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Erstes Blatt.

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Gcneral-Anzeiger

AMiichts Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verautmsrü. Ziedatteurr. Schrecker N H««»

Mx. 47 Kernsprechanschlutz Nr. 605»

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14 Seite».

Amtliches.

Candkreis Ranau.

In der Gemarkung Langendiebach ist die Schweineseuche feftgefteUt worden.

Hanau den 23. Februar 1910.

Der Königliche Landrat.

V1193 F rh r. Laur.

Gefundene und verlorene Geaenstlinde re.

Gefunden: 1 schwarzes Handtäschchen mit 32 Pfg.

Liegen geblieben: Im Hutgeschäft bei F. Eckhardt, Marktplatz 8 : 1 Paket mit Vorhangstoff, Schnur u. Ringen ; Empfangnahme daselbst. Auf der Geschäftsstube der Hanauer Ortskrankenkasse: 1 Portemonnaie mit 6 Pfg; Empfang- nähme daselbst. Bei WronkerLCo.: 2 alte Damenschirme; Empfangnahme auf dem Fundbureau.

Verloren: 1 A-B-C-Buch für Volksschulen, 1 Bor­stellbrett von einem Handwagen, 1 gelbes Handtäschchen mit 1 Paar Handschuhe und 1 weißen Taschentuch.

Hanau den 25. Februar 1910.

Politische Rundschau.

Die Beisehnngsfeier für den Grafen Stolberg. Die Leiche des Reichstagspräsidenten Grafen zu Stolberg- Wernigerode wurde gestern auf dem Familiengut in Dönhof- städt beigesetzt. Der mit Blumen überdeckte Sarg wurde in der Schloßkapelle aufgebahrt. Als Verirrter des Kaisers erschien der kommandierende General deS 17. Armeekorps v. Mackensen. Mit dem Vizepräsidenten des Reichstages Erbprinzen zu Hohenlohe-Langenburg waren etwa fünfzehn Mitglieder aller Fraktionen gekommen, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Anwesend waren ferner der Oberpräsident v. Windheim, der Kommandeur der ersten Division Generalleutnant Hasse, Regierungspräsident Graf Keyserlings der Prorektor der Königsberger Universität, Prof. Haendicke und viele andere hervorragende Persönlichkeiten. Nachdem die Trauergemeinde sich versammelt hatte, erschien die Gräfin-Witwe mit den anderen Leidtragenden. Die Trauerrede hielt der Schloßgeistliche. Nach Beendigung der kirchlichen Feier wurde der Sarg durch den Park zur Gruft geleitet. Hinter dem Sarge trug Graf zu Eulenburg-Praßen auf einem Kissen die Orden seines verstorbenen Schwieger­vaters. Dann folgten die Gräfin Stolberg und General v. Mackensen. Auf dem ganzen Wege bildeten die Guts­beamten und Gutsinsassen Spalier, um sich alsdann dem Kondukt anzuschließen. Unter dem Segen des Geistlichen und den Klängen eines Chorals wurde der Sarg in die Gruft gesenkt, über die der Kriegerverein drei Salven ab­feuerte. Mit der Niederlegung von Kränzen, unter denen sich auch solche des Kaiserpaars befanden, schloß die Feier.

Ein Preisausschreiben des Han abundes. Von dem Wunsche geleitet, die auf eine Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage gerichteten Bestrebungen des im schweren Kampfe befindlichen deutschen gewerblichen Mittelstandes im Sinne der Richtlinien vom 4. Oktober 1909 nach Kräften zu fördern, hat das Präsidium des Hansabundes beschlossen, für dir drei besten Arbeiten über die Frage :Durch welche praktisch durchführbaren Maßregeln kann das für Errichtung und Betrieb kleingewerblicher Unternehmungen erforderliche Anlage- und Betriebskapital beschafft werden?* drei Preise von 2000, 1000 und 600 Mark auszusetzen. Preisrichter sind die Herren: Dr. phil. Freiherr v. Berlepsch, Staats- minister, als Vorsitzender, Prof. Dr. jur. Crueger, Justizrat, Charlottenburg, Dr. jur. v. Mayr, Unterstaatssekretär a. D., o. ö. Professor an der Universität München, Nahardt, Ober­meister der Tischlerinnung, Berlin, Dr. phil. Stegemann, Syndikus der Handelskammer Braunschweig. Die Preis- arbeiten sind bis zum 1. Oktober 1910 bei der Geschäfts- stelle des Hansabundes (Berlin NW. 7, Dorotheenstr. 3, III.) einzureichen, wo auch die näheren Bedingungen jedem zur Verfügung stehen.

