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General-Anzeiger

AUtliches Organ für Stabt- an) Fandkreis Kanan.

Erscheint tâgNch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 172 A-rnspr-chanschlus; Nr. 605.

Amtliches.

Landkreis Fjanau.

An die Ortspolizeibehörden des Kreises.

Die Festsetzung der Gebührentaxen für Stellenvermittler (mit Ausnahme derjenigen für Bühnenangehörige) in Gemäß­heit des Stettenvermittlergesetzes vom 2. v. Mls. (Reichs- Gesetz-Blatt Seite 860) hat der Herr Handelsminister den Ortspolizeibehörden übertragen. Als Anhalt für die Festsetzung der Taxen, welche als Kesamttaxen festzusetzen sind, können die Gebührentarife gelten, welche die Stellen­vermittler auf Grund des § 75a der Gewerbeordnung (Reichs- Gesetzblatt 1900 Seite 871) ausgestellt haben. Dabei ist jedoch zu beachten, daß bei der Beratung des Stellenver- mittlergesetzes allgemeines Einverständnis darüber geherrscht hat, daß die gegenwärtigen Gebührenlarife viel 311 hoch seien und zu einer Ausbeutung der die Tätigkeit der Slellenver- mittler in Anspruch nehmenden Personen führen.

Es sind daher die jetzigen Sätze erheblich zu mindern, namentlich in den Fällen, wo im Hinblick auf gemeinnützige Stellennachweise ein Bedürfnis für eine gewerbsmäßige Stellenvermittlung nicht anerkannt werden kann.

Da das Stellenvermittlergesetz am 1. Oktober d. Js. in Kraft tritt, ist das Erforderliche alsbald zu veranlassen.

Hanau den 23. Juli 1910.

Der Königliche Landrat.

V 4100 Frhr. Laur.

Stadtkreis Fjanau. Verdingung.

Die Erd- und Maurerarbeiten zum Neubau einer Wartehalle auf dem Marktplatze sollen unter Zugrunde­legung derallgemeinen Bestimmungen für Vergebung städtischer Arbeiten und Lieferungen" öffentlich in einem LoS verdungen werden.

Bedingungen und Angebotsunterlagen sind vom Stadt­bauamt, Zimmer Nr. 18, während der Sprechstunden, vor? mittags 10121/» Uhr, soweit der Vorrat reicht, gegen Entrichtung von 1 Mk. zu beziehen.

Verschlossene und mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis Donnerstag den 4» August, vor­mittags 11 Uhr, bei der vorbezeichneten Dienststelle einzureichen, woselbst um diese Zeit die Eröffnung der Ange­bote stattfindet.

Zuschlagsfrist 4 Wochen.

Hanau den 25. Juli 1910.

Der Magistrat.

Bode. 16369

Blumen und Insekten.

Botanische Plauderei von Dr. Heinz Silvanus.

Wenn die emsige Biene so fleißig in den Blüten herum­hantiert, um ihren Nektar zur schlürfen, so ahnen manche wohl nicht, daß sie damit zugleich der betreffenden Pflanze oft einen wertvollen Dienst erweist. Bei vielen Pflanzen ist nämlich die Blüte einhäusig, d. h. entweder nur männlich oder nur weiblich; dies geht sogar so weit, daß das eine Exemplar nur Staubgesäßblüten, also männliche, das andere nur Stempelblüten, also weibliche, trägt: man spricht dann von zweihäufigen Pflanzen. In diesem Falle überträgt die emsige Biene den Blutenstaub (Pollen) auf die Stempelnarbe der anderen Blüte. In manchen Fällen ist aber in Zwitter­blüten, die sowohl Staubgefäße wie Stempel haben, die gegen­seitige Stellung dieser Blüienorgane eine derartige, daß die Befruchtung ohne äußern mechanischen Eingriff unmöglich ist; diesen vermittelt dann das besuchende Insekt.

