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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.

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* âm'eich Miles « ^sbäk. Erscheint täglich mit Ausnahme der S-NN- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. 8««li»srti. Rüxrkte«: Ä. Schreck,, * («m

_______-^ ________- ---____------------- Nr. 123 Mernspr-chaElnS Nr. 605. MvNtüg dtN 30, Mlli Aerspr<chanschl«tz Nr. 605. 1910

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zeit vom 21. bis 27. Mai 1910:

1 Ctqarrenmacher, 1 Fahrbnrscke, S Haus' burschen, 1 Tapezierer, 7 Tagelöhner.

Hanau den 28. Mai 1910. 12517

Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur Kenntnis gebracht, daß Herr JulinS Schönhof, L Fa. Schönhof-Strauß, Schuhfabrik in Offenbach a. M., Sprendlingerstr. Nr. 38, zum Vertrauensmann der Bekleidungsindustrie-Berufsgenoffen- schaft für den Bezirk 126 (Provinz Starkenburg) und des Bezirks 120 (Kreise Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern) ernannt worden ist.

Berlin den 23. Mai 1910.

Bekleidungsindustrie-Berufsgenossenschaft.

Der Vorstand.

A. Venzky, Königlicher Kommerzienrat. 12519

Grundsatz der österreich-ungarischen Politik ist die Aufrecht­erhaltung des Status quo auf dem Balkan. Oesterreich- Ungarn wünscht, daß die Türkei auch mit den andern Mächten auf dem besten Fuße stehe und hat sich immer dafür einge­setzt, daß zwischen dem Osmaneureiche und den christlichen Balkanstaaten ein dauernd gute? Verhältnis herrsche. Friede und Freundschaft mit dem Balkan und auf dem Balkan ist die Parole der Politik Oesterreich-Ungarns, damit es sich in seinen eigenen Grenzen, in die nunmehr Bosnien und die Herzegowina untrennbar «inbezogen sind, mit Ruhe und Stetigkeit entwickeln kann.

politische RundTtbaa.

Der Kaiser leidet, wie bereits bekannt gegeben, an einem Furunkel in der Gegend deS rechten Handgelenks. Die lebhafte Entzündung machte eine Oeffnung erforderlich, welche am Samsiag den 28. Mai von Geheimrat Professor Bier ausgeführt wurde. Der Verlauf ist bisher normal.

Befugnisse der staatlichen Baubeamten. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat in Erweiterung früherer Anordnungen Bestimmungen erlassen, um die Selbständigkeit oer Baubeamten der Staatshochbauverwaltung zu heben und fie von minder wichtigen Dienstgeschästen zu entlasten. Ins­besondere sind die Kostengrenzen, innerhalb deren die Bau­beamten der Provinzialinstanz Entwürfe und Anschläge selbst­ständig prüfen und feststellen, erhöht. Die Prüfung von Rechnungsbelegen bei den Provinzialbehörden darf in ein­fachen Fällen den technischen Bureaubeamten mit eigener Verantwortung übertragen werden. Die Ortsbaubramten sind ermächtigt, Bauten bis zu 3000 Mark abgesehen von schwierigen Fällen und unter Vorbehalt bestimmter Ein­schränkungen für Domänenbauten selbständig zu erledigen. Die Befugnisse der Ortsbaubeamten zur Anweisung von Rechnungen und Abschlagszahlungen sind erweitert. Die Baubeamten dürfen ferner weniger wichtige Dienstgeschäftr den technischen Bureaubeamten zur selbständigen Erledigung übertragen, sowie sie zu auswärtigen Dienstgeschäften heran- ziehen. Endlich dürfen nach dem Ermesien der Regierungs­präsidenten zur Vertretung von Ortsbaubeamten in gewissem Umfange technische Bureaubeamte herangezogen werden, so­fern andere höhere Baubeamt« des Hochbaufaches in dem Baukreise nicht vorhanden sind.

