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Erstes Blatt.

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Rotationsdruck und Bevlatz der Buchdruckers! de» verein, es Waisenhauses in Hanan.

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AllliMts Organ für 51aM= unD Fan^rris Znnan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückung-gebührt

Die Lgefpaktene Petitzeile oder deren Ramn U P^ t® ReNamenteil die Zeile 46 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: S. Schrecker i® Hamq»

Nr. 276

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14 Seiten.________

GrfiuidtNt »iid iirrsvrrilt (Dennis? ;iübr n.

Gefunden: 1 schwarze Sammetweste mit weißen Punkten. 1 schwarzes Damenportemonnaie mit 1 Mk., 1 halber Goldmanschettenknopf mit länglich geschlissenem Granat, 1 silberner Fingerhut.

Verloren: 1 Taschenmeßer mit Metallschalen mit dem Bildnis Wilhelm Tells und der Aufschrift Lungern Schweiz.

Zugelaufen: 1 junger schwarzer Hund mit gestutz­ten Ohren und Ruthe, m. Eeschl.

Hanau den 25. November 1910.

PolitiTche RundTchau.

Der Kaiser hat gestern von Station Wildpark seine Reise nach Schlesien angetreten.

Der Reichstag setzte die Debatte über die Fleischteuerung fort.

Zum zweiten Vizepräsidenten des Reichstages wurde gestern der Vertreter des Wahlkreises Bromberg, Landge- richtsrat Schultz (Reichspartei) gewählt. Auf ihn fielen 186, auf Singer 52 Stimmen. Die liberalen Fraktionen gaben weiße Stimmzettel ab.

Die Beuroner Kaiferrcde. Zu den Vorwürfen, die wegen der Veröffentlichung der Beuroner Kaiserrede gegen die Zentrumspreße erhoben wurden und die als unbefugte Ver­öffentlichung bezeichnet wurde, stellt der Badische Be­obachter, das führende badische Zentrumsblatt, fest, daß von einem Verlrauensbruch nicht die Rede sein kann. Das Blatt stellt ferner fest, daß die Rede nach der Durchsicht den Donaueschinger Blättern und zwar ebenso dem Zentrnms- blatt Donaubote wie dem nationalliberalen Donaueschinger Tageblatte vom Schloß des Fürsten durch das Kabinetts­sekretariat zur Veröffentlichung zugestellt worden sei.

Bismarck-Nationaldenkmal auf der Elisenhöhe am Rhein. Der Kunstausschuß für das Bismarck - Nationaldenkmal bei Bingerbrück teilt mit: Der Einsendungstermin für die Denkmal-Wettbewerbsentwürfe läuft mit dem 30. d. Mts. ab. Die Beteiligung wird eine ganz außerordentliche sein. Der Kunstausschuß macht alle Bewerber darauf aufmerk­sam, daß die Entwürfe spätestens am 30. November, mittags 12 Uhr, vom Aufgabeort abgesandt werden müssen und ausschließlich mit der Adresse:An den Dismarck-National- denkmalausschuß in Düsseldorf, Etädt. Kunstpalast" zu ver­sehen sind. Gleichzeitig teilt der Knnstausschuß mit, daß ab 1. Dezemeber 1910 die Bevollmächtigten der Künstler zum Aufstellen der Entwürfe im Kunstpalast zu Düsieldorf be­rechtigt sind.

Eine Verordnung für die Binnenschiffahrt. Eine könig­liche Verordnung zur Einführung des Reichsaesttzes, betr. die privatrechtlichen Verhältniße der Binnenschiffahrt vom ^' Oktober d. Is. setzt für Preußen fest: auf Antrag der Schiffseigner sind Dampfschiffe und andere Schiffe mit eigener Triebkraft, deren Tragfähigkeit 500015 000 Kilo­gramm beträgt, in das Schiffsrenister einzutragen. Diese Verordnung tritt am 1. Januar 1911 in Kraft.

