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IbUtiialbni# und Verlag der Buchdrucker» es verein. A, Waisenhaus«» in Hanau.

General-Anzeiger

Ainllllhes Organ für Stabt» und Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

verantwort. Redakteur: M. Schrecker in Hana»

Nr. 22

Fernsprechanschlnst Nr. 605.

Donnerstag den 27. Jannar

^mifvrr<fiaiifd)htß Nr. 605

1910

Amtliches.

Bekanntmachung.

Das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung in Cassel hat kn seiner Sitzung am 4. Januar 1910 auf Grund des § 8 des Gesetzes betreffend die Abänderung der Nufallversicherungs- gesetze vom 30. Juni 1900 R.-G.-Blatt 1900 Seite 572 die Herren

Samkätsrat Dr. Knierim, Dr. Ulrich Große und Dr. Adolf Alsberg und die Herren

in Caffel,

Landkrankenhaus-Direktor Dr. Gunkel, Sanitätsrat Dr. Raabe und Sanitätsrat Dr. Gesang

in Fulda,

als bei den Verhandlungen vor dem Schiedsgericht im Jahre 1910 zuzuziehende ärztliche Sachverständige gewählt.

Cassel den 18. Januar 1910.

Der Vorsitzende des Schiedsgerichts.

Dr. Andritzky, Regierungsrat.

Stadtkreis Fjanau.

Bekanntmachung.

Bei eintretendem Tauwetter dürfen Eis und Schnee im hiesigen Stadtbezirk nur an folgenden Stellen abgelagert werden:

1. Am Mai« (auf dem städtischen Kiesausladeplatz),

2. In der Ausschachtung hinter dem großen Viadukt der Frank'url Bebraer Eisenbahn,

3. Am Kinzigufer jenseits der Fallbachbrücke.

Sofern das Abladen von Eis und Schnee an Stellen und an oder auf Wegen stattfindet, wird nach Maßgabe der Polizei-Verordnungen bestraft.

Hanau den 24. Januar 1910.

anderen dasselbe

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Nutz- nnd Brennholz Verkauf

Am Freitag den 4. Februar er., von vormittags 9*/> Uhr ab, soll in der GastwirtschaftZum Forst- baus^ bei Hanau a. M. aus dem Schutzbeprk Lamboybrück, Jagen 105a, 109c, 112a. 119«, 122e, 118b, 1191, 123a, 124a u. e, 125a und 130a und Totalität daS nachstehende Nutz- und Brennholz und zwar:

Eichen r 13 Stämme A 1.4. Kl. = 15,30 fm, 95 Stämme B 1.5. Kl. 64,60 fm, 43 rm Nutzscheit und -Knüppel, 90,5 rm Scheit, 143 rm Knüppel und 27,80 Hdt. Wellen Reis 3. Kl.;

Eschen: 39 Stämme B 3.-5. Kl. = 12,88 fm;

Rüstern: 5 Stämme B 3.5. Kl. = 2,38 fm;

Hainbuchen: 21 Stämme B 3.-5. Kl. = 8,66 fm, 22 rm Nutzscheit;

Buchen re. : 104 rm Scheit, 176,5 rm Knüppel und 77,50 Hdt. Wellen Reis 3. u. 4. Kl.;

And. Laubholz (Erlen rc.): 19 rm Nutzscheit, 15 rm Scheit, 25 rm Knüppel und 2,70 Hdt. Wellen Reis 3. Kl.;

Fichten: 8 Dauholzstämme 4. Kl., 1,92 fm, 56 Stück Derbholzstangen 1.3. Kl. und 0,30 Hdt. Reiserholzstangen 4. u. 5. Kl. ;

Kiesern : 10 St. Sägeblöcke 2. u. 3. Kl. = 8,10 fm, 108 Bauhol fftämme 1.4. Kl. = 68,85 fm, 135 rm Nutzscheit, 76,5 rm Scheit, 167 rm Knüppel und 71,90 Hdt. Wellen ReiS 8. Kl.; öffentlich mnftbtetenb zum Verkauf ausgeboten werden. Das Brennholz kommt von ca. 11 Uhr vormittags ab zur Ver­steigerung. Der im Termin anwesende Rendant nimmt Zahlungen entgegen.

