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Erstes Blatt.

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Vierteffährlich 1.80 Mk, monatlich 60 Pfg., f8r au» wârtige Abonnenten mit dem betreff. Poftausschlag, Die einzelne Nummer tostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses tu Hana«.

General-Anzeiger

Mo Grgan für Stabb and Fan-Kreis Kanan.

Erscheint tâglrch mit Ausnahmeder Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

tkinrückungsgebsthet

Die Sgespakten, Petitzeile oder bete» Raum JO Pf- im NellamentrU die Zell« 46 Pstl,

Verantwort!. Redakteur: LEchreSert» Ham»

Nr. 27 Ferusprechanschlttfi Nr. 230.

Mittwoch neu 1. Februar

>vmih'red)iinMhtf$ Nr. 230 1911

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14 Seiten.

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Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Bekmmtnmchrmn.

Am Donnerstag den 2. Februar 1911, vormittags 9^4 Uhr, findet im unteren Saal des Neustädter Rat­hauses, Zimmer 1, öffentliche Sitzung des Gewerbe- gerichts statt.

Hanau den 31. Januar 1911.

Der Vorsitzende des Eewerbegerichts.

Hild. 2815

Im Namen des Königs.

In der Strafsache gegen den Landwirt Friedrich Neidhardt zu Hüttengesäß, geb. daselbst am 29. Dezember 1861, ledig, nicht vorbestraft, wegen Nahrungsmittel­fälschung, hat das Königliche Schöffengericht in Langen­selbold in der Sitzung vom 11. Januar 1911 für Recht erkannt:

Der Angeklagte wird wegen Milchfälschung zu 100 Alk. Geldstrafe, an deren Stelle im Falle der Uneinziehbarkeit für je 5 Mark ein Tag Gefängnis tritt, und in die Kosten des Verfahrens verurteilt.

Die Verurteilung ist binnen 2 Monaten nach der Rechtskraft des Urteils durch einmalige Einrückung in denHanauer Anzeiger" auf Kosten des Ver­urteilten öffentlich bekannt zu machen.

gez. Hesse.

Ausgefertigt.

Langenselbold den 19. Januar 1911.

Der Gerichtsschreiber des Kgl. Amtsgerichts.

Krahl, Aktuar. 2757

Gefunden im Stadttheater: 1 weißer Kragen­schoner. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armen­verwaltung.

Hanau den 1. Februar 1911. 2813

Zugelaufen: 1 schwarzer Hund mit weißem Stern und gefleckten Beinen, m. Eeschl. 2811

Bürgermeister Adam, Eichen.

III. AboiMmcnts-Konzttt der Frankfurter QnarteAVtrcinlltnna.

DieFrankfurter Quartett-Vereinigung" hat die Anzahl fijrer Abonnementskonzerte von drei auf vier erhöht. Inner­halb dieses auf solche Art erweiteren Rahmens ihrer Ver­anstaltungen ist sie auf gruppenweise Abwechslungen be­dacht. Dadurch wird es ermöglicht, bei der vierfachen Ver­schiedenheit der fraglichen Konzerte doch im einzelnen dem Konzentrationsgedanken ihrer Konzertpro­gramme Rechnung zu tragen. Der Konzentrationsgedanke eines Konzertprogramms ist eine neuzeitliche, schon seit mehreren Jahren gestellte Forderung, welche letzthin wieder mit ganz besonderem Nachdruck erhoben wird. Man mag sich zu dieser Frage stellen wie man will: eine große Berech­tigung kann man ihr nicht absprechen. Ihre Verwirklichung ist vornehmlich dorten am Platze, wo musikalische Gebiete betreten werden sollen, deren Sprachen und Sitten einem großen Teile der Zuhörerschaft mehr oder weniger fremd sind, und vollständig vertraut nur dem weitaus kleineren Teile der Konzertbesucher. Für beide Teile ist es ein be­sonderer Genuß, wenn ein ganzer Konzertabend ausgefüllt ist von ein und demselben Geistesmilieu, das durch keinerlei Ablenkung gestört, durch keinerlei Abschweifung verlaffen wird. Unter diesem Gesichtspunkt stand das vor­letzte Konzert der Frankfurter Quartettvereinigung, der Hugo Kaun-Abend, unter demselben Gesichtspunkt ist auch ihr vorgestriger Beethoven-Abend zu be­trachten. Wenn aber diese Konzertabende beide was fraglos eine unumstößliche Tatsache ist für die g e - samte Zuhörerschaft eine überaus reiche, bildende und herzerhebende geistige Ausbeute zu vermitteln im Stande waren, so ist jenem Konzentrationsgedanken der Pro­gramme ein nicht zu unterschätzendes Verdienst zuzuschreiben. Allerdings, der größte, der wichtigste und bedeutsamste Fak­tor ist und bleibt immerhin diekundiaeHand, welcher

