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Erstes Blatt.

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WiMjLhrkich 1,80 DL. menatli* 80 Dkg., ffr et* mistige Mennentai mit bau betret imbrn Pvftausschtat.

Die etnjeine Stumme* testet 10 Wz.

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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Sanaa.

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Erscheint tâqlich mit Ausnahme bet Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Bereu (MdL Rebafteut:. Schrecke, fr (am

Nr. 94

Aernsprechanschlitsr Nr. 605.

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18 Seiten.

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Amtliche».

Stadtkreis Fyanau.

Zwecks Nuslühnmg von NeudeckungSarbeiten wird die Neue Tlttlage zwischen Auheimerweg und Grimmstraße vom 25. d. Mts. ab auf die Dauer von 8 Tagen für den öffentlichen Fährverkehr gesperrt.

Hanau den 21. April 1910.

Königliche Poli ei-Direktion.

P 4556 Frhr. 8 aur.

Bekanntmachung. .

Arbeitsuchende in der Zeit vom 16. bis 22. April 1910:

1 Cigarrenmacherin, 1 Gärtner, 8 Sans' burschen, 1 Kernmacher, 9 Tagelöhner.

Hanau den 22. April 1910. 9897

Städtische Stebeitsvermittelungsstelle.

Gefundene lind ucrlorcHt Gtltenslniiderr.

Gefunden: 1 braunes Herrenportemonnaie mit dem ?iamen I. Mohn III. (Inhalt: 75 Pfg. und eine Fahrkarte LangenselboldHanau), 1 Portemonnaie mit einem Pfand­schein re.

Verloren: 1 rotes Damenportemonnair mit über 3 Mk. Inhalt.

Entlaufen: 1 schwarz-gelber Dobermannpinscher w. Geschl (Flora).

Hauau den 23. April 1910.

Hus Hab und fern.

Die Beisetzung des Krise« Waldcuiur mu Driulu.

Büdtsheim, 22. April. Wie schon gemeldet, traf die Leiche des verstorbenen Reichstagsabgeordneten Grafen von A riola am 20. d. M. hier ein, nachdem zuvor, am 18. d. M., am Geburtstage der Gräfin, im Palasthotel zu Berlin vom evangelischen Pfarrer B er n b e ck aus Büdesheim in An- Wesenheit der nächsten Angehörigen bei Verstorbenen, sowie bei Ministers des Innern v. Moltke, bei König!. Haus- minifkrl Grafen v. Wedel nebst Gemahlin, des Legations­rates v. Eichhorn die Einsegnung staltgefunden hatte. Als die Leiche am Bahnhof Büdesheim eintraf, wurde sie von dem Bruder des Verstorbenen, dem Grafen Roderich von Oriola aus Berlin und den nächsten Anverwandten der Gräfin, dem Hauptmann a. D. v. Buttlar aus Hanau und dem Rentier Soinmerhoff aus Hanau in Empfang genommen. Mit dem Bürgermeister Otto an der Spitze hatte sich fast die ganze Gemeinde eingefunden, um den Verstorbenen zu ehren. Der Sarg, getragen von Mitgliedern bei Kirchen- Vorstandes, wurde in die evangelische Dorskirche, deren Patro­natsherr der Verstorbene gewesen ist, übergeführt und vor dem Altar zwischen Blumen und K'ânren ausgebahrt. Pfarrer Berndeck sprach, nachdem der Kirchenchor die Trauerfeier durch Gesang eingeleitet batte, ein Gebet.

