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General-Anzeiger

eljFhrNch 1.80 Ml., monatlich 60 Pfg , für aus» ' ge Abonnenten mit dem betreff. Postausschlag.

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Die Sgcfpaffene Petitzeile oder deren Raum 20 PfK im RellamenteU die Zeile 45 Psg.

lionsdruck und Verlag der Buchdruckers! des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für LM- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Derantwortl. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.

302 ffernfpredjaiiWiiß Nr. 230.

Amtliches.

Candkreis Rana«.

An die Herren Bürgermeister des Kreises.

ach im Jahre 1911 soll je ein Kursus zur Unterweisung Üotksschullehrern im Obstbau in der Obstbau-Anstalt lerzwehren und in Gelnhausen abgehalten werden.

H ersuche die Herren Bürgermeister, die Herren Lehrer eilnahme an einem der Kurse anzuregen. Die Lehrer, e ihre Bereitwilligkeit erklären, sind mir bis zum nuar 1911 zu benennen. Hierbei ist auch anzugeben, an em der beiden Kurse der Lehrer teilnehmen will. Für eilnahme an den Kursen kommen nur solche endgültig teilte Lehrer (ohne Unterschied der Konfession) in Be- !, die nicht allein Neigung und Verständnis für den au zeigen, sondern auch Gelegenheit haben, das Er- : praktisch zu verwerten.

5 ist erwünscht, daß die Gemeinden ihr Interesse an der ildung der Lehrer dadurch bekunden, daß sie sich von wrein zu einem demnächst an die Königliche Regie- ;-Houptkasse zu Gaffel einzuzahlenden Kosten-Beitrag lichten. Die Höhe dieses Betrages ist anaugeben, rhlanzeige ist nicht erforderlich.

anau den 27. Dezember 1910. V. 7354

Der Königliche Landrat. F r h r. L a u r.

---- ach Mitteilung des Herrn Polizei-Präsidenten in kfurt a. M. ist im Schlacht- und Viehhof daselbst Raul- und Klauenseuche festgestellt worden. anau den 27. Dezember 1910.

Der Königliche Landrat.

F r h r. L a u r.

Stadtkreis Fyanau. Bekanntmachung. achdem der Fluchtlinienplan für das Gelände zwischen « kfurtHanauer Eisenbahn, Ealisweg, Frankfurterland- . und Kinzig durch Beschluß vom 13. d. M. förmlich fest- llt worden ist, wird er auf Grund des § 8 des Gesetzes 2. Juli 1875 von nun an im städtischen Vermessungs- Rathaus, Zimmer Nr. 21, während der Eeschäftsstun- tu jedermanns Einsicht offen gelegt.

»anau den 23. Dezember 1910. 29665

Der Magistrat.

Dr. G e b e s ch u s.

Vintcrdirhtcr niib Winterdilhtiingen.

Von Dr. Artur Grote.

(Nachdruck verboten.)

Könnt' ich verschlafen des Winters Zeit!" So jammert ther von der Vogelweide. Seltsam mutet solcher Ruf an, die wir in jedem Winter unsere Dichter mit den gen Stadtleuten Hinausreisen sehen, um auf der Schnee- e oder am Brocken, bei Partenkirchen oder auf dem «mering Wintersport zu treiben, und wir geraten in noch eres Erstaunen, wenn wir höreen, daß der Klageschrei thers nicht der weltfeindliche Ausbruch eines allein- I mben Einzelnen' ist, vielmehr in dem Dichterwalde des Zenden Minnesanges hundertfältigen Widerhall findet. diese maieNseligen Minnedichter mit ihren gramvollen rufen gegen den Winter sind der Mund des Volkes. :)t bloß für die vornehmen Kreise der dichtenden Ritter, Bern für unsere Altvordern insgemein, in der Stadt wie I dem Land, für die Ansässigen wie für die Fahrenden, der Winter die feindliche Zeit; und ihm sagte man Sprüchen und Liedern alles böse nach und behandelte so schlecht, wie einen persönlichen Feind. Wie schon die mischen Germanen sich die beiden Hälften des Jahres, imar undVetr", als Riesen gedacht hatten, so pflegte T noch bis in späte Zeiten hinein alljährlich, eh' der Ehling nahte, den Kampf der beiden mächtigen Herren, wir noch alljährlich erleben, sich im Spiele wirklich izuführen. In diesem Krieg zwischen Sommer und Win- I kämpften diè beiden Gegner, die von jungen Burschen t Männern dargestellt wurden, tapfer miteinander; aber neßlich siegte doch der Sommer und erschlug den Winter, r er warf ihn zum Tor hinaus, worauf Spieler und Zu- uer wie es in einem alten Berichte heißtzum ine" gingen und etwa sangen:Trarira? der Sommer Da!" oder:

Dienstag den 27. Dczcmlicr

Bekanntmachung.

