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Einrückungsgebühri

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Ikotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

AsMes Organ für S1aM= und Landkreis Kanan.

. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die 5gespa1tene Petitzeile oder deren Raum 20 PsA im Reklamenteil die Zelle 45 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanas,

Nr. 245. MernU"«»«''!»'"!! Nr. 230.

Amtliches. Handelsregister.

Das unter der Firma:

H. Lorsch Wb.- in Hanau bestehende Handelsgeschäft ist auf den Kaufmann Heinrich Lorsch in Hanau übergegangen, der es in Hanau unter unveränderter Firma fortführt.

Eintrag des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau vom 12. Oktober 1910. * 22929

PolitiTcb« RundTdraa.

Nach dem jetzt vorliegenden Ergebnis sind in der ersten Hälfte -es laufenden Rechnungsjahres an Zöllen, Steuern und Gebühren 701,4 Millionen Mark für die Reichskasse vereinnahmt. Wenn das zweite Halbjahr dem ersten ent­spricht, würde sich also dieser wichtigste Einnahmeposten des Reiches beim Schluffe des Rechnungsjahres 1910 auf 1402,8 Millionen Mark stellen. Da in den Reichshaushaltsetat aber 1441,5 Millionen Mark eingestellt sind, so würde sich dann die Wirklichkeit immer noch beträchtlich hinter der Schätzung halten. Es darf allerdings nicht übersehen werden, daß noch einige Momente vorhanden sind, die eine Steigerung einiger Einnahmeposten über den ersthalbjährigen Betrag hinaus erwarten lasten. Im großen Ganzen aber bestätigen die bis­herigen Einnahmen die Richtigkeit der Anschauung, daß bei der Normierung der Etatsansätze für die Einnahmen aus der letzten Neichsfinanzreform äußerst vorsichtig vorgegangen werden muß. Wie wir hören, wird bei der Aufstellung des Etats für 1911 in gleicher Weise vorgegangen. Davon, daß in den nächstjährigen Etat schon der ganze, von den neuesten Zöllen und Steuern erwartete Ertrag eingestellt wird, kann gar keine Rede fein. Im Etat für 1910 waren bekanntlich als Mehreinnahmen infolge der letzten Reichsfinanzreform rund 293 Millionen Mark vorgesehen. Im Etat für 1911 wird der Ansatz dieser Mehreinnahmen natürlich die 300 Millionen überschreiten, aber allzu weit nach oben wird er sich davon nicht entfernen. Wenn die Reichsfinanzen ihrer Gesundung entgegengeführt werden sollen, wird man sich vor allem davor hüten muffen, die Einnahmen zu optimistisch anzusehen. Gewiß sollen sie mit den Zahlen eingestellt wer­den, die man bei einer sachgemäßen Prüfung herausrechnet, darüber hinaus aber'auch nur eine Million Mark als in Aussicht stehend zu bezeichnen, würde der Erreichung des ge­steckten Zieles hinderlich fein. Bei der Feststellung des nächst­jährigen Reichshaushaltsetats wird nach diesem Grundsätze verfahren. Und trotzdem, vermuten wir, dürfte er schließ­lich kein ungünstiges Aussehen aufweisen.

Züm btvorstchtndtn Misswnsfcst.

An dem Missionsfest, das nächsten Sonntag nachmittag in der Johanneskirche gefeiert werden soll, wird Missionar FriedrichRamseyer eine Ansprache halten, einer der interessantesten Missionsmänner der gegenwärtigen Zeit. Wer einmal etwas von seinem wunderbaren Leben gehört hat, wird sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, diesen vielgenannten Mann von Angesicht zu sehen und etwas von seinen merkwürdigen Erlebnisien aus seinem Munde zu hören. Er ist im Jahre 1840 in der französischen Schweiz geboren und als junger Mann in den Dienst der B a s e l e r Mission getreten. Im Jahre 1869 befand er sich mit seiner Frau und einem einige Monate alten Knäblein auf der Station Anum, in der Nähe des Volta st romes in Westafrika. Ihm zur Seite stand noch der Missionskauf­mann Johannes Kühne aus Schlesien. In dieser Zeit waren die wilden Ashanteer nach Osten hin vorgedrungen, hatten den Volta überschritten und bedrohten die Stadt Anum. Sämtliche Bewohner flohen, da die mächtigen Ashanteer oder Aschantis als Kopfabschneider weithin gefürchtet wur­den. Ramseyer wollte seine Station nicht preisgeben und hoffte, von den Feinden nicht belästigt zu werden, da er ja als ein Bote des Friedens dem Kriege ganz fern stand und sogar einen gefangenen Ashanteer losgekauft und in seine Heimat zurückgesandt hatte. Als die einzigen Bewohner der ganzen Umgegend erwarteten sie den herandringenden Feind. Als die ersten Krieger anstürmten und ihre Flinten auf die Missionsleute richteten, ging ihnen Ramseyer ent­gegen, legte ihnen seine Lage dar und bat sie sein Leben und sein Eigentum zu schonen. Beides wurde ihm zugesagt, die Missionsleute wurden aber aufgefordert, zu folgen, um vor den Anführer geführt zu werden. Sie mußten der Auf­forderung Folge leisten und nur zu bald erfahren, daß sie als Gefangene einem schrecklichen Lose entgegengingen. Von aller Gabe entblößt, wurden sie von Ort zu Ort geschleppt. Ramseyer trug sein geliebtes Kind, kaum erhielten sie die

