Toiiiicrstag den 20. Januar
Nr. 16
^ernsprechanschltttz Nr. 605
^ernsprechanschlus; Nr. 605
V 212
Der Neichsverband gegen die Goziatdemo- tie veröffentlicht seinen Geschäftbericht über das ver-
Deutschen Bereinigung für
alte
zu verleihen. Der Chor
„historischen Abends
Der Regierungs-Präsident.
I. V.: v. Rieß.
kratie veröffentlicht seinen . .
stoffene Jahr. Die Organisation des Verbandes ist danach
UoUUiontdnlck und Verlag der Buchdrucker» des «mein, e». Waiimbaui«» i» Hanau.
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VketckiâhrNch 1,30 Mt- monatlich 60 Mg., für tm*» 0Mtt$c Abonnenten mit dem betret enden PoflauffchlaA. Sie erteilte Nummer kostet 10 Pf-.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Lie ititiflt Simmet mW Wr d.llittthtltmMitt
14 Seiten.
Amtliches.
Das in Gemäßheit des § 2 des Gesetzes zur Verhütung von Hochwassergefahren vom 16. August 1905 (Gesetz- Sammlung Seite 342) für die Nidder im Kreise Hanau dufgestellte Verzeichnis nebst Zubehör ist von dem Herrn Oberpräsidenten hier unterm 28. Oktober 1909 — Nr. 10719 — endgültig festgestellt worden.
Das vorgezeichnete Gesetz hat nach § 12 für das oben- bezeichnete Flußgebiet somit Geltung erlangt. (A III 6019.) Cassel den 18. Dezember 1909.
Stadtkreis Fjanau.
Diejenigen Arbeitgeber, welche in ihren Betrieben ausländische Arbeiter beschäftigen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß deren JulandSlegitimationskarten (Arbeiter- legitimationskarten) mit dem 31. Dezember v. Js. ihre Gültigkeit verloren haben und daher behufs Erneuerung seitens der Arbeiter sofort hier — Zimmer 5 — vorzulegen sind.
Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Arbeiter die vorschriftsmäßige Umschreibung ihrer Leqilimaiions- karten binnen einer Frist von drei Tagen nach Antritt deS neuen Arbeitsverhältniffes hier zu beantragen haben.
Hanau den 17. Januar 1910.
Königliche Polizei-Direktion.
Frhr. Laur.
Politücbe Rundschau.
Die Nttdaetikommission des Reichstage- setzte gestern die Beratung der Nachtrags'orderungen für Südwest- afrika fort. Staatssekretär Dernburg empfahl, den Vertrag betreffend die Otavibahn auf 10 Jahre abzuschließen. Der Landesrat solle in lokalen Angelegenheiten, namentlich betreffs der Trace gehört werden. Nähere Erkundungen hätten ergeben, daß der Caprivizipfel von einer friedliebenden Bevölkerung bewohnt wird. Die Einnahmen und fortdauernden Ausgaben des ordentlichen Etats wurden bewilligt, ebenso auch die einmaligen Ausgaben des Nachtragsetats und damit die erste Rate von 3,5 Millionen Mark zum Umbau der Bahnstrecke von Karibik nach Windhuk und zum Bau der Nord-Südbahn.
Zweites AbmmMWrt Des Lratimmcmns.
— Hana«, 20. Januar.
