Einrgcklmgsgebüher
Bezugspreis;
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
AUjliâts Organ für SlaM= und FanLLltig Kanan
Die Zgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg, tat Reklamenteil die Zeile 45 Pfg,
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: G. Schreckertu Hanau,
Mk. 246 fttrnfprtdiAnfdHttft Nr. 230 Tvülltlstllg ÖCH 20. CftODCV rVerusprechaufchlub Nr. 230. 1910
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Amtliches.
randkreis Ranau.
Unter dem Viehbestand des Landwirts «Heinrich An"«ft Ewald in Fechenheim, Ankergasse Nr. 2, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
Zur Verhütung der Weit^rverbreitung der Seuche ordne ich hiermit folgende Schutzmaßregeln an:
I Für den Eemeindebezirk Fechenheim (Sperrgebiet.)
1. Ueber sämtliche Wiederkäuer und Schweine der »er« feuchten Ortschaft Fechenheim wird die S t a l l s p e r r e verhängt.
2. Die Plätze vor den Gtalltüren und den GehöftS- rinqängen, sowie die gepflasterten Wege an den Ställen und auf dem Hofe sind dreimal täglich (morgens, mittags und abends) durch Nebergießen mit Kalkwasser zu desinfizieren.
3. Das Geflügel ist so einzusperren, daß es den Hof nicht verlassen kann.
4. Die Hunde sind fesizulegen.
5. Das Betreten der verseuchten Stallungen ist verboten. Es ist nur den Besitzern, der mit der Wartung und Pflege beauftragten Personen und den Tierärzten gestattet.
6. Händlern, Schlächtern, Viehkastrierern und anderen in Ställen gewerbsmäßig verkehrenden Personen ist sogar das Betreten des verseuchten Gehöftes strengstens untersagt.
7. Die Abgabe roher Milch aus dem verseuchten Gehöfte ist verboten.
8. Das Verladen von Vieh auf der Bahnstation Fechenheim ist verboten.
9. Die Einfuhr von Klauenvieh in das Sperrgebiet ist verboten.
10. Das Durchtreiben von Klauenvieh durch das Sperrgebiet ist verboten.
11. Das Treiben von Wiederkäuern und Schweinen auf öffentlichen Straßen ist verboten.
H. Für die Gemeindebezirfe Bergen-Enkheim, Bischofsheim, Hochstadt, Dörnigheim
(BeobachtnngSgebiet).
1. Der Auftrieb von Klauenvieh aus dem DeobachtungS- gebiet auf Märkte ist verboten.
2. Der Auftrieb von Klauenvieh durch das Beobachtungsgebiet ist verboten.
3. Das Treiben von Klauenvieh auf öffentlichen Straßen ist verboten.
4. Die Ausfuhr von Klauenvieh ohne meine schriftliche Erlaubnis ist verboten. Die Erlaubnis wird nur für Schlachtvieh und nach amistierärztlicher Untersuchung des
Stadttücatcr in Hanau.
— Hanau, 20. Oktober.
„Bachmeisels Himmelfahrt". Schwank in 4 Akten von Wilhelm Jacoby und Harry Pohlmann.
W
Uraufführung am 18. Oktober.
Der Sieqeszuq des Luftschiffes nimmt seinen Fortgang. Nachdem man fortgesetzt von den gewagtesten Unternehmungen mit erfolgreichen Resultaten auf diesem Gebiete erstaunliche Kunde erhält, ist es den beiden Autoren im großen und ganzen ziemlich gelungen dieses beflügelte Lustungeheuer auch buhnenfâhig zu machen, denn der vorgestern hieralS Uraufführung zur Darstellung gebrachte vieraktige Schwank "~ “ m * isels Hi m melfahrt", der eine lustige Luft- schiffahrisgeschichte behandelt, hat einen wohlverdienten warmen Erfolg errungen. Em liebenswürdiges Stück, das gut amüsiert und dem Publikum einige genußreiche Stunden be- rertel. Die Autoren haben es verstanden, die unfreiwilligen M'sören einer Luftschiffahrt des Rentiers Bachmeisel nebst eilen Frau und Töclnern sowie deren Herzensangebeteten mit p ir umen und belustigenden Episoden zu verzieren — mit u" allen, dte ihre Wirkung nicht verfehlten und den Autoren b bren ^ ^" Akte das Feld sicherten. Ent- Y 1 wohl manche Szenen der Originalität, wie beispielsweise der zweite Aktschluß (vergleiche I.Akt „Der Hochtourist")
Charakteristik des brummigen Bachmeiiel Eifern m-2,^ rechthaberischen „Giesecke" aus dem y ' hätten auch in verschiedenen Szenen . 9 e ^ reckt wohltuend gewirkt, so sind dies wohl h'L, ? . Sinne Mängel, die aber keinesfalls az angetan finb, dem allgemeinen günstigen Erfolz Abtrag z i un. Die recht geschickt gewählten amüsanten Schauplätze der Handlung bieten Gelegen' eit, die Bühne charakteristisch szenisch auvzugestalien, was wir jedoch besonders im ersten Akt vermißten. Die Mitwirkenden hielten mit Lust und Laune.
