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Erstes Blatt.

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Gcncral-Anzciger

AMliÄts Olga« für SlaM- uni fanikrtis innan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Berrntwertt Redakteur: S. Schreck,, t» Hau«,

Nk. 98 fyernsprechanschlttsr Nr. «05.

Ne ttMâmn msüt an6tt LünktlilhreiÄldt

14 Seiten.

Amtliches.

Stadtkreis Ranau.

Unter den Pferden der 5. Eskadron deS Thüringischen Manen-Regiments Nr. 6 hier ist die Rotlaufseuche aus- gebrochen.

Hanau den 26. April 1910.

Königliche Polizei-Direktion.

P4749 J. V.: Dr. v. Waldow.

Bekanntmachung.

Die städtischen Körperschaften haben unter dem 1. Februar und 17. März d. J. beschlossen, die am 22. September 1896 förmlich festgestellten Fluchtlinien zwischen der Schwindefurt- und Dlachierestraße, dem Grünenweg und der ®â' fiterei Rödiger a''zuändern.

Nach erfolgter Zustimmung der Polizeibehörde zu dem Abândernngsplan wird dieser nunmehr auf Grund des § 7 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 vom 29. d. Mts. an 4 Wochen 'ang im städtischen Vermessuugsamt, Rathaus, Zimmer Nr. 21, während der Geschäftsstunden zu jedermanns Einsicht offmgelegt.

Einwendungen sind innerhalb der Offenlegungsfrist schrift­lich oder mündlich bei uns anzubringen.

Hanau den 27. April 1910.

Der Magistrat»

Hild. 10207

Gcfiiiidciic und verlorene Gtizenstiiiide rc.

Gefunden: 2 falsche Zähne, 1 alter Damenschirm, 1 neues schwarzes Lederiäichchen mit einer Rabaltkarte von Ludwig Levi und 1 we her alter Sonnenschirm (in einem Geschäft liegen geblieben ).

Verloren: 1 goldenes Hal-kettchen mit Anhänger (Herz), 1 Portemonnaie mit 2,78 Mk.

Zugelaufen: 1 schwarzer Dachshund mit weißer Bi ust.

Entlaufen: 1 schwarzgrauer Spitz w. Geschl., etwa M Jahre alt.

Hanau den 28. April 1910.

politische RundTd/au.

Die niedrigsten Steuersätze in Württemberg erhebt die Stadt Ulm, nämlich 41 Pro ent der staail'cheu

Björnstjcrne Björiison.

Bon KlauS Hennings.

(Nachdruck verboten.)

Es ist erst wenige Jahre her, daß ich Björnsou zum letzten Male gesehen habe. Damals hatte dis Alter noch nicht Diel über ihn vermocht; seinen mächtigen Haarschopf hatte es wohl gebleicht und sein Gehör geschwächt, aber noch blitzten des Alien schöne blauen Augen mächtig hinter den scharfen Brillengläsern hervor, noch war sein Geist so lebendig, sein Herz so jung, sein Empfinden so warm, wie je, und vor allem: noch war seine Begelstrrungsfähigke't bie alte. Gerade diese seine Eigenschaft hat man oft an Björn- son getadelt, weil ein häufiger Wechsel seiner Ueberzeugungen zu ihren Folgen gehörte. Und eS ist wahr: etwas mußte Björnson immer haben, wofür er sich begeisterte. Er war keine laue Natur, er kannte nur ganze Liebe oder ganzen Haß, und wenn sich feine Ueberzeugung änderte, so griff er bas, was er noch eben verehrt und gepredigt hatte, mit der­selben Leidenschaftlichkeit an. So ist er einst als einer der ersten Kämpen für die Lileratursâhigkeit der norwegischen Bauern'prache in die Schranken getreten, um gegen das Ende seines Lebens einen heftigen Feldzug gegen bie An­sprüche dieser Sauern Sprache zu führen. So hat er einst seine LandSItuie zur Unabhängigkeit von Schweden aufge- rufen, um sie späterhin zur Vertiäglichkeil mit dem Nachbarn zu mahnen. Dergleichen Dinge haben ihm viele Feinde gemacht, aber so war eben seine Natur. Er mußte sich für »ließ begeistern, was ihm schön oder erstrebenswert erschien; " wußte zum Eckwerte g.eifen, wo er Unrecht oder Häß- lichkeit zu sehen glaubte eine Regung, die ihn ja auch in

