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®krf?T|(rt)Tnd5 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg. für ans- wattige Abonnenten mit dem betreff Poltausichia-. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
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R-tatlonsdrnck und Verlag der Buchdruckerei des verein. ev. Waifenhaujes in Hanau.
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AMlhts Organ für 51M- nnD FanLKrris Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die Lgefpastene Petitzeile oder deren Raum 20 P^ ta Netlamenteil die Zeile 45 Pfg,
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i>rr»krre<I>a»!chlus! Nr. 230 1910
Elt itäämtk nmMI tnütt l.IlMjiltnMiv 23 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis Hanau. Bekanntmachnng.
Wer Durchgang von ßeimcnftra^e 22 nach dem Grünen Weg ist in den Wintermonaten (November bis einschließlich Februar) morgens von halb 7 Uhr geöffnet. Hanau den 17. November 1910. 25065
Der Oberbürgermeister.
3. B.: Hild.
B Handelsregister.
Firma:
3« Lichtenstein & Sohn in Hanau.
Der Inhaber Kaufmann Aron Lichten st ejn in Hanau ist am 6. Oktober 1910 gestorben. Seine Witwe Rosalie, geb. Levis, in Hanau hat als solmsrechtliche Besitzberechtigte und auf Grund Testaments ihres Mannes, das Handelsgeschäft ihrem Sohn Kaufmann Julius Lichtenstein in Hanau übertragen, welcher es unter unveränderter Firma als Einzelkaufmann fortführt.
Der genannten Witwe ist Prokura erteilt.
Die Niederlassung ist nach Frankfurt am Main verlegt.
- Die Firma ist hier gelöscht worden.
Hanau den 15. November 1910. 25619
Königliches Amtsgericht 5.
In der Kramerschen Zwangsversteigerung ist der Versteigerungstermin vom 16. Dezember 1910 aufgehoben. Hanau den 14. November 1910. 25621
Königliches Amtsgericht, Abt. 2.
Aufgebot.
Der Handelsmann Abraham Kanthal I. von Langenselbold, Hanauerstratze 29, hat das Aufgebot zum Zwecke der Kraftloserklärung der Hypothekenbriefe zu den im Grundbuch von Langenselbold Artikel 638 eingetragenen Posten und zwar:
a) zu Post. Abt. ITT Nr. 2 über 63 Mark zu Gunsten des Wolf Moritz dahier,
b) zu Post. Abt. III Nr. 3 über 282 Mark zu Gunsten der
Ehefrau des Isaak Stern, Fanny geb. Goldschmidt von Niederohmen beantragt. Die Inhaber der Urkunden werden aufgefordert, spätestens in dem auf
Freitag den 9. Juni 1911, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht in Langenselbold anberaumten Aufgebotstermine seine Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloserklärung der Urkunde erfolgen wird.
Langenselbold den 11. November 1910. 25623
Königliches Amtsgericht.
Aufgebot.
Die Eheleute Wilhelm Georg Klein zu Ravolzhausen, vertreten durch Iustizrat Eberhard zu Hanau a. M. haben das Aufgebot zum Zwecke der Kraftloserklärung des Hypothekenbriefs der in Artikel 288 Abt. ITT Nr. 8 im Grundbuch von Ravolzhausen eingetragenen Hypothek über 700 Mark zu Gunsten des Salomon Moritz zu Langenselbold beantragt. Der Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, spätestens in dem auf
den 9. Juni 1911, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht anberaumten Aufgebotstermine feine Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloserklärung der Urkunde erfolgen wird.
. Langenselbold den 8. November 1910. 25625 Königliches Amtsgericht.
Liegen geblieben im Brausebad (Altstadt) ein Trauring. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.
Hanau den 19. November 1910. 25667
Politische RundTd^aa.
Das Arbeitsprogramm des Reichstages. Die vorläufigen Pläne des Reichstags über die Arbeiten vor Weihnachten sind ungefähr folgende: Am 22. November kommen die drei kleinen Vorlagen zur ersten Lesung. Am 23. voraussichtlich eine der zu erwartenden Interpellationen. Vielleicht findet ein Schwerinstag statt, bei dem zunächst über die konservative Anfrage beraten werden würde: Was gedenkt die Reichsregierung zu tun, um dem Mittelstände zu helfen? Am 24. November wird die Beratung der Schiffahrtsabgabenvorlage begonnen werden, die zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen dürfte. Dann folgen mehrere Tage mit der ersten Lesung des Kurpfuschergesetzes, dessen Ausgabe bevorsteht. Daran schließt sich die zweite Lesung des Arbeits
kammergesetzes und die zweite Lesung der schon lange zur Beratung fertiggestellten Novelle zum Strafgesetzbuchs. Am 9. Dezember dürfte die erste Lesung des Etats beginnen und etwa bis zum 15. Dezember dauern, worauf das Haus in die Weihnachtsferien geht.
