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Hanauer K Aiyeiger
Vezugsprer« MerteyShrNch 1.80 ML. moneUich 80 Vf9-, flr MM« Mötti-e Abonnent«, mit dem betreff. Postauffchlo». Sie einzelne Nummer kostet 10 Pfs.
NoLationsdruL und Verla« der Buchdruckerei dee «rein. «v. Waifenhaufe, in Hanas.
General-Anzeiger
AMchts GkMN für Steil- nah fanikttte genau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Derantwortl, Nedakteur: T. Schrecker ta Sonam
^L 232 ^ernsprechairfchlitf; 9?r* 230.
Die Mac tarnet Maßt Mr d.MtttMlMM 14 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis Ranau. Bekanntmachung.
Die Wohnung im 1. Obergeschoß des Hauses Kleine Sandstratze 10, bestehend aus Stube, Kammer und Küche, ist vom 1. November ds. Js. ab gegen einen monatlichen Mietpreis von 8 Mark zu vermieten.
Etwaige Bewerber wollen sich Neustädter Rathaus, Zimmer Nr. 11, während der Sprechstunden (vormittags von 10—12% Uhr) melden.
Hanau den 29. September 1911. 23323
Der Magistrat.
Hild.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Die Gemeinden Kahl und Dettingen sind aus dem Be- obachtungsgebiet ausgeschieden.
Hanau den 3. Oktober 1911. V. 6477
Bekanntmachung.
Mit Rücksicht aus den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Dorn-Asienheim, Ober-Wöllstadt, Dorheim und Ossenheim werden diese Gemarkungen zu Sperrbezirken uird die Gemarkungen Ober-Florstadt, Nieder-Florstadt,/Friedberg, Nieder-Rosbach, Nieder-Wöllstadt und Bruchenbrücken zu Beobachtungsbezirken erklärt. Für Sperr- und Beobachtungsbezirke gelten die Bestimmungen sub. IT, ITT, IV, V, yi und VIT der Bekanntmachung vom 5. l. Mts.
Friedberg den 28. September 1911.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg.
I. B.: Dr. Gaßner.
Polititoe RundfcWsL
Die Nationalliberale Partei Hesiens wird sich auf ihrem Parteitage, der Sonntag den 8. Oktober im städtischen Saalbau zu Darmstadt stattfindet, ausschließlich mit den Landtagswahlen beschäftigen. Am Vormittag des genannten Tages wird der Landesausschuß zusammentreten. Nachmittags 3 Uhr findet die Landesversammlung statt, in der die Landtagsabgeordneten Bach-Mainz, Köhler-Worms und Osann-Darmstadt über Fragen der hessischen Politik sprechen werden. Zu dieser letztgenannten Versammlung sind alle Parteimitglieder, Freunde und Gesinnungsgenossen willkommen^
Stadttheater in Hanau.
Polnische Wirtschaft.
Aufführung: Montag dèn 2. Oktober.
Es gibt seltsame Leute. Dieser Umstand wäre weiter nicht von Bedeutung, wenn besagte Seltsamkeit nicht manchmal ausarten würde; und zuweilen (gottlob nur zuweilen!) findet sie ihren Niederschlag in dem Entschluß, eine Posse zu schreiben. Vielleicht sollt' es ursprünglich eine Tragödie werden, aber die Idee wurde am Ende in dem geduldigen Breitopf so lange herumgerührt und mit so mannigfachen Zutaten versehen, bis aus den aufquirlenden Blasen der etwas aufdringliche Geruch eines ganz vulgären Vaudeville-Ragouts stieg, über das zwar weidlich die Nase gerümpft wird, das aber doch bei keinem Theatermenu fehlen darf. Und die tüchtigen Herren Köche schwingen voll Stolz die zauberkräftigen Kochlöffel, lachen sich ins Fäustchen und machen dem verdutzt dreinschauenden Apoll eine spöttische Verbeugung. Vitt' seh'! . . .
Uns däucht, wenn nach Hebbel „die Einfälle die L ... . der Vernunft" sind, so haben sich die Herren Kraatz nd Okonko. ski nicht gar zu oft zu kratzen brauchen. Die Griffe ins volle Menschenleben erfolgen mit fröhlicher Skrupellosigkeit und alle Geistvergeudung wird mit ökonomischer Aengstlichkeit aufs strengste vermieden. In einem Ameisenhaufen ist ganz gewiß mehr Disziplin und System, als tn bic|cm Viavai von redenden, hüpfenden, singenden uns kreischenden Personen; und wenn ein Direktor einmal die Kastnachtsidee hätte, das Ganze von hinten nach vo^ > spielen zu lassen, so würde das Stück sicher nicht das Geringste an Verständlichkeit einbüßen. Aber die Herren KraaK und
Mittwoch den 4. Oktober
Der diesjährige allgemeine Vertretertag der Nationalliberalen Partei ist nach einem Beschluß des geschäftsführen- den Ausschusses, der am 1. Oktober zu einer Sitzung in Berlin zusammengetreten war, auf Sonntag den 3. Dezember nach Berlin zu berufen. Der Tagung wird am 2. Dezember eine Sitzung des Zentralvorstandes vorausgehen, in welcher der dem Parteitag zu unterbreitende Wahlaufruf für die bevorstehenden allgemeinen Reichstagswahlen fest- gestellt wird. Ob der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei vor diesem Zeitpunkt noch einmal zu berufen ist, wird von dem Gange der Politik im Reichstage abhängig sein.
