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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei de» verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Amtlicher Organ fit Stabt ab fanbkrtis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme Ler Tonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

ElarilckungsgebührN

Die Lgospaltene Petitzetl« oder deren Raum 20 Psg im Renamenteil die Zeile 45 Psg.

BerantmoxtL NeLakteur: 6, Schrecker ta Kana».

$L 2 ftmityredjoindjhiß Nr. 230.

Amtliches. Handelsregister.

Firma: J. Senjari n in Hanau.

Dem Kaufmann Viktor Kaiser zu Hanau ist Prokura er­teilte

Hanau den 31. Dezember 1910. 197

Königliches Amtsgericht 5.

Konkursverfahren.

Ueber das Vermögen des Kaufmanns Robert Commer in Hanau, Inhabers der FirmaArnold Gerhardt" in Hanau, ist heute, am 2. Januar 1911, nachmittags 12 Uhr 30 Minuten, das Konkursverfahren eröffnet.

Der Rechtsanwalt Dr. Holm in Hanau ist zum Kon­kursverwalter ernannt.

Offener Arrest und Anzeigepflicht sowie Termin zur Anmeldung bis zum 2. Februar 1911.

Erste Gläubigerversammlung am 3. Februar 1911, vor­mittags 11 Uhr.

Prüfungstermin am 17. Februar 1911, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 5 in Hanau Marktplatz Nr. 18 Zimmer Nr. 5. , 195

Der Cerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts 5.

Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Bauunternehmers August Bonifer in Groß- auheim wird Termin zur Abnahme der Schluß­rechnung^ zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichnis, zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren Vermögensstüâe und Anhörung der Gläubiger über die dem Verwalter und den Mitgliedern des Gläubigerausschusses zu bewilligende Vergütung und die ihnen zu erstattenden Auslagen anberaumt auf

den 10. Februar^1911, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 5 in Hanau Markt­platz Nr. 18 Zimmer Nr. 5.

Hanau den 29 Dezember 1910. 231

Königliches Amtsgericht 5.

Ablösung der Neujahrsgratulationen.

Weitere Einträge in die Listen zur Ablösung der Neujahrs- gralulationen:

Leven, Hugo, Direktor der Königlichen Zeichenakademie.

Schwab, Samuel, Juwelenhändler, und Familie.- Ctèffter, Adalbert, Direktor des Stadttheaters.

Hanau den 3. Januar 1911.

Der Magistrat, Armenamt. Die Waisenhausverwaltung.

Hild. Ewald.

Aufnahme von Anisen.

In der Lenoir'schen Waisenanstalt auf dem Teichhofe bei Hessisch-Lichtenau, die dazu bestimmt ist, Waisenkinder ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntnis und die Orts- oder Landesangehörigkeit der Eltern zu erziehen, können am 1. April 1911 wieder 10 Mädchen und zwar Bollwaisen Aufnahme finden.

Voraussetzungen für die Aufnahme sind:

1. Gänzliche Mittellosigkeit des Zöglings.

2. Geistige und physische Gesundheit des aufzunehmenden Kindes, die durch Beibringung einer Bescheinigung des Kreisarztes nachzuweisen ist.

3. Ein Alter von 6 oder 7 und nur im äußersten Vediirf- uisfalle ein solches bis zu 8 Jahren.

Die Kinder verbleiben bis zum. vollendeten 16. Lebens- fâhr in der Anstalt und werden dort der natürlichen Familie entsprechend in Familienkreisen erzogen, auch für einen späteren Lebensberuf unter möglichster Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten und Neigungen vorbereitet.

Ordnungsmäßig entlassenen Zöglingen können auch in ihrem späteren Leben noch Unterstützungen (z. B. Aus­stattung, Beihilfe in Unglücksfällen) zugewendet werden. Aufnahmegesuche sind unter Beibringung der erforderlichen Papiere und unter Darlegung der persönlichen Verhält­niße bis spätestens zum 16. März 1911 an den Leiter der Lenoir'schen Waisenanstalt, Hausvater Pfarrer Engeln, Lenoir'sche Waisenanstalt bei Hessisch-Lichtenau zu richten. Caßel den 27. Dezember 1916. 1357 L. St. 10 Stiftung der Brüder Georae und Konrad Lenoir zur Erziehung von Waisen in Cassel.

Brunner.

Dienstag den 3. Januar

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Dicustnachrichten aus dem Kreise.

In der Gemarkung Bischofsheim ist die Schweineseuche erloschen.

Hanau den 2. Januar 1911. V. 7487

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 grau- und rotkariertes Umschlagtuch, 1 schwarzer schmaler Damenpelz, 1 Quittungstarte von der Hanauer Ortskrankenkasse für Johanna Schmidt, 1 Brillen­futteral von Gebr. Rabe, 1 goldenes Armband.

Verloren: 1 Stammbuch für Franz Böhl, 1 Spar­kasienbuch der Kreissparkasse für Gertenbach.

Abhandengekommen: 1 Fensterladen.

