Erstes Blatt.
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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.
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Die füchgespalten« Orttjelc oder der« Rae* 96 MH» im NeÜameuteil die Aelle 46 U»-
0, »LiiachLule» i» Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Betört wert. Redakteur: L. Schrecker N Hmmm
Mt. 21 Zyernsprechanschltttz Nr. 605.
Mittwoch den 26. Januar »«nfvt<»«nf»iii8«». «05. 1910
Dit ititiit$nmiHtr imMt »b« r.MtkhtltmBltN
14 Seiten.
Gkfiiiidcnt und verlorene Geaenstände re.
Gefunden: 1 goldene Damenuhr, 1 goldenes Medaillon (Herz mit 2 Photographien), 1 neuer Ofenrost und 1' > Stück Hufeisenstollen, 1 Schlüsselring mit Haken mit 2 Schlüsseln, 1 Schlüssel an einem Röllchen, 1 braune wollene Pferdedecke mit roten Streifen, 1 oxidierte Damenuhr.
Verloren: 1 schwarzer Kinderbandschuh (rechter).
Entlaufen: 1 Kriegshund m. Geschl.
Hanau den 26. Januar 1910.
Politische Rundschau. .
Als Nachfolger des Oberprâstdenten der Provinz Brandenburg v. Loebell wird nach dem „Berl. Tgbl." der Regierungspräsident in Potsdam v. d. Schulenburg genannt. Die Besetzung des Amtes soll in naher Zeit erfolgen, da dringende Ausgaben eine längere Vakanz auf dem Posten deS Oberpräsidenten nicht als wünschenswert erscheinen lassen.
Die Maßregelung eines nationalliberalen Beamten? Die nationalliberale Fraktion des vreußischen Abgeordnetenhauses hat folgende Interpellation eingebracht: „Ist die kgl. Staatsregierung unterrichtet, daß in der Pi ovin; Posen geaen Beamte wegen ihres Eintretens für die nationalliberale Partei amtliche Maßregelungen ergriffen worden find? Billigt sie diese Maßnahmen ? Die Interpellation soll einen Fall im Auge haben, bei dem ein Beamter, der im nationalliberalen Sinne agitatorisch tätig war, vom Regierungspräsidenten gemaßregelt worden sein soll.
Die Reisekosten Entschädigungen der Beamten. Die Regelung der zur Zeit größtenteils recht hohen Tagegelder und Diäten der Beamten soll sowohl für die Reichs- wie für die preußischen Staatsbeamten übereinstimmend erfolgen. Die Reisekosten sollen zukünftig nicht mehr als Einnahmequellen angesehen werden; sie sollen lediglich zur Erstattung tatsächlich entstandener Ausgaben dienen. Dienstreisen sind allgemein einzuschränken. Die Reisen find nur von denjenigen Beamten auszusühren, die am Ziel der Reise zur Arbeitserledigung wirklich notwendig sind. Die Pauschalierung, wie solche bereits teilweise eingeführt ist, soll auf weitere Beamtenkategonen ausgedehnt werden. Bei kurzen Reisen, die nur ,/a oder Tag, oder noch weniger 3^ beanspruchen, wird eine Reisekoftenentschädigung nur teilweise gewährt.
Bayern und die Schisfayrtsabgaben. Die
Uiiterhaltiingsabcnd.
— Hanau, 26. Januar.
