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Die ebyelee Nummer laßet 10 Dffr
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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und FaudLreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann» und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die fütfgefvahei« Pettt^üe aber beten Raum 88 H^.
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BeremtweriL Redakteur: •. Schrecker le ^tetm
Nr. 196
Fernsprechanschlutz Nr. 605.
Dienstag den 23. August
Aerusprechaufchlus; Nr. 605. 1910
Amtliches.
I Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen:
1. der offenen Handelsgesellschaft in Firma: „Closetpapierfabrik Hanau Lang & Co." mit dem Sitze in Hanau;
2. der Inhaber dieser Gesellschaft:
a) Kaufmann Heinrich Lang von Hanau, jetzt unbekannten Aufenthalts,
b) Werkmeister Heinrich Mehrling in Hanau, wird zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen Lermin auf den
23. September 1910, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 5 in Hanau — Marktplatz Nr. 18 — Zimmer Nr. 5 — anberaumt.
Hanau den 15. August 1910.
*Königliches Amtsgericht 5. 18179
Bekanntmachung.
Nachdem bei einem Hunde dahier der Verdacht begründet erscheint, daß derselbe an Tollwut erkrankt war, ordnen wir hiermit gemäß § 38 des Reichsviehseuchengesetzes auf die Dauer von drei Monaten die Festlegung (Ankettung oder Einsperrung) aller in den Gemeinden, bezw. Gemarkungen Offenbach, Numpenheim, Bieber und Neu-Isenburg befindlichen Hunde an.
Der Festlegung gleichzuachten ist das Führen der mit einem sicheren Maulkorb versehenen Hunde an der Leine; jedoch dürfen Hunde ohne polizeiliche Erlaubnis aus dem gefährdeten Bezirk nicht ausgeführt werden.
Die Benutzung der Hunde zum Ziehen ist unter der Bedingung gestattet, daß dieselben fest angeschirrt, mit einem sicheren Maulkorb versehen und außer der Zeit des Gebrauchs festgelegt werden.
Die Verwendung von Hirtenhunden zur Begleitung der Herde, von Fleischerhunden zum Treiben von Vieh und von Jagdhunden bei der Jagd kann unter der Bedingung gestattet werden, daß die Hunde außer der Zeit des Gebrauchs (außerhalb des Jagdreviers) festgelegt oder mit einem sicheren Maulkorb versehen an der Leine geführt werden.
Wenn Hunde diesen Vorschriften zuwider frei umherlaufend betroffen werden, so kann deren sofortige Tötung angeordnet werden.
Offenbach den 20. August 1910.
Großherzogliches Kreisamt.
V 4917 Lochmann.
Politische Runds dtati.
Die Militärvorlave. Wie die Post schreibt, bestätigt es sich, daß die Militärvorlage in sehr bescheidenen Grenzen gehalten worden sei und im wesentlichen zunächst nur einige unaufschiebbare technische Forderungen für den Train, die Verkehrstruppen und die Fußartillerie bringe, sowie Provisorien etatsmäßig festlege. Die geplanten Neuaufstellungen bei der Kavallerie erledigten sich durch die Erklärungen des früheren Kriegsministers von Einem, an die sich auch der jetzige Minister General von Heeringen gebunden halte und wonach für den Fall der Erhöhung der Reiterei auf 510 Eskadrons weitere Forderungen für diese Waffe nicht erfolgen sollten.