Gefundene und verlorene Geucnstande :c.

Gefunden: 1 braunes Kindertäschchen mit weißem Taschentuch, 1 brauner Damenpelz, 1 Pfandschein Nr. 8295, 1 Sattelunterlage.

Liegengeblieb en bei Metzgermeister Heilmann, Fahrstr. 7: 1 Jltismuff; Empfangnahme daselbst; desgl. im Wartesaal des Kleinbahnhofs: 1 Gummi-Capes von Karl Koch. Langenselbold; Empfangnahme am Kleinbahnhof.

V e r l o r e n: 60 Stück 5 Pfg.-Marken, 1 gelbliches Messer (Henckel! trocken).

Entlaufen: 1 junger Dobermannpinscher mit Blässe.

Hanau den 1. Februar 1911.

Politische RundTchao.

Die militärische Aktion auf Ponape. Ueber die militä­rische Aktion gegen die aufständischen Eingeborenen der Insel Ponape ist der nachstehende telegraphische Bericht von dem rangältesten Seeoffizier, Fregattenkapitän Vollerthun, Kommandant desEmden", eingelaufen: Habe am 8. Jan. mitEmden" undNürnberg" die Trukinseln, Ostkarolinen, 420 Seemeilen westlich angelaufen, um mich durch den in­zwischen aufNürnberg" eingeschifften Vezirksarzt über die Lage auf Ponape informieren zu lassen und auf Wunsch des Gouverneurs auch diesem Teile des Archipels die Flagge zu zeigen. Am 10. Januar früh trafen beide Schiffe vor Ponape ein, wo bereitsKormoran" undPlanet" ankerten. Die vorgefundene Lage war folgende: 250 aufständische Dscho- kadschleute mit neunzig Gewehren bewaffnet, hatten auf der Dschokadschinsel sich auf einem etwa 300 Meter hohen, steilen und fast unzugänglichen Felsen in einem stark befestigten Lager verschanzt. Der Zugang zum Lager war vom Feinde zerstört. Den Uebergang nach der Hauptinsel Ponape sperr­ten Polizeitruppen und sicherten damit die Kolonie vor Ausfällen. Den Absperrungsgürtel nach der Hauptinsel ließ ich durch ein zusammengesetztes Landungskorps vonEm­den",Kormoran" undPlanet" verstärken. Nach der See zu übernahmen zunächstNürnberg" undPlanet" die Blockade gegen die Aufständischen. Am 13. Januar sorgens begann die Beschießung der feindlichen Stellung durch Emden" undKormoran". Dann wurde das Landungs­korps derNürnberg" zusammen mit 100 Polizeisoldaten auf der Westseite der Halbinsel Dschokadsch gelandet. Die Truppen besetzten das Vorgelände, ohne auf Widerstand zu stoßen. Mit einem unerwarteten Angriff wurde dann durch das Landungskorps das Hochplateau erstürmt. Der über­raschte Feind floh nach kurzem Widerstand auf die untere Insel. Bei dem Angriff zeichneten sich besonders Oberleut­nant zur See Frhr. Spiegel von und zu Peckelshei vom Schiff wir uns anvertrauen zur Führung durch die Gefilde der mu­sikalischen Schöpfungen, und der reproduzierende, feinsinn ige Gei st, welcher ihre Ausdrucksmittel, ihre Merkmale und ihre Schönheiten uns erklärt und deutet. In dieser Beziehung ist man bei der Frankfurter Quartettver­einigung gut aufgehoben und wohl beraten. Ihre Autori­tät und ihre Sicherheit auf dem ihr eigenen Gebiete der Kammermusik ist genugsam bekannt. Auch am vorgestrigen Abend zeigte sie sich ihrer Mission wieder voll und ganz ge­wachsen. Die erste Nummer, das c = moll = Quartett o p. 18 N r. 4, war musterhaft in der Darstellung. Ein Beethoven-Quartett stellt große Anforderungen an die Ge­staltung der einzelnen Stimmen sowohl, als auch an die Herstellung eines klangvollen und klaren Ensembles. Nach beiden Richtungen hin, im Einzelspiel wie in der Zu­sammenwirkung, standen die Herren Hock, Dippel, Graf und A p p u n n auf der Höhe ihrer Kunst. Man könnte als besondere Anerkennung hierfür sich leicht dazu verleiten lassen, an der Hand der Partitur alle Stellen der vier Quartettsätze einzeln aufzuzählen und zu würdigen, welche hervorgchoben zu werden verdienten. Jedoch solcher Ver­suchung zu widerstehen, gebietet Raum und Tendenz dieser Berichterstattung. E i n e s zu benennen kann man sich aber doch nicht versagen, nämlich die ganz vorzügliche Gestaltung des 2. Satzes, der mit seinen ungezählten, duftigen musi­kalischen Details einen ganz enormen Aufwand geistiger Ausspannung und technischer Kleinarbeit erheischt und wohl nicht überall und immer derart schön, fertig und unzer­bröckelt in die Erscheinung tritt, wie vorgestern unter dem Einzel- und Zusammenspiel der Frankfurter Quartettver­einigung.

