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«rein. es. Waisenhauses in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. verantwort!. Nedakte«: (8. 64ie4et dl &MM.

Nr. 206 ^-rnsprechanschlitk Str. 230.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Zwecks Vornahme von Sielbauarbeiten wird in Hanau-Kesselstadt die Hauptstraße und der Salisweg zwischen Feldgasse und Hopfenstraße bis auf weiteres lür den Durchgangsverkehr gesperrt.

Hanau den 31. August 1911.

Königliche Polizeidirektion.

J. V.: Karbe.

Bekanntmachung.

Das Abortgebäude Holzkonstruktion auf dem Rathaushofe, sowie 2 Pissoirs, von denen eins im Rat­haushofe, das andere Ecke der Hain- und Hospitalstraße steht, sollen verkauft werden.

Angebote sind bis 15. September schriftlich an den Magistrat einzureichen.

Hanau den 30. August 1911. 20911

Der Magistrat.

Bekanntmachung.

Am Donnerstag den 7. ds. Mts., vormittags 9 Uhr, findet im unteren Saal des Neustädter Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt.

Hanau den 1. September 1911.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts. Hild.

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PolitiTcbe RundTcbati.

Die diesjährigen französischen Flottenmanöver beginnen am 4. September mit einer großen Flottenparade, die der Präsident der Republik vor Toulon in Gegenwart des Ma­rineministers und zahlreicher Volksvertreter abnehmen wird. Ohne Zweifel soll diese Parade dazu dienen, dem Zu­lande wie dem Auslande gegenüber den ganz bedeutenden Stärkezuwachs zu betonen, den die französische Flotte im vergangenen Monat durch die Indienststellung von fünf Schiffen derDanton"-Klasse das sechste Schiff wird erst nach den Manövern fertig erfehren hat, ein Stärkezu­wachs, der in den Zahlen der an den Manövern teilnehmen­den Schiffe und Fahrzeuge am besten zum Ausdruck kommt. Im ganzen werden in diesem Jahre beteiligt sein: 18 Linienschiffe (3 Geschwader zu je 6 Schiffen), 9 Panzer­kreuzer, 2 Minenleger, 28 Torpedobootszerstörer mit einer Gesamt-Wasierverdrängung von 390 000 Tonnen und einer Besatzung von 22 000 Köpfen. Demgegenüber zählte die Manöverflotte im verfloßenen Jahre: 12 Linienschiffe, 1 Küstenpanzerschiff, 8 Panzerkreuzer, 1 Minenschiff und 24 Torpedobootszerstörer mit zusammen 270 000 Tonnen und 16 000 Köpfen Besatzung. Außerdem werden noch die Tor­pedo- und Unterseebootsflottillen von Toulon und die Tor­pedoboote von Ajaccio bei sich bietender Gelegenheit in den Gang der Manöver eingreifen. Größere strategische Uebungen sind in dem Plan für die diesjährigen Manöver, die sich auch nur über einen Zeitraum von 12 Tagen ein­schließlich zweier Tage für Materialergänzung und Ruhe erstrecken werden, nicht vorgesehen, dagegen spielen taktische Uebungen eine Hauptrolle, was wohl zum großen Teil da­rauf zurückzuführen ist, daß die erst kürzlich in den Dienst gestellten 5 Schiffe derDanton"-Klasse, die mit Turbinen ausgerüstet sind und die zusammen mit dem älteren Linien­schiffSuffren" das erste Geschwader bilden, bisher noch keine Gelegenheit zum gemeinsamen Ueben gehabt haben. Daneben sind Blockadeübungen unter Heranziehung der Minenschiffe, Aufklärungsübungen (Fühlungnehmen und Heranführen mit Hilfe der Funkentelegraphie), Nacht­märsche und Abwehr nächtlicher Torpedobootsangriffe vor­gesehen. Die anfänglich in Aussicht genommene und wohl allgemeine erwartete Mitwirkung von Flugapparaten für den Aufklärungsdienst ist wieder aufgegeben worden, ohne Zweifel weil man sich darüber klar geworden ist, daß die Flieger den Anforderungen des Dienstes auf hoher See noch nicht gewachsen sind. Nur mit einem neuen, für Beobach­tungszwecke bestimmten Drachen sollen Versuche gemacht werden. Eine Anzahl von Armeeoffizieren (Generalstab und Kriegsakademie) wird den Uebungen an Bord der s beiwohnen. Oberstkommandiercnder und Leiter der Manöver ist der Vizeadmiral Jaureguiberry, der sich auf dem außerhalb der Verbände fahrenden Panzerkreuzer Jules Ferry" einschiffen wird; das erste Geschwader führt der frühere Marineminister, Vizeadmiral Boue de La- peyrere. Die Manöver werden ausschließlich im Mittel-

