Erstes Blatt.
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AMchts Organ für Lladt- un) FallLKrtls Kanas.
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verantwortl. Nebakteur: L. Schrecker in Hanan,
^r. 274 nrruivr<dbinid)luft Nr. 230.
Mittwoch neu 23. Novcmbcr
Fernfprechanschlust Nr. 230
1910
Ae htaHafAttmmer nmMt MÜtt l.NiitnhtltWlilil!
14 Seiten.
AmittcheS.
Stadtkreis Ranau.
Anter den Pferden des Thüringischen Alanen-Regi- Nents Nr. 6 hier ist die Rotlaufseuche erloschen.
Hanau den 21. November 1910. P 13540
Königliche Polizeidirektion.
Frhr. Laur.
Gtfiiiidrnc und verlorene ©enciistünbe ic
Gefunden: 1 Kinder-Pompadour mit 10 Pfg. und einem Taschentuch, 1 Busennadel mit blauen und weißen Steinchen, 1 silbernes Armband (auf dem Friedhof).
Hanau den 23. November 1910.
11 Politische RundTd/ao.
Interpellationen.
Berlin, 22. Novbr. Die Interpellation der konservativen Fraktion zur Fleischteurung hat folgenden Wortlaut: „Es ist in den letzten Monaten eine bemerkenswerte und bedauerliche Verteurung des Fleisches in vielen Städten eingetreten. Ist der Reichskanzler bereit: 1. gegenüber dem im Zusammenhang damit in letzter Zeit vielfach hervorgetretenen Verlangen nach Oeffnung unserer Grenzen für eine vermehrte Vieheinfuhr die schweren Gefahren darzulegen, welche die Erfüllung dieses Verlangens a. für die deutsche Viehzucht im allgemeinen, b. für die Aufrechterhaltung des Veterinärschutzes und c. für eine nachhaltig ausreichende Fleischversorgung des deutschen Volkes mit sich bringen müßte? 2. Welche Maßnahmen hält der Reichskanzler für möglich, um der bedauerlichen Steigerung der Kleinhandelspreise von Fleisch in den Städten zu begegnen? 3. Ist der Reichskanzler in der Lage, eine vergleichbare Uebersicht über die Kleinhandelspreise von Fleisch in den wichtigsten Ländern Europas vorzulegen?" — Die Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion über die Kaiserrede lautet: „Was gedenkt der Reichskanzler zu tun in Ausführung der im November 1908 vom Fürsten Bülow als verantwortlichem Reichskanzler und zugleich im Namen des Kaisers dem Reichstag abgegebenen Erklärungen, die durchbrochen worden sind durch die in
318 KaisttM m Prof. Wilhelm TAtz-Kam.
Gestern wurde das Kaiserbildnis von Prof. W. S ch u l tz, unserem bekannten heimischen Künstler, seiner Bestimmung übergeben, das die Stadt Hanau dem 3. Eisenbahnregiment MM Schmuck seines Offizierkasinos stiftete. Aufrichtige Glückwünsche seien dem Künstler für sein meisterhaftes Werk dargebracht! Eine ungewöhnliche Lösung zwang er seiner spröden Aufgabe ab. Schon im vorigen Jahre hatte er seine Kräfte an der gleichen Aufgabe gemeßen. Auch damals war ein repräsentatives Kaiserbild verlangt worden, Ueber- mäßig ernst und streng schaut Wilhelm IT. drein, ganz von dem Gefühl durchdrungen, als Herrscher und oberster Kriegsherr dargestellt zu werden. Man konnte sich nicht des Gefühls erwehren, daß mit diesem etwas chargierten Ausdruck die Persönlichkeit des Kaisers nicht erschöpft sei, so sehr man die glänzende Technik und liebevolle Durchführung bewundern mußte. Von jenem Bilde bis zu dem heute vollendeten hat der Künstler eine starke Entwickelung gezeitigt. Man wird lange suchen können, bis man ein Bildnis unseres Kaisers findet, das so freudig stimmt. Wie e tmon üon de* bezwingenden Liebenswürdigkeit, der fchalthaften Ueberlegenheit und jugendlichen Spannkraft des Äoiiets, die ihn allen seinen Gästen, besonders den franzosiichen Damen, so liebenswert erscheinen läßt. Von dieser prächtigen Charakterseite verrieten die bekannten Katlerbilbniiie herzlich wenig. Stets begegnete man dem gleichen, etwas militärisch-martialischen Gesichte mit den drohenden Schnurrbartspitzen, das dem Kaiser eigen ist, so- d n fast von einem Skalen Gluck sprechen, daß Professor Schultz durch keine Portratsltzun.g zu einem solch konventionellen Repräsen- tahonsbilbnis verpflichtet wurde. Dafür durfte er den Kaiser aus nächster Nähe bei Paraden und Ansprachen unauffällig beobachten, wo dreier sich im Gespräch mit seiner
diesem Jahre in Königsberg i. Pr. und in anderen Orten vom Kaiser über seine staatsrechtliche Stellung abgegebenen Erklärungen?"