So kann eine unserer wichtigsten Futterpflanzen, der rote Klee, den Samen nur zur Entwicklung bringen, wenn seine Blüten von Hummeln und Bienen besucht und bei dieser Gelegenheit befruchtet werden. Die Blütenköpfchen des Klees sind aus vielen kleinen Schmetterlingsblüten zusammengesetzt, welche aus dem Schiffchen unten, aus der Fahne oben und den Flügeln auf beiden Seiten bestehen. Diese drei Blüten- terle haben ihre Benennung von ihrer Form erhalten und sind beim Klee am Grunde zu einer 9 bis 10 Millimeter langen Röhre verwachsen, in welcher der Honig verborgen ist. Das besuchende Insekt stützt sich nun mit den Vorder­füßen auf die Flügel der Blume und steckt den Rüssel unter die Fahne, um den Honig auszusaugen. Durch diese Be­wegungen aber werden die Staubgefäße und der Griffel des Stempels, die im Schiffchen verborgen sind, emporgehoben. Die oben an dem Griffel befindliche Narbe berührt zuerst den Unterkörper des Insekts und nimmt hier Blutenstaub an, den der Besucher von andern Bliiten milbrachte. Nun kommen erst die Staubblätter, die den Verlust wieder er­setzen, und von da trägt das Insekt den Blütenstaub zu anderen Blüten weiter. Es kann also die Blüte des roten

Dienstag den 26. Juli

Steuererhebung.

Die Erhebung der Stenern und des Schul­geldes für die Monate Juli / September d. Js. hat begonnen.

An Stelle der Barzahlungen werden Schecks, welche auf die Neichsbank, den Hanauer Kredit­verein oder auf eines der hiesigen Bankhäuser bezogen sind, angenommen; hierbei wird bemerkt, dasi die Aussteller und die Indossanten für die Einlösung der Schecks haften und daß die von den Kassen ausgestellten Quittungen (die zum Zeichen, daß Zahlung nicht in bar er­folgt, mit dem Stempeldurch Scheck bezahlt" versehen werden) keine Gültigkeit haben, sobald die Einlösung der Schecks durch die Bezogenen abgelehnt wird.

Einzahlungen durch die Post sind zulässig, jedoch hat der Steuerzahler Porto und Bestell­geld zu tragen.

Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, dast Inhaber von Guthaben bei der Städtischen Sparkasse Zahlung der Abgaben durch tteber- Weisung von ihrem Sparkastenguthaben leisten können. Deshalbige Anträge sind bei der Spar­kaste zu stellen.

Die Steuerkaste befindet sich im Rathaus (Neustadt) Zimmer Nr. 3, Erdgeschoß rechts, und ist für Einzahlungen täglich vormittags von 812*/» Uhr geöffnet

Schluß des Zahlungstermins ist der 15. August d. Js.

Hanau, 23. Juli 1910.

Stadtkasse. 16323

Durch Beschluß vom 14. Juli 1910 ist die Entmündi­gung der Ehefrau des Kaufmanns Heinrich Lamy, Johannette geb. Friedrich, von Hanau wegen Trunksucht wieder aufgehoben worden.

Hanau den 23. Juli 1910. 16335

Königliches Amtsgericht, 2.

katzccriltktes Wes Pferdchen uni) (Flegel-, Maschinen- und Langpreß-) kauft: 16347 Proviantamt Hanau.

Klees nur von Insekten mit 910 Millimeter langem Rüssel befruchtet werden, und dieses sind verschiedene Hummel- und Bienenarten. Bienen mit kurzem Rüssel gelangen dagegen durch Einbruch zum Honig; sie bohren die Blumenkronen- röhre von außen mit dem Unterkiefer an und können so keine Befruchtung vermitteln. Verschiedene kurzrüsselige Insekten aber wissen sich auf andere Weise zu helfen: sie klappen den vorderen Teil der Fahne zurück und können auch so die Be­fruchtung bewirken.

