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fungierte. Nach einiger Zeit kaufte der Kleinbauer Albert Ebert in Mittelkalbach (ein Sohn des früheren Besitzers) von Strauß einen Teil des Hofes mit den dazu gehörigen Ländereien zum Preise von 8500 Mk. zurück. Zu den zum Gut gehörigen Grundstücken, die nicht in diesem Rückkauf einbegriffen waren, gehörte auch eine Wiese in der sogen. „Bornhecke", die von Adler am 20. Mai 1906 an den Bauer Josef Leinweber in Mittelkalbach mit der Ernte verkauft wurde. Acht Tage vor der gerichtlichen Zuschreibung der Wiese an Leinweber (am 13. Juni 1906), begab sich Adler wieder nach Mittelkalbach, um eine von Ebert gekaufte Kuh in Empfang zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit bot er auch Ebert den Grasschnitt der Bornheckenwiese, trotzdem dieser schon an Leinweber verkauft war, für 80 Mark zum Kaufe an. Ebert, der von dem Verhältnis Adlers zu Strauß keine Ahnung hatte und in A. stets einen ihm wohlgesinnten Händler vor sich zu haben glaubte, erschien das Angebot preiswert. Er machte sich darum gleich mit seinem vermeintlichen Gönner auf den Weg nach Fulda zu Strauß, in dessen Wohnung der Grasschnitt zu dem offerierten Preis von Strauß an Ebert verkauft wurde. Froh, durch Adler zu einem verhältnismäßig billigen Futter gekommen zu sein, trottete nun der Bauer wieder heim. Als er am andern Tage (Fronleichnam) auf dem Wege zur Kirche in Mittelkalbach seinen Nachbar Leinweber traf, erzählte er diesem von dem Kauf der Grasernte und erfuhr nun, daß die Bornheckenwiese nebst Ernte bereits am 20. Mai notariell durch Kauf in den Besitz Leinwebers übergegangen war. Ebert strengte später wegen dieses unreellen Handels einen Prozeß gegen Strauß auf Entschädigung von 70 Mark an, der am 11. Dezember 1908 und am 8. Januar 1909 vor dem Amtsgericht in Fulda verhandelt wurde. Der Kläger wurde aber mit seiner Klage kostenpflichtig abgewiesen, da Strauß als Partei beschwor, das Gras der Bornheckenwiess nicht an Ebert verkauft zu haben, auch der als Zeuge geladene Adler beschwor, „er wisse nichts hiervon". Durch einen Zufall kamen diese unrichtigen Angaben aber an den Tag. Am 22. März 1909 nämlich war vor dem Amtsgericht Neuhof in einem Zivilprozeß, den Ebert gegen Adler führte und in dem auch Strauß als Zeuge auftrat, Termin an« gesetzt. Zur Feststellung einer von der beklagten Seite bestrittenen Zahlung in diesem Prozeß wurde Strauß, als dem ehemaligen Kompagnon Adlers aufgegeben, das während dieser Zeit geführte Geschäftsbuch vorzulegen. Neben dem Richter unterzog auch der RechtSbeistand Eberts daS Buch einer sorgfältigen Durchsicht und entdeckte hierbei folgenden Eintrag: „13. Juni 1906. Verkauf von Heugras an Albert Ebert, Mittelkalbach, für 80 Mk." Als der Rechtsanwalt dies« für seinen Klienten wertvolle Entdeckung Strauß vorhielt und ihm bedeutete, daß er doch in Fulda beschworen habe, daS GraS nicht an Ebert verkauft zu haben, erwidert« dieser: „Das weiß ich nicht mehr, Ebert hat sich damals an ben Verehrten gehalten, er hätte Adler verklagen müssen." Nus den heute als Zeuge erschienenen Anwalt machten diese unsichere« Angaben von Strauß gleich den Eindruck, daß eS sich mit seinen Redereien nur um eine Verleg«nheitSauSr«de handelte. Die gemachte Entdeckung führt« dann im April zur Anzeige und Einleitung des heute zur Verhandlung stehenden Meineidsverfahrens. Während Strauß in ber Voruntersuchung angab, er wisse nicht, wie der fragliche Eintrag in sein Buch gekommen wäre, erklärt er heute, daß ihm sein damaliger Kompagnon — die beiden haben sich mittlerweile getrennt und stehen nicht auf bestem Fuße zusammen — kurz« Zeit nach dem erfolgten Verkäufe des HeugraseS mitgeteilt habe, daß dieses verkalkst sei, den Käufer habe er nicht genannt, und er (Strauß) daher angenommen, daß es an Ebert