Celte 4
DonnekSta-
Spreebsaal.
Der Wochenmarkt in hiesiger Stadt.
Einsender erlaubt sich auf folgenden Mißstand deS hiesigen Wochenmarktes hinzuweisen:
Vielen hiesigen Hausfrauen dürfte eS schon vorgekommen sein, daß sie, im Begriff zu kaufen, von einem Aufkäufer daran durch die Bemerkung verhindert wurden, „ich habe alles gekauft und kostet betreffendes jetzt so und so viel mehr." Meiner Frau ist eS auf letztem Wochenmarkt passiert, daß ein Aufkäufer ihr statt deS vorher mit der Verkäuferin verabredeten Preises von 25 Pfg, für Kirschen, 30 Pfg. abverlangte mit dem Bemerken, „ich habe eben alles gekauft". Eine andere Verkäuferin, die für Erbsen 20 Pfg. verlangte, den Vorrat dem Händler aber nicht verkaufen wollte, suchte er zu überreden, solche mit 25 Pfg. zu verkaufen. Daß vorstehend« Beispiel trifft in gleichem Maße sür Geflügel und sonstige sämtliche Marktartikel zu. Schließlich haben es die Aufkäufer in der Hand, die Preise für die notwendigen Lebensmittel nach Belieben festzusetzen. Zn einer ganzen Reih« von Städten ist eS den Händlern nur in der von der zuständigen Dehärde festgesetzten Zeit gestattet, Waren auf den Märkten aufzukaufen. Bei den fortgesetzt steigenden Preisen für den Lebensunterhalt würde es mit Freuden begrüßt werden, wenn auch für den hiesigen Wochenmarkt «ntsprechende Maßregeln getroffen würden, -d.
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Die Waffenrot in Haimit und die Bäcker.
Wie bekannt, herrscht in Hanau Wassermangel, infolge* dessen in d«n Nachtstunden die Wasterleitung abgesperrt ist. Unwillkürlich fragt man sich, wie «S nun in den Bäckereien jugehen muß, die doch in den Morgenstunden für den Teig größere Mengen frischen Wassers gebrauchen und nun gezwungen find, vorher den Bedarf zu decken. Daß unter solchen Umständen Unzuträglichkeiten bei der Wasserauf- Hervahrung entstehen können, liegt auf der Hand. X.
Hus Dab und fern,
Ui* «ttnitat aus Rathaus and Retchrbauk.
Friedberg, 22. Juni. Die Sommerstille deS uralten Hessischen KreiSstädtchenS Friedberg ist heute jâh unterbrochen worden. Zwei Verbrechen schwerer Art, ein Bombenattentat und ein Raubanfall, wurden kurz hintereinander verübt. Solche Anschläge pflegten seither das Privileg großer Plätze zu sein, der Weltstädte, in denen das Verbrechertum sicherer als an kleinen Orten mit geringerem Verkehr. Es darf deshalb nicht Wunder nehmen, wenn die Wogen der Aufregung und deS Schreckens in dem Städtchen der fruchtbaren Wetterau ziemlich hoch gehen und die Bewegung jedermann ^griffen hat. Die Altstadt Friedberg wird von einem breiten Straßenzug, der Kaiserstraße, in zwei Teile geteilt. Alte âebelhäurchen im Baustil deS achtzehnten Jahrhunderts ehnen sich links und rechts aneinander, so dicht, daß selten :in Durchgang offenbleibt. Etwa im Mittelpunkt der Kaiser- iraßk liegt linker Hand das Rathaus, ein zweistöckiger Barockbau mit schönem Portalschmuck. Ueber dem schmalen Eingang steht die Jahreszahl 1774 und eine in die Wand eingelassene rote Steintafel erinnert in Goldschrift an den Iinzug Kaiser Wilhelm L hundert Jahre später. Zu beiden Seiten deS geräumigen Vorplatzes liegen im Parterre Räume: links die Polizeiwache mit drei Hastzellen, rechts eine Halle, m der allwöchentlich ein Buttermarkt abgehalten wird. Dahinter, dm Gefängniszellen gegenüber, befindet sich das Stadtarchiv. Im ersten Stock hat die Bürgermeisterei ihre Räume, ferner ist da die Stadtkaffe untergebracht. Das zweite Stockwerk enthüll das Polizei-Meldeamt, Wacht- siube und da« Zimmer deS Ort» -PolizeikommiffarS. Etwa 400 Schritte von dem Rathaus entfernt, steht auf der gleichen Seite da» Hau», in dem di« Reichbank-Nebenstelle hre Bureaus hat. Der Hauseingang befindet fich im Rücken deS Gebäudes, ziemlich versteckt. Die Nebenstelle verfügt nur über zwei Zimmer, die durch einen Vorplatz nach außen abgeschloffen find. Der Kaffenraum ist durch Drahtgitter gesichert. In einem Nebenzimmer, das nur vom Kaffenraum zugänglich ist, steht der eiserne Tresor. DaS Zimmer soll vorschriftsgemäß immer verschlossen sein, ebenso wie die Türe, ^ie vom Schalterraum in den Außenraum führt,
DaS Bombenatteutat.