Reichshaushalt. Der Reichsanzeiger meldet: Die Ergebnisse des Reichshaushalts für das Rechnungsjahr 1909 gestalteten sich nach dem Endabschluß der Reichshauptkasse, abgesehen von den auf die außerordentlichen Deckungsmittel angewiesenen Ausgaben im Vergleiche mit dem Etat in runden Summen. In dem Geschäftsbereich des Reichsamts des Innern ist eine Ueberschreitung von 1497 000 Mk. zu verzeichnen. Für das Reichsheer und bei den Kontingentsverwaltungen von Preußen, Sachsen und Württemberg, einschließlich des diese Verwaltungen abgehenden und mit einer Ersparnis von 3 685 000 Mark abschließenden Abschnitts des allgemeinen Pensionsfonds an fortdauernden Ausgaben 6 535 000 Mark weniger. An einmaligen Ausgaben sind dagegen 7 532 000 Mark mehr als angesetzt erforderlich gewesen. Bei der Marineverwaltung schließen die dauernden Ausgaben einschließlich dieser Ersparnisse mit 232000 Mk., bei dem entsprechenden Abschnitte des allgemeinen Pensionsfonds mit 1 626 000 Mark und den einmaligen Ausgaben mit 350 000 Mark weniger Aufwand ab. Bei dem Fonds des Reichsschatzamts ergibt sich bei den fortdauernden Ausgaben ein Weniger von 37 063 000 Mark. Bei den einmaligen Ausgaben wurden 11 985 000 Mark über den Elatssoll hinaus verausgabt. Bei der Reichspost und der Telegraphen- Verwaltung sind die fortdauernden Ausgaben mit 6 940 000 Mark, die einmaligen Ausgaben sind mit 148 000 Mark unter dem Voranschläge zurückgeblieben, ebenso ist bei der Reichseisenbahnverwaltung ein Weniger von 6 268 000 Mark, bei den fortdauernden von 95 000 Mark bei den einmaligen Ausgaben zu verzeichnen. Diè Einnahmen an Zöllen, Steuern und Gebühren haben den Voranschlag von Mark 72 188 000 überschritten. Die Einnahmen der Reichspost und der Telegraphenverwaltung sind mit 4 827 000 Mark hinter dem Etatsansatze zurückgeblieben. Die Ausgleichsbeträge für die nicht in allen Bundesstaaten gemeinsamen Einnahmen haben Mehrerträge. Die letzteren haben entsprechend ein Mehr von 1 394 000 Mark ergeben. Im
ganzen sind an ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reiche verbleiben, 72 678 778 Mark mehr emgekommen, während an Minderausgaben 40 618 303 Mark zu verzeichnen sind. Hiernach waren 126 460 318 Mark anstatt der vorgeschlagenen 239 757 900 Mark als Fehlbetrag vorläufig auf Anleihe zu übernehmen.
Abgeordneter Fuhrmann über die politische Lage. Der nationalliberale Volksverein Düsseldorf-Uecken- darf hatte für Sonntag nachmittag zu einem mit einer Sedanfeier verbundenen Volksfest eingeladen. Als Festredner war der Abgeordnete Fuhrmann erschienen. Der Redner warf in seiner Ansprache einen Rückblick auf den Krieg von 1870/71, besprach dessen Folgen und die durch die Kämpfe geschaffenen wirtschaftlichen Verhältnisse und verbreitete stch sodann über die gegenwärtige politische Lage. Bezüglich der durch die letzten Neuwahlen zum Reichstag gegebenen Ver- hâltniffe führte der Abg. Fuhrmann aus, das natürlichste sei, daß die breiten Massen des Volkes den radikalen Weg einschlagen werden. Das geschehe aber ohne Schuld der nationalliberalen Partei. Die Behauptung des Zentrums, die nationalliberale Partei hetze die Wähler in das rote Lager, falle in sich selbst zusammen. Die Nationalliberalen seien stets bereit gewesen, dem Reiche das zu geben, was ihm gehöre. Das Zentrum treibe aber eine Rache- und Mache- politik, die sich die nationalliberale Partei nicht zu eigen machen könne. Dann befaßte sich der Redner mit der preußischen Wahlreform, die wiederkommen solle. Der Standpunkt seiner Partei sei festgelegt. Die nationalliberale Partei fordere eine gerechte Vermehrung der Zahl der Abgeordneten und die geheime und direkte Wahl. Am Schlüsse seiner Ausführungen kam der Abg. Fuhrmann auf die gegen den Führer der Nationalliberalen, den Abg. Bassermann erhobenen Angriffe zu sprechen. Er wies sie als ungerecht und unehrlich zurück. Bassermann könne nicht als der Förderet des Zuges nach links oder der Träger des Großblock- gedankens gelten. Im Gegenteil habe er sich nach dieser Richtung hin als entschiedener Gegner ausgesprochen. Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung an die über 1000 Personen zählende Versammlung, jetzt und immer unermüdlich im Sinne der nationalliberalen Partei tätig zu sein.