verkauft war. Adler sagt aus, überhaupt nichts verkauft zu haben und bestreitet, Strauß eine diesbezügliche Mitteilung gemacht zu haben. AuS den Zeugenaussagen geht aber hervor, daß beide sowohl von dem Verkauf der Grasernte an Leinweber, wie dem später nochmals an Ebert erfolgten unterrichtet waren und ihre betrügerischen Manipulationen nur niedriger Gewinnsucht zuzuschreib«« find. Di« Geschworenen bejahten denn auch die ihnen vorgelegt« Frage auf wissentlichen Meineid. Der Staatsanwalt beantragte gegen beide Angeklagte je 8 Jahre Zuchthaus. Das abends nach 8 Uhr gefällte Urteil lautete gegen jeden der Beschuldigten auf 2 I a h r « Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und dauernde Unfähigkeit, als Zeug« oder Sachverständiger vernommen zu werden. Auch wurde, da bei der Höhe der Strafe Fluchtverdacht vorliegt, Haftbefehl gegen die Angeklagten ausgesprochen. — Vertreter der Anklagebehörde war Herr Erster Staatsanwalt Lehmann, Verteidiger der Angeklagten die Herren Justizrat Eberhard und Rechtsanwalt Dr. K o r e s. — Mit dem üblichen Danke an die Geschworenen schloß der Vorsitzende Herr Landrichter Heldmann die Verhandlung, der eine ganze Anzahl Handelsleute aus der Fuldaer Gegend im Zuhörerraum beiwohnten, und erklärte die zweite diesjährige Schwurgerichtsperiode für beendet.
Hus Rana« Stadt und Fand.
Hana«, 28. Juni.
* Haussummluttgen für das Jahr 1911 müssen nach einer Bekanntmachung des Herrn Regierungspräsidenten 'M amtlichen Teile der heutigen Nummer mit dem vorgeschriebenen Kollektenorgamsationsplan spätestens bis zum 1. August d. Js. unmittelbar bei dem Herrn Oberpräsidenten zu Cassel eingereicht werden. Bei Kollekten, die ' sich über ben hiesigen Bezirk hinaus auf den Regierungsbezirk Wiesbaden erstrecken sollen, sind für jeden Bezirk getrennte Anträge einzureichen. Anträge, die nach dem 1. August d. Js. ringehen, können nur dann Berücksichtigung finden, wenn die Kollekten, zur Beseitigung eines Notstandes dienen sollen und die Anträge nicht vorher eingereicht iverden konnten.
* Verliehen. Dem Oberzollinspektor BrunS in Hanau ist der Charakter als „Z o l I r a i" verliehen worden.
* Hanauer Knnsigewerbe-Verein. Auf den Vortrag welchen heute abend J/a9 Uhr im „Bürgerverein" Herr Professor Leven über das Projekt eines Neubaues der Köuigl. Zeichenakademie halten wird, iverden die Herren Bulglieder deS Hanauer Kunstgewerbevereins hierdurch höflichst nochmals hingewiesen.
~ . ^UbcWK Hschzrii feiern morgen Weißbinderineister 11110 Ar'w' geb. Weiershausen, Schnellste. 8. MarnwaKerwärme heute vormittaa 15 Grad.
DienStn«
* Die Renovation Ler Marrenkir^e. Zu der Mitteilung über die Renovation der Marienkirche in ber Nummer vom Samstag, wird uns von zuständiger ^eite mit- geteilt, daß Herr Banrat Tbyriot, nach Lessen Plänen vor 4 Jahren die Erweiterung der Orgelempore in einer für das allehrwürdige Gotteshaus anerkanntermaßen vortrefflichen Art vorgenommen wurde, in erster Linie um seinen bewährten Rat angegangen wurde. Herr Emirat Thyriot hat auch in gewohnt entgegenkommender Weise bereitwilligst einen sachverständigen Rat erteilt und wird in Verbindung mit den Herren Bode und Zimmermann die Arbeiten sorgfältig über- wachen. Zudem bieten die gewählten Handwerker die Gewähr, baff unter solcher künstlerischer Leitung ganz gewiß gute Arbeit geliefert wird.
* Volkstümliche Konzerte. Wie aus dem Inseratenteil ber heutigen Glimmer hervorgcht, sind, da die bisher stattgesuudenen 3 volkstümlichen Konzerte von dem hiesigen mufikuebenden Publikum mit größtem Beifall ausgenommen wurden, drei weitere derartige Konzerte in Aussicht genommen. Das nächste ist für Freitag den 1. Juli vorgesehen und als ein „Reiter-Abend" gedacht. 3 Konzertbillets — wie seither — sind für 50 Pfg. schon jetzt in den bekannten Verkaufsstellen zu haben.