Es ist hauptsächlich dreierlei, was bei der Befruchtung der Pflanzen durch Insekten bemerkenswert ist. Zunächst, je mehr die Blüten durch ihre Augenfälligkeit und ihren Geruch von weitem bemerkbar sind, von um so zahlreicheren Insekten werden sie besucht, und zwar erweist sich der Wohlgeruch als ein noch wirksameres Anlockungsmittel als bunte Farbe. Ja, einigen Pflanzen, deren Blüten sehr unscheinbar sind, aber zu ihrer Befruchtung der Insekten bedürfen, gab die weise Mutter Natur sogar ein Mittel, die so notwendigen Insekten herbeizulocken, dadurch, daß sie den in unmittelbarer Nähe dieser Blüten befindlichen Blättern eine intensive Färbung verlieh, so daß nun von Unkundigen diese Blätter, die in her Tat einer Blüte täuschend ähnlich sehen, für die eigent­liche Blüte gehalten werden. Zu diesen Wunderpflanzen, die allerdings nur in den Tropen einheimisch sind, gehört die Poin ettia pulcherrima, deren intensiv rote Blätter sich stern­förmig um die am oft blattlosen Stile befindliche unschein­bare Blüte gruppieren, fo' daß man in der Tat wähnt, eine Sternblume vor sich zu sehen. Aehnlich verhält es sich mit der als Schling- und Kletterpflanze an Balkönen und Veran­den im Orient häufig vorkommenden Bougainvillae speeta- bilis, die fast das ganze Jahr hindurch durch ihre reiche, röt­lich-violette Pseudoblüte täuscht. Ein stattlicher Baum hingegen ist die Terminalia Brownii aus Abessynien, dessen I fei ne ova e Blätter unmittelbar an her Blüte von Färbung find un ° selbst eine Blüte heucheln. . . um so Ferner je offener und flacher der Honnr ^ber mannigfaltiger ist der Jnsektenbesuch, X 'Bienen, zu sehen sich die fleißigsten Blütenbesucher d * bieten dauernden Besuchen veranlaßt. Ein 1 P benen befonberS die Doldengewächse oder Umbelliferen, unter oene,

Fernsprechanschlittz Nr. 605

1910

Politische Rundschau.

Ernennung. Wie dieKreuzzeitung* meldet, würd« zum Unterstaatssekretär des StaatsministeriumS der bisherige Regierungspräsident zu Merseburg, Geh. Oberregierungsrat v. Eisenhart-Rothe ernannt.

Am Rücktritt des Staatssekretärs des Reichs» Marineamtes v. Tirpitz ist jetzt, wie dieDeutschen Nachrichten" aus angeblich eingeweihten Kreisen hören, nicht mehr zu zweifeln. Herr v. Tirpitz hat den Kaiser bereits vor längerer Zeit um Enthebung von seinem Amte gebeten, doch verstand es der Monarch, der den Admiral seines un­geschmälerten Wohlwollens versicherte, Herrn v. Tirpitz auf derHohenzollern" bei der Kieler Woche zu bewegen, einst­weilen von dem erbetenen Abschied Abstand zu nehmen. Der Staatssekretär bat damals, sein Gesuch in der Schwebe behalten zu dürfen. Er wird nunmehr auf seiner Enthebung vom Amte beharren. Der Wechsel im Reichsmarineamt wird sich sofort nach der Rückkehr des Kaisers von der Nordlandreise vollziehen.

Die Versorgung inaktiver Offiziere. Die Militärverwaltung beabsichtigt, wie gemeldet wird, den in­aktiven Offizieren weitere neue Stellungen in der Heeresver­waltung vorzubehalten. Der Militäretat für 1910 brachte bekanntlich bereits eine Vermehrung der den inaktiven Offi­zieren vorbehaltenen Stellen, speziell der Beamtenstellen im Großen Generalstabe.