Dreyfus Sache und in den P-ozeß der Gräfin Murri hineingezogrn hat. Aber diese Begeisterungsfähigkeit in Liede und Haß hat doch eben zugleich auch eine der möch­ten Quellen gebildet, die Lem Dtchlertum Atheist haben;

Donncrstag Den 28. April

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Einkommensteuer und 6,1 Prozent der Immobilien- und Gewerbesteuer, während sämtliche wnrtlembergilche Ge­meinden den zulässigen Höchstsatz der E'nkommei'steuer mit 50 Prozent erheben und viel höhere Beträge von der Immo­bilien- und Gewerbesteuer. An Zuzug wird es den Ulmern deßhalb nicht fehlen.

Herr Held als Reichstagskandldat. Der frühere Neichslagsabgeordnete Held, der von nalwnalliberaler Seite ankgefordert worden ist, von seiner Reichstagskandidatur in Syke-Hoya-Derden zurnckunreten, erklärt öffentlich, daß er an seiner Kandidatur festhalte. Die nationalliberale Partei Hannovers hat Dr. Küster aus Bremen für die nächsten Reichstag-wahlen in Syke-Hoya-Verden als Kandidaten aus­gestellt.

Der Landesausschutz von Elsass - Lothringen befaßte sich gestern mit einem Dietstenergesetzentwurf, der das Jnitiativ'Gesetz ersetzen soll, das die Regierung voriges Jahr nach Erlaß des Reichs-Bierstenergesetzes erlassen hatte, wozu sie vom Landesausstniß ermächtigt worden war. Ferner befaßte sich der Landesausschuß mit einer Novelle über per» 'chiedene, nicht mneiuander zusammenhängende Justizgesetz- rniwülfe, die das Landeßgesetz mit dem Reichsgesetz in Ein­klang bringen tollen; sie betreffen Vorschriften über Stif- hingen, Vormundschaftsübernahme, durch Beamte usw. Beide Entwürfe wurden an eine Kommission verwiesen; grund­legende Aenderungen sind nicht zu erwarten.

Belgische Kammer, Hnr Beratung stand ein An­trag der Sozialisten auf Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts als. Ersatz bei P uralwahl Systems. Das Plenum beschloß mit 72 gegen 58 Stimmen über den Antrag nicht in beraten.

Englisches Unterhaus. Auf die von dem Unionisten Burgoane an den ersten Lord der Admiralität gerichtete Anfrage, ob er etwas wisse über eine Vereinigung zwischen Dentichland und Oesterreich-Ungarn beireffend die Ueber­nahme von vier großen im Bau befindlichen, beim. projektierten Panzerschiffen seitens Deutschlands falls die österreichisch- ungarische Regierung auf Schwierigkeiten bei der Bewilligung der nötigen Gelder stoßen sollte, erwiderte Mc Kenna, daß er amtlich keine Kenntnis von etwas Derartigem habe. Eine weitere Frage, ob einer der projektieren österreich-ungarischen Dreadiiouahts bereits auf Stapel gelegt worden sei, beant­wortete McKenna im gleichen Sinne. Auf weitere Anträgen gab Mc Kenna die Erklärung ab: In Angelegenheiten, die fremde Regierungen betreffen, gebe ich dem Hause nur In­formationen, die ich von fremden Regierungen erhalte. Ueber das, was unsere Aitachès der Admiralität berichten, bin ich nicht in der Lage, irgenb etwas.bekannt zu geben. Fell (Unionist) fragte 'odann, ob Sir Edward Grey Gerüchte be­unruhigender Natur aus Aegypien eihalten habe, nach welchen der englische Einfluß in schnellem Schwinden begriffen H

und wer diese Seite seines Charakters nicht beachtet unb nicht versteht, der kann auch sein Dichten nicht ganz ver­stehen.

