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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Anzeiger
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Nr. 68
^ernsprechanschlittz Nr. 605
Ticustag dcii 22. März
Aernsprechanschlich Nr. 605
1910
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Dic.nstnlichrichten aus dem Kreise. I
Der Taglöhner Johannes Kailing zu Marköbel ’ ist zum Feld'chütz der dortigen Gemeinde bestellt und ver- pflichtet worden.
Stehen geblieben im städt. Po'izei Amt: 1 Damen-' Regenschirm. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armen- verwaltung.
Hanau den 19. März 1910. 7107
PolitiTcbe RundTdrau.
Der Rücktritt des italienischen Kabinetts Sonnino. Beim Beginn der gestrigen Satzung der Kammer- erklärte Sonnino, daß das Kabinett angesichts der parlamentarischen Lage demissioniere. Das Ministerium bitte die Kammer, sich zu vertagen. Der Republikaner Barzilai protestierte gegen diese Flucht vor der Abstimmung; als darauf der Präsident Marcora die Erklärung Sonnino- zur Abstimmung stellte, ohne die Gegenprobe zu machen, empörte sich die Linke gegen den Präsidenten, der seinen Sitz verließ. Unter Unruhe der Kammer wurden die Tribünen geräumt. (Wie die „Agenzia Stefani" meldet, hat sich der König die Entscheidung über da- Demissionsgesuch des Kabinetts vorbehalten; die Minister werden die laufenden Geschäfte vorläufig weiterführen.)
Der deutsche Reichskanzler in Rom.
Rom, 21. März. Der Reichskanzler traf heute nachmittag in Begleitung des Geandien v. Flotow hier ein, auf dem Bahnhof von dem Botschafter v. Jagow, dem preußischen Gesandten Dr. v. Mühlberg, dem bayerischen Gesandten Frhrn. von und zu der Tann-Ratsamharsen, dem Frhrn. von Ritter zu Grünstein, dem Unterstaai-sekretär im Auswärtigen Amt Fürsten Sealea und dem Generaldirektor des Auswärtigen Amtes Bollati empfangen. Der Reichskanzler nahm im Palais Caffarelli Wohnung.
Rom, 21. März. Der Reichskanzler v. Bethmann- Hollweg gab heute bei dem Senator Titloni, den er nicht zu Hause traf, seine Karte ab.
Rom, 21. März. Heute abend findet bei dem deutschen Botschafter zu Ehren des Reichskanzlers v. Bethmann-Hollweg ein Diner statt, zu dem geladen sind: Ministerpräsident Sonnino, der Minister des Auswärtigen Guicc'ardini, der Unterstaatsiekretär im Auswärtigen Amt di Sealea, der Generaldirektor des Ministeriums des Auswärtigen Bollati, der Minister des Königlichen HauseS Mettioli-PaSquakini, Fürst und Fürstin von Bülow, Senator don Propero Colonna, die Fürstin Colonna, die Fürstin Paterno, Marchese und Marchesa Conturione, Graf und Gräfin Rignon- Robillant, die Gräfin Balbio, die Fürstin Ernst von Ratibor, der bayerische Gesandte Frhr. von und zu der Tann-Ratsamhausen, sowie das Personal der Botschaft.
Eklldal im uWrWn AbgkordnctenW.
Der ungarische Ministerpräsident mit Tintenfässern bombarviert.
Budapest, 21. März. In der heutigen letzten ReichS- tagSsitzung kam es zu unerhörten, selbst hier noch nie dagewesenen Demonstrationen und Tumulten feiten- der Opposition. Es ist Blut im Parlament geflossen. Der Diinisterpräsident Graf Khuen-Hederoarq und der Minister Graf Serenyj sind am Kopfe ziemlich schwer verwundet worden, ebenso mehrere Abgeordnete. Aerzte der Rettungs- Gesellschaft wurden ins Parlament gerufen und haben dort die Wunden der Minister verbunden. In der ganzen Stadt herrscht riesige Aufregung.
Vian ist in Halbasien ja von jeher starke Dinge gewohnt, aber daß der höchste Beamte des Staates auf der Parlamentstribüne nicht einmal mehr sicher ist vor den Angriffen, das schlägt vorläufig jeden Rekord.