* Historische Kommission für Hessen und Waldeck. Aus dem dreizehnten Jahresbericht der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck ist ersichtlich, daß die Jahresversammlung am 4. Juni int Senatssaale der Marburger Universität stattgefnnden hat. ES nahmen daran 25 Herren von Marburg und auswärts teil. Herr Prof. Frhr. v. d. Ropp gedachte hierbei der im verflossenen Berichtsjahre gestorbenen Mitglieder, der Herren Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. B. Nies« in Halle, Oberlehrer E. Beckrr und Prof. H. Diemar in Marburg. In Herrn Niese beklagt die Kommission ein Mitglied, welches ihr seit Begründung angehört, in den Herren Becker und Diemar zwei Mitarbeiter, von denen Herr Becker vor Vollendung seiner Arbeit ab= berufen worden ist, während Herr Diemar nach Abschluß der Herausgabe der Chroniken des Wigand Gerstenberg im Begriff stand, an die Bearbeitung der Landtagsakten des 16. Jahrhunderts heranzutreten. Als Patron ist der Kommission beigetreten die deutsche Kolonialschule in Witzeuhausen, während Herr Geh. Reg.-Rat Dr. Eisenmann, jetzt in Karlsruhe, das Patronat niedergelegt hat. Die Nechnungsablage ergab eine Einnahme von 5610 Mark durch PatronatS- beiträge, 45 Mark durch sonstige Zuwendungen, Zinsen 344.48 Mark, zusammen 5999.48 Mark, Uebertrag 6675.69 Mark, Summa 12 675.17 Mark, da die Ausgaben sich auf 5617.32 Mark stellten, verblieb ein Kassenbestand von 7058.85 Mark. Nach der Entlastung des Schatzmeisters, Herrn Geh. Archivrat Dr. Könnecke, wurden zu Mitgliedern gewählt die Herren Prof. Dr. Busch und Archivafsistent Dr. Schultze in Marburg, Bibliothekar Dr. Jürges in Wiesbaden und Prof. Dr. Roloff in Gießen. Die Berichte über die wissenschaftlichen Unternehmungen betrafen Fuldaer Urkundenbuch, Landtagsakten, Chroniken von Hessen und Waldeck, Landgrafenregesten, Urkundenbuch der Wetterauer Reichsstädte, hessische Münzgeschichte, die Quellen zur Geschichte des geistigen und kirchlichen Lebens, Quellen zur Geschichte der Landschaften der Werra, Sturios Jahrbücher der Neustadt Hanau, Hessische Bebordenorgcmisatiou, Beiträge zur Vorgeschichte der Reformation in Hessen und Waldeck, Hessischer Lehnstaat, Klosterlexikou und Klostcrarchive. Als weitere Aufgaben wurden schließlich vom Vorstände ins Auge gefaßt die Publikation von Quellen zur Verfassungs« und Verwal- Ümgsgeschichte der hessischen Städte, sowie der Urbare und Weistümer. Die Zahl der Stifter beträgt 3, die der Patrone 43 und die der Mitglieder 103.
* Kurort Wilhelmsbad. Morgen nachmittag von 4 Uhr ab findet zu WilhelmSbad großes Militär-Konzert statt, ansgeführt von der Kapelle des Thuring. Ulanen-Regiments Nr. 6.
* Ehrend. Der unter Leitung des Musiklehrers und Komponisten Herrn Ruland Ayßlinger - Offenbach stehendeBrodt'sche Männergesangverein kehrte gefterh abend, mehrfach preisgekrönt, von seiner Beteiligung an dem vom 25.-27. Juni in Königstein im Taunus statt« gefundenen nationalen Gesangswettstreit heim. Unter starker Konkurrenz (aus Bonn, Frankfurt a. M., Wiesbaden, Schwanheim hatten u. a. Vereine gemeldet), war cs dem Verein vergönnt, in der 2. Stadtklaffe neben dem 1. Preis (300 Mk.) und dem 1. Ehrenpreis (silberner Becher), anch den 1. Fürsten- preis, gestiftet von ihrer Kgl. Hoheit der Fran Großherzogin- Mutter von Luxemburg, Herzogin von Nassau, zu erringen. Dieser Preis wurde ben Siegern von der hohen Stifterin selbst überreicht, bei welcher Gelegeilheit diese ihrer Freude darüber Ausdruck verlieh, daß derselbe von einem Hanauer Verein errungen worben ist, da sie Hanau und seine Umgebung durch einen längeren Aufenthalt auf Schloß Rumpen- heim keimen gelernt habe. Möge der schone Erfolg den Verein zu weiterem regen Schaffen anspornen.