Ein Gedenktag. Am 30. Juli sind 100 Iahn verflossen seit der Geburt des Grafen Leonhard von Blumen­thal, der neben Moltke der größte Feldherr in Deutschlands großer Zeit war. Der äußerlich so unscheinbare und ruhig« Blumenthal war in Wahrheit eine bis zur Verwegenheit kühne Natur. Ein klassisches Zeugnis dieser Eigenschaft bildet jener kühne Marsch durch die schlesisch-böhmischen Ge­birgspässe im Jahre 1866, den er in seinen Tagebüchern selbst eine gefährliche Operation nennt. Er hielt es auch für nötig, seinen Chef, den Kronprinzen, bei Vorlegung deS Feldzugsplanes ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, daß die Operation große Erfolge verspreche, aber auch große Gefahren in sich schließe. Der Kronprinz antwortete darauf mit aller Ruhe:Halten Sie mich für so dumm, daß ich das nicht selbst gesehen?" Er stimmte mit Blumenthal ganz darin überein, um Großes zu erreichen, müsse man auch Großes wagen. Uebrigens war Blumenthal der Ansicht, daß es in der Kriegsführung in erster Linie nur auf völlig ent­schiedene Durchführung des einmal Beschlossenen ankomme. Er äußerte sich einmal dahin, daß es gar nicht darauf an­komme, ob etwas noch besser gemacht werden könne, wenn nur das, was man tue, fest und bestimmt sei.Von dem einmal gefaßten Operationsplan dürften nur ganz gewichtig.

der Bärenklau durch Blüten- und Nebenblattnektar aus­gezeichnet ist, und der von den Bienen besonders in trockener, warmer Zeit besucht wird. Je mehr hingegen durch Bergung des Honigs in Röhren und Sporen das Heer der kurz­rüsseligen Insekten vom Genusse des Honigs abgehalten wird, und je reichlicher sich derselbe daher in den Blüten sammeln kann, desto emsiger und andauernder werden die Blüten von den Bienen besucht. Dies ist besonders bei Schmetterlings- und Lippenblüten der Fall. Unter ersteren ist besonders der BlUtennektar der Kleearten, der Akazien, der Saubohne, die außerdem noch Nebenkelchnektar liefert, und die Esparsette erwähnenswert, ebenso die meisten Lippen­blütler, wie der Günsel, der Gundermann, die Taubnessel, bei welch letzterer selbst die Kinder mit Vorliebe den süßen Nektar aus der langen Blumenröhre saugen.

Endlich je gesicherter durch Augenfälligkeit der Blüten und durch reichliche Honigabsonderung der Jnsektenbesuch und die Fremdbestäubung durch denselben ist, desto mehr geht die Möglichkeit der Sichselbstbestäubung durch zeitliches und räumliches Aneinanderrücken der Geschlechter verloren: je unscheinbarer und honigärmer die Blüten sind, uno je spärlicher infolgedessen der Jnsektenbesuch ist, desto m y tritt regelmäßige Selbstbestäubung ein. Dw lange B breitete Ansicht, Fremdbestäubung allein f^äb« Erhaltung der Art nützlich, Selbstbestäubung Kreuzung gk- lich Darwin wies nämlich "â . b ^^ommen liefert trenntet Stöcke zahlreichere unm?iitenrfau5e, in allen Blüten als Befruchtung mit, eigenem -' ^/ bie Möglichkeit der sei daher Fremdbestäubung e ^-0 ^ ba^n abgeandert Selbstbestäubung^ den Pflanzen zur Erhaltung werden; Selbstbestäubung, Fortpflanzung durch

unendlich nützlicher als Selbstbtst. b g ng. ^ nHen Blüten, deren Fremdbestäubung völlig gesichert ist, geht daher die Sichselbstbestäubung auch der Möglichkeit nach verloren; dagegen gelangt Fortpflanzung durch Selbstbestäubung in umso ausgedehnterem Maße zur Wirksamkeit, als die Wahrscheinlichkeit der Fremdbestäubung abnimmt. Ein treffendes Beispiel für das Gesagte liefern die Knabenkrautgewächse oder Orchideen. Die Knabenkraut-