aus München* war am vorgestrigen Abend die Ausgabe zngefallen, dem zweiten Abonnements- konzrrt des hiesigen Oratorienvereins da« Gepräge eine«
deS konzertgebeuden Vereins selbst war nur mit zwei kleinen, dem Programm der Münchener Konzertvereinigung gut angepaßten Nummern vertreten. Einleitend sang er das bekannte, durch seine schlichte Einfachheit und leichte Sangbar- keit ebenso berühmt als beliebt gewordene „Ave verum eorpus" von Mozart, und am Schluß des Konzerts hörten wir den Giovanni Gastaldi 'scheu fünf- stimmigen a capella ®^or „Amor im Nachen* in angenehmer Klangwirkung, jedoch deklamatorisch und auch in seiner musikalischen Plastik auffallend weniger ausgebeutet wie das mit musikalischen Vortragsschânheiten allerdings sehr reich ausgestattete „Ave verum". Den Hauptanteil am Programm hatten, wie eingangs schon erwähnt, die M ü n ch e n e r K ü n st l e r mit ihren alten Instrumenten : dem Cembalo, der Gambe und jener Viola mit dem verheißungsvollen Beinamen d’amore. Der Gebrauchszeil dieser Instrumente, welche die hauptsächlichsten Vorgänger unserer heutigen Kammermusikinstrumente repräsentieren, entstammen auch sämtliche Kompositionen, die am vorgestrigen Abend zu Gehör gebracht wurden. Darum konnten die Kompositionen eine eigenartige, unmittelbare Wirkung auf den Hörer ausüben und im besonderen für den Musikkenner von besonderem Reiz und vielseitigem Interesse sein. Auch die dem dargeboienen Mustkstll durchaus entsprechende, von jeden äußerlichen Effekten fern gehalten«, aber lichtvoll, klar und de technisch« Sicherheit ringekleidete Wiedergabe
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Erstes Blatt.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Mt- na) Landkreis Sanaa.
er
1910
Verstorben. Der frühere Vizepräsident der Reich«' bank, Gallenkamp, ist gestorben.
3« Ehren deS Generalobersten Arhrn. v. d. Goltz fand in Konstantinopel in der Kriegsschule ein Festessen statt, an dem die gesamte Generalität teilnahm. Kriegsminister Schewket Pascha feierte die Verdienste v. d. Goltz um die Reformierung der türkischen Armee, hob die Sympathien, die der General in allen Kreisen der Armee genieße, hervor unb drückte sein Bedauern auS über die bevorstehende Abreise. Die Kriegsschüler überreichten ein silbernes Tintenfaß.
Eine Umarbeitung deS Kalkaesetz-ntwitrsS. Der „Lok.-Anz* erfährt, daß in der Bergabteilung de« preußischen Handelsministeriums der Kaligesetzentwurf entsprechend den Wünschen verschiedener Bundesstaaten umgearbeitet wurde. Am Mittwoch vormittag fand in der Dundesratssttzung eine längere Beratung statt, an der sich der Handelsminister Sydow und der Oberberghauptmann v. Velsen betätigten.
weiter erfolgreich fortgeschritten. Der Zuwachs an neuen Mitgliedern betrug im letzten Jahre 33 492 gegenüber 16 600 im Vorjahre. 66 neue Ortsgruppen wurden gegründet. Die Gesamtzahl der Mitglieder des Reichsverbandes beträgt 211 000, die Gesamtzahl der Ortsgruppen 702. Der Reichsverband besitzt jetzt sechs Rednerschulen. An den nationalökonomisch politischen Ausbildungskursen, die er im lebten Jahre veranstaltete, namen 1100 Personen teil, an demselben Kurse für Lehrer 61 Teilnehmer. Die „Korrespondenz des Reichsverbandes* wurde in 167 200 Exemplaren verbreitet.
Die nationalliberale Fraktion des Reichstages veranstaltete heute abend im Reichstage einen Bierabend, zu dem die Mitglieder des Bundesrate«, nationalliberale Abgeordnete au« den verschiedenen Bundesstaaten, Parteifreunde und die Presse geladen waren. Im Laufe des Abend« begrüßte Abg. Dr. Bassermann die Gäste der Fraktion, indem er darauf hinwies, wie wünschenswert es sei, daß die Abgeordneten deS Reichstages außerhalb de« Kreise« der offiziellen Derührungspunfte im gesellschaftlichen Verkehr im Reichstag selber pflegen und die Freunde der Partei um sich versammeln. Namentlich gedachte Dr. Bassermann der natürlichen Bundesgenossenschaft, wie sie zwischen Presse und Parlamenten in aller Welt bestehen. Dr. Bassermann trank auf das Wohl der Gäste. Namens der Gäste erwiderte Generalleutnant v. Metzler.