* Kothol. Kaufmännischer Verein. Hiermit laben wir unsere Mitglieder sowie die übrigen kathol. Kaufleute zu dem heute abend 1/s9 Uhr in unserem Vereinslokale statt« findenden Vortrag, welcher ein sehr interessantes und zeitgemäßes Thema behandelt, höfl. ein und hoffen auf recht zahlreichen Besuch.
* Tennis-Turnier Hany« a. M. 1910» Die Tnrnierleittmg möchte nicht versäumen, darauf hinzuweisen, daß heute abend 51/» Uhr auf dem Sportplatz in Wilhelms- bad die Meisterschaft im Damen-Herreu-Doppelspiel 1. Klasse zwischen Frl. Schade — Herrn Backes und Frl. Otti K i t t st e i n e r — Herrn Dintelmann ansgetragen wird. Ferner spielen in der gleichen Konkurrenz Frl. Lilli 011 — Herr Deines gegen Frl. G. Heraeus — Herrn Sachsenweger; wohl ist heute ber letzte interessante Tag des diesjährigen Turniers unb hofft der Turnier- Vorstand, nochmals alle Freunde unseres schönen Tenniß- ivartes auf dem TurniervlaL begrüßen zu können.
r«. Ium
* Eine schöne und würdige Weier, die in allen Teilen einen überaus gelungenen Verlauf nahm, fand gestern ans Anlaß des 50 jährigen Arbeitsjubitäums des Herrn Jean Weiß im Hause Joh. Mart. Krug Nachf. statt. Bereits am frühen Vormittag wurden dem Jubilar, der den Tag in jugendlicher Frische erlebte, von feiten der Herren Chefs der Firma reiche Ehrungen zuteil. Die kleine erhebende Feier, die dann in der Werkstatt stattfand, wurde von einer Schar geschulter Sänger des Personals mit den erhebenden Klängen der Hymne ^ör uns Gott" eingeleitet, an die sich die Neberreichung der Geschenke anschloß, die in außerordent- lich großer Zahl dem Jubilar von seinen Chefs, dem Kontorpersonal, seinen Kollegen und Kolleginnen, den Lehrlingen, sowie von Freunden und Bekannten von nah und fern überreicht wurden. Um dem seltenen Tage einen festlichen Ab- schuft zn geben, hatten die Herren Krug ihr gesamtes Per- sonal, mit Ausnahme der Damen, die für sich eine „feuchtfröhliche" Chaisenpartie unternahmen, am Abend zu einem Festmahl in das Restaurant „Zum Schwan" in Kesselstein eingeladen. Unter den Klängen eines gutbesetzten OrchesterS und angeregt durch die vorzüglichen Darbietungen aus Küche und Keller, stellte sich bald die richtige sogenannte „gehobene" Feststimmung ein, die alle Teilnehmer in ihren Bann schlug und nicht eher wieder freigab, als bis der Dienstag Morgen längst angebrochen war. Im Verlauf des Mahles gedachte ber Seniorchef . Herr Jakob Krug der Verdienste des Jubilars um fein Geschäft und um seine Familie. Er stellte ihm am Schluß seiner schlichten, überaus herzlichen Worte das beste Zeugnis aus, das man einem treuen Diener geben kann, indem er sagte, „unser lieber alter Herr Weiß ist mir und meiner Familie in dieser langen Zeit unentbehrlich geworden ; hoffen wird, daß er noch viele Jahre in alter Treu« seines Amtes walten und gesund unter uns weilen möge!" Für den Gefeierten dankt« Herr Prokurist K e i tz, der seine Rede in ein Hoch auf die Inhaber der Firma Krug au?« klingen ließ. Di« musikalische und humoristische Unterhaltung wurde außerordentlich flott und schwungvoll von einer Anzahl gutbegabter Mitglieder des Personals gestillt, und alle Teilnehmer an diesem einzig schönen Abend werden wohl noch lange an die künstlerischeil Leistungen, an denen besonders die Firma „Spatz unb Centner" den Löwenanteil hatte, freudig zurückdenken.
* Diebstahl. In der Nacht zum 26. b. M. sind auS einem Garten der Lamboystraße Kinderwäschestücke, Frauen- hemden und eine weiße Wagendecke entwendet worden.
* Leichenlättditttg. Bei Fechenheim ist gestern die Leiche eines etwa 14—15jährigen Knaben geländet worden.
