Erstes Blatt.
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General-Anzeiger
ANtlishes Organ für §!adt- un) Fandkreis Kana».
0, SaisachmiseS ia Haues.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantworü. Nedafteur: •. Schrecker ie H««.
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Samstag den 26. Februar smifvrt»oii?»i«6«». «»s. 1910
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16 Seiten.
SlmtlicheS.
Eandkreis Hanau.
An die Herren Bürgermeister des Kreises.
Der Herr Finanzminister hat ungeordnet, daß die vor dem 1. Januar 1895 in Gebrauch gewesenen Gebäudesteuer- rollen zum Einstamvfen verkauft werden sonnen, wenn weder das Staatsarchiv noch die Gemeinden die Rollen ausznbe- wahren wünschen. Nachdem das Staatsarchiv von der Uebernahme Abstand genommen hat, ersuche ich, mir bis zum 10- April - I. anzuzeigen, ob Sie die vor dem 1. Januar 1895 in Gebrauch gewesenen Gebäudesteuerrollen des historischen Jnterresses wegen aufzubewahren wünschen.
Hanau den 25. Februar 1910.
Der Königliche Landrat.
V 1289 Frhr. Laur.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 19. bis 25. Februar 1910:
1 Bauschsosser, 3 Fabrbnrschen, 2 Hans- bnrschen, 1 Maschinenschlosser, 3 Taglöhner, 1 Weißbinder.
Hanau den 26. Februar 1910. 4879
Städtische Arbeitsverinittelnngsstelle.
Gefundene und verlorene Gegenstljiide re.
Gefunden: 1 Rosenkianz, 1 Pfandschein Nr. 13640 der ständischen Leihbank, 1 Zeitkarte Nr. 9073 der Straßenbahn, 1 schwarzer Eammet-Damengüriet.
Zugelaufen: 1 junger dunkelbrauner Jagdhund mit weißer Brust und 4 weißen Pfoten.
Hanau den 26. Februar 1910.
Politische Rundschau.
Für die Reichstagsersahwahl in Posen, die durch den Rücktritt des bisherigen Aba. v. Chrzanowski nötig geworden ist, wurde der Posener Oberbürgermeister Dr. Wilms als gemeinsamer deutscher Kandidat aufgestellt. Oberbürgermeister Wstms hat bereits im Jahre 1907 kandidiert. Damals wurde Abg. v. Chrzanowski mit 21231 siegen 12 065 nationalliberale Stimmen (Oberbürgermeister Wilms) und 1377 sozialdemokratische Stimmen gewählt.
In der bayerischen Abg ordnetcnkammer erklärte der Finanzminister v. Pfaff, der sozialdemokratische Antrag auf Lohnerhöhung in Staatsbetrieben erfordere öMt Millionen jährlich mehr, oder 14 Prozent mehr an Staats- steuern. Vom Jahre 1905 bis 1908 hätten diese Lohnerhöhungen nahezu 38 Prozent betragen, Bayern habe 1 800 000 Mark mehr als veranschlagt als Postausgleich an das Reich zu bezahlen, ferner habe die Verzögerung in der Annahme des Malzsteuergesetzes einen Fehlbetrag von 4l/i Millionen Mark gegen den Voranschlag gebracht, so daß der Zuschlag an Staatssteuern zur Abgleichung des Budgets nicht mehr 20 Prozent, sondern 7—8 Prozent mehr für die beiden Jahre der laufenden Finanzperiode erfordere. Das HauS genehmigte sodann im außerordentlichen Etat, also über dm gewöhnlichen Bedarf hinaus, 4 Millionen Mark für die staatlichen Bäder in Bayern, darunter 3 100 000 Mark zur Errichtung eines neuen Konversationshauses und einer neuen, gedeckten Wandelhalle für Kissingen, die übrigen 900 000 Mark sind für die staatlichen Bäder in Reichenhall, Brückenau, Bocklet und das von Sachsen so stark frequentierte Bad Sieben bestimmt.