Bei den EinignngSverhandlungen im Ba«- gewerbe wurden die einzelnen Streitpunkte auch am Sams­tag eingehend erörtert. Die Verhandlungen gestalteten sich sehr langwierig, da die Parteien nicht bloß zu den bekannten Streitpunkten (zentraler Abschluß, Formsystem, Sicherung der Akkordarbeit, Arbeitszeit, Arbeitsnachweis), sondern fast zu allen Nebenpunkten des Vertragsschemas widersprechende An­träge stellten. Die Unmasse der gestellten neuen Anträge und Erklärungen macht nunmehr eine übersichtliche Zusammen­stellung der gesamten strittigen Punkte nötig. Dieser Arbeit werden sich die Unparteiischen am nächsten Montag unter­ziehen und nachmittags werden sie die Zusammenstellung einer Kommission der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vorlegen. Im Anschluß hieran soll in die weiteren Unterhandlungen über die gesamte Materie noch einmal eingetreten werden.

wird dann Aufgabe der Unparteiischen sein, über di« strittigen Punkte eine Einigung zu versuchen, eventuell den Parteien formulierte Vorschläge zu machen, von deren An­nahme oder Nichtannahme die Wiederherstellung des Friedens im Baugewerbe abhängig wird.

In Besprechung der Reise des österreichischen Kaisers nach Bosnien und der Herzegowina führt das Fremdendlatt'" aus: Die Reise bekräftigt den unzerreiß­baren Zusammenhalt der neuen Reichsländer und des alten Reiches. Dem Abschluß jener Entwicklung, die 1878 begann unb ein Menschenalter später durch die Annexion beendet wurde, wird jetzt gleichsam ein Siegel aufgedrückt. Mit der Angliederung Bosniens und der Herzegowina ist die Balkan­politik Oesterreich-Ungarns zu einem Beharrungspunkt ge- iangj. Nachdem Oesterreich-Ungarn die beiden Provinzen erworben hat, hat es mit seinen politischen und territorialen uspirationen auf dem Balkan abgeschlossen. Unverbrüchlicher

Hus aller Welt.

Abgestürz^

Mailand, 28. Mai. Von der Vorderfront des Domes stürzte sich eine einfach gekleidete Frau herab. Nach ihren Papieren zu schließen, handelt es sich um eine Schweizerin.

Grotzfeuer.

Parchim, 28. Mai. Ein ausgebrocheneS Feuer ver­breitete sich bei dem herrschenden Sturme so rasch, daß in kurzer Zeit ein Straßenzug völlig eingeäschert wurde.

Hofrichter-

Wien, 28. Mai. Im Laufe des gestrigen Tage- soll der Gesundheitszustand Hofrichters derart gewesen sein, daß mit seiner Ueberbringung ins Garnisonshospital gerechnet wurde.

Die Löwenjagd in Stendal.

Telegraphisch haben wir schon gemeldet, daß in Stendal einige Löwen eines Zirkus ausgebrochen sind. Menschenleben sind dabei nicht zu Schaden gekommen, aber eine Reihe von Pferden ist verletzt worden. Ueber die ursprüngliche Begeben­heit, die große Erregung verursachte, veröffentlicht das Alt- märkische Intelligenz- und Leseblatt in Stendal folgenden Bericht:

In der Nacht zum Freitag waren die Wagen des ZirkuS Carlo Curty auf dem hiesigen Hauptbahnhofe eingetroffen und nach dem Standorte des Unternehmens hinter der Turn­halle an der Schützenstraße gebracht worden. In der Wend­straße, in nächster Nähe des Irrgartens, stand ein neuer Wagen, in dem sich der Löwe Pascha und eine Löwin mit zwei jungen Tieren befand. Der Wagen war kurz vor 7 Uhr an seinen Standort gebracht worden und ein Kutscher der Firma Bastian war im Begriff, mit den abgesträngten Pferden den Wagen zu verlassen, als die beiden nichts­ahnenden Tiere von einem Löwen überfallen wurden. An­scheinend hatte sich auf dem Transport eine der etwa drei Zentimeter starken und knapp vierzig Zentimeter breiten Bodenplatten des Käfigs gelockert und dem Tiere war es offenbar gelungen, die Planke vollends zu lösen. Durch die Oeffnung hatte das Tier schon auf dem Transport vom Bahnhöfe her wiederholt eine Pranke hindurchgesteckt, und in der unteren Breitenstraße wurde beobachtet, daß der Löwe sogar seinen Kopf durch den breiten Spalt zwängte. Bis zur Umflutgrabenbrücke in der Wendstraße war es ihm schließ­lich gelungen, sich vollständig durch die schmale Oeffnung hindurchzuzwängen, und sofort stürzte er sich auf eines der Bastianschen Pferde. Dem entsetzten Kutscher entglitten die Zügel und nun begann eine wilde Jagd durch die Schützen­straße zwischen dem Raubtier und seinen Opfern. Zähne­fletschend sprang der Löwe von einem Tier auf daS andere, wobei er beide sowohl durch Bißwunden, als auch durch seine Krallen verletzte. Beide Tiere zeigen Kratzwunden am ganzen Körper bis zu 30 Ctm. Länge und 2 Ctm. Tiefe. Unter der gewaltigen Wucht der anspringenden Bestie stürzten beide Pferde auf dem Pflaster wiederholt zu Boden, bis es ihnen gelang, die Stränge zu zerreißen, worauf sie in