Die persische Frage im englischen Parlament. Unterhaus.
London, 22. Novbr. Der Premierminister Asquith sagte in der Beantwortung einer Interpellation: Ich habe die Absichten der Negierung bezüglich Diäten für die Mitglieder des Hauses bereits angedeutet. Wir werden eine Vorlage einbringen, wodurch den Trade Unions erlaubt werden soll, in ihren Satzungen die Bildung eines Fonds vorzusehen, der für dieAktion im Parlament und in den Gemeinedeoer- waltungen, für Repräsentation und ähnliche Zweck bestimmt ist und wodurch ihnen ferner gestattet werden soll, sich für diesen Zweck zusammenzuschließen, vorausgesetzt, daß die Ansicht der Mitglieder der betreffenden Trade Union tatsächlich festgestellt worden ist, und kein Mitglied gezwungen wird, diesem Fonds beizusteuern. Der erste Punkt der Tagesordnung war die zweite Lesung der Finanzbill. Austen Chamberlain erklärte, daß er angesichts des Vorgehens der Regierung sich weigere, an der Debatte über die zweite Lesung teilzunehmen. Nachdem sich kein Mitglied zum Wort gemeldet, wurde die zweite Lesung einstimmig angenommen. Im weiteren Verlauf der Sitzung fragte Dillon den Staatssekretär des Auswärtigen Sir Edward Erey, ob er wisse, wann die russischen Truppen von Nordpersien zurückgezogen würden und welches die Gründe dafür seien, die russischen Truppen dort zu belasten. Sir Edward Grey erwiderte, die erste Frage müsse er verneinen. Was die zweite anlange, so wiste man, daß die russische Regierung zwar beabsichtige, die Truppen zurückzuziehen. aber nicht der Ansicht sei, daß die gegenwärtigen Zustande des Landes schon jetzt diesen Schritt rechtfertigen. Die Frage, die Dillon bezüglich der persischen Anleihe stellte, beantwortete Sir Edward Grey ebenfalls. Doch wurde eine ausführliche Erklärung über diesen Gegenstand im Oberhaus abgegeben. Weiter fragte Dillon, welche Haltung die englische Regierung für den Fall einzunehmen beabsichtige, daß die persische Negierung es ablehnen sollte, ihre Einwilligung dazu zu geben, daß die Straßen im Süden von Truppen unter dem Befehl von englischen Offizieren bewacht würden. Grey erwiderte: Was bisher von der persischen Regierung verlangt worden sei, das sei, daß die Ordnung auf den Straßen von Buschir-Schiras-Ispahan wiederhergestellt werde, und daß, wenn die. persische Regierung nicht binnen 3 Monaten im Stande sei, die acht oder zehn britischen Offiziere, die ihr von der britischen Regierung zur Verfügung gestellt, aber in persischen Diensten stehen würde, dafür verwende, persische Truppen für die Wiederherstellung der Ordnung