* Ms^msrkt. Morgen Mittwoch den 29. Juni findet dahier Zucht- und Fettvieh-Markt statt.
* In den Ruhestand. Am 1. Juli d. JS. wird ein verdienstvoller Eisenbahnbeamter Herr A. Sippel auS ge- sundheitlichen Rücksichten in den Ruhestand treten. AuS bescheidenem Anfänge war es ihm möglich, sich bis zu der Stellung eines Stationseinnehmers und MitoorstandeS am hiesigen Westbahnhof emporzuarbeiten. Freundlich und zuvorkommend gegen jedermann war er nicht allein bei seinen Kollegen und Unterbeamten geschätzt, sondern auch bei dem Hanauer Publikum beliebt. In seinen jungen Jahren bei dem Amtsgericht in Bergen tätig, kam er im Jahre 1870/71 zur Einberufung zum 82. Infanterie-Regiment und würd« bald zur Telegraphie und Post nach Wiesbaden kommandiert. Hier hatte er Gelegenheit als Begleiter der Feldpost nach Frankreich zu kommen, sodaß ihm die Kriegsdenkmünz« verliehen wurde. 1873 erhielt er seinen bisherigen Wirkungskreis, dank seines Fleißes und seiner Gewissenhaftigkeit erwarb er sich die Anerkennung seiner vorgesetzten Behörd« und schwang sich zu seiner bisher innegehablen Stellung empor.
* Familien -Wnnverung. Nächsten Sonntag den
3. Juli unternimmt die Abteilung Hanau des Vereins bei Hochspessartfreunde „Rothenbuch" wieder eine Familien- Wanderung. Mit Sonntagskarte Nauheim fahren bie Teilnehmer ab Hanan Nord 1 Uhr 20 bis Friedberg. Nach Besichtigung Weitermarsch über den Johannisberg nach Bad Nauheim. Gäste willkomlnen.
* Spielabteilung ver Turngemeinde Hanau. Am vergangenen Sonntag waren die Faustballmannschaften vorgenannter Abteilung in Offenbach zwecks Austrags der Gaumeisterschaftsspiele. Hierbei konnte die 1. Mannschaft gegen Turngssellschaft Bieber und Turngesellschaft Bürgel je das Vor- und Endspiel überlegen gewinnen. Die 2. und 3 Mannschaft trat nicht in Aktion, da deren Gegner nicht erschienen waren. Die 2. Fußballmannschaft spielte hier auf bem neuen Sportplatz der Turngemeinde, frühere Rennbahn des Nennklubs, gegen die 3. Mannschaft der Hanauer Viktoria und fand in diesen ihren Meister, denn sie mußten sich mit 5:0 geschlagen bekennen. Wie bereits vorerwähnt, ist eS der genannten Abteilung gelungen, ebenfalls einen geschlossenen, schön gelegenen Sportplotz zu mieten unb zwar ist dies die frühere Rennbahn des hiesigen Rennklubs. Durch Abheben der Rennbahn, soweit dies erforderlich, ist ein den Regeln des Verbandes entsprechender und bei jeder Witterung spielfähiger Sportplatz entstanden. Kommenden Sonntag findet die offizielle Einweihung dieses Platzes statt. Der Spielbetrieb beginnt bereits morgens um 9 Uhr mit Faustballspielen bet 1., 2. und 3. Mannschaft gegen auswärtige gute Gegner. Nachmittags um halb 3 Uhr spielt 2. Mannschaft gegen die gleiche d«s Höchster Fußballklubs 1901: im Vorspiel gegen diese Elf verloren die Turner 6: C unb werden letztere im kommenden Spiel alles daransetzen, um diese Scharte auszuwetzen. Anschließend an das Spiel der 2. Mannschaften spielt die 1. Turnermannschaft gegen die gleiche des Fußballsportvereins Merkur Gießen. Das Vorspiel gegen diese Mannschaft in Gießen endigte nach abwechselungsreichem Spiele mit dem Resultat von 3:0 für die Turner. Im übrigen wird noch auf bie allerorts aus- gehnngten Plakate hingewiesen. An dieser Stelle sei auch noch erwähnt, daß nach Beendigung der Wettkämpfe iw großen Saal des VereinShauses gemütliches Beisammensein mit Tanz stattfindet. Auch sei noch bemerkt, daß die einmal gelöste Karte für alle Veranstaltungen Gültigkeit besitzt. Für alle Faust- und Fußballinteressenten wird nach Vorstehendem fommenben Sonntag wohl die Parole heißen müssen: „Auj zum neuen Soortvlatz der Turner".