Zur Reichstagsstichwahl in Mülheim-Wipper­fürth. Der liberale Wahlausschuß in Mülheim hat für die am 26. Februar stattfindende Stichwahl zwischen dem Zentrumskandidaten und dem Sozialdemokraten die Parole ausgegeben:Keine Stimme dem Zentrum!" Di-» Christ­lich-Sozialen haben beschlossen, für den Zentrumskandidaten eintutreten.

Freitag den 25. Februar________

Im Landesausschuß für Elsaß-Lothringen brachte gestern nach einer durch den Abg. Dr. Wetterle ver­anlaßten einmütigen Dertrauenskundgebung für den ersten Präsidenten v. Zaunes, dessen Geschäftsleitung in der Presse mehrfach abfällig kritisiert worden war, der Alterspräsident Ditsch folgenden, von sämtlichen Abgeordneten ohne Partei- unterschied unterzeichneten Antrag ein:Der LandeSausschuß wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, mit aller Kraft darauf hinzuwirken, daß die verbündeten Regierungen dem -Reichstag alsbald einen Gesetzentwurfvorlegen, durch welchen bestimmt wird, daß die Reichsverfassung sowie das Reichs- gesetz betr. die Verfassung und Verwaltung von Elsaß- Lothringen dahin abgeändert werden, daß Elsaß-Lothringen zum selbständigen Bundesstaate erhoben und als solcher den deutschen Bundesstaaten völlig gleichgestellt roirb/ Darauf gab Staatssekretär Frhr. Zorn von Bulach namens der Regierung folgende Erklärung ab: Die Regierung ist ernst­lich bestrebt, den Ausbau unserer Verfassung im Sinne einer größeren Selbständigkeit des Lande- zu fördern. Verhand­lungen auf diesem Gebiet schweben seit langem an den zu­ständigen Stellen in Berlin. Erneute Anregungen unserer­seits lassen uns hoffen, daß die Angelegenheit baldigst da» Stadium der Erwägungen verlassen und einer Entscheidung zugeführt wird. Die Fraktionen hatten abgemacht, zu dem Antrag nicht zu reden. Trotzdem betonte der Abgeordnete Blumenthal, daß ihn die Erklärung des Staatssekretärs nicht befriedige. Das Land wolle wissen, in welcher Form die Verfassungsänderung vorgenommen werden soll. Es wünsche eine republikanische Verfassung. Der Antrag wurde sodann einstimmig angenommen. Alterspräsident Ditsch begründete den folgenden zweiten Antrag unter Hinweis auf das in den süddeutschen Staaten bestehende Wahlrecht: Der Landesaus­schuß wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, mit aller Kraft darauf hinzuwirken, daß die Verbündeten Regierungen dem Reichstage alsbald einen Gesetzentwurf vorlegen, durch welchen bestimmt wird, daß der Landesausschuß für Elsaß- Lothringen oder die bei der Erhebung zum Bundesstaat zu schaffende Volksvertretung aus dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht unter Anwendung des Proportionalwahlverfahrens hervorgehen solle. Staatssekretär Frhr. Zorn von Bulach gab darauf namens der rrichS- ländischen Regierung folgend« Erklärung ab: WaS daS Wahlrecht zum Landesausschuß anbelangt, so steht die Re­gierung einer Aenderung dieses Wahlrechtes nicht grundsätz­lich ablehnend gegenüber. Die Regierung ist indessen der Frage dieser Aenderung bisher nicht nähergetreten, weil sie es für zweckmäßig hielt, daß zunächst der Ausbau der Ver­fassung abgewartet werde. Wenn dieser, wie sie hofft, die Zuständigkeit der Landesgesetzgebung für alle Fragen der Landesverfassung, also auch für die deS Wahlrechts, wie in den Bundesstaaten, mit sich bringt, so wird die Entscheidung über das Wahlrecht nicht mehr (nach der gegenwärtigen Rechtslage) von dem Reich zu treffen sein, sondern vom Land, sodaß also der Landesausschuß als gesetzgebender Faktor mitzuwirken hätte. Dies werde wohl den Wünschen deS Landesausschusses selbstverständlich mehr entsprechen, da er auf die Gestaltung des Wahlrechts einen maßgebenderen Einfluß ausüben kann, als wenn sie ohne jede verfassungs­mäßige Mitwirkung von seiner Seite e rfolge. Auch dieser Antrag wurde von dem LandeSausschuß einstimmig ange­nommen.