Die Skanvalszene wird folgendermaßen geschildert:
Als in der Sitzung des ungarischen Abgeordnetenhauses der Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary nach der Ver- lesung des königlichen Handschreibens betreffend die Auflösung des Parlaments zu reden begann, um mit den Rednern der Opposition Grafen Batthyani und Franz Kossuth, die die Auflösung des Abgeordnetenhauses als ungesetzlich HInsteNten, zu polemisieren, wurde er unablässig durch lärmende Zwischenrufe seitens der Unabhängigkeitspartei unterbrochen. Nach 10 Minuten mußte die Sitzung wegen der immer stürmischer werdenden Zwischenrufe unterbrochen werden. AIS nad) der Wiederaufnahme der Sitzung der VHnisterpräsident mit erhobener Stimme sich auf die Redefreiheit berief und sich darauf gegen die Stenographen wendete, um die im Tumult unverständliche Rede zu beendigen, wtirde vom Abgeordneten Zacharias ein Buch gegen ihn geschleudert, dessen Deckel ihn an d-r Äirn und im Gesicht verletzte. Einige Oppositionelle stürmten gegen den Ministerpräsidenten an, andere schleuderten Bücher und Tintenzeuge auf ihn, auch der Ackerbauminister Seienqj wurde durch èin Tintenfaß erheblich verletzt. Der
Präsident forderte die Schuldigen auf, sich zu melden, worauf Eidner und Zacharias erklärten, daß sie Bücher geschleudert hätten. Die Sitzung endete unter großer Aufregung.
Weitere Einzelheiten
werden dem „Berl. Lok.-Anz." noch b«rid)tet. Es heißt in der Meldung: AIs Graf Khuen wieder versuchte zu sprechen, gab es wieder ein furchtbares Gebrüll und Gejohle. Der Abgeordnete Zacharias schrie den Ministerpräsidenten an und warf auch mit einem Buch, das er gerade in der Hand hielt, nach ihm. Jetzt erhob sich ein allgemeiner Tumult und es erfolgte ein förmlicher Sturm auf die Ministerbank. Mit Zündholzständern, Tintenfässern, großen Büchern usw. wurde ein regelrechtes Bombardement auf die Minister eröffnet und es dauerte nicht lange, so hatte Graf Khuen schwere Verletzungen erlitten und blutete sehr stark aus verschiedenen offenen Wunden. Der Honvedminister und der Ackerbauminister versuchten den Ministerpräsidenten zu decken, wurden dabei aber gleichfalls verletzt, ebenso mehrere Abgeordnete der Regierungspartei. Der Tumult nahm immer größere Dimensionen an und die Sitzung mußte suspendiert werden. Die Minister hielten eine Beratung ab, in der beschloßen wurde, der Sitzung am Dienstag nicht beizuwohnen, da ohnehin ihre Wunden erst in frühestens acht Tagen geheilt werden können. Erzherzog Joseph wird das Auflösungsreskript vor dem Abgeordnetenhaus« verlesen.
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Budapest, 21. März. Die sämtlich der Justhvarlei an- gehörenden Abgeordneten Zacharias, Ludwig Beck, Otto Hoffmann und Sigmund Eitner erklärten im Verlaufe der Sitzung, daß sie es gewesen seien, die gegen die Minister- bank Hefte und Bücher geworfen hatten, und baten daS Ab- geordnetenhauS für ihr ungebührliches Benehmen um Verzeihung. Die Verletzungen des Ministerpräsidenten und deS Ackerbauministers sollen von bronzenen Tintenfaßdeckeln herrühren.
Budapest, 21. März. Die Blätter verurteilen aufs schärfste die heutigen Ausschreitungen im Abgeordnetenhaus. Das Bürgerkomitee fordert in einem Aufruf zum Besuch einer Versammlung am 27. d. Mts. auf, in der der Entrüstung über die Vorgänge im Abgeordnetenhaus« Ausdruck gegeben werden soll.
Bnvapest, 21. März. Die Regierung will die Staatsanwaltschaft beauftragen, die Urheber der heutigen Ausschreitungen festzustellen, um sie zur Verantwortung zu ziehen. Abends veranstalteten die Sozialdemokraten Volksversammlungen zugunsten deS allgemeinen Wahlrechts, nach deren Schluß Massendemonstrationen stattfanden, wobei Raketen und Petarden zur Explosion gebracht wurden. Die Polizei schritt mit blanker Waffe ein. Mehrere Personen wurden verwundet und 12 verhaltet.
Hus Hanau Stadt und Cand.