Die Schiffahrtsabgaben vor der sächsischen Kammer. In der Sitzung der Ersten Kammer kam Staatsrechtslehrer Wach nochmals auf die Schiffahrtsabgaben der einzelnen Programmuummern trug ein wesentliches Stück bei zu dem beabsichtigten musikalischen Erfolg. Ohne Zweifel muß dieser Erfolg noch größer sein, wenn die „Münchener Vereinigung für alte Musik" in einem kleinen Raum konzertiert und nicht in einem größeren Musiks aale. Denn hier geht doch so manches von den charakteristischen, intimen Klangwirkungen jener alten Instrumente verloren, und wer nicht das Glück hat, in unmittelbarer Nähe der Vortragenden zu sitzen, für den bleibt beispielsweise vom Klange des Cembalo nicht viel mehr übrig al« der dünne, stechende und vibrierende Ton einer ermüdenden Schlagzither. Unter solchem bi« auf dieses dürftige Neberbleibsel von Schall in dem geräumigen Concordiasaale sich ve>flüchtenden Klang de« Cembalo mußte begreiflicherweise das Accompagneinent der Solo- lieber merklich leiden, welche von der Sopranistin Frau M ö h l - K n a b l gesungen wurden. Was den Gesang der Solisten an und für sich anbetrifft, müssen wir ihr das Lob spenden, daß sie e n angenehmes, klangfrische« Organ mit guter Tonbildung bestens zu verbinden wußte, daß sie mit vollem Erkolq auf eine gute und bis zum kleinsten Laut hinreichende sehr deutliche Aussprache Gewicht legte und dem Gesamtbild ihrer einzelnen Darbietungen einen Rahmen gab, der dem Milieu deS ganzen Konzertes entsprach. Viel- , eicht hätte sie die M o z a r t 'sche „Warnung" von d.eier strengen Stilistik des Vortrage« a u S n e b m e n dürfen ; benn für die gerade in dieser Nummer zu Tage tretende lde- kannte und unbefbhtene Neigung Mozart'« zn gelegentlichen Schelmereien sang Frau M ö h l - K n a b l d,eses Lied etwas iu akademisch. .
Gegensatz zu der vorher besprochenen als weniger gut sich erwiesenen Verbindung des C e m b a l o k I a n g e « mit bem gesungenen Ton zeigte sich die Zusammenstellung der Streichinstrumente mit dem C e m b a l o von eigenartig schöner, manchmal frappierender Wirkung. Die schöne- strenge Contravunkiik und die herzerfrischende Ur-
zn sprechen. Er bezeichnete deren Einführung all einen Der» stoß gegen die Reichsverfasfung. Der BundeSrat sei zu authentischen Interpretationen deS Art. 54 der ReichSver- fassung nicht allein zuständig, sondern dazu gehöre auch bei Reichstag. Denn authentische Interpretation bedeute hier so viel wie Gesetz. Redner verwahrte sich gegen den ihm von einer Zeitung gemachten Vorwurf, er sei Preußen zu nah« getreten, indem er den § 19 deS WafferstraßengesetzeS vom Jahre 1905 als verfassungswidrig bezeichnete. Die Richter und Parlamentarier seien verpflichtet, darüber zu wachen, daß daS Landrecht nicht gegen daS ReichSrecht verstoße. Der Vorwurf, daß ein preußische« Gesetz gegen das Reich^gesetz verstoße, sei also ganz objektiv. Tatsächlich handle e» sich bei den beabsichtigten Schiffahrtsabgaben um eine Aenderung der Rtichsversaffung, e« gebe Bestimmungen, wie die Der- faffungSänderungen durchgekührt werden könnten. Eine Verfassungsänderung dürfe allerdings nicht erfolgen, wenn sie nicht durch daS Reichswohl geboten sei. DaS ReichSwohl könne aber niemals in Frage kommen, wenn eS sich um eine Schädigung, wenn auch der Minorität handle. Soweit fern« Informationen reichten, sei die in die Preffe lancierte Behauptung von einem Schwanken der sächsischen Regierung vollständig unbegründet. Wach schloß, er hoffe, daß die Bedenken Sachsens auch im übrigen Deutschland Widerhaü finden werde.