Am Mittwoch den 28. d. M., vormittags 8% Uhr, findet im unteren Saal des Neustädter Rathauses, Zimmer 1, öffentliche Sitzung des Ecwerbegerichts statt.

Hanau den 23. Dezember 1910. 29667

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.

Hild.

Ablösung der Neujahrs-Gratulationen.

Zur Ablösung der hier üblichen und gewiß ebenso wie an anderen Orten lästig empfundenen gegenseitigen Neu­jahrsgratulationen sind Listen ausgelegt in E. M. Alberti's Hofbuchhandlung (Clauß & Feddersen) und König's Hof­buchhandlung (N. Altmannsperger), der Buchhandlung von August Zippelius, der Expeditionen des Hanauer Anzeigers und der Hanauer Zeitung, dem Stadtsekretariat, dem Melde­amt und Standesamt, sowie auf dem Armenamt und der Verwaltung des Evgl. Waisenhauses. In diese Listen kann jedermann seinen Namen und den von ihm gezahlten Be­trag selbst eintragen.

Der Erlös soll für die von der Stadt und dem hiesigen evangelischen Waisenhaus unterhaltenen armen Pflege- und Waisenkinder verwendet werden. Insbesondere soll dadurch ein Grundstock für außerhalb der engeren Armen­pflege liegende Aufwendungen, z. B. zu Weihnachtsbe­scherungen und dergl. geschaffen werden.

Die Namen der Zeichner werden rechtzeitig vor und nötigenfalls unmittelbar nach Neujahr in den hiesigen Zei­tungen, jedoch ohne Angabe des gezahlten Betrages ver­öffentlicht werden, sodaß ein vollständiger Ersatz für die gegenseitigen Nenjahrsgratulationen vorhanden ist.

Wir bitten, von der Einrichtung recht regen Gebrauch zu machen.

Allen Gebern im voraus besten Dank.

Hanau den 21. Dezember 1910. 29481

Der Magistrat, Armenamt. Die Waisenhaus-Verwaltung.

Hild. Ewald.

Handelsregister.

1. Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Firma: Haemanwerk Baum & Cie.,

. Gesellschaft mit beschränkter Haftung", mit dem Sitze in Hanau.

Die Firma ist erloschen.

2. Firma: Friedr. Feuerstein in Hanau.

Der Kaufmann Friedrich Feuer st ein ist durch seinen am 19. August 1910 erfolgten Tod aus der Gesell­schaft ausgeschieden.

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So treiben wir den Winter aus

Durch unsre Stadt zum Tor hinaus."

Auch unsere Vettern in England pflegten diesto drive the cold winter away zu veranstalten.

An die Stelle solchen handgreiflichen Kämpfens trat allmählig, nachdem es sich längst neben ihm durchgesetzt hatte, das Wettstreitlied der feindlichen Jahreszeiten; die drastische Darstellung, die stets mit der sichtbaren Nieder­lage des bösen Winters glücklich endigte, wurde durch das Melodie- und reimgebundene Wettstreitlied ersetzt, in dem die beiden Jahreszeiten mit sachlichen Gründen statt mit roher Gewalt einander befehdeten und auf diese Weise in der Regel ein versöhnlicher Ausgang herbeigeführt wurde. Wie bei jenenKriegen" trugen auch bei diesen Streit­duetten die beiden Parteien regelmäßig Verkleidung. Der Sommer erschien gern als ein frischer Jüngling, geschmückt mit Blumen, Grün und farbigen Bändern, der Winter wohl als ein grober, langbärtiger Bauer, in rauhen Pelz gehüllt, übrigens wie der Sommer mit einem Stock be­waffnet, womit jeder nach dem jedesmaligen Absetzen dem änderns auf die Schulter schlug ein Rest des ehemaligen Kampfes. Jeder pries seine Vorzüge und wollte damit den Gegner aus dem Felde schlagen: der Sommer seine warmen, der Winter seine kühlen Winde; der Sommer das Grün seiner Wiesen, der Winter die weiße Decke seiner Feledr, der Sommer sein Laub und seine Blumen, der Winter seine warmen Stuben und langen Gelage. Rühmte der Sommer das Jauchzen der Schnitter, so pries der Winter das Schnurren der Nadeln. Prahlte der Sommer, er mähe das Korn und fahre es sicher in die Scheune, so rief der Winter voll Stolz:Ich baue Brücken ohne Holz!"