Die „Nntional-Zeiiitng" bleibt bestehen. Die „Nat.^Ztg." veröffentlich folgende Erklärung: „Die Meldung eines Depeschenbureans, daß die „Nat.-Ztg." am 1. April b. IS. eingehen werde, hat verschiedenen, uns mehr oder weniger freundlich gesinnten Blättern Veranlassung gegeben, sich mit dem Schicksal der „Nat.-Ztg." zu beschäftigen. Demgegenüber erklären wir kur; und bündig, daß die Nachricht, die „Nat.-Ztg." werde am 1. April ihr Erscheinen einstellen, Unrichtig ist."
Der österreichische Minister des Aeutzeren in München. Graf Aehrenthal ist Donnerstag abend mit btm Münchener Schnellzug von Berlin abgereist. Das Ge- gCit ium Bahnhof gaben ihm der österreichisch-ungarische Bot-
t festster und Staatssekretär v. Schoen. Freitag früh traf der österreichische Minister in München ein. Vormittags stattete ihm der österreichisch - ungarische Gesandte in München einen Besuch ab. Später folgte ein längerer Besuch des Ministerpräsidenten Freiherr« v. Podewils, den der Graf erwiderte. Darauf wurde Graf Aehrenthal von Prinz und Prinzessin Ludwig und hierauf von Prinz und Prinzessin Rupprecht empfangen. Mittags 12 Uhr empfing der Prinz Regent den Grafen Aehrenthal in feierlicher Audienz in der Residenz und überreichte ihm, da der Graf bereits den höchsten bayerischen Orden besitzt, sein Porträt in goldener Plakette. Später folgte Frühstückstafel beim Ministerpräsidenten Frhrn. v. Pode- wi'S, an dem auch die Gesandten der deutschen Bundesstaaten, sowie Oesterreichs und Italiens teilnahmen.
Reichsduma. In der gestrigen Sitzung der ReichS- duma wurde der Bericht der Budgetkommission über den Etat des Reichs vor überfülltem Hause und in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Stolypin und des Finanzministers Kokozow erstattet. Der Refermt Prof. Alexejenko (Oki obrist) jetzte auseinander, daß die Bilanzierung des Budgets entgegen der Voraussetzung des Finanzministers ohne Defizit möglich gewesen sei, trotzdem Abstriche nur mit äußerster Vorsicht vorgenommen worden seien. So sei beispielsweise da« Budget des Kriegsministeriums nur um sechs Millionen Rubel gekürzt worden; denn die Kommission sei sich wohl bewußt, daß, soviel auch der Friedensgedanke gepredigt werde, dies vorläufig nur schöne Worte seien. Die Aufgabe der Landesverteidigung sei die wichtigste der Nation. (Stürmischer Beifall, Bravo I rechts.) Die hauptsächlichste Kürzung hätten die Etats be8 Verkehrs- und des Marineministeriums erfahren. Die von der Budgetkommission am Etat vorgenommenen Aenderungen hätten einen Ueb.rschuß von 3 752 898 Rubel ermöglicht. Der Redner wies darauf hin, daß eS zum letzten Male vor 22 Jahren vorkam, daß ein Budget ohne die Notwendigkeit einer Anleihe ausgestellt wurde. DaS diesjährige Ergebnis verdanke man dem Einfluß der Ernte im Zusammenhang mit der günstigen Konjunktur. Die Getreideausfuhr habe gewaltige Dimensionen angenommen und einen Zustrom von Gold aus dem Auslande herbeigefühn. Der Staaiskredit habe sich gebessert und der KurS der Siaatspapiere hätte eine bedeutende Höhe erreicht. Nötigenfalls könnten für 565 Millionen Kreditscheine emittiert werden. DaS Konto der Siaatsrenle betrage 256 Millionen und außerdem sei noch ein freier Barbetrag vorhanden. Die Kommission habe diesen nicht berührt und schlage vor, ihn in der sicheren Dbbut des Finanzministers zu belasten. (Beifall.)
Der türkisch • bulgarische Grenzzwischenfall. Nach amtlichen Meldungen von der bulgarischen Grenze dauerte daS Feuergefecht zwischen den bulgarischen und türkischen Grenzvosten bis gestern, bei dem auf feiten der Türken weitere 6 Mann gefallen und 9 verwundet worden sind. Bulgarische Landleute arbeiten unter Aufsicht bulgarischer Offiziere an den Erdwerken. Ein gefallener türkischer Unteroffizier wurde von bulgarischen Soldaten geborgen, die dann die Herausgabe der Leiche verweigerten.