Hana«, 22. März.
* Karfreitagsbrot und Wein kommen für die Mitglieder der Johannesgemeinde nächsten Donner-tag, nachmittags von 3—4 Uhr zur Verteilung und sind die erforderlichen Marken von heute DienStag bis Donnerstag mittag in der Wohnung des Kirchendiener-, Bangertstraße Nr. 2, in Empfang zu nehmen.
* Don der Akademie, Frankfurt a. M. Dr. A. C. Ott, Privaldozent an der romanischen Philologie an der A k a d e m i in Frankfurt a. M. hat einen Ruf an die technische Hochschule in Stuttgart erhalten, und wird ihm zum Winter-Semester Folge leisten.
* Stadttheater. Heute Dienstag wird im Abonn. A das treffliche Schauspiel Philippis: „D a S große Licht" nochmals zur Darstellung gelangen. Nach der erfolgreichen Aufnahme bei der Neueinstudierung wird eS auch jetzt seinen Hörern wieder einen interessanten Abend bereiten. — Morgen Mittwoch gelangt der lustige Schwank: „Der Doppel- mens ch" von Jacoby und Livvschitz erstmalig als Vorstellung im Abonn. B zur Ausführung. DaS ausgelaffene heitere Stück hat sich im Siegeszuge fast sämtliche Bühnen erobert und überall wahre Heiterkeitystürme hervorgerufen. Durch seine originelle Idee und seine köstliche Situationskomik gehört das Stück zu den erfolgreichsten der letzten Spielzeit. Nach seinen stürmischen Erfolgen in Wiesbaden, Danzig, Königsberg, am Hoftheater in Darmstadt wurde es auch für das Lustspielhaus in Berlin erworben und für die Stadtlbeater in Leipzig, Halle, sowie für die Hoftheater Mannheim und Oldenburg. Im letzten Sommer wurde der lustige Schwank an fast allen Kurlheaiern mit stärksten Er- folgen gegeben. Anläßlich einer Aufführung in Wildbad schreibt bat „Wildbader Badblatt": „Auf ein eigenartiges Gebiet haben sich die Verfasser des Schwankes „Der Doppel- men'ch" gewagt: eine humoristische Satire auf den Spiritismus, auf die Wissenschaft von der vierten Dimension, wollten sie schreiben, u»d diese ihre Absicht-ist ihnen meisterhaft gelungen. Ein Werk voll heitersten Lebens, voll köstlichen, gesunden Humors haben sie geschaffen, dem auf jeder Bühne, I welche die leichte Muse pflegt, der Erfolg sicher ist. So gehörte denn auch die MütwochsoorstellunL, in der daS Werk 1
hier zum erstenmal in Szene ging, zu den amüsantesten dieser Saison. Ja, wer ein paar Stunden herzlich lachen will, der muß sich diesen „Doppelmenichen" ansehm. Diese einfache Handlung wird von den Autoren durch ein köstliches, überaus reiches Beiwerk auSgeschmückt. Der nicht endenwollende Beifall, den das Publikum von Herzen spendete, wird den Darstellern der beste Lohn für ihre Mühe und Herrn Inten- danzrat Liebig der schlagenste Beweis dafür gewesen sein, daß er mit der Einstudierung dieses Schwankes einen glücklichen Griff getan hat." Ueber den großen Erfolg deS Schwankes „Der Doppelmenich" von J^coby-Lippichitz am Stadttheater zu Hildesheim lesen wir noch: „Ich stehe beim Schreiben dieser Zeilen noch unter dem Einflüsse des Lachkrampfes, den ich tm Theater ebenso mitmachen mußte wie so mancher andere Zuschauer. Wenn daS Lachen nicht in gesundheitlicher Beziehung so vorteilhaft für den menschlichen OrganiSmuS wäre, möchte ich die Verfasser wegen Verübung groben Unfugs zur Rechenschaft ziehen lassen. Aber wo di« beiden Schriftsteller so viel liebenswürdige Heiterkeit in ihr Werk legten, verzeihe ich Ihnen gern die au-gestandenen Be» schwerden. Es ist ein Schwank voll sprühender Witze, wi« sie so recht für unsere heutige Zeit passen und wie sie das Publikum verlangt. Das Stück fand auch hier eine gute Aufnahme. Oft hörte man mitten in den Szenen AuSbrüch« der Heiterkeit und nach den Aktschlüssen gab eS eine Meng« Hervorrufe." Auch hier wird man dem lustigen Stücke sicher eine freundliche Aufnahme bereiten. — Am Donnerstag wird als Vorstellung im Abonn. C die Operette: „Die g e - schiedene Frau" nochmals zur Aufführung kommen.