wilder Flucht die Schützenstraße entlang fegten, und hinter ihnen her das Raubtier, dem die ge­

ängstigten Pferde an Schelligkert indessen überlegen waren, so daß sie durch die Bismarckstraße entkamen. In mächtigen Sätzen bog auch der Löwe in die Bismarckstraße ein, und erst als er sah, daß seine Verfolgung zwecklos war, gab er das Wettrennen auf. Sein lauerndes Auge hatte inzwischen aber bereits eine andere, bequemere Beute erspäht. Vor der Gastwirtschaft Puls hielt der Landwirt Riehn aus Jarchau mit e'nem Wirtschaftswagen, vor dem sich drei Pferde be­fanden. An das Leitpferd schlich sich die Bestie heran, be­schnüffelte es, und als das Tier unruhig wurde, sprang er es an und mit einem einzigen Biß durchschlug er den soge­nannten Vorderarm des linken Vorderbeines. Der Schmer- zensschrei des gebissenen Pferdes und das ängstliche Wiehern der andern Tiere machte die Leute in der Nachbarschaft auf­merksam. Restaurateur Puls stürzte aus seiner Wirtschaft, und in der Meinung, eine große Dogge vor sich zu haben, packte er das Tier am Schweif und riß es von seinem Opfer fort. Ein in diesem Augenblicke vom Schützenplatze heran­stürmender Arbeiter versetzte der Bestie einen furchtbaren Hieb über die Schnauze und das Tier fiel zu Boden, um im nächsten Augenblick von den Hinterhusen der drei Pferde in I ganz barbarischer Weise bearbeitet zu werden. Die Augen­zeugen glaubten, dem Löwen wären sämtliche Rippen ge­brochen worden und einen Augenblick lag er wie leblos zwischen den Pferden. Dann aber raffte er sich am und

flüchtete in die Büsche der Nordpromenade. Inzwischen wa die mit Revolvern bewaffnete Polizei eingetroffen, die daè gefährdete Gelände im weiten Umkreise ^sperrte. Fast zu gleicher Zeit waren mehrere Offiziere und Mannschaften deS Husaren-Regiments eingetroffen, die den Schlupfwinkel der Bestie schußbereit umstellten. Von dem Dache des Hinter­gebäudes der Pulsschen Wirtschaft hatte man dem Tiere in­zwischen die Schlinge eines starken Taues über den Kops werfen könne, und als das Tier sich durch einen Sprung befreien wällte, zog sich die Schlinge zu, die Bestie war kampf­unfähig gemacht und konnte in wenigen Augenblicken ge­fesselt werden. Von Angestellten des Zirkus wurde der drei­jährige Löwe in einem herbeigeholten Käfi^ alsbald zurück­transportiert und die nach Hunderten zählende Menschen­menge zerstreute sich. Gleichzeitig mit dem Löwen warauch eine Löwin ausgebrochen, die sich mit zwei jungen Löwen auf der Wiese am Irrgarten niedergelassen hatte, wo sie sich mit den jungen Tieren spielend vergnügte. Diese drei Tiere wurden von Angestellten deS Zirkus mühelos wieder einge­fangen. In der Stadt bildet der Ausbruch des Löwen Pascha, dessen Wert auf 3000 Mk. angegeben wird, das all­gemeine Gespräch. Erfreulicherweise ist die gefährlich» Sachs ohne ernste Folgen für Menschenleben geblieben ; die Besti« hätte aber unter Umständen den Kindern der Volksschule sehr gefährlich werden können.

