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8» ändern sich die Zeiten.

In alten Tageszeitungen der Stadt Frankfurt vom Jahre 1724 finden sich Inserate einer Erziehungsanstalt für Töchter »besserer Stände", laut welchen die Pensionärinnen Kost, Logis und vollständigen Unterricht für einen Gulden »wanrig Kreuzer wöchentlich erhielten. -Nicht minder" so heißt es in der Anzeige weiter .soll ihnen die schönste Lebensart in allem gezeiget und in allen Tugenden angeführet, anbei ihnen auch Wäsche gewaschen werden." Heutzutage braucht eine junge Dame aus den besseren Ständen" für ihre Wäsche allein so viel, als damals für Kost, Logis, Unterricht und Unterweisung in allen Tugenden verlangt wurde.

Kunst «der BexereL

Der Uhrmacher Jaquet Dro» von LachaurdesondS hatte für den spanischen König Ferdinand VI. eine Stockuhr an- gefertigt, auf welcher sich ein Schäfer mit seinem Hund befand. So oft eine Stunde voll war, blies der Schäfer auf seiner Flöte eine Melodie und der Hund bellt« dazwischen. Jaquet Droz, der das Kunstwerk selbst nach Madrid brachte, erhielt dafür außer dem Reisegeld ein Honorar von 500 Louisdor. Dasselbe wurde ihm aber erst ausbezahlt, nach­dem der Großinquisitor die Uhr unter­sucht und.eine schriftliche Erklärung ab­gegeben hatte, daß bei der Sache »keiner­lei verdächtige Magie oder Satanskunst" gefunden worden.

Lunte tzeschichten

Gleich und gleich.

Kurze Zeit nach der monarchischen Restauration saß einer der bekanntesten Notare von Paris in einem Cafè und frühstückte. Dabei sprach er sich sehr laut und deutlich in nicht sonderlich günstiger Auffassung über den Marschall Marmont aus. Dies war, wie bekannt, der General von Napoleon zum Herzog von Ragusa erhoben, welcher im Jahre 1814 einen Waffenstillstand mit den Truppen abschloß, die in Frank­reich «inrückten und dadurch Napoleons Thronentsagung verursachte. Einer der andern Gäste im Cafè ein Mann mit einem außerordentlich großen Schnurr- bart trat zu dem Notar hin und fragte ibn, aus welchem Grunde er den Marschall verleumde. .Sind Sie vielleicht der Marschall Marmont?" fragte der Notar. »Nein, ich habe nicht die Ehre, aber ich bin sein Adjutant." Haben Sie die Güte, mir Ihre Karte zu geben", antwortete der Notar, .ich werde meinen ersten Prokuristen zu Ihnen schicken."

Die beiden Komponisten.

Meyerbeer und Marschner waren lange Jahre nicht gut aufeinander zu sprechen. Erst nach längerer Zeit führte sie der Zufall einmal wieder und zwar in Hannover zusammen.Lassen wir die alten Geschichten ruhen!" sagte Meyerbeer zu Marschner,werden wir wieder gute Freundel"Ich bin ja immer Ihr Freund gewesen", meinte Marschner lächelnd,und mußte es wohl sein, da Sie mir so viel Beweise freund- schaftlich«r Erinnerung von Paris au» gaben!"Wieso?" fragte Meyerbeer stutzig.Nun!" erwiderte Marschner, »Sie haben ja keine Oper geschrieben, ohn« an mich zu denken und mich zu itteieni* Jetzt lacht« Meyerbeer

ebenfalls; er hatte sich wtrtiici) eriauot, Marschners Werke ein wenig zu be­nutzen. Doch das gute Einvernehmen zwischen beiden ward wieder hergestellt.

liier hat die schönsten Bände?

Zwei junge Mädchen stritten mit­einander, welche Eigenschaften eine Mädchenhand haben müsse, damit sie schön sei, und jede schaute dabei auf ihre eigenen Hände, weit sie dieselben für die schönsten hielt. Da trat der Vater hinzu und fragte:Kinder, was streitet ihr?" Und als er von den Zögernden die Antwort vernommen, sprach er lächelnd:Ihr törichten Mädchen! Wer von euch die schönsten Hände hat, müßt ihr die Armen fragen; denn sie wissen am besten, welche Hände ihnen wohl­tun. Die wohltätigsten Hände sind die schönsten, und keine Hände sind schön, auch die schönsten nicht, die nicht mit Freuden geben und also wohltun, daß die Linke nicht weiß, was die Rechte tut."