Hanau den 3. Januar 1911.

Politische Rundschau.

Ein Schreiben des Kaisers an Carnegie. Bekanntlich hat der Kaiser das Protektorat der Stiftung übernommen, die Andrew Carnegie dem Deutschen Reiche zur Er­teilung von Belohnungen an Lebensretter widmete/ Der Kaiser hat in einem eigenhändigen Briefe dem Herrn Carnegie seinen Dank für diese Stiftung ausgesprochen. Die LondonerDaily Mail" ist jetzt in der Lage, den Wortlaut des kaiserlichen Schreibens, das.schon vom 31. Oktober 1910 datiert ist, zu veröffentlichen. Das Schreiben lautete:In Ihrer Mitteilung vom 22. September benachrichtigen Sie mich von Ihrem hoch­herzigen Entschluß, die Summe von l1^ Millionen Dollar für Deutschland zu stiften, um das Unglück zu mildern, das sich im Bereich des Deutschen Reiches und auf seinen Gewässern bei heldenmütigen Anstrengungen zur Rettung menschlichen Lebens ereignet, und das den Tod oder In­validität der Lebensretter zur Folge hat. Dieser neue Beweis Ihrer weltbekannten Menschenfreundlichkeit und Großherzigkeit hat mich im höchsten Maße erfreut, und ich betrachte die gewählte Zweckbestimmung als besonders glücklich. Die Stiftung wird in hohem Maße dazu bei­tragen, daß in Zukunft die Ehrenpflicht der Menschheit, für die Opfer heldenmütiger Selbstaufopferung zu sorgen, mehr erfüllt wird, als es bisher möglich war. Sie wird in edlen Menschen den Wunsch anregen, Rettungstaten zu vollbringen, indem sie alle Sorge um die Zukunft ihrer Hinterbliebenen bannt. Ich betrachte es als ein Herzensbedürfnis, Ihnen im Namen des deutschen Volkes den wärmsten Dank zu sagen, und zum dauernden Ge­dächtnis Ihrer edlen Tat werde ich Ihren Namen mit der Stiftung verknüpfen. Gemäß Ihrem Wunsche bin ich auch gern bereit, das persönliche Protektorat zu über­nehmen und ein Kuratorium zu ihrer Verwaltung zu ernennen. Ich lege speziell Wert auf die Mitarbeit des an meinem Hofe beglaubigten Botschafters als Mitglied des Kuratoriums. Mit dem von Herzen kommenden Wunsche, daß Gott der Herr Sie unter seinen mächtigen Schutz nehme und Ihre Stiftung mit seinem Segen ge­leite, bleibe ich Ihr dankbarer und wohlgeneigter Wilhelm I. R. Wie derLok. Anz." mitteilen kann, hat der Kaiser Herrn Carnegie am Samstag durch den amerikanischen Botschafter einen zweiten Dankbrief ge­sandt, dem ein großes Medaillon-Porträt des Kaisers in Bronze beigefügt war.

Der deutsche Kronprinz in Indien. Im Militärlager von Mutra fand am Montag, wie demB. L.-A." aus Agra gemeldet wird, die Parade des Regiments derRoyal Dragoons", hoffen Chef bekanntlich Kaiser Wilhelm ist. vor dem deutschen Kronprinzen statt. Das militärische Schauspiel nahm einen glänzedncn Verlauf. Der Kron­prinz, der die Uniform der Pasewalker Kürassiere mit dem Küraß angelegt hatte, überbrachte dem Regiment Grüße seines Vaters. Der Regimentskommandeur dankte hierfür, wie für die Ehre, den Kronprinzen einige %age als East im Militärlager zu haben. Zum Schluß ließ der Kronprinz das Regiment Carrü bilden und dankte für die vorzüg­lichen Leistungen des Regiments. Sodann bat der Kom­mandeur den Kronprinzen, dies Medaillen, die zum Jahres­wechsel drei Wachtmeistern des Regiments für achtzehn­jährige treue Dienste im Regiment verliehen wurden, jedem der zu Dekorierenden selbst zu übergeben. Der Thronfolger gab dem Wunsche Folge, und führte darauf das Regiment in das Lager zurück.

Die deutsche Kronprinzessin ist am Neujahrstage in Asiuan eingetroffen, wo sie sich drei Tage aufzuhalten ge­denkt.

Drei neue Generalfeldmarschälle sind, wie schon gemeldet, vom Kaiser zum Neujahrsbeginn ernannt worden. Es sind

ftmihtedintifdihtf; Nr. 230 1911

dies die bisherigen Generalobersten Graf v. Schliessen, v. Bock und Polach und v. d. Goltz. Das preußische Heer besitzt nunmehr sechs Eeneralfeldmarschälle, da bisher schon Prinz Arthur von Großbritannien, Graf v. Haeseler und v. Hahnke Eeneralfeldmarschälle waren. Den Rang eines Generalfeldmarschalls haben in der preußischen Armee die Generalobersten Prinz Heinrich von Preußen, der Eroß- Herzog von Baden und der Erbprinz von Sachsen-Mei­ningen. Auch der neuernannte Eeneralfeldmarschall Graf v. Schliessen stand bisher schon in diesem Range.