Im Rathaus waren gegen 4 Uhr nachmittags etwa zwanzig Personen anwesend. In der Bürgermeisterei beschäftigte man sich gerade mit den Vorbereitungen für die Reichstagr-Stichwahl, als plötzlich daS ganze Haus erdröhnte. Im Augenblick waren alle Zimmer mit Rauch und Staub gefüllt, der von Mauern und Wänden kam. Ein Klirren und Krachen folgte der Detonation, die Scheiben fielen auf die Straße und drunten im Hausflur wankten Wände und Türen. Man eilt« hinaus, fand aber den Zugang nach lmten abgeschnitten : die Holztreppe war durch die Wucht der Explosion aus ihren Fugen gerissen und in sich zusammen- zebrochen. Alles stürzt« erschreckt an die Fenster und rief um Hüfe. Man glaubte an einen Brand und verlangte nach ver Feuerwehr. Auf Leitern wurden die Beamten auf die Straße heruntergeholt. Die Leute waren noch nicht in Sicherheit gebracht, als die Kunde von den
Raub in der Reichsbank kam. Der Bankvorsteher Meyer, ein kräftiger Mann, war allein im Bureau. Seinen Kaffenboten hatte er eben mit Aufträgen nach der Post geschickt. Meyer war gerade im Tresorraum damit beschäftigt, seine Aufstellung zu machen, «ne Arbeit, die allabendlich vorgenommen werden muß. Auf Tisch und Stühlen lagen die Geldvorräte, große und kleine Püpierscheine in Bündel gebunden. Der Bankvorsteher war ^ben vabei, die kleinen Scheine zu revidieren, als er sich eurem Fremden gegenübersah, eurem jungen Menschen, der «ne schwarze Mask« über da» Gesicht gestülpt hatte. Der
Beamte erriet sofort des Absicht des Eindringlings und setzte sich zur Wehr. ES kam zu einem verzweifelten Handgemenge, bei dem Meyer mehrere Schläge gegen den Kopf erhielt, die offenbar von einem harten Gegenstand herrührten. Schließlich hielt es der Räuber für geraten, den Rückzug anzutreten. Mit dem Rücken dem Ausgang zugewendet, feuerte er eine Reoolverkugel auf den Beamten ab, die nur die Stirn streifte. Dann floh der Einbrecher hinaus ins Freie. Draußen bestieg er ein frrmdes Fahrrad und eilte in der Richtung nach Nauheim davon, verfolgt von den alarmierten Hauseinwohnern, Polizisten, Passanten und einem Polizeihund. Auf der Flucht gab der Fremde fortwährend Schüsse auf seine Verfolger ab, von denen einer traf. Ein taubstummer Knabe von 13 Jahren, der zufällig auf der Straße war, erhielt eine Kugel in den Leib; er starb kurze Zeit darauf im Krankenhaus. Inzwischen ging die Jagd weiter. Der Räuber stieg vom Rad und eilte zu Fuß ins Feld, immer noch Schuß auf Schuß hinter sich feuernd. Der Polizei kam ein Automobil zu statten, das zufällig die Straße passierte. Auf einer Wiese in der Nähe des Friedhofs wurde der Fliehende eingeholt. Er war offenbar totmüde gehetzt und fmete sich nieder. Noch einmal richtete er die Waffe gegen die Schutzleute, dann schoß er sich selber mit der letzten Kugel in die Schläfe. Der Tod trat nach einigen Minuten ein. Irgendwelche Angaben konnte man nicht mehr erlangen. Bei dem Toten wurden aber Papiere vorgefunden, die Aufschluß über seine Personalien geben. Es ist der zwanzigjährige Chauffeur Barkenstein aus Halle a. S. Im Hotel hatte er sich unter dem Namen Friedrich Schmidt, Glasreisender aus Darmstadt, einlogiert. Auch fand man bei ihm einen Barbetrag von 4700 Mark, über dessen Herkunft noch nichts bekannt ist.