Hass] km- und NurDle sE^^

Ten Ungeduldigen gibt das Leben die nachdrücklichsten Sessionen,

*

In der Liebe kennt man sich, weil man sich liebt; in der Freundschaft liebt man sich, weil man sich kennt.

*

Auch die Einsamkeit ist nicht still, denn sie läßt die Abwesenheit sprechen.

*

Die Mütter geben unserem Geiste Wärme und die Väter Licht.

*

Ungewiß und vergänglich ist das Glück; gewiß und ewig bleibt die Pflicht.

Man muß das lieben, was man tut, und dann wird jede Arbeit, sogar die gröbste, zur Schöpfung.

Es ist der Fehler des JünglingS, sich immer für glücklicher oder unglücklicher zu halten, als er ist.

Eine plage der Menschheit sind unstreitig die Hühneraugen. Woher stammt nun aber eigentlich dies ominöse Wort? Nicht, wie man allgemein wohl annimmt, vom:Auge eines Huhnes", sondern vielmehr von dem altdeutschen Ausdruck:hörnin ougo,hörneneS Auge", als Bezeichnung für diejenige fatale, »durch einen andauernden Druck auf eine Hautstelle des Fußes entstehende Verdickung der bornähnlichen Maffr der Oberhaut, um welche es sich handelt. Im Laus der Zeiten und Begebenheiten verschwand dasHörner-Auge" selber freilich nicht, jedoch der mit d«r Zeit nicht mehr verstandene Name, indem daS korrumpierte, willkürliche und bekanntere .Hühner-Auge" fälschlicherweise an dessen Stelle trat!

Gi* Ehrentitel von Volkes Gnaden.

An einem Tag« im Jahr, gewöhnlich am Tage Eibyllä, wurden die Kinder in Brieg zur Herzogin Sibylla Dorothea von Brieg aufs Schloß geladen, um da- selbst von der Fürstin, einer wahren Slutter ihrer Untertanen, belohnt und beschenkt zu werden, soweit sie sich fromm und fleißig verhalten hatten. .Mein Tüchterchrn, wie heißest du?" fragte si« bei der Gelegenheit ein kleine» Mädchen. Anna Pohlin', lautete die Antwort. .vind wie heiß ich denn?" fraate bte

Herzogin weiter.-Lleve norrin Der Sprecher der Bürgerschaft erschrak gewaltig über die kleine Unbesonnen« und bat:Fürstliche Gnaden wollen dem Kinde und der Stadt solches »N Gnaden halten und nicht übel deuten, dieweil es wahr ist, daß das weiblich« Geschlecht in Stadt und Land Sie ins­gemein so nennt!" Da aber faltete die gute Fürstin ihre Hände, hob sie gen Himmel und sagte gerührt:Gott sei ge­lobt für solchen köstlichen Titel, und ich will ihn in meinem Leben gegen ein« Majestät nicht wechseln!" Jyr Herzog sicher Gemahl jedoch umarmte sie rärtlick und nannte sie fortan nicht anders alt liebe Dorel!"

MnhMttW-Mtl zum Anzeiger.

OQO Rotationsdruck und Verlag: Verantwortlicher Redakteur

/ tot Waisenhans-Buchdruckerei, Hanau. ®. Schrecker, Hana«.

Diät bei Erkrankungen.

Ein sehr wichtiger Heilfaktor ist bie Diät, sei es bei fieberhaften Erscheinungen oder anderen Erkrankungen. Auch bei Herzleiden ist die Art wie die Menge der Speiseaufnahme von allergrößter Wichtigkeit. Kann man auch die meisten Herzkrankheiten nicht völlig bellen, s» kann man doch die Leistung eine» kranken Herzens derart beeinflussen, daß der Kranke feines Leidens sich kaum be- wußt zu werden braucht. Eines der wichtigsten Mittel in der Behandlung der Herzkrankheiten besteht in einer dem Zustande genau anzupaffenden Diät. Die Ernährung kann in jedem Falle, auch da, wo im übrigen die Schonung des Herzens nicht nach Wunsch durch« zuführen ist, allen Anforderungen ge­recht werden. Obenan steht das Verbot vielen Trinkens im allgemeinen, d. h. bei Genuß reichlicher Jlüssigkeitsmengen, mögen dieselben gar in Wasser bestehen. Während der Mahlzeiten soll nichts ge. trunken werden, und selbst Fleischbrüh« oder falsche Suppen genieße man in recht kleinen Mengen. Von vornherein sei bemerkt, daß alle erregenden Getränke, wie Tee. Kaffee und ganz besonders bei Alkohol, zu verbieten sind, weil sie, ohn« zu nützen, die Arbeit des Herzens ver< mehren.