-u- Jubiläum. Eine sehr beachtenswerte Feier bereitet sich in einem unserer ältesten Gesangvereine vor und sind wir in der angenehmen Lage, chon heute einiges darüber berichten zu können. 25 Jahre sind es, daß Herr Adolf Müller, der rühmlichst bekannte Bariton, die Leitung deS WeinS'schrn Gesangvereins übernommen hat. 25 Jahre hat er in unermüdlicher Tätigkeit sein hervorragende- Können in den Dienst de- Verein- gestellt; 25 Jahre ist er seinen „Wein- sern" treu geblieben. Selten wohl findet man in den Analen deutscher Männer-Gesangvereine eine solch gegenseitige Harmonie. Eine würdige Feier ist für diele- Ereignis vorgesehen und zwar findet am 14. April ein Fest-Konzert statt, dem sich am 16. April ein Fest-Bankett anichließt. —Ferner sind es 3 Mitglieder deS Verein-, welche im nächsten Monat 25, ein Herr soaar seit 50 Jahren, dem Verein angehören und die alt Jubilare zu feiern sind. Unler sangeSfreudigeS Hanau wird wohl an diesem schönen Feste, dem -fachen Jubiläum im WeinSsschen Gesangverein, einen regen Anteil zu nehmen, nicht verfehlen. Wir behalten unS vor, demnächst weiter hierüber zu berichten.
* Volkslievtrabend. Geleitet von dem schönen Gedanken, dem deutschen Volkslied« immer mehr zu seinem Rechte zu verhelfen und demselben eine immer größere und würdige Pflegestätte zu bieten, hat sich der Gesangverein „Tonblüthe" entschlossen, am 9. April d. J. in den Sälen der „Centralhalle" wieder mit einem Volksliederabend (Herrenabend) vor die Oeffentlichkeit zu treten, um Freunden einet schönen MännergesangeS nochmals am Schluffe der Saison einige Volksliedperlen zu Gehör zu bringen. Welch hoh» Bedeutung bat Volkslied einnimmt, die Kraft die ihm inn« wohnt, veredelnd auf Herz und Gemüt der Menschen einzu- wirken, welche Rolle in unserer übersättigten Zeit gerade die Volksweisen spielen, ist wohl genügend bekannt. Der Herbst« Schmerz, die größte Freude, alle Aeußerungen des Gefühlslebens, der Sktlenregungen finden darin prägnante Ausdrucksweise, sodaß eS ein Genuß ist, den schlichten und doch so ergreifenden Weisen zu lauschen. Die Leistungen deS Gesangvereins „Tonblüthe" sind an dieser Stelle schon des öfteren rühmend hervorgehoben worden, sodaß eS einer besonderen Erwähnung derselben nicht mehr bedarf. Bemerkt sei, daß der Gesangverein „Tonblüthe" in dankenswerter und entgegenkommender Weise den Eintrittspreis zu dieser Ver- anstal'ung so niedrig bemessen hat, daß einem jeden Sänger und Gangesfreund die Möglichkeit geboten ist, diesen Volk-» liederavend zu besuchen. Auf daS eigentliche Programm werden wir später noch näher eingeben. Wir geben darum der angenehmen Hoffnung Raum, daß dieser Veranstaltung seitens un'eres gesanglichen Publikums ein reget Interesse entgegengebracht wird, indem der Verein „Tonblüthe" bestrebt ist, in einfacher, schlichter Weise doch etwas Vorzügliches und EcköneS zu bieten und seine werten Gäste aus daS Angenehmste zu unterhalten. Liste zirkuliert durch Herr« ®'o l f f; auch sind Eintrittskarten in der Cigarrenhandlung des Herrn Carl Friedrich, Rosenstraße 19, sowie bei allen Mitgliedern erhältlich.
* Loglsschwindler. Ende vorigen Jahres logiert« sich der aus Mähren stammende Kaufmann Albert Weine, bei hiesigen Einwohnern unter dem Namen „Monteur Steiner" ein und sprengte dieselben neben Geldbetrâgeü auch um ün Fahrrad. Weiner, der diele Art deS Schwiâ« als