Körperliche Arbeit.
Wie die „Deutsche Tages * Zeitung" berichtet, haben im letzten Sommer 31 norwegische Studenten und ältere Gymnasiasten auf Guts und Bauernhöfen gearbeitet. Beide Teile, Gutsbesitzer sowohl wie Studenten, sind nach den eingegangenen Berichten mit dem Ergebnis überaus zufrieden.
„Es waren flinke, liebenswürdige Arbeiter, die mit Lust und Liebe ihrer Beschäftigung nachgingen und sich niemals für irgend eine Arbeit zu gut hielten. —" so lautet das Urteil der Gutsbesitzer über ihre akademischen Hilfskräfte, die sie sich auch für den nächsten Sommer wünschen. Die Studenten mußten angestrengt arbeiten; vom frühen Morgen an waren die verschiedensten Arbeiten zu verrichten. Es wurden Bäume gefällt, Holz gefahren, im Garten gegraben, gerecht, gesät; in der Erntezeit waren die jungen Leute früh und spät auf dem Felde. Im Anfang wurde es manchem sauer, aber die meisten gewöhnten sich schnell an die Arbeit, und alle fühlten sich bei der körperlichen Beschäftigung, die eine angenehme Abwechslung in ihre sitzende Lebenswege brachte, außerordentlich wohl. Für ihre Dienste empfingen die Studenten gute, kräftige Kost, einzelne auch eine kleine Bezahlung und freie Reise. Nach ihrer Rückkehr in die Stadt merkten die jungen Leute erst, wie gut ihnen die Landarbeit in der frischen Luft bekommen war. Sie brachten nelien Lebensmut und einen gekräftigten Körper mit, so daß sich die meisten schon auf die gleiche Arbeit im nächsten Sommer freuen.
^n Norwegen legt man diesem gelungenen Versuche, die akademische Jugend mit dem Betriebe der Landwirtschaft vertraut zu machen, große soziale Bedeutung bei, und man ge- I denkt ihn in den nächsten Sommern weiter auszu gestalten.
Die jungen Städter bekommen durch diese sommerliche Arbeit ein richtige- Verständnis für die Tätigkeit des Landmanne-, woraus beide Teile Nutzen ziehen können."
Hiermit wollen wir zusammenstellen, was vor einigen Wochen auS Hünfeld berichtet wurde. Dort hat man ein großes Stück Oedland mit Waldbäumen bepflanzt und die Arbeit den Schülern der städtischen Schulen übertragen, bie sie unter Anleitung von Forstbeamten auszuführen hatten. In Hünfeld hat man dieselbe günstige Erfahrung gemacht wie in Norwegen, obgleich bie Arbeiter jünger waren. Sie haben mit Ei er und Sorgfalt alle nötigen Arbeiten au«ge- führt, und zwischen den einzelnen Schulen soll ein wahrer Wettkampf entbrannt fern, jede wollte die meisten Bäum« pflanzen, jede die Sache am besten machen.