Bei den Minnesingern, denen der Sommer Liebe und Glück, der Winter Entfremdung und Leiden brachte, er­scheint die kalte Jahreszeit, wie gesagt, als der schlimmste, schmählichste Unhold.Ach, Winter, deine Gewalt", so ruft .

Fernsprechanschlich Nr. 230 1910

Seine Witwe Franziska Feuer st ein geb. Diderich in Hanau ist in die Gesellschaft als persönlich haftender Gesellschafter eingetreten; die Gesellschaft wird von ihr und dem seitherigen weiteren Gesellschafter, Vijouteriefabrikant Carl Franke in Hanau als offene Handelsgesellschaft unter unveränderter Firma mit dem Sitze zu Hanau fortgeführt.

Dem Kaufmann Ferdinand Schuhmann in Hanau ist Prokura erteilt.

Einträge des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau zu 1. vom 19. Dezember 1910, zu 2. vom 22. Dezember 1910. 29681

Konkursverfahren.

Das Konkursverfahren über das Vermögen des Silber­warenfabrikanten Karl Söhnlein in Hanau wird aufge­hoben, nachdem der in dem Dergleichstermin vom 2. Dezember 1910 angenommene Zwangsoergleich rechts­kräftig bestätigt ist.

Hanau den 20. Dezember 1910. 29679

Königliches Amtsgericht 5.

Gcfnndcnc und verlorene ©tncnftiinbt re.

Gefunden: 1 Milchkanne (gez. Schneider-Marköbel), 1 gelbes Handtäschchen mit einem Taschentüchelchen, 2 Aepfeln und 1 Stearinlichtchen.

Verloren: 1 Milch-Handwägelchen, 1 Kranken­kassenbuch von der Tischlerkasie für Philipp Wenzel, Bruchköbel.

Hanau den 27. Dezember 1910.

Politische Rundschau.

Der deutsche Kronprinz verlebte, so wird aus Jaipur gemeldet, den ersten Weihnachtstag mit seiner Umgebung im Hause des Ministerresidenten und hat am Nachmittag den Gottesdienst besucht. Die anglo-indische Regierung ist nach jeder Richtung bemüht, die Reise des Kronprinzen zu fördern und zu einer ersprießlichen zu gestalten. So ist namentlich die Wahl der ihm zugeteilten Herren der­art getroffen worden, daß der Kronprinz in jedem Augen­blick ohne Zeitverlust für alle politischen, administrativen und wirtschaftlichen Angelegenheiten ausgezeichnete In­formationsquellen zur Hand hat. Der Kronprinz hat übrigens eine reichhaltige Handbibliothek mit den besten und neuesten Büchern über Indien erhalten, die ihn stets in dem praktisch ausgestatteten Separatzug und nach den verschiedenen Quartieren begleitet.

einer von ihnen, Konrad v. Kilchberg,schafft uns Heuer wiederum Leid:

du verderbest uns der bluomen schin, du velwest grüenen walt

und darzuo die linden breit,

du gesweigest uns die vogelin."

So ruft denn auch Neidhart von Reuenthal:Wol dir sumerwunne, ich bin dem winter gram", Anb er verflucht diesen, weil er allen Blumen raube, womit sie ihre Scham bedecken könnten. Besonders aber hat Walther von der Vogelweide mit dem ganzen kräftigen Zorn, dessen sein leicht erregbares Temperament fähig war, gegen den Win­ter gewettert. Er bejammert die Welt, die ehedem gelb, rot, grün und blau war und nun bleich und übergrau geworden ist:Wo wir Kränze brachen eh, Da liegt nun Reif unl dicker Schnee, Das tut den Vögeln bittet weh." Er ver­achtet die Narren, die sich an dem, was der Winter bietet, vergnügen:Die Toren sprechen: Schnee! o Schnee! Die armen Leute: weh! o weh!" und schließlich ruft er:

E banne ich lange lebte also, Den Krebs wolt ich è essen."

Aber von je wußte man aus der Not eine Tugend zu machen; und verleidete der ungnädige Winter den Menschen die freie Natur, so suchte man eben andere Freuden auf als die bunten Blumen und der Nachtigallen Schlag. So be­ginnt denn Burkart v. Hohenfels, ein schwäbischer Minne­sänger, ein Wintergedicht mit der Aufforderung zum Tanz:

Wir suln den winter in stuben empfan, wol uf, ir kinder, ze tanz suln wir gan!"

Auch in Neidharts von Neuenthal das Leben der Bauern drastisch schildernden Winterliedern finden sich die Burschen wie die Mädchen gern damit ab, statt auf dem Anger in der Stube zu tanzen.

Aber häufig und gern wurde der Winter gerade mit feinen herben und rauhen Zügen von den Minnesängern als Ausdruck ihrer Gefühle benutzt, und er war ihnen darum