Der Kaufmännische Verein Hanau, Kreis- Verein des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen Leipzig, veranstaltete gestern abend in den Sälen der „Centralhalle" vor zahlreichem Auditorium seinen 3. Vortragsabend in Form einer musikalischen Unterhaltung, die bestritten wurde von der Sopranistin Frânlein Johanna S ch n e l l - Cassel und der Gesangsabteilung des Vereins, Leiter : Herr Ernst Schnell. Eine junge Dame eröffnete stimmungsvoll den Reigen der Vorträge mit einem schönen Prolog. Die Solistin beS Abends, Fraulein Johanna Schnell, bot die Arie der Marie „Er schläft" aus dem „Waffenschmied" und sang im weiteren Verlauf des Abends »Zur Drossel sprach der Fink" von d'Albert, „Die Lerche" von Stange und „Schwäbisches Tanzlied" von Reimann. Die in allen Lagen wohlklingende Stimme und der 'legante leichte Slimmansatz vereinigten sich mit natürlich an» mutiger Mimik und klarer Vokalisation zu einem harmonischen Ganzen. Unter diesen Voraussetznngen gestalteten sich die Vorträge der jugendlichen anmutigen Solistin zu guten Leistungen, die im Auditorium lebhaftes Interesse und freudigen Beifall auslosten. Nicht das kleinste Verdienst an dem vorzüglichen Eindruck kommt auch Herrn Ernst Schnell zu, der es verstanden hat, in feinsinniger Weise den Klavierpart durchzuführen und dem Auftreten das richtige Retief zu geben. Auch die unter Leitung des Herrn Ernst Schnell stehende Gesangsabteilung, die sich nur selten noch in so ausgezeichneter Verfassung wie am gestrigen Abend präsentierte, bot Vorzügliches und der lebhafte Beifall, den Dirigent und Sänger entgegennehmen konnten, war wohlverdient. In den Chören waren Intonation und Aussprache in bester Verfassung. Besonders gefielen die immer anivrechenden Volksliedchcn, von denen das Volkmann'sche
Münchener Abteilung des Bayerischen Kanalvereins nahm in ihrer gestrigen Hauptversammlung Stellung zum gegenwärtigen Stand der Frage von Schiffahrtsabgaben auf natürlichen Wasserstraßen. An das Referat des Kommerzienral- Lechner schloß sich eine lebhafte Diskussion, die sich bis gegen Mitternacht ansdehnte und an der unter anderen Rednern auch Prinz Ludwig, die Prof stören Lotz und Brentano, von Mayr und Günther, sowie Landtagsabgeordnete und Regie- rungsvertreter teilnahmen. Schließlich wurde folgende Kom- promißresolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung erblickt in der baldigen Erledigung des vorliegenden Gesetzentwurfs betreffend die Erhebung von Schiffahrt-- abgaben unter der Voraussetzung seiner Ergänzung durch Bestimmungen, welche ernste Bedenken zu beseitigen geeignet sind, eine kräftige Förderung der Interessen der bayerischen Binnenschiffahrt, da von ihr die Kanalisierung des Main- bis A'chaffenburg abhängt. Der Ausbau dieser Strecke ist aber als der Anfang aller weiteren Kanalbauten in Bayern und als die unerläßliche Voraussetzung für die Ausführung der größeren Projekte zu betrachten. Die Versammlung erwartet von den durch die SchiffahrtSabgaben aufzubringenden Mitteln, für deren sachgemäße Verwendung die im Entwurf vorgesehenen Zweckverbände Gewähr leisten, eine wesentliche Förderung der bayerischen Kanalprojekte, deren baldige Durchführung für die weitere wirtschaftliche Entwicklung unseres engeren Vaterlandes eine dringende Notwendigkeit ist.«
Ungarisches Abgeordnetenhaus. In der gestrigen Sitzung erklärte Ministerpräsident Graf Khnen-Hedervary, es fei richtig, daß er im Abaeordnetrnhaule keine Partei habe, doch hoffe er, daß feine Politik in der Ration Anhänger und fein Appell an die Wähler Widerhall finden werde. Der Ministerpräsident verwahrte sich entschieden gegen die Verdächtigung, daß er bei den Wahlen verfassungswidrige oder unmoralische Mittel anwenden wolle. Er sei, falls die Majorität der Nation sich für einen Würdigeren erkläre, jeden Augenblick bereit, seinen Platz zu räumen. Er habe seine Stellung nicht gesucht und noch am Tage feiner Berufung einen Politiker vorgeschlagen, der mit der Kabinettsbildung betraut werden sollte. Graf Andrassy erklärte, seine Partei würde für das Mißtrauensvotum nur stimmen, falls sie die Verantwortung für die Folgen tragen und die Bildung der Regierung übernehmen könnte. Er werde daS Budget-Provisorium bewilligen. Die Verweigerung des Budgets sei eine zweischneidige Waffe, denn entweder werde dastaatliche Leben dadurch arg gestört, oder eS werde bewiesen, daß man auch ohne ein gesetzliche- Budget regieren könne. Hierauf ergriff der Ministerpräsident auf- neue daS Wort und erklärte, er erblicke trotz der weitgehenden Differenzen bezüglich der Wahlreform in der Rede des Grafen Andrassy
„Ich halte ihr die Augen zu" wiederholt werden mußte. — Der unterhaltende Teil wiirde mit einem eine Szene au« dem kaufmännischen Leben darstellenden Theaterstückchen „Der nervöse Sozius" eingeleitet. Die einzelnen Rollen, besonder- die beiden Titelpart'en, wurden ausgezeichnet verkörpert. Auch Herr Knöfel verstand mit einigen prächtigen Rezitationen die Zwischenpausen angenehm auszufüllen. Zum Schluß wurde dem Tanz eifrig gehuldigt ; es war ein schönes Bild, die den fast zu engen Saal füllenden kreisenden Paare nach den Schmeicheltönen der Walzermelodien dahinschweben zu sehen.