Montag den 4. September

meere stattfinden. Es entspricht dies, der Friedensdislokation der französischen Hochseeflotte, deren Schwerpunkt schon seit Jahren, gestützt auf Toulon und Biserta, im Mittelmeere liegt. In der französischen und englischen Fachpresie wird auch beinahè einmütig darauf hingewiesen, daß es im Falle eines Krieges gegen den Dreibund Aufgabe der französischen Flotte sein müsse, die Seestreitkräfte Italiens und Oester­reich-Ungarns in Schach zu halten, während man die Siche­rung der französischen Küsten am Kanal und am Atlantik der englischen Flotte überlassen könne.

Belgische Kriegsgedanken. Das belgische Kriegs­ministerium hat beschlossen im Mobilisierungsfalle ein Auto­mobilkorps aufzustellen, das die Aufgabe haben soll, zwischen den einzelnen Artilleriekolonnen die Munition hin und her zu schaffen und die einzelnen Truppenteile mit Munition zu versehen. Auch bei einer eventuellen Zerstörung von Eisen­bahnlinien soll dieses Automobilkorps Beförderungszwecken dienen. Kraftwagen, Die von Privatleuten mit ihren Chauffeuren der Heeresleitung zur Verfügung gestellt werden, sollen am ersten Tage der Mobilmachung von Gendarmen zu einem bestimmten Sammelplätze geleitet werden, um von dort aus das Automobilkorps zu organisieren.

Eine Aeußerung des Botschafters Hill.