Die zweite Nummer des Programms brachte drei D e u t s ch e T ä n z e f ü r Klavier". Der Pianist, Herr Eerh. Eckel, hatte sich damit eine Aufgabe gestellt, welche nicht zu denen gehört, die auf den unbedingten Beifall der Zuhörer von vornherein zu rechnen haben. Weder eine ur- I sprüngliche einnebmende Poetik ist in diesen Stücken vor.

Kormoran", Leutnant zur See Prittwitz und Eaffron vom SchiffNürnberg" und der Polizeibeamte Jahn aus. Der Gegner verlor drei Tote. Sieben Männer und 14 Frauen und Kinder wurden gefangen. Auf unserer Seite fiel ein Polizeisoldat. Schwer verwundet Leutnat Prittwitz und Eaffron durch einen Schuß in den Oberarm (der Knochen wurde zersplittert, der Arm bleibt erhalten) und ein Poli­zeisoldat. Bis zum 18. Januar wurden die Versuche fort­gesetzt. die Insel von bent Feinde zu säubern. Dabei wurden 39 Männer und 81 Weiber und Kinder gefangen. Di« Durchführung dcrUnteriiehmung wird durch zahlreiche, schwer zugängliche Höhlen erschwert. Vom 19. bis 25. Jan. wurden durch zwei Kolonnen Streifzüge durch die Heimat der Dscho- kadschlcute und die Halbinsel der Palikcr unternommen. Kormoran" nahm die Beschießung der Gegend von Tamara vor, um die auf die Hauptinsel übergetretenen Aufständischen von Kiti (Niederlassung an der Bucht im Süden der Insel) abzuschneiden. Die Gesamtzahl der Gefangenen beträgt bis­her 78 Männer, 175 Frauen nebst Kindern. 5 Männer, di« an dem Blutbad vom 16. Oktober beteiligt waren, sind unter den Gefangenen. Unter Führung der Häuptlinge Jomata« und Samuel wurden noch etwa 46 Aufrührer, mit Gewehren bewaffnet, auf der Hauptinsel Ponape und Dschokadsch zer­streut. Durch fortgesetzte Streifzüge und energischen Druck auf die loyalen Stämme bei der Auffindung der Rebellen behilflich zu sein, wird versucht, auch diesen letzten Rest zu ergreifen. Sehr erschwert werden die militärischen Opera­tionen durch das unwegsame Eebirgsland und tropischen Busch. Für Beendigung der Aktion läßt sich ein Zeitpunkt noch nicht angeben. Eine Verminderung der Seestreitkräste ist zur Zeit nicht angängig. Der VegleitdamvferTitania" wartet bis 4. Februar in Jap auf telegraphische Befehle.

