen nicht mehr kandidieren wird, ebenso will der Abgeordnete Dr. Jäger, der seit langen Jahren den Wahlkreis Dillingen vertritt, nicht mehr in den Reichstag zurückkehren. Ferner soll das Zentrum beabsichtigen, in den Landtagswahlkreisen Würzburg, Amberg, Dillingen und Neustadt Arbeitersekretäre als Kandidaten aufzustellen.
Weitere Stiftungen Carnegies. Wie verlautet, gedenkt der amerikanische Milliardär Carnegie, seinen letzten Stiftungen noch weitere Millionenspenden für gleiche oder ähnliche Zwecke folgen zu laßen.
Der Dreibund. „Popolo Romano" schreibt zu dem Artikel der „Nordd. Allg. Ztg", er schließe sich ihrer Ansicht völlig an, daß die Bedeutung des Dreibundes sich in der öffentlichen Meinung so sehr befestigt habe, daß nicht nur bei den verbündeten Nationen, sondern in der ganzen Welt jeder Zweifel an dem Zweck, der Aufrechterhaltung des Friedens, ausgeschloßen sei. Gerade dieser friedliche Charakter des Dreibundes gestatte jedem der Dreibundstaaten, mit den Mächten anderer Mächtegruppen freundliche Beziehungen zu pflegen.
Steuerzahlung durch Postscheck. Die ministerielle „Berliner Korrespondenz" bezeichnet es als wünschenswert, daß die Stadtverwaltungen ihre Steuerzahlstellen in den Post- scheckverkehr einbczichen, damit die Inhaber von Postscheckkonten ihre Steuern auf das Konto der Steuerzahlstelle überweisen laßen, die übrigen Steuerzahler ihre Steuern mit Zahlkarten an jedem Postschalter zahlen können. Zur Erleichterung wird für die Postscheckkonteninhaber folgendes Verfahren eingeführt werden: Die Steuerzahlstelle teilt dem Postscheckamts zum Fälligkeitstermine die abzuschreibenden Beträge mit. Das Postscheckamt belastet die Konten Theaterbesucher, durch sein vorjähriges Gastspiel als „Othello" an unserer Bühne in Erinnerung sein dürfte, war gestern sowohl der schauspielerischen Darstellung wie auch im Auftreten seiner Rolle gewachsen, nur entbehrt für die maßvolle Abtönung der mannigfachen Gefühlsempfindungen dieser launenhaften Siegernatur das Organ des Künstlers eines gewißen geschmeidigen Tonfalles, womit aber nicht gesagt sein soll, daß Herr Hochfels für ein etwa in Frage kommendes Engagement nach unserer Ansicht auszuschlagen wäre. Ein abermaliges Gastspiel in einer weiteren modernen Partie wäre wohl von besonderem Jntereße. Frl. Hammer (Frau Hergentheim) bot eine ganz vorzügliche, einheitlich durchgeführte Figur, und auch Frl. Ballin (Else) wußte eine prächtige, lebensechte Gestalt auf die Bretter zu stellen. Recht gelungen charakterisierte Frl. E u m p r c ch t die „Rosi", jene naive, bescheidene Menschenseele. Die junge Künstlerin ging in nicht zu unterschätzender Weise in Ausarbeitung ihrer Rolle scharf vom Psychologischen aus, gestaltete sicher und diskret und sprach mit ebenso viel Empfindung wie Natürlichkeit. Eine ebenfalls schätzenswerte Leistung können wir die „Laura" der Frau Schneider- Sieg bezeichnen. Die mancherlei fein beobachteten Züge, die der Charakter des seelisch deprimierten „Max" aufweist, brachte die sorgfältig durchgearbeitete Leistung des Herr Hell klar zu Tage. Herr Reichard (Wilhelm Vogel), sowie Herr Carl Albert Wagner (Dr. Kosinsky) spielten ihre kleineren Partien mit sichtlichem Eifer und Hingabe. ■ L. 8.
Kunst und Teben.
Das Frauenstudium in Deutschland im Winter 1910 11. Im Herbst 1908 werden bekanntlich den Frauen, denen für die Immatrikulation bis dahin nur die süddeutschen Universitäten offenstanden, sämtliche deutschen Universitäten zu-
der einzelnen Steuerzahler, die sich vorher schriftlich damit einverstanden erklärt haben müßen, und übersendet die Zettel den Teilnehmern mit den nächsten Kontoauszügen. Die abgebuchten Beträge werden dem Konto der CteuerzahU stelle in einer Summe gutgeschrieben.