Umgebung ungezwungen zu geben pflegt. Die Frucht dieses „Persönlichkeitsstudiums" ist unser Bild. In ganzer Gestalt, bekleidet mit der Paradeuniform des Eisenbahnregimentes, ist der Kaiser dargestellt, als stünde er im Kasino vor seinen Offizieren und hätte eben eine Ansprache entgegengenommen. Voll verborgener Spannung strafft sich die elegante Gestalt, die linke, bekanntlich etwas zu kleine Hand hält den Säbel dicht an den Körper, die Rechte stützt sich auf den Tisch, auf dem die Pläne der neuen Kaserne liegen. Ein leuchtender Blick umfängt die kleine Versammlung, im Gesicht arbeitet frohe Spannung, die der Erwiderung auf das soeben Gehörte vorangeht. Sofort unterliegt der Beschauer dem beglückenden Bann, den nur die Persönlichkeit auslöst. Er muß in diese scharfen freudigen Augen schauen, um deren Winkel es so überlegen zuckt. Aus ihnen schlägt ihm das sieghafte Temperament dieser impulsiven und doch hoheitsvollen Herrschernatur entgegen. Und doch werden diese beredten Züge nicht starr. Je länger man sie betrachtet, desto lebendiger werden sie! Damit erhebt sich dieses Bildnis weit über eine flüchtige Momentaufnahme, deren künstlerische Unbeseeltheit stets ein längeres Beschauen erweist. Eine wertvolle Urkunde ist damit späteren Geschlechtern geschaffen. Mehr als weitschweifige Charakter- analysen kann ihnen dieses Bild von dem Wesen unseres Kaisers erzählen, deßen seelischen Gehalt der Künstler in der blitzschnellen Erfassung des fruchtbarsten Moments zu erschöpfen wußte. Wie vor Lenbachs Bismarckbildern wird man vor diesem Kaiserbilde die Gewißheit $sll)en. |o mußte Wilhelm II. aussehen nach allem. was wir von ihm wißen. Mit dieser Sicherheit hat der Kuns bcm gegeben, was ein Dildnismaler zu ^H ben der Erscheinungseindruck der Person vermc Porträtmaler" Persönlichkeit. Das erreichen » ^^ niemals, die schon glauben, "lt der äußeren ^hnuairell ibre Auiaabe gelöst zu haben, und dadurch mit dem Photo, graphen in einen wenia vorteilhaften Wettbewerb treten.
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zu organisieren. „Wir haben", fuhr Grey fort, „kein anderes Ziel, als daß die Ordnung von der persischen Regierung wiederhergestellt und aufrecht erhalten wird. Ich kann nicht glauben, daß die persische Regierung es auf unbeschränkte Zeit ablehnen wird, irgendwelche Maßregeln zu diesem Zweck zu treffen. Es wird verfrüht sein, schon jetzt zu sagen, welche Haltung die englische Regierung ein- nehmen wird, wenn die persische Regierung dies doch tun sollte. Wir haben der persischen Regierung im Sinne vorstehender Erklärungen dringende Vorstellungen gemacht, aber darüber hinaus keinen Druck auf sie ausgeübt.
Oberhaus.
