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nehmen. Der Konsul begab sich mit einem Drago man und einem angesehenen Mitglied der deutschen Kolonie, dem Württemberger Unger, der als Sachverständiger dienen sollte, nach Neuharthof. Dort trafen sie zusammen mit dem Staats­anwalt, einem Gerichtsarzt und zwei Gendarmen, von etwa 150 Männern und Frauen auS dem benachbarten Tirsch mit Geschrei und dem Rufe empfangen, die Deutschen hätten den Mann getötet. Während der Konsul sich zur Leiche begab, fielen mehrere Tirioten über den beim Wagen zurück­gebliebenen Unger her, schlugen ihn hinterrücks zu Boden und schossen ihn unter den Augen des Konsuls und der türkischen Gerichtsbehörden mit sieben Kugeln tot. Die Tirioten ergriffen sämtlich die Flucht; die Namen einiger Täter konnten jedoch festgestellt werden. Der Konsul ver­langte von den türkischen Behörden die sofortige Verfolgung und die Bestrafung der Täter sowie die Entsendung von Soldaten zum Schutz des einsamen Neuharthofs. Zwölf Soldaten wurden im Laufe des Tages dorthin gelegt; von Beirut ist der türkische Stationär mit einer Kompanie nach Haiffa abgegangen. Der Wali von Beirut trifft die um­fassendsten Maßregeln, um die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen und wird sich, wenn notwendig sein sollte, selbst nach Haiffa begeben. Der deutsche Geschäftsträger in Kon­stantinopel begab sich gestern zu dem Minister deS Aeußern und ersuchte um die Bestrafung der Schuldigen und Schutz für die deutschen Kolonisten. Der Minister versprach, die nötigen Maßregeln sofort zu veranlassen.

Deutschland bei der Hundertjahrfeier in Chile.

Berlin, 20. Juli. Der Kaiser hat, wie dieV. Z." hört, den stellvertretenden Präsidenten des ReichSmilitärgerichts und General-Inspekteur deS Militär-Erziehungs- und Bil- dungswösens, General der Kavallerie v. Pfuel, der dem KönigS-Ulanen-Regiment in Hannover â la suite angehört, beauftragt, sich mit dem Hauptmann das Kaiser-Franz-Garde- Grenadier-Rsgt. Nr. 3 o. Delow, sowie dem Leutnant des L Garde-RegtS. z. F. Frhrn. v. Bodenhausen und den Leutnants des Leib-Garde-Husaren-RegtS. und des Kaiser- Alexander-Garde-Grenadiar-RegtS. Nr. 1 Grafen zu SolmS- Sonnenwalde und Holthoff v. Faßman nach Chile zu be­geben, um die deutsche Regierung bei der im September stattfindenden Hundertjahrfeier der chilenischen Unabhängig­keit zu vertreten. Der hiesige chilenische Gesandte Augusto Matte gab zu Ehren dieser Militärtommisston in seiner Wohnung ein Festmahl, an dem außer den Genannten u. a. der neue Gesandte in Chile, Geheimrat v. Erckert und der neue hiesige Gesandt« v.BolivienLuisSalinaS-Vega leilnahmen. Während des Mahles prieS der Gesandte Matte die hohe Ehre, die Chile durch die Entsendung der Militärkommisston zuteil werde, gedachte der guten deutsch-chilenischen Beziehun­gen und schloß mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelm. Der Gesandte v. Erckert trank auf das Wohl und Gedeihen der Republik Chile.

Ein Versuchsballon.

(Nachdruck verboten.)

Man schreibt uns aus Berlin vom Mittwoch:

DieTribuna" weiß von einer bevorstehenden Ver« finberung der politischen Stimmungen in der Türkei zu be­richten : btt gegenwärtige türkische Regierung wolle ihr Heim in einem möglichst engen Anschlusse an den Drei­bund suchen.