Bestandes auf Grund eines amtstierorztlichen Zeugnisses über den Befund erteilt. Das Zeugnis hat nur 24 Stunden Geltung.
5. Die Sammelmolkereien dürfen Magermilch, Buttermilch und Molken nur nach Abkochung abgeben. Der Abkochung wird eine ^«stündige Erhitzung auf 90° Celsius gleichgerechnet.
Hanau den 20. Oktober 1910.
Der Königliche Landrat.
V 6050 I. V.: Pr. von Waldow.
Stadtkreis Ranau.
Bekanntmachung.
Die auf den 17. und 19. d. Mts., nachmittag? 3 Uhr, angesetzten Wahlen der Steuerausschüsse der Gewerbesteuer- klassen III und IV sind nicht zustande gekommen.
Unter Hinweis auf meine Bekanntmachung vom 5. d. MiS. lade ich die wahlberechtigten Mitglieder der Sieueransscküffe der Gewerbesteuerklaffen III und IV zur Wahl von 7 Mitgliedern und 7 Stellvertretern wiederholt ein und zwar
a) für Klasse III
auf Donnerstag den 27. Oktober d. I., vormittag-
11 Uhr, in den unteren Rathaussaal,
b) für Klaffe IV aus Donnerstag den 27. Oktober d. I., Vormittag- ll1» Uhr, in den unteren Rathaussaal.
Hanau den 19. Oktober 1910.
Der Vorsitzende der Gewerbesteuer-Ausschüsse UI u. IV für den Stadtkreis Hanau.
23011 I. V.: Bode.
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über den Nachlaß des Kaufmanns Alex Dörr zu Langenselbold ist zur Prüfung der angemeldeten Forderungen anderweiter Termin auf
den 13. Januar 1911, vormittag- 9 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichte hier anberaumt.
Langenselbold den 11. Oktober 1910. 23029
Der Gericht-schreiber des Königs. Amtsgerichts.
Dicnstnachrichten ans dem Kreise.
In den Gemarkungen Hockstadt und Wachenbuchen ist die Sckweineseuche erloschen; in den Gemarkungen Roßdorf und Niederrodenbach ist dieselbe festgestellt worden.
Hanau den 20. Oktober 1910. V 6043
Den bärbeißigen, polternden Rentner Bachmeisel gab Herr Schneider mit gewandter Trefflichkeit, wobei er sich mit sicherem Takt von Uebertreibungen feruhielt; sein Rentner Bachmeisel war im ganzen eine wohlangelegte und sauber au-gelührte Leitung. Frl. N a t h u s i u s als fürsorgliche Gattin „Therese" und Frl. Rubens als liebeglühende „Lydia" führten ihre Rollen mit starker Wirkung durch. Das Gleiche ist zu sagen von Herrn Kliewer als eifersüchtiger Pseudonymus „Kanq-Tschu-Fu" und von Frl. Ballin, die die nach Abenteuern haschende „Hella" barfteUte. Herr Hell (Panowsky) wirkte in Sprache und Haltung recht löblich, Herr Freytag bewies als verliebter Schwerenöter „Kurt Aßmus" erfolgreiche Bühnenroutine. Recht gut gefiel uns auch in Bezug auf die Wahl der Toilette Frl. Lieschen Schneider-Sieg (Todo). Zu nennen ist noch Herr Bruno Reichardt (als „Rombach), dessen gewandte Darstelluugsweise genihmt werden muß. Der juuge Künstler fiel uns schon des öfteren durch seine abgegebenen Talentproben recht günstig auf. Frl. Ahrens (Hedwig) blieb sichtlich bemüht, ihrer Aufgabe gerecht zu werden. In kleineren Aufgaben fand noch das ganze übrige Personal entsprechende . Betätigling. Für flottes Zusammenspiel gebührt Herrn Direktor Steffi er als Regisseur volle Anerkennung.
„Mist Dudelsack"
Operette von Rudolf Nelson.
Zum dritten Male wurde gestern an unserer Bühne die Operette „Miß Dudelsack" geboten. Wie bei der Erstauf- führung, so erzielte auch am gestrigen Abend die Novität, die durch die Mitwirkenden eine treffliche Wiedergabe erfuhr, einen vollen Erfolg. Wenn auch die Zahl der Operelten- Novitäten in geradezu unheimlicher Weise wâckst, dieSpannung, mit der sie erwar'et werden, läßt nickt nach. Man muß e aber auch den Texidichtern und Komponisten, trotz dem schnellen Tempo in dem sie arbeiten lassen, daß le wissen, was zieht und hierauf wird unter Aussetzung aus Glaubwürdig-
Hafer- und Noagenlangstroh kauft fortgesetzt 21771
Proviantamt Hanau.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc. Gefunden: 1 Herren-Nickeluhr mit Kette.