Katholikentag.
Ausgsburg, 22. Aug. In der heutigen ersten ge. schlossenen Versammlung wurden zum Präsidenten Oberlandesgerichtsrat Marx-Düsseldorf, zum ersten Vizepräsidenten Graf Schönburg-Glauchau und zum zweiten Vizepräsidenten Reichstagsabgeordneter Speck-München gewählt. An den Papst, an Kaiser Wilhelm und den Prinzregenten Luitpold wurden Huldigungstelegramme abgesandt. Der ständig« Kommissar des Katholikentages, Graf Droste-Vischering, er-
Ueber te Verhältnis des modernen Lebens znr Natur. Wiederabdruck des Aufsatzes von Ern st Rudorff aus dem Märzheft 1880 der preußischen Jahrbücher.
(Schluß.)
Doch nicht nur eine Abwehr gilt es zum besten des feiner empfindenden Bruchteils der Gesellschaft, sondern noch mehr eine positive Sorge für das tiefer verstandene Gesamtge- deihen des Volkes. Das Erwachen einer echten, lebendigen Pietät für die Natur, eine volle Würdigung alles dessen, was an erhaltenden, reinigenden Mächten in ihr beschlosten ist, könnte von einer so segensreichen Einwirkung auf die Entwicklung aller unserer Lebensverhältniste sein, wie kaum etwas anderes. Wenn man sich entschließen wollte, die gesunden ursprünglichen Beziehungen des Menschen zur Natur, statt sie fortgesetzt zu zerstören, umgekehrt zu kräftigen, wo sie noch bestehen, sie wieder herzustellvn und neu anzuregen, wo sie vernichtet sind oder überhaupt fehlen — es würde nicht nur dem Schwammgewächs des modernen Touristenwesens dadurch ein guter Teil Nahrung entzogen, nein, geradezu eine Menge sozialen Giftstoffs würde nach und nach in der sich neubildenden Atmosphäre resorbiert werden. Es ist einmal irgendwo gesagt worden: „Jeder Mensch sollte einen Fleck Erde besitzen, den er sein Eigen nennt." Das ist viel verlangt und im buchstäblichen Sinn weder durchführbar noch notwendig. Aber das ist die Wahrheit in dem Satz: Jeder Mensch sollte lernen, sich irgendwo 3U Hause zu fühlen. Diese Kunst, die sich ehedem von selbst verstand, kommt uns mehr und mehr abhanden. Sie wieder zu beleben, dafür Sorge zu tragen, daß die Liebe zum heimatlichen Boden wieder eine Macht werde im Volksleben, das müßte als eine der vornehmsten und dringendsten Aufgaben unserer Gesetzgebung, unserer Verwaltung angesehen werden.
