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Erstes Slatf.

Hanauer K Anzeiger

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General-Anzeiger

AMchts Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Betau! wert. Râakte«: G. Schrecker la Hem«,

9tl. 143 Fernsprechanschlutz Nr. 605.

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12 Seiten.

Amtliche Beilage Nr. 6".

Amtliches.

Stadtkreis Fjanau. Bekanntmachung.

Die Arbeiten der Verlegung des KinzigdÜkerS an der Hellerbrücke, einschl. der erforderlichen Dampframm» arbeiten, werden zur Vergebung ausgeschrieben.

Die Verdingungsunterlagen und Ausführungszeichnungen können während der Bureaustunden im Stâdt. Sielbau- Bureau Hanau-Keffelstadi, Hauptstraße 3, eingesehen und, solange der Vorrat reicht, gegen pono- und bestellgeldfreie Einsendung von 1 Mark von dort bezogen werden.

Angebote sind mit der AufschriftVerlegung deS Kinzig- oükers" versehen bis zum 29. Juni, Vorm. 10 Uhr, oeim Sielbau Bureau einzusenden, woselbst um die gleiche Zeit im Beisein etwa erschienener Anbieter die Eröffnung der Angebote erfolgt.

Zuschlagsfrist 4 Wochen.

I Hanau den 18. Juni 1910.

Der Oberbürgermeister.

Dr. Gebeschus. 14081

Genoßenschafâ

Oberissigheimer Darlehnskafsenverein, einge­tragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht in Ober- ijsigheim.

Der Landwirt Georg Lind I. ist auS dem Vorstand ausgeschieden und Landwirt Johannes Lind zu Ober­issigheim in den Vorstand gewählt. Vereinsvorsteher ist Landwirt Kaspar Heck, Stellvertreter de« Vorstehers ist Landwirt Heinrich Maisch, beide zu Oberissigheim.

Hanau den 15. Juni 1910.

Königliches Amtsgericht 5. 14077

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Groß­auheim belegenen, im Grundbuche von da Band 6 Artikel

Die Königin des Tanzes.

Zum 100. Geburtstage Fanny EltzlerS, 23. Juni. Von Karl Theodor Weitze.

(Nachdruck verboten.)

Nur im Tanze weiß ich der höchsten Dinge Gleichnis zu sagen": also rief Nietzsche in eine Zeit hinein, der die Kunst des Tanzes als ein baldigem Untergange geweihtes Ueberlebsel vergangener Zeiten und Geschlechter erscheinen mochte. Aber er ist unsterblich, der Tanz, der neben der Musik die Urkunst aller Künste bildet, und vor den er­staunten Augen einer tanzfremden Zeit erschien das russische Ballett und zeigte die alte klassische Tanzkunst in ungemin­dertem blutheißem Leben, und es erschienen all die Prieste­rinnen einer neuen Tanzkunst, von der Duncan bis zu den lieblichen Wiesenthals; und nun, da wir wieder eine Kunst des Tanzes kennen gelernt, da wir wieder eine Vorstellung davon gewonnen haben, welch eine ungeheure Macht der Wirkung von dem rhythmisch bewegten schönen Menschen­körper ausgehl: nun glauben und verstehen wir auch wieder das Lebensmärchen der Fanny Elßler, die unter allen Sternen der neueren Geschichte der Tanzkunst als der leuch­tendste strahlt. Ja, sie darf wahrhaft und mit Recht die Königin des Tanzes genannt werden. Die Camargo, die Barbarina, die Guimârd, die Taglioni selbst, di» doch im Leben ihr den Ruhm streitig machen konnte mehr oder weniger sind sie alle uns nur noch Namen. Wenn wir aber an die Eßler denken, dann ist es uns, als ob wir noch heute den Nachklang der geradezu leidenschaftlichen Bewunderung ihrer Zeitgenossen vernähmen. Und welcher Zeitgenoffen! Sie tanzt Goethe", sagte der feine Friedrich v. Gentz von ihr; die allehrwürdige Universität Oxford verlieh der Tänzerin den Doktortitel (ein einzig dastehender Fall); Dichter und Maler wetteiferten in ihrer Verherrlichung, und selbst der nüchtern-reale alte Zelter berichtete seinem großen Weimarer Freunde mit ungewöhnlicher Wärme von der Vollkommen­heit ihrer Leistung.

Ein Lebensmärchen". Ja ein Märchen ist ihr Leben. M» echter Märchen: glühend, farbenprächtig, unwahr­

Mittwoch den 22. Juni %m«wn<b««w«» Nr. «»s. 1910

344 in Abteilung I unter Nr. 18 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Joseph Lenz, Johannes Sohn, in Großauheim eingetragenen Grundstücke:

Krtbl. E Parzelle Nr. 50 Acker im Kautengewann, 2,91 ar groß,

Krtbl. H Parzelle Nr. 141 Acker auf dem Kinzigheimer Weg, 4,93 ar groß,

Krtbl. L Parzelle Nr. 35 Acker Schafbrückengewann, 5,09 ar groß,

Artikel 488 der Grundsteuermutterrolle

am 26. Angnst 1910, vormittags 11 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Marktplatz 18 Zimmer Nr. 14 versteigert werden. Hanau den 28. Mai 1910.