Mit den deutschen Vergwerksrechten in Marokko scheint es noch immer nichts werden zu wollen. Der „Köln. 3tg* wird nämlich aus Paris gemeldet: Die Bestimmungen des spanisch-marokkanischen Bergwerksabkommens, wonach die Bergwerkssteuer die Gewähr für die von Marokko an Spanien zu zahlende Bürgschaft bildet, gibt der Mutmaßung Raum, daß Spanien mit der Zeit die Kontrolle über den ganzen Bergwerksbetrieb zufallen wird. Weitere Bedenken erweckt bei den Interessenten die Nachricht, daß die von dem Roghi seiner Zeit verliehene Verggerechtsame vorläufig anerkannt und die sofortige Ausbeutung der Bergwerke innerhalb des besetzten Gebietes um Melilla gewährleistet werden soll. Der „Matin" will sogar aus Berlin erfahren haben, daß das neue marokkanische Berggesetz von den Regierungen Englands, Frankreichs, Deutschlands und Schwedens unterzeichnet worden sei und nunmehr auch den anderen Signatarmächten der Algecirasakte unterbreitet werde.
Ein Mord in Karibib. Der Deutschen Kabelgrammge. sellschaft wird gemeldet: Der Kaufmann Lentin ans Wind« Huk wurde auf dem Bahnhöfe in Karibik von dem tschechischen Arbeiter Maribek, den er hatte pfänden lasten, our Rache erschossen. Die Tat geschah unmittelbar nach der Abfahrt des Gouverneurs Seitz.
Weitere „Politische Rundschau" im zweiten und dritten Blatt.
Dcr tnnlifrfie Vcrfassiiiiiiskamps.
Die brktâruna AsquithS.
London, 18. Novbr. (Unterhaus.) Da» Hau» war wegen der erwarteten Erklärung des Premierminister» in allen seinen Teilen dicht besetzt. Die Mitglieder bei Parlaments selbst waren in so großer Anzahl erschienen, daß mehrere von ihnen keinen Sitz fanden. Balfour und Asquith wurden bei ihrem Eintritt in den Stzungssaal von ihren Anhängern enthusiastisch begrüßt. — Zu Beginn seiner Rede stellte Asquith in Abrede; daß sich in den Plänen der Negierung irgend etwa» geändert habe. Die Negierung habe sich niemals mit dem Gedanken befaßt, die Budgetvorlage fallen zu lasten; sie schlage vor, daß das HauS die wesentlichen Teile des Budgets erledige, nämlich den Teezoll, bte Einkommensteuer und den Amortisationsfonds. Nachdem Asquith noch zwei andere minder wichtige Maßnahmen erwähnt hatte, die noch in diesem Iadre erledigt werden
etablUnattr in Hanau.
„Taifun"
Schauspiel in 4 Akten von Melchior Lengyel.
(Zur Erstaufführung am Sonntag den 20. November 1910.)
Melchior Lengyel (geb. 1880) ist ein Sohn des ungarischen Tieflandes.
Er ist bis jetzt mit fünf dramatischen Arbeiten an die Oeffentlichkeit getreten. Die erste, „Der große Kurfürst", wurde von der literarischen Gesellschaft „Thalia" zur Aufführung gebracht. Dann folgte „Die dankbare Nachwelt". Dieses Stück, dem auch der große Preis der Ungarischen Akademie für Wissenschaft und Kunst zuerkannt wurde, gelangte im Nationaltheater in Budapest zum ersten Male ' auf die Bühne. Lengyels drittes Werk „Dorfidyll" erregte bei seiner ersten Aufführung im Budapester Ungarischen Theater wegen der darin enthaltenen realistischen Schilderung der Rückständigkeit des ungarischen Bauerntums, den heftigen Unwillen der Nationalisten. Darauf folgte das Sittengemälde „Die Jungfrau", das Lengyel gemeinsam mit Ludwig Hatvany verfaßte. Zählte Melchior Lengyel auch längst schon zu den begabtesten Schriftstellern des jüngeren Geschlechtes in Ungarn, in Deutschland wurde sein Ruf erst durch seine letzte Arbeit, das Japanerdrama „Taifun" begründet.