Es gehört dazu vor allem,, daß man der Landbevölkerung das Land nicht verleidet, daß man vorzüglich die Aermeren
nicht verführt, ihr Heil in der großen Stadt zu suchen. Das Prinzip der Ablösungen in einem bedeutenden Umfang aufzurichten, war gewiß seinerzeit unvermeidlich; daß man es bis in die äußersten Konsequenzen hinein verfolgt hat und noch immer weiter verfolgt, ist ebenso gewiß verhängnisvoll. Es geschieht immer wieder, daß gewisse Ideen, die von irgend einer Seite her einem augenblicklich stark empfundenen Bedürfnis entgegenkommen, nur um dieses einen Moments der Wahrheit willen von der Majorität mit einer solchen Leidenschaftlichkeit aufgegriffen, mit Wort und Tat in die Welt hinausgepredigt werden, daß hier eine Weile jeder Widerspruch gegen die Einseitigkeit ihrer Herrschaft verstummt oder ungestört verhallt. Es ist, als ob die schwere Artillerie über ein Saatfeld hinausjagte; Besinnen und Erbarmen gibt es nicht. Endlich einmal muß aber doch Halt gemacht werden. Könnte es auf diesem Gebiet nicht geschehen, ehe der letzte Halm geknickt ist? Sollte man nicht, noch ehe es ganz und gar zu spät ist, zu der Einsicht kommen, daß man Gold wegwirft, um Kupferdreier aufzulesen? Solange der gemeinsame Besitz einer Gemeinde an Anger und Weid'. '«och nicht geteilt ist, solange hat jeder Zugehörige, auch der Aermste, wenigstens einen unveräußerlichen Besitz: Das Recht, sein Vieh, sei es eine Kuh, ein paar Ziegen oder Gänse, umsonst zu ernähren. Wird geteilt, so ist das Fleckchen Land, das dabei für ihn abfällt, bald genug verkauft, wenn die Not an die Tür klopft. Solange eine Gemeinde das Recht hat, ihren Bedarf an Bau- und Brennholz alljährlich aus der Staatsforst sich anweisen, ihre Schweine unter den Eichen sich mästen zu lassen, ihre Kühe auf die Waldtriften zu treiben, wie im Harz, wo Inv vor kurzem das harmonische Geläut der Herden von einem Ende des Gebirges zum andern hinübertönte, a i wohl geborgen. Hat sie sich erst ..°ff"L/L 'wieder- mit barem Gelde, ser es mit einem Stuck Wal
um frei verkäuflich ist, so bedarf es nur ^s gewissenlosen Bürgermeisters und einer leichtsinnigen Mb .
Geld zur Verteilung unter die Einzelnen zu bringen und damit die Wohlfahrt der Gesamtheit gründlich für alle Zeiten zu ruinieren. Noch eins: die unmittelbare Folge der Ablösungen und Teilungen ist die Stallfütterung, deren nationalökonomische Vorzüge gepriesen werden. Da heißt es, man ziehe von dem ehemaligen Anger weit höheren Ertrag, man erreiche, daß nichts von Dungstoffen ungenutzt verloren gehe, man spare die Groschen, die dem Hirten als Lohn gegeben werden müssen, und was dergleichen mehr gerühmt wird. Es soll auch schade sein, daß die edle Menschenkraft, die sich hier in der Person des Hirten darstellt, auf eine so unwürdige und wenig einträgliche Weise vergeudet werde. Als ob es besser wäre, daß ein solcher Mann etwa dazu gebracht würde, das Kontingent des arbeitslosen städtischen Fabrikproletariats zu vermehren, statt das freilich sehr bescheidene, aber immerhin nützliche Amt des Gemeindehirten redlich zu besorgen, und dafür, wie das auf dem Lande ja bei weitem leichter geht, von seinen Nebenmenschen mit dem Notdürftigen versehen zu werden! Ist denn aber überhaupt anzunehmen, daß die Stallfütterung, wenn sie zu ausschließlicher Herrschaft gelangt, sich wirklich auf die Dauer als vernünftig erweisen kann? Ist es denkbar, daß nicht allmählich eine Degeneration des Viehes eintreten sollte, wenn es, gänzlich von der l^ren Luft abgeschnitten, jahraus, jahrein im dumpfen Stall steht I und liegt, ohne seine Muskeln zu gebrauchen? Ist es denk- I bar daß der Genuß des Fleisches, der Milch von solchem
Vieh nicht ebenso allmählich auch auf den menschlichen Organismus nachteilig einwirken muß? Die Natur wird schwerlich die Rache hier ausbleiben lassen, die sie überall nimmt, wo man ihren Geboten zuwiderhandelt. Nur daß die Rache im vorliegenden Fall sich freilich nicht an einzelnen Beispielen, kaum an den Erfahrungen großer Zeitläufte wird nachweisen lassen. Man hat es also bequem, Generationen hindurch daraufloszusündigen, bis die Hilfe zu spät kommt.