Königliches Amtsgericht Abt. 2. 14097

Konkursverfahren.

Ueber dar Vermögen:

1. der offenen Handelsgesellschaft in Firma:Kloset- Papiersabrik Hanan Lang & Co." mit dem Eitze in Hanau,

2. der Inhaber dieser Gesellschaft:

a) Kaufmann Heinrich Lang von Hanau, jetzt un­bekannten Aufenthalts,

b) Werkmeister Heinrich Mehrling in Hanau, ist heute am 21. Juni 1910, vormittags 11 Uhr 45 Minuten das Konkursverfahren eröffnet.

Der Rechtsanwalt OsiuS in Hanau ist zum Konkurs­verwalter ernannt.

Offener Arrest und Anzeigepflicht sowie Termin zur An­meldung bis zum 14» Juli 1910» Erste Gläubigerver­sammlung am 15. Juli 1910, vormittags 11 Uhr, Prüfungstermin am 29. Juli 1910, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 5 hier Marktplatz Nr. 18 Zimmer Nr. 5.

Hanau den 21. Juni 1910. 14099

Der Gerichtsschreiber Kgl. Amtsgerichts 5.

Gefunden im Magistrats-Sitzungssaal bei der Stadt- verordneten-Wahl: 1 Kneifer. Abzuholen auf dem Geschäfts­zimmer der Armenverwaltung.

Hanau den 21. Juni 1910.

Politische Run dich au.

Der Kaiser nahm gestern vormittag im Neuen Palais die Vorträge des Chefs des MilitârkabinettS und des Chefs

scheinlich und doch natürlich, voller Abenteuer, voll von Glanz, Ruhm, Liebe, und auch am Humore fehlt eS da­zwischen nicht. Versuchen wir es, dies Märchen zu er­zählen.

Also: eS war einmal in der schönen Kaiserstadt Wien ein armer Musikus, der hieß Johann Florian Elßler und war eigentlich ein gar feiner Musiker, aber die Welt mochte nicht viel von ihm wissen, und er mußte sich schlecht und recht mit Notenschreiben durchs Leben schlagen. Hatte auch für den Meister Haydn Noten geschrieben und hing an ihm mit solcher Verehrung, daß er vor seinem Bildnisse, wie vordem eines Heiligen, Weihrauch verbrannte. Der alte Haydn aber wußte den wackeren Elßler wohl zu schätzen und stand bei seinen Kindern Pate. So auch noch, als die kleine Therese (1808) das Licht der Welt erblickte; aber als etwa 2 Jahre später der Storch wieder in dem alten Durchgangshause der Gumpendorfer Vorstadt anklopste und ein feines, zierliches, helles Maderl brachte, da war Vater Haydn nicht mehr am Leben, und nur fein Geist stand an der Wiege der kleinen Fanny und segnete ihr Körperchen mit der Gabe der Musik und des Rhythmus. Wie sie heranwuchs, erwies sich denn bald auch, daß sie und ihre Schwester dieMusik im Leibe" hatten und der Vater gab sie beide zu dem Meister Aumer, der sie in der Kunst des Tanzes nach den alten strengen Regeln unterwies. Erst 7 Jahre war die Fanny alt, als sie schon als Tänzerin auftrat, und dann tanzten die beiden Schwestern in dem Kinderballett mit, das der Direktor Friedrich Horschelt.alle Donnerstag im Theater An der Wien aufführte und zu dem die ganze Stadt herbeiströmte. Solch ein vollendetes Kinderballett hat die Welt noch nicht gesehen. Die Kinder tanzen alle mit einer Anmut und einem Leben, daß das Publikum ganz außer sich ist, und die beiden Elßlerischen werden sehr bemerkt. So kunstvolle Pirouetten, wie die Reserl, kann schon keine, aber die Fanny, die hat so etwas Gewisses", so eine schmelzende Grazie, daß sie es allen antut.

Nicht lange, und die beiden werden in der Hofoper in Kinderrollen beschäftigt und da fallen sie denn alsbald wieder so aut daß ihnen eine kaiserliche Subvention gewährt wird.

des Marinekabinetts entgegen. Nachmittags 5 Uhr stattete der Kaiser dem Reichskanzler, einen Besuch ab. Der Kaiser gedenkt heute früh 8 Uhr nach Altona-Hamburg abzureisen. DieNorddeutsche Allgemeine Zeitungâ schreibt: Der Reichskanzler begibt sich am Mittwoch nach Schloß Beben­hausen, um dem König von Württemberg seine Aufwartung zu machen.

Der vierte internationale Kongreß der Handelskammern und sonstigen Handels- und In- dustrievereinigungen wurde gestern in London mit einer An­sprache deS HandelSministerS Buxton eröffnet. Die Zahl der Teilnehmer beträgt 450; unter ihnen befinden sich vierzehn Vertreter au- Deutschland.

