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28. Tneutoe»
And mit Tänzen zu empfangen. Dor dem Verlassen von Ponape wurde dann noch die im Osten der Insel gelegene Metalaminbucht besucht. Auf den schlanken Kanus der Eingeborenen ging es über die flache Bucht nach jener verlassenen, aus starken Basaltquadern erbauten Stadt, deren Ursprung in fachwissenschaftlichen Kreisen noch immer Gegenstand lebhafter Erörterungen ist. Es fragt sich, ob die Vorfahren der heutigen Ponapesen die Erbauer gewesen fein können oder ein fremdes Eroberervolk; auch dir Japaner nehmen für sich die Urheberschaft dieser rätselhaften Bauten in Anspruch."
Der auf so grausame Weise ums Leben gekommene Ver- tiialtungf^ef der Ost-Karolinen Negierungsrat Boeder war ein seit langen Jahren bewährter Beamter des Kolonialdienstes. Ursprünglich war er in Viktoria in Kamerun tätig. Später wurde er Bezirksamtmann in Ostafrika. Als solcher hat er u. a. im Jahre 1905 ven Aufstand der Jumben in dem südlich Daressalam gelegenen Gebiet in kurzer Zeit niedergeschlagen. Im Jahre 1909 trat er seinen neuen Posten in Ponape an. Der Verstorbene, übrigens eine sehr gute, militärische Erscheinung, gehörte dem Infanterieregiment Nr. 64 in Prenzlau als Hauptmann der Reserve an,
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Die Insel Ponape ist die wichtigste und größte Insel der Karolinengruppe. Sie hat 150 Kilometer Umfang und 20 Kilometer Durchmesser. Die sie umgebenden Korallenriffe bilden ausgezeichnete Häfen, deren bedeutendste Roaikiti, Ponatik und Metalamin sind. Die größte Bodenerhebung, der Montehante, ist 852 Meter hoch. Die Insel zählte einst über 15 000 Einwohner, doch reduzierte sich diese Zahl nach der» Ausbruch der Blattern im Jahre 1850 auf ein Fünftel. Die Insulaner sind gut gebaute, kräftige Menschen, die sich hauptsächlich mit Branntweinerzeugung aus Bananen beschäftigen. Der Regierungssitz befindet sich in Santiagohafen. Auf der Insel finden sich merkwürdige Reste alter Bauten, die aus Basaltblöcken ausgeführt sind und große Flächen bedeckten. Die Insel ist 1595 entdeckt worden.
PolitiTzhe Rundfd/iau.
Der deutsche Kronprinz in Indien. Aus Jaipur, 27, Dezbr. wird gemeldet: Der Kronprinz nahm gestern abend an einem Festbankett im Palais des Maharadscha teil, besuchte heute das Observatorium und besichtigte die eingeborenen Truppen. Der Kronprinz überreichte dem Maharadscha den ihm verliehenen Kgl. Kronenorden erster Klasse. Nachdem der Kronprinz so Gelegenheit hatte, zwei der wichtigsten Einzelstaaten Indiens zu besuchen und sich mit deren Verhältnisse vertraut zu machen, tritt er abends die Weiterreise nach Agra an.
Vom Prinzen Max. Es heißt, der Vatikan will von einer Publikation des Widerrufs des Prinzen Max absehen, dagegen bereitet der Papst, wie verlautet, eine Enzyklika an die liniierten Griechen vor, in er er indirekt sich gegen den Artikel des Prinzen Max wendet und sich seinerseits über die Möglichkeit einer Union ausspricht. — Die Erklärung, die am Samstag in dem amtlichen „Dresdner Journal" zur AncU Kuweit d^ Prinzen Mux erschienen war, ist von dem Landesbischof Dr. Schäfer verfaßt worden. Die in evan» gelieis beauftragten Staatsminister veröffentlichten heute abend im „Journal" eine weitere Erklärung, in der sie mitteilen, daß sie mit jener Veröffentlichung nichts zu tun haben und vor ihrem Erscheinen keine Kenntnis davon gew habt haben. Dieser bemerkenswerte Vorgang wird voraussichtlich noch weitere Fogen haben.