Der betreffende Förster erteilt über daS zum Verkauf kommende Holz auf Ansuchen mündlich nähere Auskunft.

Die Verkauf-bedingungen werden vor Beginn der Ver- steigentng bekannt gemacht.

Wolfgang den 21. Januar 1910.

Königl. ObersSrsterei Wolfgang. 2421

Weise verteilt erhoben werden, während bisher nur die Ab- gaben an den Schleusen erhoben worden seien, was beson­ders die Anwohner des Oberlaufes der Ströme und hier besonders die deutschen Miilelländer betroffen hätte, sodann aber plane Bayern eine Kanalisierung des Mains bis Bam­berg. Der Antrag Preußen- sei äußerst weitsichtig und von größter kultureller Bedeutung für das deutsche Gemeinwohl ;

er

bedeute einen starken Schutz gegen den Parti kularl-muS.

ParlamcntarilitikS

he­bet di«

Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses gann am Mittwoch nachmittag die Beratung de- Etats Justizverwaltung. Die Aussprache behandelte zunächst Ausbildung der jungen Juristen. Verschiedentlich sind. Klagen wegen der unglücklichen Auswahl der Themen für bie Klausurarbeiten erhoben worden, denen die Schuld daran

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus.

2407

Bekanntmachung.

Der Keller des Alistädter Rathauses soll sofort neu vermietet werden.

Angebote sind bei uns einzureichen.

Hanau den 26. Januar 1910.

Der Magistrat.» Dr. Gebeschus.

2409

Politische Run dich au.

Meiningen und die SchiffnHrtsabgaben. Auf eine Anfrage über die Stellung, dir die meiningische Staats- regiernnq gegenüber der von Preußen geplanten Einführung von Schiffahrt-abgaben auf den natürlichen Wafferstraßen einnimmt, erklärte der Staatsminister v. Ziller in der gestriaen Sitzung des Landtags, die Staatsregierung werde dem Antrag Preußen- im Bundesrate zustimmen, da er für Sachsen-Meiningen einen großen Vorteil bedeute. Denn emmaf sollen die Abgaben aus dem ganzen Strom in gleicher

beizumessen sei, daß die Zahl der Durchfälle beim Referen­darexamen eine geradezu erschreckend hohe sei. Der Minister erwiderte, daß er die Ausbildungsfrage seit längerer Zeit er­wäge. Viele der Klagen erschienen ihm gerechtfertigt. An Anregungen für eine Reform fehle er nicht. Im Einver­nehmen mit dem Kultusminister werde eine Kommission »in- berufen werden, die sich mit diesem ernsten und schwierigen Problem besassen und Vorschläge vorbereiten soll. Von einem freifonferoatioen KommissionSmitgliede wurde «ine Lanz« für die kleinen Universitäten eingelegt, die eine gründlicher« Ausbildung gewährleisteten, eine Behauptung, die von einem freikonservativen KommissionSmitgliede bestritten wurde. Einer konservativen Anregung folgend gab der Minister eine kurze Darstellung der Vorgänge im Kieler Werstprozeß, wo­bei er anerkannte, daß die Art, in der die Anklage erhoben und vertreten worden sei, nicht sehr erfolgverheißend gewesen sei und zu ernsten sachlichen Ausstellungen Anlaß gebe. Ein nationalliberales KommissionSmitglied kündigte an, daß mit den veralteten Gesetzen und Verordnungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die einen schweren Ballast für die Gericht« bilden, einmal gründlich aufgeräumt werden müsse. Er brachte ferner daS Verhältnis zwischen Aufsichtsrichter und Amtsrichter zur Sprache. Der Minister erklärte, daß die Ein­schiebung des AufsichtSrichterS zwischen Amtsrichter und Landgericht-direktor seinem Willen nicht entspreche, insbesondere sei ersterer nicht dazu berufen, Urteile Leistungen de- Amtsrichter- abzugeben.