Die Ersatzwahl in Frankfurt a. O. Dem Der- nehmen nach wollen die Konservativen für die Reichstags- ersatzwah! im Kreise Frankfurt a. O.-LebuS den Landrat Dr. Kleiner als Kandidaten aufstellen. Die Verhandlungen zwischen den Nationalliberalen und Freisinnigen über ein« geeignete Kandidatur sind noch nicht abgeschloffen.

Die staatliche PensionSverstcherung «nd die privaten Versicherungskasse«. Die am Sonntag, 19. Juni, in Magdeburg abgehaltene Hauptversammlung der Pension-kasse deS Deutschen Beamtenvereins, Versicherungs- verein auf Gegenseitigkeit, hat an das Reichsamt des Innern die dringende Bitte gerichtet, bei der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes über eine staatliche Penstonsverstcherung der Privatbeamten die Rechte der in privaten Derstcherungskaffen versicherten Angestellten durch Anerkennung bestehender Kaffen als Ersatz-Institute schützen zu wollen.

Das österreichische Abgeordnetenhaus nahm die dritte Gruppe des Budgets an. In einer Konferenz de» Ministerpräsidenten mit dem Präsidium deS Polenklubs wies Bienerth auf die Notwendigkeit der Erledigung der Steuer­vorlagen hin, insbesondere der Erhöhung der Personal-Ein­kommensteuer, der Branntweinsteuer, der Tantiemen- und der Dividendensteuern, und zwar mit Betonung der SanierungS- bedürftigkeit der Finanzen deS Landes.

Englisches Unterhaus. Kapitän Faber (Unionist) fragte den ersten Lord der Admiralität, ob der englische Militärattache in Wien bit dortige Marinesektion deS ReichS- kriegSministeriumS um Mitteilung von Einzelheiten über den Bau neuer Dreadnoughts für die österreichisch-ungarische Re­gierung ersucht und welche Antwort er erhalten habe. Me. Kenna erwiderte: Wir können eine Mitteilung, welche wir von fremden Regierungen über ihre Schiffsbauten erhalten, nicht veröffentlichen, mit Ausnahme von denjenigen, welche sie unS zum Zwecke der Veröffentlichung übergeben. Im vorliegenden Falle, in dem die Angelegenheit kürzlich im Parlament deS betreffenden Lande» zur Diskussion gelangte, kann ich den Kapitän Faber nur auf die veröffentlicht^

damit sie die Tanzkunst in Italien studierten. Denn Italien war und blieb doch das Land, wo bie Wiege der modernen Tanzkunst gestanden hatte, wo eS die glänzendsten Ballette gab und die feurigsten und originellsten Tänzerinnen und die erfahrensten Tanzmeister. Neapel und Mailand welch» Stätten der Kunst Terpsichorens! In Neapel und Mailand studierte Fanny, Gioja war der Meister, der berufen war, diese» Juwel zu schleifen, und als Fanny mit ihrer Schwester an den Donaustrand heimkehrte, da war sie im Grunde schon fertig in ihrer Kunst. Aber eS währte noch einige Zeit, bi» das volle Licht deS Ruhmes sie traf.

Sie war damals erst 17 Jahre. GS gab einige Kenner, die mit scharfem Blicke erkannten, daß hier ein GeniuS der Tanzkunst erschienen war. Unter diesen Kennern war ein feiner Herr, der damals in der Mitte der 60er Jahre stand, und der für die Schönheit in Leben und Kunst all seine Tage ein feines Auge und ein schwaches Herz gehabt hatte. Es war ein Mann von europäischem Rufe, ein be­deutender Diplomat und Schriftsteller, ein gefeierter komme desprit und hieß Friedrich v. Gentz. Der war der erste, bei Fannys Kunst ganz begriff und leidenschaftlich von ihr er­griffen und hingerissen wurde von ihr und von der reizenden Künstlerin. Sie fanden sich zueinander. Er liebte zum letzten, sie zum ersten Male, aber beide echt und tief. Trotz des Altersunterschiedes war ihr Verhältnis schön. Fanny hat ihn unter allen Abenteuern und Wechselsällen ihres bunten Lebens nie vergeffen, und hintergangen hat sie ihn, so lang erlebte, nie, auch nicht um desHerzogs von Reichstadt, des Napoleon-Sohnes, willen, obgleich die Bücher davon soviel zu erzählen wissen. Es hat sich ja ein ganzer Sagenkrarh um ihr blondes Haupt gewunden . . .

Der alt-junge Freund genoß Fannys Schönheit und Kunst noch drei Jahre; dann starb er (1832). Aber als er dahin­ging, da war sie schon nicht mehr nur sein, da gehörte sie schon der ganzen Welt, da war der Ruhm zu ihr gekommen. Ganz plötzlich und überwältigend war er gekommen. Und das geschah in Berlin an der Spree.

Es war am 30. September 1830, als sie mit Therese« zusammen in dem BalletteDie Nachtwandlerin" auf den Brettern des Berliner Opernhauses erschien. Sie erschien als