Ein Dreimächtevertrag über Persien soll, wie aus London gemeldet wird, unmittelbar vor dem Abschluß stehen. Der Berliner Korrespondent eines Londoner Blattes erfährt nämlich aus Kreisen, die mit der russischen Regierung in Fühlung stehen, es seien gegenwärtig zwischen London, Berlin und Petersburg Pourparlers im Gange, die Englands Beitritt zu der deutsch-russischen Abmachung betreffs Persien bezwecken.
Dcr Stand unserer Kolonien.
Der neue Staatssekretär deS ReichskolonialamtS, Herr von Liudcqnist, hat bei der Etalsberaliing im Reichstage eine Rede gehalten, die eine Fülle von zuverlässigen Tatsachen über unsere Kolonien enthält und in jeder Hinsicht die Hoff- nungssreudigkcit der Kolonialfreunde rechtfertigt. An die Spitze seiner Rede stellte Staatssekretär von Lindeqnist gleichsam als Wahlspruch die Worte: „Es geht vorwärts I" Seine Ausführungen zeigten, daß dieses Wort den Tatsachen entspricht. Beispielsweise bringen manche Eisenbahnen, bei denen die Regierung noch auf Jahre hinaus mit erheblichen Zuschüssen rechnete, wie die Südbahn in Südwesta^rika, nicht nur die Betriebskosten ein, sondern sie werfen darüber hinaus sogar einen nicht unbeträchtlichen Ueberschuß ab. Andere Bahnen, bei denen man ebenfalls in so kurzer Zeit noch nicht an lleberschüsse dachte, verzinsen sogar das aufgemandte Kapital zu einem wenn auch mir mäßigen Zinsfuß.
Auch viele andere Zahlen sprechen dafür, daß der koloniale Tiefstand endgültig überwunden ist. So ist allein im Jahre 1909, dem letzten, von dem Angaben vorliegen, der Handel unserer Schutzgebiete um 39 Millionen Mark, von 138 auf 177 Millionen Mark gestiegen. Von dieser Anf- wärlsbeweaunq entfällt ein erheblicher Teil auf die Ausfuhr, was ebenfalls für den wirtschaftlichen Aufschwung der Kolonien sprich!. Während die Aus'nhr in den Jahren 1904 bis 1907 30 v. H. des Handels betrng, ist sie in den Jahren 1907 bis 1909 auf 40 v. 5). gestiegen und hat sich in den beiden Jahren 1908 und 1909 jährlich um 10,3 v. H. vermehrt. .
Hand in Hand mit diesem Aufschwünge des Handels Unserer Kolonien gehen eine Steigerung der eigenen Ein- nahmen dir Solouir» und eine ^eiabminbetuna der Zu
schüsse des Reiches. Ondwestafrika beispielsweise ist nicht nur in der Lage, die Ausgaben des Zivilelais vollkommen ans den laufenden Einnahmen des Schutzgebietes zn decken, sondern sogar noch erhebliche Summen zu den werbenden Anlagen des Schutzgebietes beizutragen. Sie betrugen im Jahre 1909 4,9 Millionen Mark, im Jahre 1910 5 Mill. Mark und werden für 1911 mit 6 Mill. Mk. veranschlagt. Infolgedessen sind die Lasten des Reiches in der Zeit unseres kolonialen Aufschwunges von den Jahren 1908—1911 von 43 Millionen auf 20 Mill. Mark, also um mehr als die Hälfte gesunken.
Hat Staatssekretär Dernbnrg dadurch, daß es ihm gelungen ist, für seine großzügige Eisenbahnvolitik die Znstim- mnng des Reichstages zu erhalten, die erste Grundlage für eine gedeihliche Entwicklung unseres Kolonialbesitzes geschaffen, so beabsichtigt sein Nachfolger, Staatssekretär v. Lindeqnist, auf dem betretenen Wege mit anderen Mitteln fortzn- fahren; er will durch eine umfangreiche Förderung unserer kolonialen Landwirtschaft dafür sorgen, daß diesen Bahn- bauten die nötige Fracht nicht fehlt, wodurch sich ihr Nutzen naturgemäß von Jahr zn Jahr steigern wird. Insbesondere will Staatssekretär v. Lindeqnist das in den Kolonien bisher nur wenig ausgebildete landwirtschaftliche Versuchswesen aus» gestalten, einheitlich organisieren und in diesen landwirtschaftlichen Versuchsanstalten Anbanversnche in größerem Umfange vornehmen. Diese Versuche wird man im deutschen Volke rimsomehr mit Freuden begrüßen, als durch sie auch dem kleinen Ansiedler,' der im Gegensatze zu bem Großkapital derartige kostspielige Versuche nicht vornehmen kann, der Boden zu feinem Fortkommen geebnet wird. Gleichzeitig wird dadurch in den für die Besiedelung mit Weißeil geeigneten Gegenden der Einwanderung deutscher Ansiedler Vorschub geleistet.