Weitere MciliiiW über das «ach Amerika verkaaste alte Flägelaltärche«.
Bei dem außerordentlich großen Interesse, da» unsere vor fünf Wochen an dieser Stelle gebrachten Mitteilungen über das ans Hanauer Privatbesitz nach Amerika verkaufte, ans der Abtei Stavelot in den Ardennen stammende byzantinisch-romanische Flügelaltârchen hervorgeruien hat, wird es gewiß erwünscht sein, Abbildungen davon zu sehen und noch Genaueres darüber zu hören. Auf Wunsch des Schreibers dieser Zeilen hat Königs H 0 f b u ch- Handlung im Schaufenster ihres Kunstsalons drei Abbildungen nach Photographien ausgestellt, welche eine einigermaßen gute Vorstellung von dem alten Kunstwerk geben. Von den beiden größeren Darstellungen') zeigt eine das aus- geklappte ganze Altärchen in etwa ein Drittel natur» sicher Große, während die andere die drei in jede der beiden Seitenflügel auf der inneren Seite eingelassenen runden
’) Enthalten in dem großen Tafelwerke von Otto von Falke und Heinrich Frauberger: „Deutsche Schmelzarbeiten des Mittelalters und andere Kunstwerke der kunst historischen Ausstellung zu Düsseldorf 1902. Mit 130 Lichtdruckplatten. 25 farbigen Lichtdruck- tafeln und 55 Textabbildungen. Frankfurt a. M. 1904. Joseph Baer & Co. Heinrich Kâ."
(eine sympathische Auffassung der Lage, so daß eine Aus« gleichung der Differenzen zwischen ihnen möglich sein werde.
Die französische Ausstellung. Gestern abend fand bei dem französischen Botschafter Cambon und Gemahlin iv Berlin eine Abendunterhaltung mit anschließendem Souper statt, anläßlich der Eröffnung der französischen Ausstellung. Das Kaiserpaar war der Einladung deS Botschafters gefolgt, ebenso das Kronprinzenpaar, daS Prinzenpaar Heinrich und das Prinzenpaar August Wilhelm. Der Kaiser mit dem Gefolge erschien gegen 9 Uhr. Anwesend waren ferner der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg, Staatssekretär Freiherr v. Schön, die Minister v. Trott zu Solz, v. Heeringen, Staatssekretär v. Tirpitz mit Gemahlin, der Präsident der Akademie der Künste, Professor Kampf mit Gemahlin, Generalkonsul Schwabach mit Gemahlin, die Herren der Delegation deS Instituts und andere französische Kunstfreunde und Künstler. Nach künstlerischen Darbietungen, u. a. Gesangsvorträgen von Frâul. de Mougeot von der Großen Oper in Paris und der Aufführung deS ersten AkteS von Beaumarchais' „Barbier von ©eDida* unter Mitwirkung von Mitgliedern der Comédie Fran-aise, folgte ein Souper von 200 Gedecken.