Der Krieg zwischen Italien und derTürkei.
Langsame Entwickelung.
Es geht recht langsam vorwärts in diesem überhastet vom Zaune gebrochenen Kriege, der mit einem nur auf 24 Stunden befristeten Ultimatum begonnen hat. Jedenfalls geht es allen denen zu langsam, die die europäische Presse mit einer Fülle von Alarmdepeschen überschüttet haben, vie schon von großen Seeschlachten und Bombardements türkischer Küstenstädte und gewaltigen Kämpfen bei Prevesa das dickste Zeug zusammengelogen haben, während dre Italiener bisher nur ein paar alte wacklige türkische Dampfer mit ein paar Gewehren und einigen Kisten Munition erwischt und ein einziges türkisches Torpedoboot auf den Strand gejagt haben.
In einem Berliner Telegramm der „Köln. Ztg." heißt es: Als besonders erfreulich aus den heutigen Telegrammen hervorzuheben ist, daß man in Italien allem Anschein nach den Fehler erkennt, dep man vor Prevesa begangen hat und daß man in Zukunft oie Küste der Adria in Ruhe lassen will. Was die diplomatische Lage betrifft, so verdichteten sich bisher die guten Absichten der Mächte noch zu keinem formellen Vermittelungsversuch, sie treten aber so nachdrücklich hervor, daß man wohl bald weiteres hören wird. Der allgemeinen Lage kann es zugute kommen, wenn auch der marokkanische Streit seinem Ende näher gebracht wird. Die „Agence Havas" verkündet, daß das endgültige Einvernehmen über Marokko unmittelbar bevorstehe. Wenn die neue, von Cambon mitgeteilte Fassung in irgendwelchen Einzelheiten noch zu Bedenken Anlaß geben sollte, würde das nur eine zeitliche Hinausschiebung bedeuten, die allerdings nicht zu wünschen wäre. Die Erklärung der „Agence Havas", daß die noch ausstehende Regelung der deutschen Entschädigung im Kongo nicht weniger schwierig sei, ist gewiß nicht unzutreffend, aber auch hier kann man daran festhalten, daß über die allgemeinen Erundzüge eine Uebereinstimmung herbeigeführt werde.
Es scheint also eine Möglichkeit zu bestehen, daß die Feindseligkeiten, noch bevor sie eigentlich begonnen haben, wieder eingestellt werden, und daß den Türken auf dem Okonkowski ambitionieren schließlich auch nicht auf klassischen Nachruhm, und es ist auch ganz gleichgültig, welch seltsames Gewebe sie aus dem dürftigen Handlungsfädchen wirken, denn es soll ja doch alles höchstens zur Verschleierung des Umstandes dienen, daß wir im Grunde genommen einem regelrechten Variete-Abend beiwohnen, dessen lustige Einzer- nummern auf irgend eine Art mit einander verbunden werden müssen. Und diese Nummern, aus dem Rahmen des Ganzen gelöst, sind denn auch in ihrer Art von stärkster Wirksamkeit und bringen es mühelos fertig, die luftigen Geister im Haus zu übermütigen Purzelreigen aufzuwir- beln. Alles ist natürlich auf Eroteskwirkungen gestimmt, sogar unter großmütigem Verzicht auf jede „RLhrkiste"; und da der Geist unserer Zeit nun einmal dem tragischen Stelz- gang unseres klassischen Onkels ziemlich abhold ist, so ist es schließlich das gute Recht der leichtfüßigeren Muse, zur Exekution ihrer ausgelassenen Tanzschritte das Gewand etwas höher zu schürzen und selbst das Badekostüm nicht aus dem Kreis erlaubter Möglichkeiten zu verbannen.
Dank der gründlichen Vorbereitungen haben wir eie; eine äußerst flotte Aufführung der Posse, deren sich manche große Bühne nicht zu schämen brauchte. Die Damen Harves, Adam und Schmidt-Schütz sind in ihren Partien mustergültig und ihre Partner bleiben nicht dahinter zurück. Was das Stück an gröberen oder feineren Effekten enthält, wird mit virtuoser Sicherheit herausgeholt und noch unendlich viel mehr durch eigenes Können geschickt nach- schaffend hineingetragen.
Beugen wir also unser Haupt vor dem lustigen Despoten der diesjährigen Spielzeit, denn der Erfolg ist schließlich das wichtigste Reagensmittel für alle Mühe. Und wenn Avollo sich stirnrunzelnd abwendet — wer kann dafür?
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Fernsprechanschlitsr Nr. 230 1911
trockenen Wege einer Konferenz Tripolis abgeknüpft wird.