Die erste Rolle unter den kolonialen Erzeugnissen dürfte wegen des jährlich wachsenden Bedarfes die Baumwolle spielen, über die der Staatssekretär nach dem Vorbilde seines Vorgängers eine umfangreiche Denkschrift angcknndigt hat. Daneben beabsichtigt Herr v. Cinbequift, der Viehzucht und Viehhaltung, ganz besonders der Zucht von Wollschafen, seine Aufmerksamkeit zuznwenden und außerdem in der für eine Besiedelung durch Weiße am meisten geeigneten Kolonie, in Südivesiafrika, Sorge zu tragen, daß der Anbau von Feld- früchlen, Futtermitteln und Tabak steigt und der Gartenbau auf eine höhere Stufe gebracht werde. Diese Bemühungen sind für die Zukunft der Kolonie von größter Bedeutung, da Südwestafrika bisher trotz seiner geringen Bevölkernngszahl mit einem Teil der Lebensmittel vom Auslande abhängig ist. Eine wirklich lebensfähige dentsche Kolonie wird dort erst entstehen, wenn mindestens der ganze Bedarf an Lebensmitteln an Lande hervorgebracht wird.
Neben diesen wirtschaftlichen Aufgaben hat der Staatssekretär die Förderung der Bildung und Gesittung der farbigen Rassen als Aufgabe der Regierung verkündet und mitgeteilt, daß zu diesem Zwecke die bereits bestehende Ein- richinng von Eingeboreneukommiffaren und Arbeiter- fonimiffaren noch weiter ausgedehnt werden solle. Alles in adern beweist die Kolonialrede des Staatssekretärs, daß die bisher für unseren Kolonialbesitz ansgegebenen Stimmen nicht vergeblich aulgewandt sind, sondern gute Zinsen tragen, und daß wir mit Vertrauen der Entwicklung unserer Kolonien entgegensehen können.
Kunst und Leben.
Die zwölf Nächte, die sich vom Wnhnachtstage bis zum 6. Januar erstrecken, sind nach uraltem Volksglauben für die Znknust des Meirichen bestimmend. Die Träume, die man in diesen Nächten hat, sollen der Reihe nach für die kommenden zwölf Monate von besonderer Bedeutung fein. Bezüglich des Wetters gilt der alte Satz: Wie sich das Wetter von Christtag bis Hciligedreikönig erhält, so ist das ganze Jahr bestellt. Während der zwölf Nächte treiben auch Hexen, Dämonen und vor allem auch Fran Holle und der wilde Jäger ihr Unwesen, so daß man die Altagsarbeit am besten ganz ruhen läßt. Der Druieufnß, das Kreuz unb Strohseile schützen das Vieh unb die Wirtschaft. Als besonders wichtig gelten die Drei-heilig-Nâchte, b. h. Christ-, Neujahrs- und Dreikönigsabend. Ursprünglich hatten die zwölf Nächte garnichls mit Spuk und Gespenstergeschichten 311 um, sondern waren lediglich eine Zeit des sorglosen Ansrnhend, wie man sich beim auch die Sonne in solcher Ruhe dachte. Daher lebt noch jetzt in manchen Gegenden Deutschlands der Glaube, daß in den zwölf Nächten gewisse Arbeiten nicht vorgonommen werden dürfen, namentlich sei cs nicht erlaubt, zn spinnen Während dieser Zeit muß man sich vordem der größten Ruhe befleißigen ; wer nur die Tür derb zuschliig, hatte im nächsten Jahr bell Blitz zn fürchten. Dafür lärmte in den zwölf Nächten das wütende Heer, der wilde Jäger Hackelberg brauste bind) die Lüste. Iirwische tanzten, die Fenermänner flackerten. Bei den heidnischen Angelsachsen hießen die zwölf Nächte Modrauecbt, WliutermWe, weil sie das kommende Jahr mit jenem Glück unb Unglück gebären sollten. Nach germanischem Glauben hielten in den zivölf Nächlen die Gotter, besonders Wodan und Frigga, ihren feierlichen Umzug, um die Natur wieder zu beleben, den Pflanzen Wachslnm unb Flüchte zu spenden, das Wasser zu Wein zn machen. Gottesfriede herrschte in diesen geheiligte» Tagen bei unseren Altvordern, alle ergaben sich der festlichen