Berlin, 3. Sept. Der scheidende amerikanische Botschafter Hill hat den amerikanischen Blättern folgende Mitteilung ge­macht : Ich kann Deutschland nicht verlassen, ohne auszu­sprechen, wie sehr ich die Freundlichkeiten würdige, die mir hier zuteil geworden sind, besonders von feiten Sr. Majestät des Kaisers, der in huldvoller Weise den Wunsch angedeutet hat, mir eine Auszeichnung zu erweisen, deren Annahme mir jedoch die Gesetze meines Landes verbieten. Dagegen habe ich von Seiner Majestät als Erinnerung an unsere ange­nehmen Beziehungen eine Porzellanvase aus der Königlichen Manufaktur annehmen können, und ich bringe meinen Dank für dieses Freundschaftszeichen gern zu öffentlichem Ausdruck. Zurzeit meines Rücktritts im vergangenen April wurde viel nach dem Grund geforscht. Es wurde eine sorgfältig vor­bereitete Legende in Umlauf gesetzt, die meine Haltung bei den deutsch-amerikanischen Verhandlungen über den Kalistreit betraf. Man wollte angeblich zu der Versicherung autorisiert sein, daß meine Haltung dem Staatsdepartement mißfallen hätte. Unter solchen Umständen hat ein loyaler Diplomat die Pflicht zu schweigen, und ich habe diese Pflicht getreulich erfüllt. Ich habe geglaubt, daß die Amerikaner, wenn sie auch oft mit einem guten Ruf sorglos umgehen, doch ehrliches Spiel lieben, und da ich weiß, daß. amtliche Berichte vor­liegen, um zu gegebener Zeit die Wahrheit zu bekunden, so habe ich mich um die Quelle und die Absicht dieser Be­hauptungen nicht gekümmert und will mich auch jetzt nicht darüber äußern. Indem ich jetzt sechs Monate, nachdem über meinen Rücktritt beschlossen wurde, mein Amt, verlasse, wird cs, meine ich, dem Präsidenten lieb sein, wenn ich nunmehr eine eigenhändige Aeußerung von ihm veröffentlichte, die er vor einigen Monaten getan hat und die geeignet ist, jene Legende, die einige Blätter aufrecht zu erbalten gesucht haben, zum Schweigen zu bringen und auszurotten. Er sagt:Ich schreibe jetzt, um Ihnen zu versichern, daß ich niemals den geringsten Grund hatte, Ihre Haltung und Tätigkeit auf dem so wichtigen Berliner Posten zu kritisieren. Sie sind Ihrer Aufgabe in jeder Weise gerecht geworden, und ich habe gerne Gilegenheit genommen, nachdrücklich und kategorisch zu be­streiten, daß Ihr Rücktritt wegen irgend einer Unzufrieden­heit der Regierung mit Ihrer Führung der Geschäfte in ber Kali- oder irgend einer anderen Frage erfolgt sei. Ich schreibe Ihnen dies, denn Sie haben Anspruch auf eine klare Aeußerung über Ihre befriedigende Geschäftsführung, und zwar von feiten dessen, den Sie gut und würdig in der großen Hauptstadt Berlin vertreten haben." Ich veröffent­liche jetzt diese Erklärung, um meinen Freunden in Europa und Amerika zu beweisen, daß ich die Grundsätze der Loyalität treu befolge, von denen ich durch ein Amtsleben von beträchtlicher Dauer geleitet worden bin, und um zu zeigen, daß ich den Gerechtigkeitssinn würdige, von dem der Präsident bei der Anerkennung des mir von andern getanen Unrechts erfüllt war, deren falsche Darstellungen eS soweit als möglich gut zu machen gewünscht hat, unter Umständen, die er, wie ich Grund zu glauben habe, gegenwärtig völlia kennt.

Die Ucbergabe des Steubendenkmals an den Kaiser.

Am Samstag mittag wurde in Potsdam das vteuben- denkmal in den Anlagen des Stadtschlosses enthüllt. Es waren dazu eingetroffen die amerikanische Sondergesellschaft bestehend aus den Herren Richard Bartholdt und Charles B. D. Wolfram, der amerikanische Botschafter D. J. Hill, die in Berlin anwesenden amerikanischen Generale, der Künstler, Bildhauer Jägers, ferner der Reichskanzler.

Fernfprechattschlnk Nr. 230 1911

Staatssekretär von Kiderlen-Wächter, Kriegsminister von Heeringen, Generalleutnant von Steuben und andere Mit­glieder der Familie Steuben. Die Leibkompanie des 1. Earderegiments war als Ehrenwache aufmarschiert mit dem Prinzen Joachim als Fahnenoffizier und den direkten Vor­gesetzten bis zum kommandierenden General von Löwen­feld, unter ihnen der Kronprinz. Gegen halb 1 Uhr erschien der Kaiser, schritt die Front der Ehrenkompanie ab und begrüßt den amerikanischen Botschafter, der ihm die Herren Bartholdt und Wolfftam vorstellte.

Das Mitglied des amerikanischen Kongresses, Herr Richard Bartholdi, übergab dann dem Kaiser das Steuben- Denkmal mit folgender Rede in deutscher Sprache:

Eure Majestät! Im Auftrage des Präsidenten der Ver­einigten Staaten sind wir übers Meer gekommen, um in Vollziehung eines Kongreßbeschlusses Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser und dem deutschen Volke das von Jägers Meisterhand geschaffene Standbild des Generals von Steu­ben, eines großen Deutschen, Bürgers und Helden zweier Welten, als Geschenk des amerikanischen Volkes darzubieten. Wenn ich in Erfüllung dieser ehrenvollen Mission der Dol­metsch der Gedanken und Gefühle des amerikanischen Volkes sein darf, so freut es mich, im Namen der Sonderbotschaft des Präsidenten versichern zu können, daß das dargebotene Geschenk ein Unterpfand des Friedens und der Freundschaft sein soll, und zugleich eine eherne Bürgschaft für die Auf­richtigkeit des von uns Amerikanern gehegten heiligen Wunsches, daß die Bande traditioneller Freundschaft, welche, gefestigt durch den Kitt der Blutsverwandtschaft, das große Deutschland stets so innig mit den Vereinigten Staaten verknüpft haben, sich immer enger um die beiden Kultur­völker schlingen mögen. Der Name Steuben hat jenseits des Meeres einen gar guten Klang. Sein Träger war die^Ver-- körperung deutscher Ordnung und deutscher Manneszucht und jener Treue, von der der Dichter sagt, daß, wenn sie nicht so alt wäre wie die Welt, gewiß ein Deutscher sie erfunden hätte. Er war nicht nur der Ordnung schaffende Genius der Kolonial-Armee, sondern auch der unermüdliche Organi­sator des Sieges. In gerechter Würdigung seiner großen Verdienste errichtete ein dankbares Volk, nationale Unter­schiede hochherzig außer Acht lassend, seinen Manen vor dem Weißen Hause in Washington ein Denkmal, welches jene Verdienste sowie überhaupt den rühmlichsten Anteil der Deutschen an der großenFrei-von-England"-Bewegung versinnbildlicht, und späteren Geschlechtern in dankbare Er­innerung rufen wird. Und die heutige Feier? Sie ist gewiß ein schöner Akt internationaler Höflichkeit, aber dürfen wir die bereitwillige Annahme dieses Standbildes nicht auch dahin deuten, daß Steubens altes Vaterland und sein hoher Herrscher gerne diejenigen würdigen, welche dem deutschen Namen in der Fremde Ehre gemacht haben? Die Tatsache, daß das auf deutschem Boden errichtete Steuben-Denkmal auch diese Sprache redet, wird von Millionen Herzen jenseits des Meeres, die anläßlich dieses Aktes heute an sich höher schlagen, mit hellem Jubel begrüßt werden. Von der sach­lichen zur poliftschen und ideellen Bedeutung dieser Feier ist nur ein Schritt. Gibt es wohl zwei Völker, die auf der Tradition ungetrübter Freundschaft fußend und einer Zu­kunft noch innigerer Beziehungen entgegenblickend, besser berufen wären, in dem großen Humanisierungswerk der Zeit, in der Förderung von Kunst und Wissenschaft und in allen auf die Hebung der Volkswohlfahrt gerichteten Be­strebungen gemeinsame Sache zu machen? Wir leben in einer Zeit internationaler Verständigung, welche die Er- kenntnis gereift hat, daß die ftiedliche Entwickelung wich­tiger ist als alles, was die Völker entzweit, und Deutsch­lands vierzigjähriger Friede bietet Amerika die Gewähr, daß es nur des Anstoßes bedarf, um die schon bestehende geistige Verständigung zur politischen Tatsache werden zu lassen. Möge der heutige Tag zum geschichtlichen Markstein solch glücklicher Entwickelung werden. Als besondere Bevoll­mächtigte des Präsidenten der Vereinigten Staaten haben wir nun die hohe Ehre, Se. Majestät zu bitten, dieses Denk­mal als ein Zeichen der aufrichtigen Freundschaft der Re­gierung und des Volkes der Vereinigten Staaten für Se. Majestät und das deutsche Volk aus unserer Hand gütigst annehmen zu wollen.

Auf diese Rede erwiderte der Kaiser mit folgender Ansprache:

Mit aufrichtigem Dank nehme ich das Denkmal in Empfang, das Sie im Auftrag des Herrn Präsidenten der Vereinigten Staaten " 'n Amerika und in Vollziehung eines hochherzigen Kongreßbeschlusses mir und dem deutschen Volk als Geschenk des amerikanischen Volkes übergeben. Als vor einigen Monaten das Steubendenkmal in Washington enthüllt wurde, hat man überall in deutschen Landen mit