Das Chermometer

sollte in keinem Zimmer fehlen, schon weil es ein unparteiischer Schiedsrichter ist, der in allen Streitfällen, wo es zu kalt ober zu warm erscheint, entscheidet. Nicht über und nicht unter 15 Grad Reaumur soll eS zeigen, dann ist eS bie richtige Temperatur für Normalmenschen. Alte Leute, Kinder und Kranke machen natürlich eine Ausnahme. Besonder» die Herren, die tagsüber im Bureau weilen, in denen ja meisten» fast tropisch« Hitze herrscht, sind dadurch so verwöhnt, daß sie zum Entsetzen der Hausfrau, bie um ihren Kohlenvorrat bangt, zu Pause eine ähnliche Temperatur haben wollen. In solch überheizten Zimmern zu wohnen, ist aber direkt ungesund. Durch da» viele Heizen werden di« Wände au3« getrocknet, bie Luft zieht alle Feuchtig­keit, die sie nur findet, an sich, also auch die vom Menschen. Je größer nun bte Wärm« im Zimmer ist, desto mehl dünstet, wenn auch kaum wahrnehmbar, unsere Haut auS. Dadurch verlieren wir viel Wärme, so daß wir genötigt find, die Temperatur immer wieder zu er­höhen. Di« Luft in solchen Räume« verschlechtert sich dadurch, die Menscher» bie darin wohnen. werben mißgestimmt der Appetit läßt nach. man fühlt sich ab« gespannt und matt. Außerdem wird mag gegen äußere WitterungSeinflüffr noch bedeutend empfindlicher. Ebenso wti das Thermometer, sollt« auch in leinen Wohnraum eine Verdunftschal« fehlen welch« ber Luft bte nötige Feuchtigkeit abgibt

Unseres Kameraden Tran

Erzählung von Margaret« Pochhammer.

iNachdruS »erboten.)

das unbehagliche Gefühl der Kameraden verstand und bis

Nun find schon acht von unserer Crew verheiratet, vnd vier CrewbabyS haben das Licht der Welt erblickt. Ja, man wird alt!

Und dabei scheint es gar nicht lange her seit dem letzten Appell bei unserem guten Reibnitz, und seine mahnenden Wort« klingen mir noch im Ohr:Zum Schluß nun aber noch eins, das ich Sie recht sehr zu beherzigen bitte. Machen Sie niemals leichtsinnig den Hof! Gehen Sie nur ins Zeug, wenn Sie wirklich ernste Absichten haben."

Wir Kadetten haben damals gelacht. Ja, wahrhaftig, trotz unseres ehrlichen Respekts vor dem Oberleutnant zur See von Retbnitz. und obgleich wir gewohnt waren, daß er mit feinen Ermahnungen recht hatte, und bei aller Feierlichkeit dieser Abschiedsstund« wir haben gelacht.

Es kam uns zu komisch vor, daß wir junge Kerle, die erst ein Jahr des Allerhöchsten Dienstes hinter stch hatten, eben von der ersten Winterreise zurück, noch vor dem Seekadettenexamen daß wir schon daran denken sollten, irgendwo ernst genommen zu werden.

Aber daS scheint uns doch gelungen zu sein. Denn, wie gesagt, acht von uns find verheiratet, sechs weitere verlobt alle in verhältnismäßig jungen Jahren.

Ich bin noch ledig; weder verlobt noch verliebt. Ich bin noch in dem Stadium, wo man die jungen Frauen stch darauf ansteht: Möchtest du sie so oder anders, wenn sie deine wäre? Scheint dir das Ideal der Ehe bei den Kameraden erreicht?

Natürlich sind die Crewschwestern nicht gleichmäßig interessant, nicht alle so interessant wie Frau von Meerberg, die Frau unseres guten, einst so lustigen Benno. Wo sie herstammt, wußte man nicht recht. Einmal hieß es Geheimratstochter", und dann munkelte wieder jemand von überseeischen Verwandten. Verlobungsanzeigen waren nicht verschickt worden. Auf der Hochzeit find nur zwei von uns gewesen, sie ist in Berlin im engsten Kreise gefeiert worden. Ich war damals in Ostasten, hörte nur brieflich davon und steuerte meinen Obolus zu dem her­gebrachten Crew-Geschenke bei. Di« Wahl soll schwierig gewesen sein wegen äußerst eigenartiger Einrichtung. Biel von drüben, angeblich eine Erbschaft.