Wir halten das hier Angefühne für sehr beachtenswert, für einen Fingerzeig zur Umgestaltung unserer Jugenderziehung, die in ihrer Einseitigkeit bedenkliche Folgen habe» muß. Vielleicht schenkt der eine oder andere unS noch ein bißchen weiter aufmerksame» Gehör. DaS 40. Heft der „Veröffentlichungen des MilitärsanitätSwesenS", die von der Mrdizinal-Ableilung des KriegSministeriums herausgegeben werden, enthält über die körperliche Brauchbarkeit der zum einjährig-freiwilligen Dienste berechtigten jungen Leute eine Reihe bemerkenswerter Mitteilungen, die auS Zählkarten entnommen sind, die im Jahre 1904 für daS ganze Deutsche Reich auSgegeben waren. Die gewonnenen Ergebnisse beziehen sich auf 52 640 Wehrpflichtige. Die ungünstigst« TauglichkeitSziffer weisen die höheren Lehranstalten auf, und zwar stehen hierbei die Gymnasien in erster Linie, dann folgen der Reihe nach die Besucher der Realgymnasien, Realschulen und Oberreal schulen. Bedeutend günstigere Verhältnisse zeigen die LandwirtschaftSschulen, die besten die Seminare. Die hauptsächlichsten Gründ« der Dienstunbrauchbarkeit sind allgemeine Schwächlichkeit, Sehstörungen, dann Krankheiten der Gliedmaßen und Lunge. Der am meisten verbreitete Fehler ist die Kurzsichtigkeit. In der Prima der Gymnasien wurde mehr als die Hälfte, auf den Gymnasien im Durchschnitt mehr all der dritte Teil kurzsichtig befunden. Während des Univerfi- tätsstudiumS erhöht sich der Prozentsatz noch bedeutend, und zwar ergab sich, daß unter den deutschen Studenten die Kurzsichtigkeit mehr verbreitet ist als in anderen Ländern, sie erreicht hier die hohe Zahl von 71 vom Hundert gegen 38 in Dänemark, 30 in Holland und Ungarn, 14 in England und sogar nur 10 in Amerika. Bei 1600 in Bayern daraufhin untersuchten Mannschaften waren unter den Einjährig- Freiwilligen 58 Prozent, unter den Abiturienten 65,5 Proz, kurzsichtig, während die dem Handwerkerstande angehörigen Leute 9 Prozent, die Dauern und Taglöhner sogar nur 3 Prozent an Kurzsichtigen zeigen. Da körperliche Uebungen in den Schuljahren unzweifelhaft die Militärtauglichkeit (b. h. Körperkraft, Gesundheit) fördern, so ist ein Vergleich der in England und in Deutschland abgehaltm« Turnstunden nicht ohne Interesse. Bei uns kommen für die Schüler im Alter von 10 bis 19 Jahren auf 20 000 Lehrstunden 650 Turnstunden, also 3,2 Prozent, in England aber auf 16 000 Lehrstunden 4500 Turnstunden, das find 28,1 Prozent, also fast neunmal so viel wie in Deutschland.
Hat daS, was hier über die geringe Zahl der Militär- tauglichen unter den zum einjährig-freiwilligen Dienst Berechtigten gesagt ist, kürzlich nicht schon einmal im „Anzeiger" gestanden? Ganz recht; wir haben aber geglaubt, 'è» noch einmal wiederholen zu sollen, weil wir die geschilderten Zustände für höchst bedenklich halten und deshalb ein Mittel zur Abhilfe vorschlagen möchten. Und das wäre? Nun, ganz einfach: Man führe die körperlicheArdeit in unsere Schulen ein, einmal wegen der Kräftigung de» Körpers, dann aber auch, w e i l d i e k ö r p e r l i ch e A r b e i t e i n b e s s e r e S E r. ziehungsmittel ist als die geistige. „Die Ge- fühle von Zufriedenheit, die sich beim Gelingen deS kleinsten Handgriffs einstellen, sind von höherer Bedeutung als der schönste Moralsatz, der von außen zu dem Schüler spricht (vergl. die Erziehung durch die Tat im ReclamS Universum, 26. Jahrg., H. 4, G. 79).*) Aber wie soll daS gemacht werden? Es ist sehr einfach, wie so viele», wenn man el nur einmal ernstlich will. Man widme den Vormittag dem Geist, den Nachmittag aber dem bisher so sträflich vernachlässigten Körper. Bei unserer angeborenen Gründlichkeit (die Gott erhalten möge!) werden wir auch bei bloßem Vormittagsunterricht in den Wissenschaften nicht hinter andere» Völkern zurückbleiben, zumal bei größerer körperlicher Kraft
♦) Der Bericht der katholischen Mission in Omaruru (Deutsch- Sildwestafrika) bezeichnet als unerläßliches Mittel zur praktischen Erziehung der Angeborenen körperliche Arbeit und stellt fest, daß die Stimmung unter den Leuten abends gerade dann eine besonder8 heitere war, wenn sie tagsüber recht beschwerliche Arbeiten verrichtet hatten. J&i&w Solouialzeitung", 27. Jahr^ Nr. 8, S. 128.