Zur Weltpolitik. „Petit Parisien" schreibt in einem sichtlich offiziösen Artikel: Aller Voraussicht nach wird die Rede, die der Minister des Aeußern Pichon am 12. Januar anläßlich der Beratung des Budgets des Aeußern halten wird, eine genaue Darstellung der Stellung Frankreichs in der Weltpolitik enthalten. Nach den Erklärungen des deutschen Reichskanzlers über die Potsdamer Begegnung und die Gerüchte über die deutsch-russische Annäherung wird Minister Pichon zweifellos der öffentlichen Meinung die erforderlichen Aufklärungen geben. Es ist eine offenkundig« Tatsache, daß Rußland sich bemüht, seine Beziehungen zu Berlin und Wien zu verbeßern, vielleicht nur deshalb, um einer, seinen wirtschaftlichen Jntereßen abträglichen Spannung ein Ende zu machen. Aber Frankreich braucht an einer in gewißen Grenzen bleibenden Annäherung keinen Anstoß zu nehmen, da es ja selbst im Jahre 1909 mit Deutschland das marokkanische Abkommen geschloßen hat und Botschafter Iswolski erst kürzlich im Elysee die Festigkeit des Zwei- bundes bekräftigt hat. Was die privaten Auslastungen einzelner englischer Blätter anlangt, ^ können diese die Aufrichtigkeit der Entente cordiale niTL in Frage stellen. Die allgemeinen Bedingungen der Politik Frankreichs haben sich demnach nicht geändert und es wird Herrn Pichon nicht schwer fallen, zu zeigen, daß der Einfluß Frankreich» von seinem Ansehen nichts verloren hat.
Die Einnahme her Anarlhißensestnüg in bnliiJiL
Ueber den Kampf zwischen der Londoner Polizei und den Anarchisten in der Sydneystraße wird berichtet: Es herrscht jetzt in der Sydneystraße Ruhe, doch ist die Ab- sperrung bisher nicht aufgehoben worden. Die Bewohner der Sydneystraße dürfen passieren. Das Befinden der verletzten Feuerwehrleute und Polizeibeamten ist bester. Die beiden Leichen; deren Köpfe vom Rumpfe getrennt ist, bleiben im Leichenschauhause bis zur gesetzlichen Toten- schau. Es heißt, daß noch Ueberreste einer dritten Leiche, deren Erkennung fast unmöglich ist, unter den Trümmern gefunden wurden. Jene beiden Leichen sind, wie bereits gemeldet, als die der gesuchten Anarchisten festgestellt worden.
Die Zahl der Verletzten
wird in den letzten Meldungen auf insgesamt 19 Personen angegeben. Unter ihnen befinden sich fünf Polizeioffiziere, ein Unteroffizier der schottischen Garde, sechs gänzlich gemacht, was sofort eine Verdreifachung der Zahl der Studentinnen und ein Anwachsen auf 1108 zur Folge hatte. Inzwischen ist das Frauenstudium weiter so fortgeschritten, daß in diesem Winter die Zahl der studierenden Frauen 2412 beträgt und 4,4 Prozent der deutschen Studentenschaft repräsentiert, gegen 2169 und 3,5 Prozent im letzten Sommer. Diese starke Zunahme beruht auf einem höheren Zufluß aus dem Reiche selbst und besonders aus Preußen; denn von der heutigen Gesamtzahl sind nur etwas 320 Ausländerinnen, die etwa zur Hälfte aus Räßland und zu einem Drittel aus Amerika stammen. Auf die einzelnen Fächer des akademischen Studiums verteilen sich die heutigen Studentinnen, wie folgt: Philosophie, Philologie, Geschichte und verwandte Fächer studierten 1370 gegen 975 im Vorjahr, mithin mehr als die Hälfte, Medizin 527 gegen 476, Naturwissenschaften und Mathematik 356 gegen 287, Zahnheilkunde 49 gegen 46, Staatswißenschaften und Landwirtschaft 60 gegen 27, evangelische Theologie 7 gegen 5 und Pharmazie 5 gegen 3. Es zeigt sich danach mit jedem Jahr mehr, daß die gebildete Frau in höherem Maße sich nur auf zwei Gebieten betätigt: in dem höheren Lehramt und in der Medizin. Ein volles Drittel der Studentinnen findet man an der Universität Berlin, nämlich 806 (gegen 626 im letzten Sommer); 222 sind in Donn eingeschrieben (gegen 204), Göttingen hat 193 Studentinnen (gegen 160), München 192 (176), Heidelberg 162 (191), Breslau 117 (100), Freiburg 108 (116), Leipzig und Münster je SO (51 und 68), Geifs- wald 64 (60), Marburg 57 (68), Königsberg 56 (56), Halle 45 (37), Jena 42 (41), Gießen 38 (36), Tübingen 36 (35), Kiel und Straßburg je 31 (je 34), Erlangen 30 (22), Würzburg 14 (9) und Rostock 8 (5). Danach sind an den 10 preußischen Universitäten 1671 Frauen eingeschrieben, an den 3 bayerischen 236, an den 2 badischen 270 und an den 6 übrigen einzelstaatlichen Universitäten einschließlich der reichsländischen nur 235. Aus der Zunahme der studierenden Frauen haben danach die preußischen Universitäten einen