Als ich glücklich wieder in Kiel gelandet war, machte ich meinen Besuch, wurde auch eingeladen, wie das so üblich ist. Der Abend verlief ziemlich öd«, weil keiner sich recht behaglich fühlte.

Frau von Meerberg war ernst, Benno war ernst obgleich sich beide anscheinend in entgegengesetzter Richtung bemühten, und wir Gäste waren infolgedessen »uch ernst.

Einige machten nachher schlechte Witze darüber. E» wäre gewesen wie im verwunschenen Schloß ober bei der seligen Unbiue; Benno von Meerberg wäre der Ritter von der traurigen Gestalt geworden neben seiner Eisprinzessin, und dergleichen mehr

Ich konnte nicht über die beiden idienen, obwohl ich

zu gewissem Grade geteilt hatte.

Aber ich hatte eine Beobachtung gemacht, die ihnen entgangen war oder auf die sie keinen Wert legten: Di« beiden liebten sich mit einer ungewöhnlichen Liebe! Das war keine Ball- oder TenniS- oder EislaufbekanMchaft» die dem Finden dieser Seelen zugrunde lag. Da mußte mehr vorangegangen sein. Da war ein Rätsel zu lösen.

Dieser Eindruck verstärkte stch mir bei jedem Zu­sammensein.

Ja, Frau von Meerberg hat etwas Zauberhaftes an sich.Bezaubernd" wäre nicht das rechte Wort dafür. Ist sie schön?

Ich weiß nicht, aber apart, riesig apart.

Wie das blonde Haar stch über ihrer Stirne kräuselt, das habe ich noch bei keiner so gesehen. Wenn eS nicht abgedroschen wäre, wahrhaftig, so würbe ich sagen: Wie ein Heiligenschein!

Unter dem blonden Haar eine weiße Stirn, der man'» ansteht, daß Gedanken dahinter wohnen. Und ein Paar Augen, au» denen die Seele schaut wenn man# erkennen will, blau, innig, mit einem Anfluge leiser Wehmut.

Eine schlanke, tadellose Gestalt, über mittelgroß, natür­liche Linien, freie, anmutige Bewegungen. Zierliche Hand« und Füße. Aber an der ganzen Erscheirmng nichts Weib­liches, sondern alles kraftvoll, vornehm, ja, sie ist ein Wesen auS einem Guß.

ES stört ein einziger kleiner Schönheitsfehler. Stört? Eigentlich nein. Er gehört zu ihr.

Eine Narbe hat sie an der linken Schläfe, eine schmale, scharf geschnittene Narbe. Für gewöhnlich fällt die wenig auf, aber bet ieder Seelenerregung rötet sie sich. Sie kann blutrot werden. Man muß dann immer wieder darauf Hinsehen und kann den Gedanken nicht lo» werden, daß bie Narbe eine Geschichte bat. Und ich habe bemerkt, wie mein Kamerad, ihr Mann, auch auf die Narbe sah, und habe gewußt, daß ihm dabei vor Augen stand, wir sie dazu gekommen ist.

Ich weiß es jetzt auch. Sie haben er mir eine» Abends erzählt, wo ich bei ihnen hängen blieb, ganz zu­fällig oder vielleicht, weil sie mir anmerklen, daß ich so gern bleiben wollte.

Ich hatte mit ihm etwa» Dienstliches zu besprechen. Er war Adjutant bei der ersten Matrosendivision.in Riet ich war Lehrer an der Deckoffizierschul«. ES handelte sich um einige Leute, die wir gern auègrwechjelt haben wollten.

In der abendlichen FrühlingSdämmerung schlendert« ich zu ihrem Häuschen am Ni«mann»weg. Diese» eigene Haus, umgeben von einem hübschen, gepflegten Garten, ist der einzig« sichtbar« LuxuS, den sie treiben. Man weiß, daß sie reich sind, obgleich Meerberg früher nur bte gesetzlich« Zulage hatte. Sie machen fich aber auS ihrem Reichtum nichts. Btanchmal hat «» mir s» scheinen wollen, als ob irgend etwa» Schmerzliches daran haftet«