Parlamentarisches.

mb. Die Reichstagskommisston für die Gewerbe­novelle faßte gestern zur Frage des Fonblldungsunlerricht- auf volksparteilichen Antrag einen Beschluß, und zwar mit 12 gegen 10 Stimmen, der erheblich über die Vorschlag« der Regierung hinauSgeht. Der RegierungSentwurf rnihäll über die Einführung des Farlbildungsunterrichts überhaupt nur eine fakultative Bestimmung. Demgegenüber wurde be» schloffen, daß in Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern der Fortbildungsunterricht eingesührt werden muß. Sowtit sich in kleineren Städten ein Bedürfnis herau^geflelll, foB die Laudeszentralbchörde auch hier die Errichtung von Fort­bildungsschulen anorbnen können. Weiter wurde die Borschrist, wonach der Fortbildungsunterricht auch für Zeiten der Arbeits­losigkeit vorgeschrieben werden kann, in eine Mußvorschrift um» gewandelt.

Handen, noch kann sich bei ihrer Wiedergabe eine Klavier­technik entfalten, die voller Glanz und Bravour sofort jeder­mann ins Auge sticht. Der Inhalt dieser Komposition ist mehr reflektierend, aber dennoch durchzogen und deshalb getragen und gehoben von dem genialen Geiste ihres Autors. DiesenEeist hervorzukehren und seine stille Glut unter tunlichster Abstrahierung alles dessen, was der Begriff Tänze" an Acußerlichkeiten mit sich bringt und den frag­lichen Nummern anhängt, schlackenlos erstrahlen zu lassen, das ist der springende Punkt für ihren Vortrag. Daraus er­gibt sich, daß an ihre erfolgreiche Wiedergabe nur ein Pia­nist denken kann von der Richtung und Gediegenheit eine» Chr. Eerh. Eckel, der seinen Beethoven nicht nur kennt und versteht, sondern ihn e r Le b t hat in langen ernsten Stunden innigsten geistigen Zusammenseins mit ihm.

Losgelöst von der engen Sieb form, zu welcher die Tänze gezählt werden, vermag sich das gewaltige Genie eines Beethoven ungleich tiefer, breiter und mächtiger zu ent­falten in seiner eigentlichen Heimstätte, den großen und größten Formen der musikalischen Komposition. Einen fol» chen Markstein dieser gigantischen Größe und Majestät Beethovens bildet das Trio in B = dn r op. 97 für Klavier, Violine und Cello, welches im vor­gestrigen Kammermusikabend als 3. Programmnummer von den Herren Eckel, Hock und A p p u n n gespielt wurde. Dis Darbietung dieses herrlichen Werkes gestaltete sich für die Zuhörer zu einem Kunstgenuß ersten Ranges. Wir wüß­ten nicht, wo aiizufangcn und wo aufzuhören wäre, wollten wir die einzelnen Leistungen eines jeden Mitwirkenden nach Gebühr hrrausheben. Das Gesamtbild der Darbietung war Dom ersten bis zum letzten Ton ein ungestört schönes. Die solide auf einer hohen Stufe der Leistungsfähigkeit stehende Kunst der am Vortrag beteiligten vier Herren vereinigte sich zu einer Wirkung, welche des großen Meisters tiefgründiger und prächtiger Komposition durchaus würdig war.