Freilich, viele, viele Eiiiflüsse sind es gewesen, die im Saufe der Jahre diesem bildsamen und stets empfänglichen Geist modelliert haben. Merkwürdig ist es. wie genau auf Bjârnson das bekannte Goelhesche Selbstbekenntnis paßt: Som Vater hab' ich die Natnr, des Lebens ernstes Führen, vom Mütterchen b;e Frohnatur, die Lust am Fabulieren. Der alte Plärrer Björnton, des Dichters Daler, war ein strenger, unbeugsamer Charakter von höchstem Ernste, ein wortkarger Mann, der seine Gefühle nicht zu erfeinien gab; die Mutter aber warlicht und leicht und flaiternd". In dem Säinund der schönen NovelleSyitnöve Solbakken" und in der Frau auf Solbakken in derselben Geschichte hat der Dichter selbst seine Eliern porträtiert. Vom Pater über­kam er den strei'g-sittlichen Charakter, den Drang, für das Recht und das Rechte einzutreten koste es was es wolle, aber von der Muiler erbte er die Dichierualnr und die große Heiterkeit; denn er ist bis zu seinem letzten Atemzuge ein unverwüstlicher Optimist geblieben. In dem höchst lebendigen, aufmerksamen und kraftvollen Geiste Björnstjernes mischten fih die Eigeuschasien der Eltern auf daS Glück­lichste, und ein günstiges Geschick erlaubte ihm, sich in der Stille, sich in der edelsten und fruchtbarsten Schule aus u« bilden, bie Menschen geaeben ist: in der Natur. Eist in der rauben Einsamkeit von Oestervalen, in der Nachbarschaft des wilden unwegsamen Dovre-Fjelds, wo Björnion auf dein Pfarrbofe Kvikne geboren ward, unb bann in der lieb» sicheren, reicheren, zugänglicheren Natur von Romsdal, wo er auf dem Pfa,rhofe Naesset seine weitere Jugend verlebt, tauchte er tief in das Geheimnis und die Schönheit der norwegischen Natur ein. Dies Naturgekühl ist zu einem Grundzuge seines ganzen Schaffen» geworden, einem Zuge, durch den er sich scharf von Ibsen unter'cheidet. In feinen schönsten Dichtungen lebt die Natur NoeweLettS, spiegelt fit *

fterusprechauschlus; Nr. 605. 1910

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und an vielen Orten englische Bewohner nicht ausgehen könnten, ohne Gefahr zu laufen, beleidigt zu werden. Unter- staatssekretär Mc. Kinnon Wood erwiderte, daß die letzten, über die Lage in Aegypten eingelaufenen Berichte, die sich insbesondere auf die Ermordung des Ministerpräsidenten Butros Pascha bezogen, nicht so znfriedenstellend lauteten, wie es zu wünschen wäre; von Beleidigungen in Aegypten ansässiger Engländer sei ihm jedoch nichts bekannt. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde das Finanzgesetz mit 324 Stimmen gegen 231 Stimmen angenommen. Das Finanzgesetz wurde iob atm im Oberhause eingebracht.

Der neue italienische Botschafter in Paris Tittoni überreichte gestern dem Präsidenten Fallières sein ^Beglaubigungsschreiben, wobei er seine aufrichtige Freund­schaft für Frankreich betonte. Präsident Fallières versicherte Tittoni der Sympathie, der er im Lande begegnen werde, unb der lebhaften Befriedigung der Regierung, ihn als Bot­schafter willkommen heißen zu dürfen.

Die oppositionelle französische Presie bespricht die Möglichkeit, daß Präsident Fallières die Ratschläge der Aerzte befolgen und kurz nach dem Zusammentritt der Kammer zurückireten werde.