Die Marokkopolitik deS syrhrn. v. Schoen. „„Weh dir, daß du ein Enkel bist!* ist rin Aphorismus,, der schon manchem deutschen Staatsmann« das Herz mit Bitterkeit erfüllt hat*, so schreiben gestern morgen die Timei in ihrem Leitartikel über die Mannesmannkonzessionen uhè die deutsche Marokkopolitik. Das BlaN bezweifelt, daß der Kampf gegen Herrn v. Schoen mit ehrlichen Waffen und im festen Glauben geführt wird. Es sei ein offene« Gehe-mni», daß zur Zeit, als Fürst Bülow noch in der Wilhelmstraße herrschte, da« ganze Gewicht der deutschen Diplomatie für Mannesmann eingesetzt worden sei. Da« sei natürlich für seinen Nachfolger sehr unangenehm. UebrigenS würde auch in dem deutschen Weißbuche über die Marokkopolitik kein Geheimnis daraus gemacht: Wenn auch Herr v. Schoen und der Reichskanzler dadurch in ein schiefe« Licht vor dem Reichstag gerieten, so scheine doch deren Haltung selbst auf- richtig und vernünftig gewesen zu sein; aber ihre Erbschaft kompromittierte sie. „Wir können nur hoffen, daß es ihnen gelingen wird, sich davon zu befreien, in ihrem eigenen Interesse und in dem wahren — politischen wie kommerziellen — Jntereffe Deutschlands.*
Die deutsche Ausfuhr nach den Philipptner^ die 1907 einen Wert von 7,4 Millionen Mark, 1908 einen solchen von 5,7 Millionen Mark erreicht hat, wird sich in Zukunft wahrscheinlich erheblich vermindern. Seit August 1909 gehen nämlich amerikanische Fabrikat« sprünglichkeit der Melodieführung, welche die zum Worte ge- kommcnen Meister, wie Buxtehude, Kühnel, Ariosti und Johann Chr. Bach, uni entgegen- bringen, kam in einem ebenso durchsichtigen als schön sich ergänzenden Ensemble zu einer Wirkung, die in ihrem stillen Glanz und in ihrer rasch sich anschmiegenden Vertrau- lichkeit dem modernen Konzertsaal vielfach fremd geworden ist. Um von den Mitwirkenden, wie sie es verdienen, auch im einzelnen zu reden, sei erwähnt, daß sie allesamt auf der Höhe ihrer Aufgabe standen. Fräulein fri ed« Schunck leistete am Cembalo nicht nur ungemein Viele« und Vielseitiges, sondern auch in der allgemeinen Behandlung des Instrumentes und in der Klaviertechnik selbst Vorzüge licht«? Auch der Violinist Herr Emil W a g n e r, der andere Violinist und zugleich Vertreter der Viola d amor« Herr Ludwig Meister und Herr Christ,an Döbereiner als Cellist und Viola da gamba-Spiele, erwiesen sich als künstlerisch hervorragende Vertreter ihres Fache«.
Stadttbcliter in Hanau.
Mittwoch den 19. Januar -
Zum 1. Malt : „Der fidele Bauer*.
Operette in einem Vorspiel und zwei Akten von Vietor Lèoa, Musik von Leo Fall.
Der nach der „Dollarprinzessin* herausgekommene, aber vor ihr entstandene „Fidele Bauer* hat nun auch seinen Einzug im hiesigen Stadttheater gehalten, nachdem er in fast allen größeren Städten mit dem bekannten Bombenerfolg gegeben worden ist. Der vom Volksstück herkommende Dichter des Librettos, Victor Lâon, kehrt das Schlicht-Menschlich«, Naiv-Semimeniale bis zur Rührsamkeit hervor und zeitigt unverkennbare Erfolge. Das Vorspiel versetzt uns ins Jahr 1896 nach dem Dorf Oberwang in Niederösterreich. Dori lebt der verwitwete »fidel« Bauer* Matthäus SLrichelroüher.