Man wird in dieser Meldung einen Versuchsballon zu erblicken haben: das einflußreiche italienische Blatt möchte gern feststellen, welche Wirkung seine Meldung in Berlin und Wien ausübt und es möchte daraus möglichste Gewiß­heit über die gegenwärtigen Beziehungen zwischen Deutsch­land und Oesterreich-Ungarn auf der einen Seit« und der Türkei auf der anderen gewinnen. Daß die Meldung des Blattes keine tatsächliche Unterlage hat, geht schon daraus hervor, daß in Verbindung mit den Verhältnissen auf dem Balkan von dem Dreibunde spricht. Wenn schon in manchen anderen Fragen die Geschlossenheit deS Dreibundes nicht immer zweifellos ist man denke nur an Marokko, so kann man bei den Balkanfragen schon gar nicht von dem Dreibunde als einem einheitlichen Faktor sprechen. Denn auf dem Balkan bestehen seit Jahren Gegensätze zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien, die nur mühsam verkleistert werden konnten. Man denke beispielsweise an die Donau- Adria-Bahn, bei der Italien eine den Interessen Oesterreich- UngarnS entgegengesetzte Haltung eingenommen hat. Aehn- lich verhält es sich in der albanischen und in zahlreichen an­deren Fragen. Dazu kommt noch, daß bei der Zusammen­kunft in Racconigi Abmachungen zwischen dem russischen Kaiser und dem italienischen Könige getroffen sein sollen, die keineswegs int Sinne der österreichischen Interessen ge­halten sind. Endlich sei noch daran erinnert, daß in der gegenwärtig brennendsten Balkanfrage, in der kretischen An­gelegenheit, Italien zu den sogenannten Schutzmächten gehört, während Deutschland und Oesterreich - Ungarn bekanntlich außerhalb dieses Konzertes stehen.

Aus alledem geht hervor, daß es geradezu sinnlos ist, bei den Balkanangelegenheiten von dem Dreibunde zu sprechen. Solange wenigstens sinnlos, als Italien nicht eine ganz andere Haltung einnimmt, wofür aber noch keine Anzeichen vorhanden sind. Das italienische Blatt ist wohl zu seinem Aufdenbuschklopfen durch die Meldung veranlaßt worden, daß je 30 türkische Offiziere demnächst in Oesterreich-Ungarn und in Deutschland militärischen Studien obliegen werden und es schließt daraus auf eine Intimität, über die es gern Näheres erfahren würde. Tatsächlich besteht eine solche In­timität zur Zeit noch nicht. Es ist vielmehr nur etwas Negatives festzustellen, nämlich daß die Begeisterung der gegenwärtigen jungtürkischen Regierung für England einen starken Stoß erlitten hat. Richtiger vielleicht eine ganz große Anzahl von Stößen, so beispielsweise die Haltung Englands in der kretischen Frage, diè Förderung der Unruhen in Arabien durch die Engländer, die ungerechtfertigten Ansprüche Englands in der Angelegenheit der Schiffahrt auf Euphrat und Tigris. Einen neuen Grund der Verstimmung gegen England bildet der vollständige Mißerfolg der mit so großer

streit««

Reklame eingeleiteten Willcorschen Bewässerungsarbeiten in Mesopotamien, durch die nicht Nutzen gestiftet, sondern Schaden angerichtet worden ist. Die Geldmittel der jungen Türkei sind zu knapp, als daß sie für solche schädlichen Experimente verausgabt werden könnten.

Trotz alledem ist an eine vollständige Abkehr der Jung­türken von ihrer bisherigen englandfreundlichen Politik noch nicht zu denken. Dazu ist für diese das Wort Freiheit un­ausgesetzt im Munde führenden Leute der Begriff politischer Freiheit zu sehr mit dem Namen England verknüpft. Die Sache könnte sich allerdings ändern, wenn, woran kaum zu zweifeln ist, die griechische und die kretische Frage in einigen Monaten wieder brennend werden. Gewisse Vorkehrungen Griechenlands lassen darauf schließen, daß dieser kleine Staat seine ehrgeizigen, den Frieden schwer gefährdenden Pläne noch immer nicht aufgegeben hat. Kommt es dann zu einem schweren Konflikte zwischen der Türkei und Griechenland, dann wird die Türkei erkennen, wo sie ihre Freunde hat, und auf welcher Seite sich ihre Gegner finden. Bis dahin aber ist an ein« völlig andere Orientierung der türkischen Politik nicht zu denken, wenn auch freilich anerkannt werden muß, daß jenes schwere Mißtrauen gegen Deutschland, mit dem das jungtürkische Regime begayn, schon seit geraumer Zeit merklich abgenommen hat.

EandwirtTcbaftlicbes.