Der „Berliner Börsen - Courier" schreibt über die 100. Aufführung des „Taifun" vom 30. Mai 1910: Das Berliner Theater, das seit Monaten zu einer Art japanischer Kolonie geworden war, hat im Sonnenreiche eine erfreuliche Blüte gefunden. „Taifun" ging gestern zum hundertsten Male in Szene. Das überaus geschickt gemachte, auf kräftige Wirkungen gestellte eigenartige Stück hat an hundert Abenden in manchmal wechselnder Besetzung stets die gleiche
Spannung und, was für die Direktion die Hauptsache war, die gleiche Anziehung geübt. Auch gestern hat das japanische Schauspiel des ungarischen Dramatikers Lengyel, von deutschen Schauspielern eindrucksvoll dargestellt, das volle Haus ganz in seinen Bann gezwungen. Die ungarischjapanische Allianz wird im Reiche der deutschen Bühne wohl weitere Eroberungen zu verzeichnen haben.
Ueber das Stück urteilt die „N o r d d e u t s ch e A l l g e- meine Zeitun g": Im Berliner Theater wurde am Samstag das vieraktige Schauspiel „Taifun" von Melchior Lengyel mit geradezu tosendem Beifall ausgenommen. Beruht ein Teil dieses Erfolges, der zu einstimmig und an
haltend war, um nur von einer Claque herzurühren, auch sicherlich auf der stark sensationellen Handlung, auf einzelnen krassen, nervenfolternden Szenen, die in vortrefflicher Darstellung großen Eindruck machen, so scheint es uns doch, daß nach Abzug jener grellen, das Publikum verblüffenden
Effekte immer noch ein dauernder Erfolg übrig bleiben wird. Und zwar deshalb, weil in dem Autor eine starke Begabung steckt, sowohl für das dramatisch Wirksame, als für feine, durchdachte Charakteristik seiner Figuren oder für die Kunst, Stimmung zu machen. Die letztere zeigte in
hohem Maße der erste Akt, in dem der Knoten nur geschürzt wird, noch gar nichts Wildes, Aufregendes geschieht, und der trotzdem große Wirkung übte. Das eigenartige Naturell des Volkes im fernen Osten, das die Welt jetzt so viel beschäftigt und interessiert, der Japaner, tritt uns in lebensvoller Schilderung vor Augen, mit ihrem rührenden, durch geistige Begabung unterstützten Bildungs- und Kulturstreben, dem durch keine Rücksicht aus dem ®^cl^ A bringenden Beharrungsvermögen bei innerer Lerdensmas — ein Zug, der die Katastrophe des Dramas herberft h . Mit zahllosen Hervorrufen ehrten die Zuschauer die trefflichen Künstler. Auch nach dem Autor raste (Verzeihung, ich kann keinen anderen Ausdruck brauchen) das Hau-
wieder und wieder.
„Vofsische Zeitung". Das Stück ist ein Reißer, mit allen Bedingungen des äußeren Erfolges, wie sich gestern zeigte, aber von einem gescheidten und selbst an gefährlichen Stellen immer noch geschmackvollen Manne geschrieben, dem man seine Geschicklichkeit, seine absolut sichere Equilibristik nicht übel nimmt.
„Taifun" in Japan. Der japanische Dotschafts» Attachee, Graf Mushakoy, besuchte im Berliner Theater eine Aufführung des erfolgreichen Schauspiels „Taifun" und war von dem Inhalt und dem echt japanischen Milieu so begeistett, daß er das Stück ins Japanische übersetzen wird. Es gelangt noch in dieser Saison auf der Freien Bühne in Tokio zur Aufführung und ist somit eins der wenigen europäischen Stücke, die ihren Weg nach Japan nehmen. „Taifun" ist übrigens bereits ins Englische und Italienische übersetzt und geht gleichfalls noch in dieser Saison in London, Newyork und Mailand in Szene.
Kunst und Heben.
Der 200 OOO Mk.-Gewin» der preußischen Klassen- lollerie ist gezogen. Er fiel auf die Nummer 28611. Das qrofie Loos der preußischen Klassenlotterie, das am Dienstag auf die Nr. 88078 fiel, ist in die Kollekte deS Herrn Friesicke in Charlottenburg gefallen. Die glücklichen Gewinner wurden, nachdem die o fisielle Mitteilung eingegangen war, sofort von dem Glückszufall benachrichtigt. Zwei Achtel deS Loses waren von einem Einwohner HalenseeS gekauft worden, während die übrigen sechs Achtel sämtlich in Charlottenburg von sogenannten „kleinen Leuten" gespielt wurden. Unter den Gewinnern befindet sich eine Frau, die schon seit vielen Jahren Wirtschafterin bei einem General in Charlottenburg ist. Sie hat erst vor kurzem den Wunsch geäußert, sich „zur Ruhe zu setzen" und sich mit ihrem Sohn zusammen eine eigene Wohnung einzurichten. Jetzt ist hex Frau geholfen. M *