Der Enflpatz von Katfchanik befindet sich noch in den Händen der Rebellen, die Verstärkungen erhalten haben. Die Arnauien gestalten nur den gewöhnlichen Bahnposr- und Passagierverkehr. Der Altmarsch von Torgut Pascha scheint s.ch zu verzögern. Angesichts der schwachen Garnison in Ipek geht ein Teil der Einwohnerschaft dieser Stadt zu den Reoellen über. Die Kämpfe in der Umgebung von Ipek dauern fort.

Parlamentarisches.

Die verstärkte Geschäftsordnunflskommission des Reichstags beschloß gellern in zweiter Lesung dem Paragraphen 35a der Geschäftsordnung folgende Fassung zu geben: Bei der Be prechnng von Interpellationen ist die Stellung von Einträgen unzu'äfsig; es bleibt aber jedem Mitqlikde des Reicksiages überlassen, den Gegenstand in der Form eines Antrages weiter zu verfolgen. Bei der Be­sprechung von Interpellationen über die Tätigkeit des Reichs­kanzlei s, für welche dieser dem Reichstage verfassungsmäßig verantwortlich ist, können Ainrâge gestellt werden, die dahin gehen, daß der Reichstag sich über die Billigung des Ver­haltens des Reichskanzlers aussprechen möge. Diese Anträge müssen von mindestens 30 Mitgliedern unterzeichnet sein.

Die Budgetkommission des Reichstages nahm zunächst eine nunmehr redigierte Resolution an, nach derber Reichskanzler ersucht wird: 1. in Erwägung zu nehmen, ob und in welchem Umfange eine Abänderung des Schutzgebiet- ae'etzes in die Weae zu leiten ist und insbesondere zu er»

sich in dem ganzen Reichtum ihrer Formen und Farben; aber gelegentlich, wie zum Beispiel in dem schönen Gedichte Monte Pin io", ist ihm auch die Schilderung fremd­ländischer Natur meisterlich gelungen. Nicht neben Ibsen, sondern neben dem feinen und tiefen Lyriker Wergeland und neben dem Tonmeister Edvard Grieg muß man Björnsou als Naturschilderer stellen. Wie mit der Natur, so ist Björnson in dem empfänglichen Tagen seiner Kindheit und Jngtnd auch mit dem norwegischen Volke in die engste Fühlung getreten. Mit dem norwegischen Volke: das will hier sagen: mit dem norwegischen Bauerutume. Er halte selbst Sauei iiblut in seinen Adern, und baium vermochte er das verschwiegene, keusche und spröde Denken und Fühlen der norwegischen Bauern ganz und leicht zu verstehen. In dem freundlichen Molde besuchte er dann die Schule, und hier war es hauptsächlich die Revolution von 1848, bie einen gewaltigen Eindruck auf fein leiden­schaftliches junges Gemüt. Er schäumte über vor Freiheits­drang, und flübzeitig im Gebrauche des Wortes gewandt, verfaßte er damals bereits einen begeisterten Aufruf im Sinne der neuen Freiheit. Er ist immer ein Apostel der Freiheit geblieben nur daß seine Vorstellung von Freiheit mit der Zeit sich gewandelt und geläutert ha>. 18 Jahre war er, al« er im Jahre 1850 nach Christiania ging, um hier an der Universität zu studieren. Er war noch nicht lange da, als er b-reits einer der Führer der Studentenschaft geworden war. Er war eben ein Hänptlingscharakter, immer schnell entschlossen, mit seiner P^ son hervoèzuireten und sich für das Neue voller Begeisterung einzusetzen. In den Studentenvereinigungen spielte er eine große Rolle; Politik unb D'chiung waren bie Hauptgegenstände, die den Inhalt seiner Reden vor den Studenten bildeten, und schon damals besaß er jene Macht der zündenden Rede, der er in fernem ganzem Leben so großen Erfolge verdank, hat. Und freilich bildeten die 50er Jahre eine Zeit, wo in der norwegischen Dichtung enlichrideude Sümpfe zu fühl tu waren. ES bai