Im Rathaus waren indessen Untersuchungen angestcllt worden. Der ganze Bau wurde in einem Zustand der Verwüstung vorgefunden. Die Wände sind teilweise geknickt, die Decken gerissen, im Archiv, daS der Treppeneinsturz bloßgelegt hat, sind die Regale eingestürzt; die alten Bücher und Akten liegen wirr durcheinander. Die Bombe war direkt unter den Treppenaufgang gelegt worden. Der Täter hatte die nur 25 Zentimeter lange Zündschnur in Brand gesetzt, war dann auf sein Rad gestiegen und nach dem Hotel Burghof gefahren, wo er seit dem 15. Juni logierte. WaS er dort geholt hat, ist noch nicht festgestellt. Gleich darauf erschien der Attentäter aber wieder
in der Reichsbank um den geschilderten Raubversuch auszuführen. AIS der Kaffenbot« in di« Räume der Bank zurückkehrte, fand er daS Geld auf der Erde umherliegen. Man benachrichtigte sofort die Aufsichtsbehörde in Frankfurt. Bankdirektor Beling erschien mit einem Beamten und nahm die Revision vor. DaS Geld im Tresor stimmte auf Heller und Pfennig, ebenso wurde die Tageskasse vollständig in Ordnung gefunden. Die Summe, die man bei Barkensteiu fand, muß also anderswo herrühre«.
Die Recherchen.
Staatsanwalt und Polizei eilten sofort nach Friedberg, um den Tatbestand aufzunehmen. Aus Frankfurt erschien Polizeiasseffor Auerbach und die Kommissare Brummund und Wieland. Kommissar Wieland äußerte den Gedanken, daß zwischen dem Frankfurter Attentat vom 14. Juni in der Bockenheimer Landstraße und dem Friedberger ein Zusammenhang bestehe. In der Tat wurde in Friedberg eine gleiche Bombe verwendet wie in Frankfurt. Das läßt sich aus den Merkmalen ersehen, die hier und dort an den Wänden als Spuren zurückgeblieben sind. Sie sind gleich geartet, auch die chemische Untersuchung, die der Gerichtschemiker Dr. Poppe führt, dürfte das ergeben. Festgestellt ist, daß an beiden Verbrechen zwei Personen mitgewirkt haben. Der Bankvorsteher Meyer, der heute nachmittag noch nicht recht vernehmungsfähig war, will zwei Personen gesehen haben, von anderer Seite wird das bestätigt. Barkenstein wohnte seit dem 15. Juni im Hotel Burghof. Er war elegant gekleidet und trug wiederholt einen schwarzen Reisekoffer mit sich durch die Straße, wohl in der Absicht, den Reisenden zu markieren. Gestern befand sich der Attentäter in einer Wirtschaft in der Nähe des Bahnhofs und beauftragte einen Dienstmann, den Koffer nach dem Hotel zu bringen. Dabei empfahl er dem Mann äußerste Vorsicht an, er möge nirgends widerstoßen, weil der Koffer Glas enthalte. Die beiden Attentäter hatten sich übrigens gut mit Bomben versehen. Nach dem Attentat fand man vor dem Bankhaus ein Fahrrad mit einem' Päckchen, in dem Zündschnur mit Kapseln und zwei birnförmige Blechbomben von 9 Zentimeter Länge und 5 Zentimeter Durchmesser enthalten waren. Man legte den Fund in einen Eimer Wasser und verbrachte ihn außerhalb der Stadt, wo er von Polizisten bewacht wird. Im Ofen des Zimmers, das Barkenstein bewohnte, fand man ferner eine grün überzogene Papphülle, auf der in deutscher, englischer und französischer Sprache zu lesen ist: „Diese Hülle ist abzunehmen, bevor die Batterie in Gebrauch genommen wird." Auch sonst machte sich der Attentäter im Hotel verdächtig; er verstopfte alle Schlüssellöcher in seinem Zimmer mit Papier. Die Polizei fahndet jetzt eifrig nach dem zweiten Verbrecher, der im gleichen Alter wie Barkenstein stehen soll. Er wohnte nicht mit diesem zusammen, vielleicht in Nauheim oder in Frankfurt. Täglich trafen sich die Beiden an einem andern Ort. Nach dem Attentat soll er sich umgekleidet und die Stadt im Sportkostüm verlasseu haben. Wohin ist unbekannt. (Frkf. Ztg.)