Verloren: 1 weißes Tablettüchelchen mit gestickter Borde.
Eingefangen: 1 zahmes Eichhörnchen.
Hanau den 20. Oktober 1910.
politische RundTcbaa.
Ein Nachruf für Koch. Der „Reichsanzeiger* widmete dem dahingegangenen ReichSbankprâffdenten Koch einen warmen Nachruf. Unter anderem schreibt das Blatt: „Koch ist alS ein durch hervorragende Geistesgabe, vorbildliche Pflichttreue und unvergleichliche Arbeitskraft, wie durch Liebenswürdigkeit und Lauterkeit seines Charakters ausgezeichneter Mann hingegangen, dessen Name mit der Geschichte der Reichsbank und darüber hinaus, sowie mit der Entwicklung des deutschen Wirtschaftsleben- unlösbar verbündet bleibt".
Deutschland auf der Weltausstellung. Don 27 510 Ausstellern auf der Brüsseler Weltausstellung sind 19 574 mit Preisen bedacht worden. Hiervon entfallen auf 3957 Deutsche 508 Große Preise. Zu den Ausstellung-- preisen wird in den nächsten Tagen noch ein großer Orden-e regen kommen.
Schwere Stratzeuunruhen in Bremen. Ueber die StraßenauSschreitungen, die am DienStag abend in Bremen im Zusammenhänge mit dem Ausstande der dortigen Straßenbahnangestellten verübt wurden, wird noch berichtet: Am Dienstag nachmittag 5 Uhr begannen in Bremen größere Ansammlungen in der Nähe des Depot« von Haferkamp. Um 71/* Uhr wurde am Spielplatz in der Nordstraße mit Steinen und Flaschen geworfen. Einem Polizeiwachtmeister wurde ein Kranz, einem Schutzmann Pfeffer in die Augen geworfen. Da die Menge eine drohende Haltung annahm, mußte der Platz gesäubert werden, dabei fielen au« der Menge einige Nevolverschüsse. Unter dem Hinweis darauf, daß die Beteiligten sich des Landfriedensbruches schuldig machten, wurde die Menge nochmal- aufgefordert, ausein- auderzugehen. Als dieser Aufforderung keine Folge geleistet wurde, schritt die Polizei ein; es mußten zehn Wirtschaften am Haferkamp, in der Nord-, Schultze-, Delitzsch- und anderen Straßen geschlossen werden. Beim dritten Zurück- drängen über die Nordstraße hinaus bis zur Jutespinnerei fielen wieder Revolverschüsse. Die Straßenlaternen von der SSSHSBSHH^^HSSBSS!— SS— SS?^»—SSSBSB feit hingearbeitet. Wenn auch die grundlegende Idee in „Miß Dudelsack" nichts neues bringt, so bietet die Handlung doch stellenweise hübsche Momente und die Musik ist dankbar instrumentiert. Die abwechslungsreiche Handlung ist kur- folgende : Leutnant John Jack Mac Humbers ist von seinem verschollenen Onkel zum Schloßerben eingesetzt. Eine Testament»- klausel legt ihm auf, mit seiner Cousine Kitty Summerset den Bund fürs Leben zu schließen. Zivar liebt er deS Verwalters Töchterlein, Mary, trotzdem willigt er ein, seine ihm durch die Klausel verschriebene Cousine zu heiraten, um aber bald schon zu erkennen, daß er an Kitty Summerset- Seit« sein Glück dock nicht finden würde. Im Schlußakt stellt sich dann heraus, daß Mary (Miß Dudelsack) die Tochter des verschollen geglaubten Onkels ist und die Sache löst sich in Wohlgefallen auf, indem Mary ihren Leutnant heiratet und Kitiy mit dem Direktor einer Akiiengesellschaft verlieb nimmt. Die Darsteller der Hauptrollen boten Vorzügliches. Frl. Lila Harves „Mary" wurde temperamentvoll gespielt und gesungen. Herr Otto Wiesinger alS Leutnant John bot eine feinpointierte Leistung. Nicht minder gut gefiel Herr Jos. W a l! b r ü ck (Henry MortonS), der seine schönen Stimmittel wiederum prächtig entfaltete. Eine darstellerisch wie gesanglich vornehme Figur brachte Frl. Mia Adam als Kitty Summerset. Auch die übrigen Darsteller partizipierten an dem Erfolg der Operette mit.
Albumblätter.
Fließendes Wasser ist der Gedanke, Aber durch die Kunst gebannt, In der Form gediegener Schranke, Wird er blitzender Demant. Geibel.
Wer hat den Weg durch*s wilde Meer gefunden. Der nie mit Todesstürmen stritt ?
Mir ist ein Herz mit seinen Wunden
Mehr wert als eins, das niemals litt, TiedL«.