ü Büdesheim, 22. April. In den Gottesacker des altehrwürdigen Dörfchens Büdesheim wurde heute nachmittag dir sterbliche Hülle des Grafen Waldemar von Oriola zur Ruhe gebeitet, ganz seinem Wunsche gemäß in das Rauschen und Blühen seiner lieben hessischen Wetterau. Schon von der. Mittagsstunde an war das stille Gotteshaus das Ziel Vieler, die ihrem verstorbenen Grafen den Scheidegruß in Form von Blumeuspeuden darbra^tn. Um den Sarg lagen Kränze bei Landgrafen von Hessen aus Schloß, Philippsruke, der Erbprinzessin Leopold von Auhatt, des Prinzen von Schönaich-Carolath, des Fürsten von Den- burg-Büdingen, des Reichsmarineamts, bei deutschen Laud- wirlicha'lsrales, bei hessischen Laudesoorstandes des Bundes der Landwirte, der deutsch-konservativen Partei, des portu­giesischen Gesandten aus Berlin, der Frau v. Wildeitbruch aus Berlin, des Riddertalsängerbundes usw. Kurz vor der kirchlichen Feier erschieneu noch mit Kranzspenden der kom­mandierende Gene» al des 18. Armeekorps v. Eichhorn, der Hausmarschall Frhr. v. Lyucker, der eine Kranzspende des Kaiserpaares niederlegte, eine Offiziersdeputation bei Hailauer Ulanenregiments.

Samstag de» 23. April

Die Trauerfeier in der Kirche.

Das Kirchlein, in dem die Trauerfeier statt* fand, konnte leider nur einen Ilenen Teil der Teile Nehmer fassen. Von den nächsten Anverwandten waren er» schienen neben der Gräfin-Witwe Graf Roderich von Oriola und Gemahlin, Hauptmann a. D. v. Buttlar und Gemahlin, Rentier S o in in e r h o f f und Gemahlin, Oberstleutnant v. D o n i n und Sohn au» Wiesbaden, ferner all Leidtragende der Hausmarschall Sr. Maj. des Kaisers Flhr. v. Lyncker, die Hofdame I. Maj. der Kaiserin Frl. v. Gersdorff, der kommandierende Gene, al bei 18. Armeekorps v. Eichhorn, General der Kavallerie z. D. und Flügeladjuiaut Sr. Maj. des Kaisers v. Deines aus Hanau, der Hofmar'chall Sr. Köuigl. Hoheit des Groß- Herzogs v. Hessen Frhr. v. Riede s e l, der Reich»- und Landtagsabgeordnete Osann auS Darmstadt, der Vize­präsident der hessischen Zweiten Kammer Abg. Korell, die hessischen Abgeordneten Bähr und Breitenbach, eine Deputation des Offizierkorps vom Hanauer Ulanen- Regiment (Major v. G o e r s ch e n, Rittmeister Schwartz, Oderlt. v. G ü n t h e r), Landrat Valentiner aus Schlüchtern, Generaldirektor Dr. Hoffmann aus Mainkur, Vertreter bei Kreises Friedberg, der Provinzial- direkion der Provinz Oberhrssen, des Kreistage- und ProvinziallandtageS, Vertreter bei Verbandes deutscher Kriegsveteranen, des Hanauer Vereins deutscher Krieg-- Veteranen mit Fahne, bei Bunde» deutscher Militäranwärter usw. Die Trauerfeier leitete die vom kommandierenden General nach Büvesheim befohlene Hanauer Ulanenkapelle mit einem Musitvortrag ein, dann spielte die Orgel ein Präludium und nach dem Gesang der Gemeinde hielt der evangelische OrtSgeistliche, Herr Pfarrer Bernbeck, über 1. Ror. 13,13 eine überaus weihevolle

Trauerrede, die wir nachfolgend wiedergeben:

Im Herrn geliebte Trauerversammlung, In Christo geliebte Leidtragende! .Nun aber bleibet Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen*, da« soll der letzte Gruß sein, womit wir den teuren Heimgegangenen, an dessen Sarg wir un- au- nah und fern so zahlreich versammelt haben, noch einmal grüßen wollen, ehe wir seine sterbliche Hülle hinabsenken in den kühlen Schoß der heimatlichen Erde. Und wenn wir diese Worte de- Apostels Paulus über das Leben bei teuren Toten setzen, so hat dies seinen ganz besonderen Grund. Stehen doch diese Worte hier am gräflichen Stuhl in unserem trauten Gotteshaus, gleichsam all Wahlspruch in unserer gräflichen Familie. Durch eine besondere Fügung noch hat der teure Verstorbene diese» Wort aul dem hoben Lied der Liebe sich zum Sterbetext gewählt. Vor wenigen Tagen noch wollte er seiner viel- geliebien Gattin dieses Apostel wort all Widmung in ein neues Testament schreiben, das er ihr als Geburtstags­geschenk zugedacht hatte. Doch all er sah, daß dieser Spruch im 13. Kap., im 13. Vers des 1. CorintherbriefeS stand, meinte er, die Worte seien wobl schon, um sie einem lieben Toten als letzten Liebesgruß ins Grab nach­zurufen, aber sie paßten nicht so recht fürS schöne fröhliche Leben hier auf Erden. Jetzt wollen wir sie ihm selbst Nachrufen zum letzten Lebewohl: Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. Ach wie haben die Worte für uns doch so einen tieftraurigen Klang, es klingt da»innen heißes Abschiedswth und weinende Wehmut nach. Vor wenig Tagen noch ein rüstiger, tätiger Mann, in der Vollkraft der Jahre, voll Schaffensfreudigkeit und Arbeitslust mitten drinsteheud in einem reibgesegneten Wu kungskreis. Nun aber ruht sein rastlos tätiger Geist, sein treues Auge ist gebrochen und sein gutes Herz hat aufgehört in Liebe zu schlagen. Aber haben wir weiter nichts zu sagen in dieser Stunde? Was bleibt uns beim von diesem Manne, den wir alle so lieb, so lieb gehabt haben, den wir alle so innig vereinen ; von dem Manne, dessen Lebeii nur »dem Dienst des Wahren, Gttlen, Schölten geweiht ivar ? Was bleibt der tieftrauerud n Familie, der schwerge­prüften, schiverheimge'uchten Gattin, die alle so unendlich v'el an ihm verloren? Auf bie'e Fragen, die in dieser Stunde aus baitgem Herzen aufsteigen, ruftl uns der Dreiklang der Glocken, rufis uni der teure Tote selbst zu als Siegeswort, als Trillmphgcsang: Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, biese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. Ja, wir ivollen Gott danken, daß noch etwas bleibt in dieser Welt des Wandels und des Wechsels, in dem tiefen Weh des Scheidens von der Erde. das niemanden erspart bleibt.