Freude. Sie beschenkten sich gegenseitig mit Wildpret und wildem Honig, nub zwölf Tage lang ruhte jeder Kampf und jede Feindschaft. Todfeinde saßen in Grieben nebeneinander, unb der eine reichte dem andern das Trinkhorn. Erst nach Ablauf dieser Frist erneuten sich die alten Feindschaften, unb die Gewalten der Rache unb Sühne traten wieder in ihre Rechte ein. Das ist im Laufe der Jahrhunderte anders geworden. Aber der Aberglaube, ber sich an die jmëlf Nächte knüpft, hat sich erhallen. Selbst in Kreisen, in denen man das nicht für möglich halten sollte, wähnt man noch immer, daß das, was
man in de» zwölf Nächte» träumt, im Laufe de« kämmenden Jahres in Erfüllung gehen werde, und man wünscht »orbem Schlasenaeüen sich und andern einen schönen Traum.
Volksfestfpiele unter Leitung von Mar Reinhardt. Ein Komitee, dem u. a. Dr. Adickes, Oberbürgermeister von Frankfurt a. M., Dr. 0. Vorscht, Oberbürgermeister von München, D. Dr. Burchard, Bürgermeister von Hamburg Dr. Martin Kirschner, Oberbürgermeister von Berlin, Dr Georg Reicke, Bürgermeister, Kurt Schustehrus, Oberbürgermeister von Charlottenburg, Richard Dehmel, Prof. Dr. Adolf Harnack, Hugo v. Hofmannsthal, Prof. Artur Kampß Max Klinger-Leipzig, Prof. Lichtwark, Max Liebermann' Thomas Mann, Gabriele Reuter, Emanuel v. Seidl, E«- briel v. Seidl, Franz v. Stuck, Dr. Swarzenski, Prof. Dr. Heinrich Wölflin, und Dr. Graf v. Zeppelin angehören, erlaßt folgenden Aufruf: „Aus Süddeutschland kommt der Ruf, in allen großen Städten Deutschlands Volksfestspiele zu veranstalten. Zu solchem Unternehmen wurde die Anregung geschöpft aus den jüngsten Aufführungen des Sopho- kleischen „König Oedipus" in München und Berlin. Zum ersten Mae erhielt die kaum geahnte Möglichkeit einer monumentalen Schaubühne greifbare Gestalt. Die gleiche tiefergreifende Wirkung in der großen Münchener Musikhalle wie in der Arena eines Berliner Zirkus. Ein scheinbar verwegenes Experiment wurde im Norden und Süden Deutschlands von Tausenden und Abertausenden stürmisch bejaht. So entstand der Gedanke, eine das ganze Reich um- faffende Bereinigung ins Leben zu rufen, zum Zwecke deutscher Volksfestspiele. Zur Förderung und Verwirklichung dieses Planes rufen die Unterzeichneten auf. Sie wollen einer festlich gestimmten Hörerschaft festliche Eindrücke schaf. fen, Sie wünschen im Norden und Süden „das Theater der Fünftausend" hinzustellen, das die Grenzgebiete der Alltagsbühne erweitert, das Ungezählten um ein Geringes versperrte Tore öffnet. In einer Zeit der sozialen und politischen Gegensätze halten sie den Versuch für dankenswert, den Acker für jeden und für alle zu bestellen, auf dem Boden der Kunst eine Art von Ausgleich anzustreben und das Theater wieder zu einer Sache des Volksganzen zu machen. Die Werke der Antike wie der eherne Bestand unserer klas- fischen Meisterwerke, sofern sie sich in den Rahmen einfügen, sollen auf dieser Bühne ihre Stätte finden. Und aufmerksame» Ohres wollen wir hinhorchen, ob nicht etwa dem dichterischen Schaffen der Gegenwart aus diesen veränderten Bedingungen neue Anregungen und neue Möglichkeiten erblühen. Als Darsteller sollen die bedeutendsten Schauspieler der Deutschen Bühne herangezogen werden. Die Spielleitung der Aufführungen wird Max Reinhardt übernehmen. An alle, ohne Rücksicht auf Stand, Beruf und Partei, ergeht hierdurch die Aufforderung, sich der Gesellschaft für deutsche Volksfestspiele anzuschließen." — Das Bureau der Gesellschaft, Berlin N. 10, Unter den Linden 14, erteilt alle Auskünfte.