Die Pensionsversicherung der Privatange­stellten ist um einen bedeutsamen Schritt vorwärts ge­kommen. Vor kurzem wurde der Vorsitzende deS Haupt­ausschusses vom Staatssekretär Dr. Delbrück empfangen, wobei die einschlägigen Fragen in Gegenwart deS Ministerial­direktors Casper und des Geheimrats Koch besprochen wenden. Danach ist der Gesetzentwurf in Arbeit, nur kann der Zeitpunkt der Ausgabe der Gesetzesvorlage noch nicht bestimmt werden. Hauptsächlich scheinen die Finanzfrage, bie rechtliche Gestaltung und die Verwaltung der neuen Kasse Schwierigkeiten zu bereiten. Voraussichtlich tritt die Sicbener- kommission des Hauptausschusses Ostern zu'ammen, während nähere Angaben über die Einberufung des allgemeinen Privat- beamtentages noch nicht möglich sind.

Die Bekämpfung vor Stellenlosigkeit im Handels­gewerbe betrachtet der Verband Deutscher Handlungsgehulfen ru Leivsta seit 28 Jahren als eine seiner wichtigsten Auf- gaben. Er wendet dafür jährlich allein an 70 000 Mark auf, ungerechnet der großen Summen, die er fortgesetzt als Unterstützung, bezw. Versicherung seinen stellenlosen Mit- gliedern auszahlt. Die Gesamtzahl der 1909 erzielten Be­setzungen beträgt 4148 gegenüber 3651 im Vorjahre. Diese Ziffern würden wesentlich höher sein, wenn der Verband eS ich, ablehnte, Stellen mit sogenannten Schnndlöhnen oder mit Äonturreiutlaufeln vorrumerken. In der einaehenden

Fernsprechanschlntz Nr. 605. 1910

ziffernmäßigen Nachweisung seiner StellenvermittelungSver- Hältnisse steht der Verband Deutscher Handlungsgehülfen un­streitig an der Spitze aller deutschen kaufmännischen Vereine.