Hus Ran au Stadt und Tand.

Hana«, 30. Mai.

88 Stadtrat Rudolf Boedicker ! Gestern nacht um ^äl Uhr verschied im Landkrankenhause zu Cassel an den Folgen einer SaUenfteinoptration der Finanzdezernent und Vorstand bei gesamten Casseler städtischen Kassendienste-, Stadtrat Rudolf Boedicker, im Alter von 55 Jahren. Der Verstorbene war als Sohn deS PolizeiinsvektorS und nachmaligen städtischen Polizeirates Boedicker am 12. Januar 1855 in Cassel geboten, besuchte das Gymnasium und trax dann als Zioilsupernumerar bei der Königlichen Regierung in Cassel in Dienst, wurde dann Ttadtsekretär in Hanau, wo er eine Reihe von Jahren verblieb und nebenher daS Amt eines Syndikus der Handelskammer in Hanau versah, bis er auf Vorschlag 'des von Hanau nach Cassel gekommenen Oberbürgermeisters Westerburg im Jahre 1894 vom damaligen Bürgerausschuß zum Stadtsekretär und Stadtbuchhalter der Stadt Cassel gewählt worden war. Er reorganisierte ben städtischen Finanzverwaltungsdienst von Grund auf, brachte durch geschickte Verwaltungsmaßnahmen der Stadt vermehrte Einnahmegelegenheit und erwarb sich auch sonst um die Förderung gewerblicher Anlagen in Cassel große Verdienste, für die er zum Stadtkassenrat seitens bei Magistrats ernannt wurde, später zum stimmberechtigten Magistratsmitgliede und schließlich zum besoldeten Stadtrat erwählt würbe. Der aus dem Subalternbeamtenstande hervorgegangene Stadt­rat war durchaus kein Bureaukrat, sondern ein ungewöhnlich kluger und weitblickender Finanzmann, der durch mehrere Gründungen über die Grenzen des Hessenlandes hinaus be­kannt geworden ist. Tr begründete den Spaarkassen- verband für die Provinz Hessen-Nassau und das Fürsten­tum Waldeck und Pyrmont, wodurch er den Zusammenschluß aller öffentlicher Sparkassen der Provinz Hessen-Nassau er­reichte und damit viele Vorteile für bit einzelnen Sparkassen, die ihnen sonst verschlossen bleiben mußten. Weiter hatte er erfolgreich dieKonferenzderFinanzdezernenten der deutschen Großstädte angeregt, die zum ersten Male im November des Vorjahres in Cassel tagte und der inzwischen über 220 deutsch« Städte beigetreten sind, bie ge­meinsam den Zweck verfolgen, eine allgemeine Selb» Vermittlungsstelle für alle Städte über 80 000 Einwohner herbeizuführen; die nächste Konferenz sollte in Nürnberg anfangs Juni tagen, mußte aber wegen der Er­krankung des Stadirats Boedicker indessen bis zum Septem­ber d. J. verschoben werden und ist nun überhaupt in Frag« gestellt worden. Große Verdienste hat der Verstorbene sich auch um das Zustandekommen des Hessischen Städte­tages erworben, ja man kann sagen, daß es seiner von Hanau aus so erfolgreich betriebenen Propaganda vor nun­mehr 20 Jahren überhaupt erst gelungen ist, die begründend* Versammlung des Hessischen Städtetages in Fulda zu» sammenrufen zu können, wo dann die Gründung des Hessi­schen Städtelages erfolgte. Dem Vorstande des Hessischen Städteiages gehörte er von anfang an hinzu; er war über­haupt eines der eifrigsten Vorstandsmitglieder, was auf bet diesmaligen Tagung in Fulda auch rückhaltslos anerkannt wurde. In seiner Vaterstadt gehörte er dem Fremdenver­kehrs-Verein und einer großen Anzahl gemeinnütziger Verein« an, die seinen Heimgang schwer empfinden dürften.

* Oratorienverein. Morgen, Dienstag, abends 8 U h r, Probe für Damen und Herren. Es ist dies die letzte Chorprobe vor dem Ausflug. Pünkt­liches und vollzähliges Erscheinen deshalb sehr «r- wünscht. Nach der Probe Vorstandssttzung.