Bor unserer NordseekUste ist in den letzten Jahren eine Verteidigungslinie gezogen worden, die aus den befestigten Inseln Sylt, Helgoland, Borkum und Wangeroog besteht. Die Befestigung Wangeroogs, die jetzt in aller Stille vollendet wurde, ist von besonderer Bedeutung. Diese Znsel ist unserem Krieashafen in der Nordsee, Wilhelms­haven. vorgelagert. Wilhelmshaven ist bisher eine rechte Mausefalle" gewesen. Die in Kiel stationierten Kriegs- j^iffe haben zwei Auswege den einen in die offene Ost­see. den anderen durch den Kaiser Wilhelmskanal in die Nordsee. Ihnen bleibt eine gewiße Bewegungsfreiheit also auch dann bewahrt, wenn die Streitkräfte eines übermäch­tigen Gegners die eigentliche Hafenausfahrt verlegen. An­ders Wilhelmshaven. Hier gibt es keinen zweiten Ausweg.

mtt übermächtigen Streitkräften kann die ganze in Wilhelmshaven stationierte Flotteschachmatt" setzen. Dazu kommt, daß Wilhelmshaven auch nach der Landseite ^r^gelhaft verteidigt ist und dadurch einen mit einer feinbliajen orte zusammen operierenden Gegner zu Lande verleiten muß, dieMausefalle" auch von der Seite her vollständig zu schließen. Es ist ja bekannt, daß aus diesen Erwägungen heraus Bismarck seinerzeit eifriger Verfechter eines großen Stüftenfanais war, der den in Wilhelmshaven stationierten Krieasickriien einen zweiten Auswea toasten

gicitfln vcii 25. Novtiiilicr

sollte. Ein solcher Küstenkanal ist nun durch die Befestigung von Borkum, Wangeroog und Helgoland entbehrlich ge­worden. Nicht im Festlande liegt die künftige Verteidi­gungslinie Wilhelmshavens, sondern sie wird vorgeschoben in die See. Heute läßt sich mit Hilfe weniger moderner Panzerschiffe die Wilhelmshaven vorgelagerte Linie Bor­kum-Helgoland verhältnismäßig leicht verteidigen und so die Ausfahrt von Wilhelmshaven nach Hamburg und weiter sichern.

Die Türken in Persien. Das Gefecht auf der Straße von Urmia nach Salmas wurde gestern unterbrochen. Der Tag wird zur beiderseitigen Befestigung der Stellungen benutzt. Die Türken erhielten größere Verstärkungen. Die Straße befindet sich bis Dschehel in den Händen der Perser. Eine Deputation angesehener Gutsbesitzer, Kaufleute und Geist­licher begab sich an das Ostufer des Urmia-Sees, um von dort mit Teheran telegraphisch zu verhandeln. Die Depu­tation hat den Auftrag, die Negierung zu ersuchen, unver­züglich gegen die ungesetzliche Handlungsweise der Türken wirksame Maßregeln zu ergreifen, widrigenfalls sie die fremden Mächte um Hilfe angeben würden.

Die Unruhen in Mexiko. Nach einem Telegramm aus Ciudad hat die Negierung Porfirio Diaz' die Einziehung des gesamten Eigentums Maderos angeordnet, dem ausge­dehnte Besitztümer im Norden Mexikos gehören. Die Ne­gierungstruppen hoben große Mengen Sprengstoff beschlag­nahmt, der als Minenmaterial aus den Vereinigten Staaten eingeführt sein soll.

Das Kronprinzenpaar in Kandy.