— Die italienische Botschaft in Paris hat die Agence Havas ersucht, den Standpunkt Italiens gegenüber der Frage einer
Friedensvermittlung der neutralen Mächte
zu präzisieren. Die Mitteilung besagt: „Es gehr aus den Ereignissen logischerweise hervor, daß von einer Vermittlung oder von Verhandlungen erst die Rede sein kann, wenn die Türkei die italienische Besetzung von Tripolis anerkannt haben wird." In der Tat entspricht diese Feststellung der Notifikation, in der Italien den übrigen Großmächten seine Kriegserklärung mitgeteilt hat. Es hat darin angekündigt, daß es jede Intervention vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten als einen unfreundlichen Akt ansehen würde. In Pariser diplomatischen Kreisen und wohl auch in den übrigen Hauptstädten ist man deshalb der Meinung, daß allerdings die diplomatische Aktion erst dann mit Erfolg einsetzen könne, wenn die Italiener in Tripolis gelandet sein werden. — Aus Konstantinopel wird gemeldet: Zn der gestrigen Unterredung Sir Gerald Lowthers mit dem Großwesir fragte letzterer nach der Erklärung des Botschafters, England wolle im geeigneten Momente zur möglichsten Wahrung der türkischen Würde und Interessen beitragen, wann er diesen Moment für gekommen erachte. Lowther antwortete, sobald die Türkei die Basis für die Verhandlungen gefunden habe. Privatim soll Lowther hinzugefügt haben, daß die zukünftige Verwaltung von Tripolis ähnlich wie die Aegyptens gestaltet werden könnte. Hierdurch würden die Souveränt- tätsrechte und auch die materieelln Interessen der Türkei gewahrt.
Operationen.
Mailand, 3. Gestern verließ der Dampfer Bologna, der die Kriegsflagge gehißt hatte, mit 1000 Soldaten Infanterie und Artillerie und Munition beladen, Genua. Morgen wird ihm der Dampfer America mit 500 Mann folgen. Tausend Pferde wurden auf dem Dampfer Hannio eingeladen, der nach Augusta abfahren wird zusammen mit dem Dampfer Lazio, der gleichfalls Pferde und Maultiere transportiert. Der Kohlendampfer Emanuele Accame wurde von der Regierung beauftragt, seine Ladung nach Augusta zu bringen, wo eine Kohleneinnahmestation für die Flotte eingerichtet wird. Auch in Neapel herrscht lebhafte Truppenbewegung, die Bevölkerung begrüßt die Soldaten mit lebhafter Sympathie.
Mailand, 3. Oktbr. Die „Tribuna" bringt die Meldung aus Malta, daß die italienischen Kreuzer im Hafen von Tripolis eingefahren sind und die Forts, das Kastell, sowie alle höher gelegenen Punkte bombardiert haben. Dann murren Soldaten ausgeschifft. Am Ufer weht die italienische Flagge. Diese Nachricht wurde allerdings vom Marineministerium noch nicht bestätigt, aber man nimmt bestimmt an, daß das Bombardement stattgefunden hat. — Die Unterbrechung des Kabels dauert fort.
Paris, 3. Oktbr. Nach den letzten aus Rom eingetroffenen Nachrichten haben die Italiener das Bombardement begonnen. Man nimmt aber an, daß es sich zunächst nur darum handelt, festzustellen, ob die türkische Besatzung überhaupt dieses Bombardement beantwortet und Widerstand leistet. Dies dürfte aber kaum der Fall sein und die Landung der Italiener wird deshalb wohl nicht lange auf sich warten lassen. In der diplomatischen Welt schmeichelt man sich mit der Hoffnung, daß damit der Krieg beendet sein wird und daß die Diplomaten allein das Wort behalten.
Ztalienische Vorbereitungen.
Mailand, 3. Oktbr. Der ehemalige Ministerpräsident Luzzatti hielt in Oderzo eine Rede, die er mit den Worten schloß: „In dem weltgeschichtlichen Augenblick, den wir erleben, muß ohne Rücksicht auf politische Meinungsverschiedenheiten ein Ruf aus unserm Herzen kommen: alle mit der Regierung, für die Würde und Größe Italiens." Im Hafen von Neapel wurde ein nächtlicher Wachtdienst durch Kanonenboote eingeführt, um Ueberraschungen durch türkische Torpedoboote zu verhindern. (!) (Das erinnert an die Angsthasen unter den Hafenwächtern im Kriegshäfen Tarent, die nach dem Mailänder Corriere in der Nacht vom 23. auf den 24. September ein geheimnisvolles Schiff, „zwcr- fellos einen türkischen Torpedojäger", in den Hafen einfahren und bald wieder verschwinden sahen.) In Neapel wurde eine zweite Hochseetorpedobootsflottille gebildet, zusammengesetzt aus den Torpedobooten Orsa, Orione. Orfco und Olimpia. Der Postdampfer Molfetta der Schiffahrts- gcfcP Uicft Zuglia soll angeblich auf der Rückfahrt von Du- razzo in voriger Nacht von fünf türkischen Torpedobooten umringt worden sein, hätte sich aber mit Volldampf retten können. An der italienisechn Küste wäre er beinahe mit einem andern Dampfer zusammengestoßen, konnte aber noch rechtzeitig ausbiegen und unversèbrt nach Bari -«langen.