Einzelerörterung traten konservative und

über die

In der

liberale Kommission-mitglieder für die Verbesserung bet An­stellung-verhältnisse der Kanzleigehilfen ein. Ein Zentrums­abgeordneter verlangte Hebung der Seelsorge in den G«» fängnissen, ein Wunsch, den ein Regierungskommissar grund­sätzlich als berechtigt anerkannte, dem aber praktische Schwie­rigeiten, die er im einzelnen barlegte, im Wege stehen. Gin nationalliberaler Abgeordneter verlangte stärker» Benutzung von Schreibmaschinen unter Heranziehung von weiblichen Kräften. Ein anderer berührte bei dem Kapitel der einzu­ziehenden Gerichtsvollzieherstellen bie Interessen der von

Vater, kröne Du mit Senrn . . .

Zum 27. Januar. Von Käte Lubowsri.

Der alte Freiherr von Wartingen führte ein strenges Regiment über die Seinen. Das erzählen die Nachbarn ein­ander öffentlich mit scheinbarer Anerkennung und schalten ihn dennoch deswegen im geheimen einen Tyrannen.

Er selbst hatte genaue Kenntnis von ihrer Kritik. Aber sie beleidige ihn weder, noch besserte sic ihn. Nur ein eigenes, o°^e$ Lächeln lag auf seinem Gesicht, wenn er ihrer gedachte. Rach wie vor zog er in den Stunden der Einsamkeit mit dem Knotknstock einen Kreis durch die Lüfte. Dabei sprach er einen Satz vor sich hin, der allen, die neben und unter mm standen, wie ein starres Evangelium erschien: »Ich bin ein König I" "

Ein Evangelium ohne frohe Botschaft! Denn sie fürchteten den alten Wartingen. Es war seltsam genug, aber auch feine vier stattlichen, schönen Söhne beugten sich rym widerspruchslos. Heimlicher Stolz erfüllte wohl oft genug ihre Herzen.

. Den aber übersah er eben. Sie folgten und gehorchten .Daß sie dabei nicht selten Opfer brachteu, ging ihn nicht das geringste an. Er beherrschte sie alle.

, Die zarte Frau, welche ihm die vier Söhne geboren, hatte anfangs mit ihren weichen, sanften Händen bie Stock- seiner Härte aufgefangen.

Aber eine Frau schöpft ihre Kraft aus der Liebe. Die ihre mußte also bald verlöschen. So wurde sie ihm schließlich zur gehorsamen Dienerin unter seinen Söhnen.

Karl, Heinrich, Georg und Wilhelm waren deren Namen.

Der älteste bebaute in der Nähe des väterlichen Gutes seine Scholle und war längst mehrfacher Familienvater. Heinrich und Georg standen unverheiratet im Blücher­regiment der Nachbarstadt als Husaren, und Wilhelm endlich '«ar im dritten Semester bei den Borussen aktiv.

Ohne besonderen Anlaß kam keiner von ihnen in daS Elternhaus. An einem bestimmten Tage im Jahre zu einer Änlich innegehaltenen Zeit fanden sie sich für wenige Stunden regelmäßig zusammen. Das war. wenn mit wehenden

Fahnen und warmer Begeisterung Seiner Majestät Geburts­tag gefeiert wurde, denn an dem nämlichen Tage hatte vor 60 Jahren auch der alte Wartingen daS Licht der Welt erblickt.

Er hörte nicht auf, darauf stolz zu sein.

Seiner hohen, immer noch elastischen Gestalt schien die Last der Jahrzehnte keinen Augenblick schwer zu werden.

Mit einer feierlich kühlen Würde, die ihn niemals verließ, stand er auch diesmal zur siebenten Abendstunde neben seiner zarten Frau upb erwartete seine Söhne.

Als erster erschien der älteste. Er führte seine beiden Knaben an der Hand, während bie Frau mit dem jüngsten Töchterlein folgte. Es waren helläugige, kraftvolle Kinder. Aber sie taten nicht, wie Kinder zu tun pflegen. In ihren Augen lag ein Schimmer von Angst, als sie sich über die Hand des Großvaters zum Kuß neigten.