8t. HelDenbergöN, 23. Juni. Einem bedauerlichen Unfall ist gestern der in den sechziger Jahren stehende Gastwirt Pauly von hier zum Opfer gefallen. Er stürzte vom Bock einer Graswendemaschine, an der die Pferde scheuten und brach das Genick. Der Tod trat auf der Stell« ein.
§§ Streitberg, Kr. Gelnhausen, 21. Juni. Heute nachmittag gegen 3 Uhr ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall. Der Maurergeselle Voltz aus Hettersroth, der bei der Renovierung der Scheune deS Landwirts Reifschneider in Gtreitberg beschäftigt war, stürzte, al» er neue Ziegeln auf das Dach legen wollte, vom Dachfirst der ziemlich hohen Scheune in die Tiefe. Der Unglückliche trug einen Arm voll Ziegeln, die ihm den Arm fast völlig zertrümmerten. Auch sollen innerliche Verletzungen sehr schwerer Natur vorhanden sein. Der Schwerverletzte, der erst 19 Jahre zählt, wurde heute abend sofort in das Landkrankenhau» in Hanau überführt. Die erste Hilfe leistete Herr Dr. med. Hensel- Schlierbach.
Friedberg, 22. Juni. Der „Hessische Kamerad" bringt in seiner heutigen Ausgabe folgenden Aufruf des Präsidiums der „Hassia" : Bei der am 14. d. Mts. stattgehabten Reichstagsersatzwahl ist ein endgültiges Ergebnis nicht erzielt worden. In der für den 24. d. MtS. anberaumten Stichwahl steht der Kandidat einer bürgerlichen Partei gegenüber dem Kandidaten der Sozialdemokratie. Kameraden! In der Satzung des Verbandes selbst, wie in denjenigen aller hessischen Kriegervereine, die dem Verband angehören, habt Ihr Euch verpflichtet, niemals die Sozialdemokratie, welche unseren Idealen, Kaiser, Fürst und Reich grundsätzlich feindlich gegenübersteht, zu unterstützen. Dies geschieht jedoch, wenn Ihr einen Angehörigen der Sozialdemokratie in den Reichstag wählt. Auch Stimmenthaltung kann bei der Wahl Unterstützung bedeuten. Wir erinnern Euch heute an dieses Euer Soldatengelöbnis, wie wir eS im Jahre 1907 getan haben und erwarten von Euch, daß Ihr Mann für Mann am Wahltag im Sinne der Satzung Eure Schuldigkeit tun und Eure Stimme zu Gunsten des Kandidaten abgeben wertet, der zu unserem Wahlspruch schwört: „Mit Gott für Kaiser, Fürst und Vaterland!” d. h. zu Gunsten des Herrn Rechtsanwalts Dr. von Helmolt in Friedberg.
Vilbel, 21. Juni. Heute früh ist hier das fünf Jahre alte Kind der Eheleute Pulver aus dem Dachstock der elterlichen Wohnung gestürzt. Das Kleine blieb sofort tot.