Kandy. 24. Novbr. Am gestrigen Nachmittag sah das Kronprinzenpaar bei strömendem Regen dem Boden der Elefanten im Fluße zu, die dann später an der großen Pro­zession Teilnahmen. Diese bot trotz des schlechten Wetters ein malerisches und geradezu märchenhaftes Bild. Böller­schüße verkündeten den fürstlichen Gästen, welche auf den Balkon des im Park gelegenen Gouvernementshauses hinaustraten, das Herannahen des gewaltigen Zuges. Aus dem Dunkel der uralten Parkbäume tauchte flackerndes röt­liches Fackellicht auf, und es ertönte kreischender Gesang, bald übertönt vom Lärm der zahlreichen Trommelschläger. Die Spitze des Zuges bildeten Fahnenträger und Tänzer, dann folgte die Schar der riesigen Elefanten, mit reichge­stickten Decken geschmückt und auf dem Rücken die vergoldete Hauda. Vor dem Balkon des Gouvernementshauses grup­pierte sich alles, und die Häuptlinge nebst ihrem Anhang, sämtlich in von Juwelen strahlender Galatracht, betraten das Haus und wurden den Herrschaften vorgestellt. Dem Disave überreichte der Kronprinz sein Bild und trat mit der Kronprinzessin auf die Treppe, vor der nun verschiedene Tänzergruppen, darunter auch Tänzerinnen, unter furcht­barem Trommellärm und einem eigenartigen Gesang ihre Künste zeigten. Auch Akrobaten produzierten sich. Dann wurde ein mächtiger Elefant an die Treppe geführt und an ihm die Ausfchirrung usw. gezeiat. Der Kronprinz bestieg auf Einladung des Häuptlings Disave den Elefanten und machte unter jubelnden Zurufen einen kurzen Ritt von wenigen Minuten. Um 10 Uhr rückte die Prozession wie­der ab.

Der englische Verfaßunyskampf.

London, 24. Novbr. (Oberhaus.) Das Haus nahm die Finanzbill in allen Lesungen an, nachdem Lord Middleton gegen das Verfahren der Regierung bezüglich des Budgets Protest erhoben hatte. Bei Fortsetzung der Debatte über die Resolutionen Lord Lansdownes wies der Lordkanzler die Behauptung zurück, daß die Auflösung zum Vorteil von Home Rule erfolge. Es sei nach der Ansicht der Regierung notwendig, die unvereinbaren Verschiedenheiten der Prin­zipien über die Abstellung der aus den Beziehungen der beiden Häuser sich ergebenden Uebelstände unverzüglich zum Austrag zu bringen. Die Regierung habe die Erfah­rung gemacht, daß es für ein liberales Ministerium un­möglich sei, unter Bewahrung der Selbstachtung und mit Nutzen im Amte zu bleiben, wenn für die Uebelstände keine Abhilfe geschaffen werde. Nach dem Scheitern der Veto- Konferenz sei die Auflösung des Parlaments der einzige Weg, den die Negierung beschreiten könne. Der Kanzler kritisierte sodan die Resolutionen Lansdownes. Er zöge die bestehenden Uebelstände den durch die Resolutionen vorge­schlagenen vor, die keine Hoffnung erweckten, daß die Li e* ralen in Zukunft mehr Berücksichtigung finden wur en a bisher. Lord Curzon erklärte. die Resolutionen si en ehrlicher, ernster Versuch nur Reform, die le 3 ,. .., ' mer als echtes sicheres Charakteristikum des politischen Systems bewahren werde.

F ernsl recha«fchl«st Nr. 230 191 0

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Hus Hanau Stadt und Tand.

Hanan, 25. November.

* Marienkirchengemeinde. Nachdem die Renovation bei Marienkirche beendet ist, finden von nächsten Sonntag ab die Gottesdienste wieder daselbst statt.

* Beauftragt. Vezirksfeldwebel Neinebeckist mit der probeweisen Wahrnehmung einer neuerrichteten staatlichen Kreisassistentenstelle beim hiesigen Landratsamte vom 1. Dezember d. I. ab beauftragt worden.

* Hanauer Geschichtsverein. Einaetretener Hindernisse halber findet die Besichtigung der Marienkirche nicht am nächsten Montag, sondern wahrscheinlich erst am Sams­tag den 3. Dezember statt.