Die englischen Wahlen. Die gestrigen Wahlen be. gannen für die Liberalen verheißungsvoller. Bisher hat die Regierung zwei Mandate in Porkshire und eineS in Lanarkshire mit verstärkter Mehrheit behauptet und zwei Mandat, in Lanark bei dreitägigen Wahlkämpfen den Konservativen abgewonnen.
Zu dem Grenzstreit zwischen China und der portugiesischen Kolonie Macao wird dem „New-Dork Herald" gedrahtet, daß die Ankunft portugiesischer Verstärkungen in Macao außerordentliche Unruhe unter der chinesischen Bevölkerung hervorgerufen hat, und daß der Waffenschmuggel in die Grenzgebiete Südchinas einen großen Umfang angenommen hat. So wurde in den letzten Tagen ein Leichenzug an der Grenze von Macao festgehalten, und man fand, daß die Särge mit Waffen und Munition angefüllt waren.
Parlamentarische».
Sü-westafrita in der Budgetkommission.
mb. Die Beratung des südwestafrikanischen Etat- für 1910 wurde gestern fortgesetzt. Auf Anfrage über die Zahl der kleinen nnd großen Grundstücke, die der FiskuS verkauft habe und nach der Nationalität der Käufer berichtet Staatssekretär Dernburg, daß 66 neue Kleinsiedlungen errichtet worden sind. Weitere Mitteilungen sagt er für später zu Der Berichterstatter Dr. Semler (Natl.) führt au-, daß nach seinen Erfahrungen au- der Hafenbaukommisston in Ham. bürg Swakopmund niemal- ein Haien werden könne. Dit Mole liegt bald trocken, bald im Wasser, selbst ein Bagger
Schmelztafeln, also sechs Emailbilder in annähernd natürlicher Größe zeigt. Letztere stellen dar: Auf der linken Seite Szenen aus dem Leben Kaiser Konstantins und zwar von unten nach oben 1. die Kreuzviston, den Traum Konstantins, dem der Engel das Kreuz zeigt mit dem Hinweis: in hoc vinces; 2. die Schlacht an der milvischen Brück« (312), der Sieg, den die „Romani* unter dem flatternden Labarum (der Kreuzesfahne) über die fliehenden Reiter deS MaxentinS davontragen ; 3. die Taufe deS Kaisers durch Papst Silvester. Die drei Rundbilder der rechten Seite sind der Legende der Kreuzfindung durch Konstantin- Mutter, der Kaiserin Helena, entnommen und zeigen, gleichfalls von unten nach oben 1. die Juden, welche der Kaiserin Helena den Fundort des echten Kreuze» verraten; 2, bie Ausgrabung deS Kreuze-; 3. das erste Wunder, welche» daS Kreuz durch Erweckung eines Toten verrichtet, während die Kreuze der Schächer als unwirksam weggetragen werden. „Die Schmelzmalerei liegt in dem Grunde von vergoldetem Kupfer und ist tatsächlich schon als Malerei zu bezeichnen, da in den Gewändern eine Schattierung versucht ist. Die Köpfe und Hände sind aus Metall mit emaillierten Linien konturiert, die lateinischen Inschriften, wo der Raum e» verlangte, noch in griechischer Wesse durch senkrechte Buchstabenreihen gebildet." (Luthmer, Email S. 63.) Diese« größere Flügel« altärchen mit seinen sechs runden Schmelztafeln ist eigentlich nur das weit jüngere Gehäuse für zwei ältere, viel kleiner« byzantinische Triptycha ober Klappaltärchen, die auch (zuge- klappt) im Mittelfeld der Abbildung der ganzen Altärchen» zu scheu sind und Reliquien, ein Stückchen Holz vom Kreuze Christi unb das Fragment eine« Nagels enthalten. Die neuere Kunstforschung glaubt sogar den Künstler, der das Gehäuse, b. h. das äußere größere Flügelaltärchen anfertigte, zu kennen, denn ftilfrite» rssche Untersuchungen lassen mit großer Sicherheit den Schluß zu, daß es ein Werk des Wallonen Godefroid de Claire aus Huy ist ober wenigsten- seiner Schule, aus