Im englischen Oberhaus gab Lord Rosebery eine Erklärung ab, daß er am 14. März den Vorschlag machen werde, daß das Hau« sich selbst all Komitee konstituier«, um die besten Mittel zur Reform seiner gegenwärtigen Organi­sation in Erwägung zu ziehen, damit derart eine starke und wirksame zweite Kammer gegründet werde. In Erwiderung einer Anfrage Courzons gab der Staatssekretär für Indien, Morr'.ey, eine Schilderung der Ereignisse in Tibet. Der Dalai Lama habe Peking am 21. Februar 1908 verlasse» und sei, wie berichtet wird, am 25. Dezember 1909 in Lhassa angekommen. Ueber seine Bewegungen in der Zwischenzeit sei wenig bekannt, doch scheine er zwei Monat« in Nagtschuka geweilt zu haben, daS 9 bis 10 Tagereisen von Lhassa ent­fernt ist. Vor seinem Weitermarsch nach der Hauptstadt sei daS Gerücht gegangen, daß ei dort beträchtliche Reibungen zwischen der tibetanischen Regierung und den chinesischen Be­amten gegeben habe. Morley sagte «eiter: Rach Kalkutta kam seine Nachricht darüber, waS die Krise so schnell herbei- geführt habe. Aber um den 30. Januar herum empfing dir englische Handelsagent in Gjangtse den Besuch eines vom Dalai Lama speziell abgesandten tibetanischen Beamten. Dieser meldete, die chinesische Armee stehe in Giannda, 400 Meilen von Lhassa. Weiter hörte man nichts, bis am 17. Februar der Agent telegraphierte, daß 40 Mann chinesischer berittener Infanterie 5 Tage vorher in Lhassa anqekommen und daß die übrigen chinesischen Truppen in der Nähe der Stadt seien und daß der Dalai Lama nach Indien geflohen sei. In Be­gleitung von drei Ministern und ungefähr 100 Mann sei der Dalai Lama am 17. Februar in Phari eingetroffen, nachdem in Ohaksan den Chinesen ein Gefecht geliefert wor­den war. Am 20. erreichte er Datung und brach, stell von den Chinesen verfolgt, am nächsten Tage nach Gna- tung auf. In Darstling wird er am 27. Februar erwar­te!. Auf die Nachricht von der Flucht habe die indisch« Regierung unverzüglich an alle britischen Vertreter von Gjantsa, Aatunq und Sikkim die Weisung ergehen lassen, strengste Neutralität zu wahren, was auch gewissenhaft be­folgt worden sei. Die einzige Mitteilung, die man von de« Dalai Lama seit dem Verlassen von Lhassa erhalten hab«, sei die Meldung aus Datung, daß er nach Indien gehe, um die britische Regierung um Rat und Schutz zu ersuchen. Ein« Erklärung über die Ursache seiner Flucht habe der Dalai Lama nicht gegeben und nur erwähnt, daß die Bevölkerung von Lhassa von der chinesischen berittenen Infanterie über­wältigt worben sei; eine Anzahl Tibetaner fei durch da» Feuer der Chinesen getötet ober verwundet worden und er danke der britischen Regierung für die Höflichkeit, mit der « bisher behandelt worden sei. Der Staatssekretär für Indien schloß: Der Dalai Lama wird bei seiner Ankunft in Darjiling eingeladen werden, in Kalkutta Wohnung zu nehmen, bis andere Bestimmungen getroffen find. ES wird andauernd strengste Neutralität beobachtet werden. Aber der Dalai Lama wird mit aller Höflichkeit und mit allem Respekt ausgenommen werden, welchen man dem Oberhaupt einer hohen geistlichen Körperschaft schuldet, daS der Gegenstand der Verehrung für viele Millionen indischer Untertanen bei Königs ist. Di« britische Regierung steht in einem Meinung», austausch mit der chinesischen Regierung über die so ge­schaffene unerwartete Situation. Lord LanSdowne führt« auS, er habe vernommen, daß Lhassa tatsächlich von chinesischen Truppen besetzt sei, mit der Wirkung, daß der Dalai Lama vertrieben wurde. Der Staatssekretär erwiderte, es würde verfrüht sein, zu sagen, daß der Dalai Lama gewaltsam ver­trieben worden sei. Er wäre geflohen, aber man könne b« genaue Ursache seiner Flucht nicht wissen. Lord Roseber, fragte, ob die chinesische Regierung für daS gewaltsame Bor- bringen nach Lhassa einen Grund angegeben habe. Morley erwiderte, der Meinungsaustausch mit der chinesischer» Re­gierung habe erst begonnen.

Graf Aehrenthal in Berlin.

Berlin, 24. Febr. Wolffs Trlegr. Bureau teilt mit: Seit dem Bestände eines engen BundeSverhâltniffeS zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn gehört der persönlich« Gedankenaustausch zwischen den führenden Staatsmännern beider Reiche zu den Traditionen der Kabinett« von Berlin und Wien. Eine Bekräftigung diese« alten Brauches darf in der Reise v. AehrenthalS nach Perlin und in dem Besuche erblickt werden, den der österreichisch-ungarische Minister bei Aeußern dem Reichskanzler in Erwiderung dessen vorjährigen Besuchs in Wien abstatiet. Beide Staatsmänner hatten neuerdings die ihnen erwünschte Gelegenheit, sich über die verschiedenen politischen Fragen, die in letzter Zeit zur Di», kussion standen, aussprechen zu können. Anknüvkend an ihre