(:) Frankfurt a. M., 22. Juni. Die Landes-Obst- und Gartenbau-Ausstellu g, die bekanntlich vom 7. bis 16. Oktober in der Festhalle zu Frankfurt a. M. stattfinden wird, bildete die Tagesordnung der am Samstag in Limburg a. d. Lahn stattgehabten Sitzung des Vorstandes des Nassauischen Landes-Obst- und Gartenbau-Vereins, in welcher auch Vertreter der Landwirtschafts-Kammer für den Reg.- Bez. Wiesbaden erschienen waren. Nach einleitenden Bemerkungen des Vorsitzenden, Herrn Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Wortmann, erstattete der Kgl. Gartenbauinspektor Junge, Geisenheim, den Bericht über die Vorarbeiten. Es kann, so führte er aus, schon heute mit Bestimmtheit gesagt werden, daß die Ausstellung an Umfang und Reichhaltigkeit alle ähnlichen Veranstaltungen in den letzten Jahren übertreffen dürfte. Für den Ortsausschuß, der zur Durcharbeitung des gartenbaulichen und dekorativen Teiles der Ausstellung in Frankfurt a. M. gebildet ist, berichteten die Herren Obergärtner Kraus und Berg über die lebhafte Teilnahme, die die Ausstellung in den Kreisen der Landschaftsgärtnereien unb Bindereien besonders in Frankfurt a. M. gefunden haben, so daß auch diesem Aus« stellungstcile sehr günstige Aussichten gestellt werden können. Nachdem sich noch Herr Direktor Medlinger, Frankfurt a. M., in ähnlicher Weise über die Aussichten der Beschickung des industriellen Teiles ausgesprochen hatte, machte der Vorsitzende des Finanzausschusses der Ausstellung, Herr Kommerzienrat Robert de Neufville, einige Mitteilungen, die die Finanzierung des Unternehmen« betrafen. Im Anschluß an diese Berichte der einzelnen Obmänner entwarf Herr Gartenbauinspektor Junge ein anschauliches Bild von der Ausstellung, ihren Wünschen und Zielen, und seine Darlegungen, die von der zahlreich besuchten Versammlung mit vielem Interesse ausgenommen wurden, zeigten die Bedeutung, die die Ausstellung nicht nur für die Obst- und Gartenbau treibende Bevölkerung des Nassauischen Landes, sondern auch für das große Publikum besitzt.
Aschaffenburg, 21. Juni. Der noch ungesühnte Mord am Büchelberg, der jetzt sieben Jahre zurückliegt und dem, wie erinnerlich, ein Mädchenleben zum Opfer fiel, macht hier plötzlich wieder von sich reden. Ein Geistlicher im Bachgau soll der Staatsanwaltschaft Mitteilungen gemacht haben, die auf einen Schlosser namens Jakob Regner als Täter hinweisen, der damals als Handwerksbursche sich hier aufhielt und am Tage nach dem Morde in Großostheim ein goldenes Kreuzchen verkaufte, das die Anfangsbuchstaben des Namens der Ermordeten (Josefine Haas) aufweist. R. soll übrigens mittlerweile gestorben sein.
Weèferrau, 20. Juni. Die Ehefrau des Maschinisten Manutschka hat sich gestern in einem Anfalle von Schwermut erhängt. Sie hat in letzter Zeit mehrfach Spuren von Geistesgestörtheit gezeigt.
X. Csfsel, 21. Juni. Der Kaiser hat der Witwe deS eben verstorbenen langjährigen Intendanten unserer Hofbühne, des Frhrn. Adolf von und zu Gilsa, Exzellenz, folgendes Beileidstelegramm übersandt: „Schmerzlich bewegt durch die Meldung von dem Hinscheiden Ihre« Gatten, spreche ich Ihnen mein wärmstes Beileid zu dem schweren Verluste aus. Die treuen Dienste des Verewigten und seine liebenswürdige Persönlichkeit werden mir unvergeßlich sein. Wilhelm R.”
Koblenz, 21. Juni. Der Kaiser hat an das Ober- präsidium folgendes Telegramm gerichtet: „Voll innigem Mitgefühl mit den von der entsetzlichen Wetterkatastrophe betroffenen Bewohnern des schönen Ahrtales, deren Schaden an Blut und Gut in seinem so ganz traurigen Umfange jetzt zu übersehen ift isi es mir ein Bedürfnis des Herzens, zur Linderung der größten Not auch Meinerseits ein Scherflein beizutragen. Ich habe daher eine Summe von 10 000 M. zu Ihrer Verfügung gestellt und meine Schatulle zu ihr^r Zahlung an Sie angewiesen..