* Stadttheater. Es sei ausdrücklich betont, daß das Gast­spiel des Herrn Rudolf Christians nicht wiederholt werden kann: dasselbe findet, wie bereits mitgeteilt, am heutigen Freitag statt und zwar wird der Künstler die Titelrolle in dem LustspielKean" oderGenie und Leiden­schaft" darstellen, welche ihm reiche Gelegenheit zur Entfal­tung seiner herrlichen Mittel bietet. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei denjenigen Theaterbesuchern, welche das interessante Stück noch nicht kennen, verraten, daß die Szene, welche sich im Zuschauerraum abspielt, zu dem Stück gehört. Morgen Samstag gelangt bei ermäßigten Preisen nochmals die Lehar-OperetteDer Graf von Luxemburg" zur Aufführung und am Sonntag geht nachmittags ebenfalls bei ermäßigten Preisen die OperetteWiener Blut" und abends im Abonnement A. das IapanerstückTaifun" in Szene. Am Montag wird bei volkstümlichen Preisen der SchwankHohe Politik" gegeben, in welchem Herr Direktor Steffter wieder die Hauptrolle desIonas" darstcllr.

* Die HerSstversammlung des Kreisobstbauvereius findet nächsten Sonntag, nachmittags halb 4 Ubr, in Großkrotzenburg im GasthausZum Schlüße!" statt. Die Tagesordnung enthält äußerst wichtige Punkte. Neben dem Bericht über die Kreisobstausstellung und den Obst- markt wird besonders die Frage der Ausbildung von Baum­wärtern eingehend erörtert werden und in Verbindung damit die Anlage eines Mustergarlens auf Kosten des Ver­eins. Wir richten nochmals die Bitte an alle Ortsgruppen, zu der Versammlung Vertreter zu entsenden und an die persönlichen Mitglieder, zahlreich zu erscheinen.

* Katholischer Kirchenchor. Die Mitglieder werden hier­mit darauf aufmerksam gemacht, daß die heute abend statt-- findende Singstunde nicht um 8% Uhr, wie im Inserat der gestrigen Nummer dieses Blattes irrtümlich angegeben wurde, sondern um %8 Uhr beginnt.

K. Der Kaufmännische Verein veranstaltete gestern einen wohlvorbereiteten Vortragsabend, der den Charakter einer musikalischen Unterhaltung bot. Der erste Teil bot einen Vortrag des Herrn Lehrers Schnell. Die Dar­bietungen behandelten das deutsche Volkslied und die Be­deutung Fr. Silchers, des Vaters der deutschen Volksweisen, für das Lied. Das Wesen dieser Volkspoesie mit seinem unermeßlichen Reichtum echt deutschen Fühlens und Singens fand gute Zeichnung und wohlverdiente Würdigung. In pietätvoller Erinnerung wurde besonders der Verdienste des großen Meisters Cilcher, der den ersten der Nation wohl an die Seite gestellt werden kann, gedacht. Seine Sammlungen zeigen die schlichten Töne des Volkes in ihrer innigen Ver­mählung mit dem Text in vollendetster Form. Sodann er­freuten Frl. de Groote und Frl. Lina Z ah n durch die gemeinsamen Vorträge verschiedener Konzertstücke auf Geige und Klavier. In Frl. d e G r o o t e lernten wir eine Künst­lerin kennen, die ihre Geige mit Sicherheit und Empfindung beherrscht. Die ansprechenden Weisen der gebotenen Stucke wie Concerto Nr. 9 von Beriot, Romanze von Svendsen und Carneval von Hermann wußte sie in einschmeichelnder und gewinnender Weise zum Vortrag zu bringen. Fraulein Zahn hatte den Klavierpart übernommen. Sie paßte sich in ihrem Spiel feinfühlig der Geige an und wurde ihrer Aufgabe mit Gewandtheit und Verständnis gerecht. Stim­mungsvoll fügten sich in den Rahmen die Vorträge der Ge- fangsabtcilung ein. Die Schar der Sänger zeigte gute Schulung und sinniges Erfaßen. Die schönen Volkslieder !Morgen muß ich fort von hier" undAch, du klarblauer Himmel" kamen besonders exakt und wohlverständig zum Vortrag: nicht minder die übrigen zu Gehör gebrachten Chöre. Der Abend bot reichen Genuß und fand ungeteilte Würdigung. Ein gemütliches Beisammensein, bei dem auch die tanzfrohe Jugend ihre Rechnung fand, beschiotz den schönen Abend.