Da gab es kein Jauchzen und Tollen, kein Schmeicheln und Umarmen. Sie hielten sich krampfhaft und ängstlich recht gerade, um dem alten Manne nur keinen Grund zum Spötteln oder Strafen zu geben.

Der Oberleutnant Heinrich und der Leutnant Georg traten zusammen herein.

Auf den Jüngste« wurde eine volle Stunde gewartet. Es war vergeblich. Er kam nicht. Da gab der alte War- tingen dem Diener ein Zeichen, daß mit dem Abendmahl begonnen werden sollte. Und sie saßen um den runden Eichentisch herum und horten zu, was der Herr des Hauses zu ihnen sprach:Dem, mit dem ich die Ehre habe, an dem gleichen Monat geboren zu sein, unserm allergnädigsten Herrn nnd Kaiser, unser erstes Glas! Seinem hohen Vor­bilde verdanke ich die Gnade, in meinem bescheidenen Reiche unter euch ein König zu fein!" ,

In diesem Augenblick erklang scharf und fest ein rascher

©er Borusse kam endlich! Er murmelte eine Bitte um Entschuldigung, daß er sich verspätet habe.

Der Alte neigte ein wenig das Haupt.Wer nicht ge­horchen lernt, auf Stunde und Minute, mein Sohn, lernt auch niemals regieren !"

Wilhelm von Wartinaeu lachte schrill auf und wußte

nicht einmal, daß er es tat. In seinen jungen, sonst so fröhlichen Augen glühte ein seltsame- Feuer. Er streichelte heimlich unter dem Tische die Hände seiner Mutter. Mut­terte Mutterle I"

Sie warf ihm einen stehenden Blick zu. Ihre Worte waren wie ein Hauch:Deinen Glückwunsch, Liebling!-

Da erst gratulierte er dem Vater.

Und sie saßen und tranken miteinander. Sie unterhielten sich wie fremde artige Leute zusammen.

Die Kinder schwiegen verschüchtert. Nur der größest« der Knaben spielte verstohlen mit einem Bilde, das er heim­lich aus der Tasche hervorgezogen hatte.

Der Großvater sah eS als erster mit scharfen Augen und griff danach. Er hielt eS empor, damit die andern sehen sollten, wie wenig sich daS junge Neis der Ehre, mit den Erwachsenen zu sitzen, bewußt sei.

Und sie sahen eS alle!

In der Mitte oes Bildchen« stand der Kaiser und schwang seinen ältesten Enkel fröhlich über dem Haupte hoch. Der Zweitgeborene klammert» sich mit schalkhaftem Gesicht an seine Knie. Ein wenig abseits. di» sonnigen Augen voller Stolz und Vaterfreude, voller Jauchzen und SohneSgedanken wiegte der Kronprinz den Jüngsten auf den Armen.

Der einzige, der in diesen Augenblicken ein Wort sprach, war Karl, der älteste Sohn. Er sagte eS halblaut und mehr zu sich wie zu den andern: Sie haben ihn lieb, un­sern Kaiser, alle alle. Darum ist auch seine Größe un­antastbar."

Ein Schweigen lag danach über dem Kreise. Endlich redeten die jungen Wartingen- krampfhaft durcheinander. Nur Wilhelm, der jüngste, schwieg. Seine Durchzieher loderten grellrot auf den mageren Wangen. Seine Hand« zitterten. Man fühlte, wie schwer er ihm wurde, als auch er jetzt Worte fand:Erlaubst Du, daß ich mich zurückzieh», Vater? Mir ist nicht ganz wohl.-

Der Freiherr nickte. Leise schlich jener auS dem Zimmer. Der feste Schritt, mit dem er eingetreten war, schien einer ganz andren Zeit anzugehören. Wie ein müder Greis ging er von den Seinen Hiaaus.

Zur Rechten schlug eine Standuhr neunmal mit hellem,