Konzertreise des „Düffeldorfer Männerchors". Ein besonderes Interesse verdient wegen ihrer Eigenart die vom Düsseldorfer Männerchor vom 21. bis 29. Januar 1911 zur Ausführung gelangende Konzertreise nach München, Innsbruck und in das Engadin, an der auch Gäste teilnehmen können. Erst feit wenigen Jahren ist man zu der ErkeMk- nis gekommen, daß das Hochgebirge gerade im Wint« zauberhaft schön ist. Wenn demnach der Düffeldorfer Mm nerchor sich entschlossen hat, seine Konzertreise zur Winterszeit auszuführen, so beschreitet er hiermit nicht nur einen ganz neuen Weg, sondern er erfüllt damit gewiß auch den besonderen Wunsch seiner Mitglieder und den vieler Freunde. Weit über 100 Sänger haben ihre Beteiligung fest zugesagt. Der Verein singt unter Leitung des Königl. Musikdirektors Mathieu Neumann in Innsbruck, Chur, Davos, St. Moritz und Pontresina. Ellen Ney aus Bonn, eine der hervorragendsten Pianistinnen der Gegenwart, wird ihn als Solistin begleiten.
Hus Hab und fern.
Gelnhausen, 26. Dezbr. Das kgl. Konsistorium hl Cassel teilte laut „Ge!nh. Ztg." dem Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde zn Bad Orb mit, daß das angestellts Ermitlelnngsverfahren gegen den Pfarrer dieser Gemeinde keinerlei Schuld desselben ergeben habe, und somit kein Grund vorliege, den Pfarrer ohne seinen Willen in ein anderes Pfarramt zu versetzen. Die Sache stand, wie seinerzeit erörtert wurde, im Zusammenhang mit dem bekannten Fall des freiwillig aus dem Leben geschiedenen Lehrers Karpfenstein. Der Fall hatte in der genannte» Kirchengemeinde eine lebhafte Erregung gegen den Pfarrer wachgerufen.
0 Marburg, 27. Dezbr. In dem Konkurse des Bankhauses Justus Wilhelm Berdux dahier betragen nach dem jetzigen (Staube des Verfahrens die angemeldeten Fordernngen mit Vorrecht 3984 Mk., diejenigen ohne Vorrecht 1 233 620 Mark (festgestellt 214 498 Mk., bestritten 766 592 Mk., Ausfallfordernngen 252 530 Mk.). Die Vermögenswerte sind mit 74 000 Mk. geschätzt, so daß für die anzunehmen- ben Fordernngen ohne Vorrecht etwa 16'/, —17 Proz. in der Masse liegen. Der Konkurs des Bankhauses Berdux steht im Zusammenhang mit dem Konkurse der Niederdeutschen Bank in Dortinnnd.
X Klern-Krotzenburg, 27. Dezbr. Gestern abend gegen 8 Uhr brach auf bem benachbarten Braunkohlen • Bergwerke „Grube Gustav" aus unaufgeklärter Entstehungsursache ein weithin wahrnehmbares Schadenfeuer aus, das den nächtlichen Himmel in ein förmliches Flammenmeer tauchte und mit Blitzeskile in der ganzen Umgegend zur Schreckeuskunde Veranlassung gab, der größte Teil des ausgedehnten Bergwerks stehe in Uchterlohen Flammen. In Wirklichkeit aber war nur eine große Arbeiterbaracke in Brand geraten, worin meh- rere Fässer Oel lagerten unb die zahlreichen Arbeiter beim Slaais-Bagger ihre Dekleidungsgegenstände, Arbeitsgeräte und sonstige Habseligketten ausbewahrten. Vergeblich kämpfte die