London, 22. Novbr. Lord Lamington fragte, wie die Angelegenheit der persischen Anleihe von privaten Firmen stehe und ob Persien Anfang 1910 daran verhindert worden sei, irgend welche finanzielle Unterstützung dieser Art zu erhalten. Lord Herschel erwiderte namens des Auswärtigen Amtes, die britische Negierung habe nicht den Wunsch, und wenn sie den Wunsch hegte, würde sie gar nicht dazu in der Lage sein, Persien an der Erlangung eines Darlehens von privaten Quellen zu hindern, wenn Persien dies anstrebe, immer vorausgesetzt, daß irgend eine solche Anleihe in keiner Weise die Sicherheiten nachteilig berühre, die für den Dienst der britisch-russischen Darlehen bereits vorbehalten seien. Was die Frage anlange, ob Persien daran gehindert worden sei, eine Anleihe von privaten Quellen im Anfang des Jahres zu erlangen, so habe ein gewißes Syndikat in London im März Vorschläge bezüglich einer Anleihe an Persien gemacht, aber zu der Zeit seien Verhandlungen im Gange gewesen betreffs eines gemeinschaftlichen Darlehens von der britischen und russischen Regierung an Persien. Die Zahlung von Zinsen auf englische Darlehen sei bedeutend im Verzüge. Unter diesen Umständen habe die britische Regierung keine Möglichkeit zu einem anderen Vorgehen sehen können als der persischen Regierung mitzuteilen, daß, so lange die Verhandlungen schwebten und so lange nicht die Rückstände an Zinsen bezahlt worden seien, die britische Negierung nicht bereit sei, der Verpfändung irgend eines Teiles der öffentlichen Einkünfte seitens Persiens zuzustimmen. Als dann die Verhandlungen bezüglich des gemeinsamen Darlehns gescheitert seien, sei am 7. April der persischen Negierung durch die Gesandten Rußlands und Großbritanniens in Teheran eine Note überreicht worden, in der der persischen Regierung mitgeteilt worden sei, daß keine der beiden Regierungen gegen ein Darlehen von dritten Parteien opponieren würde, vorausgesetzt, daß die dargelegten Bedingungen beobachtet würden. Seit diesem Zeitpunkt sei Persien keine Mitteilung über Anleihen von privaten Quellen gemacht worden. Mehrere g-" - — — ........ ...—•
Es wäre noch über die weitere Durchführung des Bildes —« Raumeinteilung, Luftperspektive,Detailarbeit — zu sprechen. Das tritt ganz hinter der oben skizzierten Leistung zurück, da es selbstverständlich ist. Jedenfalls beweist Prof. Schultz allen jungen Künstlern, daß eine solide Technik für ein gutes Gelingen unerläßlich ist, ja, daß selbst die peinlichste Kleinarbeit — die hier verlangt wurde — die große Gesamtwirkung nicht stört, wenn sie sich unterzuordnen weiß.
Das Offizierkasino des 3. Eisenbahnregiments wird durch dieses Bild einen prächtigen Schmuck erhalten. Bevor es jedoch dort endgültig aufgestellt werden wird, soll es noch auf der Dezemberausstellung des Hanauer Kunstverein» gezeigt werden. D& F* ^
Kunst und teben.
Frank Wedekinds „Liebestrank" hat dem ^eTumftrl^ nen Verfasser die Pforten zur vornehmsten chens geöffnet. Man hätte gewünscht, daß Wedekind seinem Einzug im Nesidenztheater etwa °on fe nem SÄÄ
â! Dâ "k- bi-mi. den Wigen Arbeiten d-- Dichter-
nur die saloppe Form und die Vorliebe für Ironie und Selbstironie gemein hat. Diese Charakteristika allerdings so ausgeprägt, daß man auch den „Schwank" durchaus als urechten Wedekind ansprechen muß. Der Kern des Stückes, eine alte Anekdote, ist bekannt. Ein russischer Fürst, ein aus
gemachter Trottel, zwingt einen als Erzieher der Söhne auf sein Gut gelockten Zirkushelden, einen Liebestrank zu brauen. Der mit dem Tode Bedrohte hilft sich aus der Klemme, indem er das verlangte Elixier zur Stelle schafft, dem Fürsten aber als Bedingung der verheißenen Wirkung stellt, beim Trinken nicht an einen Bären zu denken. Die Unmöglichkeit der Erfüllung dieser Bedingung wird nun aufs lustigste variiert. Schließlich findet der Meile