Saatenstand des Deutschen Reiches Mitte Juli, wenn 2 gut, 3 mittel bedeutet: Winterweizen 2,3 (Vorjahr 2,8), Sommerweizen 2,6 (2,5), Winterspelz 2,3 (2,3), Winterroggen 2,5 (2,6), Sommerroggen 2,6 (2,5 . ?ominer* gerste 3,6 (3,3), Hafer 2,7 (2,5), Kartoffeln 2,5 (2,4), Klee 2,4 (3,1), Luz«rne 2,3 (2,8), BewässeruimZwiesen 2,0 (2,7), andere Wiesen 2,3 (3,0). Unter den Bemerkungen heißt eS: Im Gegensatz zu dem Vormonat war das Wetter kühl. Vielerorts gingen schwere Gewitter, stellenweise wolkenbruchartigen Charakters nieder. Ueberschwemmungen richteten in West- und Süddeutschland großen Schaden an. Allenthalben trat ein starkes Lagern des Getreides und ein Ueberwuchern des Unkrauts ein und tierische Schädlinge traten stärker auf. Gegen den Vormonat zeigen alle Früchte, ausgenommen Kartoffeln und unbewässerte Wiesen, eine leicht« Verschlechterung. Für die Wintergetreideernte sind die Aussichten noch recht günstig. Weizen ist vielerorts vom Rost befallen. Der Körnerertrag des Roggens dürfte nicht überall den Erwartungen entsprechen. Am ungünstigsten wirkt« die nasse Witterung auf Spelz ein. Den Sommer­saaten haben die Niederschläge vielfach recht nachgeholfen, wenn sie auch nicht überall rechtzeitig genug kamen, um die durch die lange Trockenheit verursachten Schäden wieder auszugleichen, andererseits traten starke Lagerung und Ver­unkrautung und beim Hafer tierische Schädling« ein. Kar­toffeln zeigen ein gutes Wachstum, beginnen aber unter der übermäßigen Nässe zu leiden. In Norddeutschland schadete der Nachtfrost. Im übrigen Deutschland scheinen Krankheiten des Krautes und der Wurzelstöcke, teilweise auch an den Knollen der frühen Sorten verbreitet zu sein. Nur der kleinere Teil des Klee- und LuzerneheueS kam gut unter Dach, große Mengen wurden durch Regen minderwertig oder wertlos. Der zmrite Schnitt des Klees zeigt vielfach kein rechtes Wachstum. Das Wiesenheu ist größtenteils minderwertig, verdorben oder vom Hochwasser weggeschwemmt. Man hofft, daß der Nachwuchs den Ausfall einigermaßen auSgleicht.

Geritbtsfaal.

Graf Pfeil vor Dem Kriegsgericht. Graf HanS zu Pfeil aus Klein-Ellguth, Hauptmann im Infanterieregiment Nr. 129, stand wiederum im Mittelpunkte eines Prozesses, der am Donnerstag vor dem Kriegsgericht der königlichen Kommandantur Berlin verhandelt wurde. In dem Thornsr Kriegsgsrichtsprozeß, in dem Graf Pfeil von seiner ersten Gattin, der geschiedenen Gräfin Stefanie Pfeil, beschuldigt wurde, ist er bekanntlich in allen Punkten freigesprochen worden. In dem jetzigen Prozeß handelte es sich um die Vorgänge in der zweiten Eh« deS Grafen mit der Gräfin Pfeil, einer geborenen' Baronesse von Behr auS Mitau. Graf Pfeil war der Mißhandlung, deS Mißbrauches der Dienstgewalt, der Bedrohung, der Beleidigung und anderer Straftaten beschuldigt. Den Vorsitz führte Oberstleutnant Claer vomGeneralstabe, Verhandlungsletter war KriegsgerichtsratDr. Coerrens. Die Verteidigung des Angeklagten hatte Rechts­anwalt Grasso übernommen. Die Anklage vertrat Kriegs­gerichtsrat Dr. Welt. Es wurde dem Angeklagten zur Last gelegt, seine zweite Frau mehrfach körperlich mißhandelt zu haben, indem er sie während der Schwangerschaft vor die Brust stieß, zu Boden warf und am Halse würgte, sodaß sie bewußtlos wurde. Ein anderes Mal soll er gedroht haben, seine Frau zu erschießen. Ferner soll er den Musketier Schröter mißhandelt und unvorschriftsmäßig behandelt haben. Der Angeklagte gibt zu, daß Tätlichkeiten zwischen ihm unb feiner Frau vorgekommen sind, die er lebhaft be­dauere. Er habe nicht gewußt, daß seine Frau sich damals in anderen Umständen befand. Seinerzeit sei er sehr erregt gewesen. Beim Regiment seien große Anforderungen an ihn gestellt worden. Im Hause habe er stets großen Aerger ge­habt wegen des Benehmens des Dienstpersonals, das seine Frau gegen ihn beeinflußt habe. Aber er müsse bestreiten, daß er seine Frau in der geschilderten rohen Weise behandelt habe. Den Burschen Schröter habe er im Verdacht gehabt, daß er dein Detektiv Gräger Spionendienste leiste. Die Gräfin schilderte einige Szenen aus dem Familienleben mit dem Grafen Pfeil. Sie behauptete, von ihm wiederholt miß­handelt worden zu sein. So habe der Graf sie einmal zu Boden geworfen, die Knie auf ihre Brust gesetzt und sie am Halse gewürgt. Schließlich habe sie die Flucht nach Ruß­land ergriffen. Der Zeuge Detektiv Gräger verwickelt sich bei dem Verhör fortgesetzt in Widersprüche. Auch das Kriegs- geriet Thorn hatte schon über ihn ein ungünstiges Urteil gefällt. Das Gericht beschloß, daß die Gräfin Pfeil und der Detektiv Gräger nicht vereidigt werden. Der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Dr. Welt, führte in feinem Plai-