ftmifyrtdirtnfdjhiß Nr. 605. 1910

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Wa4 wäre denn unser Leben, wenn alle» rettung-IoS dahin- sänke, wenn wie brr Menschenleib auch jene Herrlichkeit verblühte, die Gottes Wort verheißt, wenn der Grabeshügel, der einst unsere sterbliche Hülle deckt, auch der Grenzstein unseres Daseins überhaupt wäre 7 Unser Leben wäre ein unlösbar widerspruchvolleS Rätsel, ein wertlose» Bruch­stück, ein Kampf ohne Sieg, eine Hoffnung ohne Erfüllung, ein Weg nicht aufwärts zu den reinen, ewigen Höhen bei Vaterhauses, sondern niederwärt» in den Sianb der Erde. Aber Gott sei Dank, das Beste bleibt, und wir Menschen sind zu etwa» Höherem geboren, all unterzugehen in bei Erde Staub. Wie drei Ewigkeit-säulen ragen burdi die Flucht der Jahrhunderte jene drei, Glaube, Hoffnung, Liebe hervor und grüßen un- wie Gotte» Sterne in dem Dunkel unsere» ErdenlebenS, stellen sich über diese» Grab, um un» noch einmal zu sagen, waS der teure Heimgegangene un» war, und warum wir ihn nicht vergessen können. Glaube, Hoffnung, Liebe, da» waren die edlen Grundzüg« des Mannes, dessen Heimgang wir so tief betrauern. In ihm lebte ein starker, mächtiger Glaube, der gegründet war in der Tiefe seine» religiösen Bewußtsein». Wie er ein durchaus selbständiger Charakter war, so trug auch sein Christentum ein durchaus persönliche» Gepräge. Aeußerlich gehörte er unserer evangelischen Kirche nicht an, aber er hat mir gegenüber bei öfteren zum Ausdruck ge­bracht, daß er dem Wesen der evang. luth. Kirche inner­lich nahe stände. Er hal'S, waS die Hauptsache ist, nicht mir bekannt mit seinen Lippen, sondern auch bewährt durch sein ganze» Wirken und Schaffen, daß der Glaube an Gott, dem treuen Vater im Himmel und den Erlöser Jesu» Christus der Fels war, auf den sein Leben sich auf* baute. Er gehörte zu den Männern, die trotz aller An­forderungen des modernen LebenS, der Wissenschaft und der Bildung, daS Beste und Höchste nicht vergaßen, die Knie zu beugen vor dem lebendigen Gott. In diesem Glauben wurzelten seine ernste Auffassung von Pflicht und Arbeit, in ihm beruhte sein freudiges Vertrauen auf den Sieg alle» Guten, die Freude an den Menschen. AuS diekem Glauben entsprang ihm auch die Hoffnung, die fröhlich in die Zukunft schaute, ja, weit hinaus über dieses von Dunkelheiten umlagerte Erdenleben, in ein Reich des Frieben» und der Herrlichkeit. Glaube und Hoffnung ließen ihn all die schmerzlichen Erfahrungen, all den Undank der Menschen tragen mit kindlich vertrauendem Gemüte. Ja, ein kindliche» Gemüt besaß der teure Tote, bei aller Großzügigkeit seine» Charakter-, bei seinem reichen Wissen und seiner umfassenden Bildung. Die Liebe aber ist di« Größte unter ihnen, so heißt e- weiter in dem Apostel­wort. Die Liebe war bie größte Macht in dem Leben bei Verstorbenen, sie war da» Innerste seines Wesen». Mit welcher Liebe hing er an seiner Gattin, sein ganze» Leben war ja nicht» andere- als Liebe für sie und Sorge um sie. Treue aufopfernde Liebe, die bangte und sorgte in jenen Tagen der schweren Krankheit. Wem es ver­gönnt war, dem Hause bei Verstorbenen näher zu stehen, der konnte einen Hauch bei inn gen, glücklichen Familien­leben» verspüren. Für die Gatlin, mit der er fast drei Jahrzehnte in inniger Liebe verbunden war, hat er gesorgt noch in den letzten Tagen der Krankheit, gesorgt, so lange ihm das treue Herz geschlagen, gesargt, so lange er ge- standen auf dem Kampfplatz diese» Leben». Mit herzlicher Liebe hing er an seinen Geschwistern, an seiner engeren und weiteren Verwandtschaft. Wie schwer ward ihm der Gang, ben er vor nunmehr 3 Jahren hinter dem Sarge des einen teuren Bruders, der auch in der Vollkraft der Jahre von dem grausamen Schnitter Tod dahingerafft ivard. Er war ein Vorbild herzlicher aufopfernder Freundschaft. Wie mancher unter uns hat diese Freundschaft, die zu jedem Opfer bereit war, erfahren dürfen. Siandesmiter- schiede kannte er nicht, frei und offen verkehrte er mit jedermann. Ihr, ihr Untergebenen habt mehr verloren als einen Herrn, ihr habt einen treu, natürlich fürsorgen- den Freund verloien. Was der teure Entschlafene aner­kannte im Lebeit, roorauf er Wert legte vor allem, daS war die Treue, die persönliche Tüchtigkeit, das war das ernste Streben, ein offener Sinn und die frische Tat. Und wo er diese Eig n'chaflen fand, da gab er gern treue, herzliche, hingehende Freundschaft. Er haßte das Niedrige und Gemeine, die Lüge und allen Schein, dafür wollen wir ihm danken mit der Liebe, die nimmer aufhort, bie hinausgeht über Tod und Grab. Wir wollen sein An­denken ehren, inbem wir groben, ihm ähnlich zu werden in der Liebe zu unserem teuren deutschen Volke. O, wie fällig ihm sein Herz so warm für unser Volk, rote wurde er nicht müde, sich der Armen unb Bedrängten anzu» 'leimen 1 Seine Liebe zu unserem Volk« war aearündet