Die ^rewbenleflion.

Daß Abenteuerlust, die unbedacht und unerfahren in die Ferne schweift und das Fremde bevorzugt, unbezähmbar, daß jugendlicher Leichtsinn, der unbesonnen die Folgen nicht wägt, unverwüstlich ist, bezeugt der ungemindert starke Zu­spruch, hoffen sich die französische Fremdenlegion von unsern deutschen Landsleuten noch immer zu erfreuen hat. Jahraus jahrein verbreitet die deutsche Preße bewegliche Schilde­rungen und Klagen über das jammervolle, ja geradezu empörende Schicksal, das ungezählten jungen Deutschen aus Altdeutschland und besonders aus dem Reichslande Elsaß- Lothringen die Fremdenlegion bereitet; und doch scheint noch immer nicht eindringlich und abschreckend genug vor dem Verhängnis gewarnt zu werden, das unfehlbar über alle die, ohne Ausnahme, hereinbricht, die sich durch trüge­rische Vorspiegelungen, durch Gaukelbilder verführen laßen, in die Reihen her Fremdenlegion zu treten.

Um Unerfahrene und Unwissende zu locken und zu ver­blenden, wird von französischer Seite die Fremdenlegion als eine Kerntruppe bezeichnet in Wirklichkeit ist sie ein Schandfleck des französischen Heeres, verrucht bei denen, die sie kennen, verflucht von den Unglückseligen, die ihr ange­hört haben. Sie ist, wie ihr Name sagt, ein Fremdkörper in der Armee Frankreichs, eine Söldnerschar, in der sich ab­gesehen von hunderten Deutschen, die ihren besten Teil bilden aus aller Herren Länder verkrachte, verdorbene, ver­lorene Subjekte zusammenfinden, Bummler und Land­streicher. Lumpengesindel aller Art, unverbefferliche Gauner und geborene Verbrecher, dazu Schiffbrüchige, die in der Fremdenlegion den Rettungsanker zu finden hoffen, um in ihr sicherem Verderben anheimzufallen.

Moderne Landsknechte" hat man die Fremdenlegionare gneannt; aber damit stellt man sie in eine Beleuchtung, die ihr Wesen nicht kennzeichnet. Die alten deutschen Lands­knechte, die vor Jahrhunderten in fremhem Solde standen, führten ein menschenwürdiges, sogar rühm- und ehrenvolles Leben im Veraleich mit den Soldaten her Lögion Etran« gère, die in Wahrheit nicht einmal den Namen Knechte beanspruchen können, weil sie nichts anderes als Sklaven sind, die ein unsagbar armseliges, hartes, schier trostloses Dasein fristen, Sklaven, die an die Fahnen förmlich gefesselt werden müßen. um ihre Flucht zu verhüten. Seit Menschen­altern pflegt diegrande nation" den seltsamen Ruhm, in­mitten der ..modernen Zivilisation", an deren Spike sie an­geblich marschiert, eine Sklaventruppe aus fremden Menschen zu züchten, die dazu bestimmt ist, in dem afrikanischen und asiatischen Kloniallande Grenzwacht zu halten und gegen Wilde Krieg zu führen. Alle Berichte von Deutschen, die in her Fremdenlegion gedient haben, bestätigen die unver­gleichlich schmachvolle und grausame Behandlung, die in ihr Soldaten" des 19. und. Jahrhunderts zuteil wird, und sie stimmen darin überein, daß der militärische Dienst eine ununterbrochene Kette darstellt von Mühsal und Strapazen, von Entbehrung und Elend an Leib und Seele. Des Dichters WortDer Wahn ist kurz, die Neu ist lang" haben noch alle Deutschen erfahren, die der Fremdenlegion angehört haben und den Namen Deutsche noch verdienen. Die meisten von ihnen aber haben entweder mit einer Tat der Verzweiflung die unselige Stunde gebüßt, die sie dem Los der Fremden­legion überantwortet hat, oder sic haben ihr junges Leben in her Wüste her Sahara oder in Tonkin opfern müßen, im Kampfe mit dem mörderischen Klima oder mit wilden Hor­den. Und obcnein sind diese Opfer nicht zum Vorteil des eigenen Landes, sondern im Dienste eines fremden, uns feindlich gesinnten Staates gebracht worden! Ruhm und Ehre aber sind nimmer unter den Fahnen der Fremdenlegion zu holen.

Es ist keine Uebertreibung, wenn die haarsträubenden Zustände, die in der Fremdenlegion herrschen, mehr als ein­mal in der Behauptung zusammengefaßt worden sind: das Leben in der Fremdenlegion gleicht dem in der Hölle, über der wie über der Eingangspforte zu Dantes Hölle die Worte stehen:Laßt jede Hoffnung hinter euch, die ihr hier ein­tretet!" Und diese Hölle der Fremdenlegion haben die Frau,