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doyer aus: Nach den Zeugenaussagen könne von einem Ver> bl'echen des gedrohten Totschlages keine Rede sein. Auch die An­klage der schweren Körperverletzung falle fort. Nur die Anklage ber einfachen Körperverletzung bleibe bestehen. Da aber hierfür kein Strafantrag vorliege, müsse er auch hier Freisprechung beantragen. Was die Mißhandlungen des Musketiers Schröter betreffe, so seien die Aussagen deS durch Gräger be­einflußten Zeugen Schröter mit großer Vorsicht aufzunehmen. Es müsse aber bestehen bleiben, was Schröter unter Eid ge­sagt habe. Ec beantragt dafür 14 Tage Stubenarrest. Auch die Anklage des Zeitungsdiebstahls müsse fallen. (Der Ange­klagte sollte aus einem Cafè Zeitungen mitgenommen haben, in denen etwas über seinen Prozeß stand). DaS Urteil lautete: Der Angeklagte wird wegen unvorschriftsmäßiger Behandlung eines Untergebenen zu fünf Tagen Stubenarrest verurteilt. In allen übrigen Punkten erfolgte Freisprechung.

Hus aller Melt.

Die wüsten Szenen bei einem Ringkamps inBerNn, wo die Zuschauer ihre Wut über das Dargebolene an den Musikern, Kellnern und Schutzleuten, an schmiedeeisernen Gittern, Laternen und Bogenlampen ausließen, geben der Deutschen Tageszeitung" Veranlassung, einige kräftige Worte gegen den Unfug der sogenannten Ringkämpfe zu veröffent­lichen : Es ist erreicht l Seit Samstag hat Berlin kein« Ver­anlassung mehr, sich über das Betragen der weißen und schwarzen Gentlemen jenseits des großen Teichs nach dem Boxsieg eines muskulösen schwarzen Rowdy aufzuregen, denn am Samstag haben einige tausend Menschen im Kisten- macherschen Etablissement am Tiergarten, wo sie versammelt waren, um einen Ringkampf-Match zwischen den deutschen Meistern" Albert Sturm und Jakob Koch beizuwohnen, so beweiskräftig für ihr Rowdytum demonstriert, daß man sie mit jenen Amerikanern auf eine Stufe stellen kann. Dabei stand ihnen bei ihrem Tun nicht, wie ja jenen immerhin, der zweifellos drüben mit triebhafter Stärke wirkende Rassen­haß als mildernder Umstand zur Seite. Wer auch nur eine entfernte Ahnung von der intellektuellen und moralischen Qualifikation dieser Schwerathletik-Professionells hat, der weiß, daß sie eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und die öffentliche Gesittung bedeuten, sobald man st« aus den Kaschemmen, in denen sie üben, heraus und vor das Publikum treten läßt. Immer treiben sie auf der Schaubühne falsches Spiel. Wer ihren Geschäftsbetrieb auch nur einigermaßen kennt, der weiß, daß derunbesiegte und unbesiegbare Welt­meister" kein anderer ist als der Unternehmer, von dem bet jüngere Nachwuchs wirtschaftlich abhängig ist. Wehe dem, der ihn werfen wollte. Er hätte, solange der andere der wirtschaftlich Mächtige ist, zum letzten Male ein Ringkampf- Engagement an einer deutschen Variètè-Bühne gehabt. Und wenn dann einmal das falsche Spiel gar zu offenkundig ist, die Entscheidung offensichtlich verzögert oder vermieden wird, dann kommt es in Anbetracht der moralischen Qualitäten derer, bie sich an derartigen Darbietungen erfreuen können, zu solchen Greueltaten, wie am Samstag bei Kistenmacher. Die Polizei kümmert sich um so viele Dinge, um die sie sich nach gemeinem Dürgerverstande nicht zu kümmern brauchte. i Dagegen läßt sie allabendlich ein Spiel zu, dessen Roheit und Unehrlichkeit die brutalsten Instinkte solange reizt, bis 5 sie sich dann in so widerlicher Weise Bahn brechen, wie «8 am Samstag geschehen ist Wir fragen: Quosque tanbem ?

Orkan. Im Kreise Tscherkassy (Rußland) wurden durch einen mit einem Wolkenbruch verbundenen Orkan 17 Ge» bäude zerstört. Acht Mühlen wurden beschädigt.

Von einem heftigen Zyklon mit Gewittererscheinungen wurde vorgestern der größte Teil des mittleren Schwedens heimgesucht. Das Unwetter, das sich in der Richtung von Süd nach Nord bewegte, hauste am ärgsten in der Nähe von Eskilstuna, wo viele Bäume entwurzelt und Dächer abgedeckt und weit fortgetragen wurden. In Nyby wurde der Schuppen des Güterbahnhofes in die Höhe gehoben und eine Strecke fortgeführt. Der Schaden ist sehr groß. Einige Personen erlitten Verletzungen, doch ist, soweit bis jetzt be­kannt, niemand umgekommen.

Erstickt. In der Simmor East Deep Dine sind durch Gasbildungen infolge der Entzündung einer Kiste Gelatin 15 Eingeborene erstickt. 13 Weiße und 76 Eingeboren« wurden ins Hospital gebracht.

Verhängnisvoll. Während einer Schießübung der Batterien des Forts Portmonroe (Virginia) wurde der Ver­schluß eines Geschützes herausgeschleudert. Zehn Artilleristen wurden getötet, zwei schwer und fünf leicht verletzt.

EinRoman". In der Nähe von Neapel ereignete sich in diesen Tagen, mit schon kurz berichtet, das Schlußkapitel eines Romans, wie er selbst in der an seltenen Ereignissen reichen Golfstadt nicht oft vorkommen dürfte. In einem Landhaus« lebte der reiche Weinhändler Michele Rea, der jetzt 43 Jahre alt ist. Vor 5 Jahren stieg ihm grundlos« Eifersucht in den Kopf, und er beschuldigte seine Frau, die ihm 11 Kinder geboren hatte, ihn mit seinem Schwager zu betrügen, einem armen Priester, der aber der Frau immer in Ehren nur genaht war. Nach und nach ward seine Krank­heit zur fixen Idee. Er ließ die Fenster des großen Land­hauses halb vermauern und die andere Hälfte vergittern; dann brachte er die Frau und jedes der 11 Kinder in einem anderen Zimmer unter, die er verschloß. Ebenso machte er es mit allen Türen des Hauses. Von diesem Tage an be­trat kein Fremder mehr das zum Gefängnis verwandelte HauS, das er bis zu den Zähnen bewaffnet behütete, indem er Tag und Nacht die Runde machte. Nach und nach ge­wöhnten sich dis Gefangenen an ihr Geschick, da jeder Ver­such der Klage mit sofortiger Erschießung bedroht war. An Lebensmitteln erhielten sie von dem Wahnsinnigen Mais­mehl, Kartoffeln und dann 'und wann ein Huhn. Die beiden ältesten Söhne aber meuterten in den letzten Wochen und setzten es durch, daß sie sich täglich einige Stunden draußen bewegen durften, nachdem sie gelobt hatten, mit keinem Fremden zu sprechen. Nach und nach dehnten sie jedoch ihre Spaziergängg bis zum nächsten Bauernhause aus, wo sie von ihrem Schicksal berichteten. Die erschreckten Zuhörer meldeten den Fall der Polizei, die, nachdem sie Erkundi­gungen eingezogen hatte, 5 Karabineri und 2 Krankenwärter, alle als Jäger verkleidet, als Rettungsexpedition ausschickte. Diese setzt« sich mit dem ältesten Gefangenen in Verbindung, der bei seinem nächsten Ausgang sie abends auS einem Ver­steck abyolt« und sie zu der Villa führte. Die vielen Hund«, die sich bet Wahnsinnige als Wächter zugelegt hatte, schlugen an; die Jäger erschaffen sie zum Teil, zum Teil köderten st« st* durch Fietschstücke; baun gab bet Dobn baß vom Vater