Mittwoch öcii 19. Oktober

Das Ende des französischen Eifenbahnstreiks. Das Streik­komitee der Eisenbahner veröffentlicht einen Aufruf, in dem es heißt, das Komitee erachte die bedingungslose Wieder­aufnahme der Arbeit für das Syndikat für dienlicher als trügerische, erniedrigende Verhandlungen. Das Komitee wolle allein die volle Verantwortung tragen, falls die Re­gierung eine Untersuchung einleite. Die Forderungen der Eisenbahner würden erfüllt, weil die Eisenbahner ruhig und fest geblieben seien. Der Aufruf wirft dem Minister­präsidenten Briand vor, er habe die Grundsätze der Freiheit verletzt und Zwischenfälle absichtlich aufgebauscht. Er endet mit der Versicherung, die Eisenbahner seien besiegt, aber nicht entmutigt, und rüsteten zur Rache.

Der ungarische Delegationsausschuß für die auswärtigen Angelegenheiten begann gestern mit der Beratung des Ex­poses des Ministers des Aeußern Grafen Aehrenthal. Der Refernt Graf Marcus Wickenburg betonte, daß die ganze Annexionkampagne einen glänzenden Erfolg des Leiters des Auswärtigen Amts und feiner Mitarbeiter, des Bot­schafters in Konstantinopel und des Gesandten in Belgrad bedeute. Kostuth sagte, daß das Expose in mehreren Punk­ten lückenhaft sei; es sei insbesondere notwendig, Auf­klärungen darüber zu verlangen, warum die Annexion ge­rade in einer Zeit vorgenommen wurde, wo die Türkei in­folge innerer Wirren geschwächt war und Komplikationen seitens der übrigen europäischen Mächte bezüglich der Ab­änderung des Berliner Vertrages zu erwarten waren. Franz Nagy (Arbeiterpartei) begrüßte das freundliche Ver­hältnis zur Türkei und erbat Aufklärung über die Mel­dungen von dem Abschluß einer türkisch-rumänischen Mili- tärkonvention. Er konstatierte mit Befriedigung die Festi­gung des Dreibundes und sprach dem Minister des Aeußern die Anerkennung auch dafür aus, daß es ihm gelungen sei, in letzter Zeit auch Italien gegenüber gewiste Mißverständ­nisse zu beseitigen. Graf Theodor Batthyany (Iusthpartei) vertrat die Auftastung, daß die einstige Proklamierung der Annexion ohne die vorherige Zustimmung der Mächte mit Rücksicht auf den Berliner Vertrag nicht zulässig gewesen sei. Der Redner zollte schließlich der von Deutschland bewiesenen vollen Bündnistreue, sowie dem loyalen, friedliebenden Verhalten Frankreichs volle Anerkennung. Graf Stephan Tisza (Arbeitspartei) bemerkte gegenüber dem Grafen Batthyany, der Dreibund sei wohl nicht das einzig mögliche Bündnis, sicherlich aber das zweckmäßigste. Er stellte fest, daß hinsichtlich der Frage, ob Oesterreich-Ungarn Serbien handelspolitische Konzessionen machen solle oder nicht, keine auswärtige Macht dreinzureden habe, und daß es in dieser Beziehung niemandem gegenüber eine moralische Verpflich­tung übernommen habe. Im weiteren Verlauf der De­batte erklärte Graf Aehrenthal gegenüber Kostuth, daß

notdürftigste Nahrung. Von Hunger, Elend und Fieber ent­kräftet, mußten sie die beschwerlichsten Wege zurücklegen, immer durch Scheltworts, Stöße und Schläge ihrer Führer zum Weitergehen angetrieben. So wurden sie der Haupt­stadt der Ashanteer K u m a s s i entgegengeführt. Das zarte Leben des Kindleins mußte den Anstrengungen erliegen. Mit tiefem Schmerz betteten sie es in der fremden Erde. Dann wurden sie lange an einem Orte gefangen gehalten. Erst nach 10 Monaten gelangten sie in die Hauptstadt. Oft genug hatten ihnen die grausamen Führer gesagt, daß ihnen dort der Kopf abgeschnitten würde und sie waren schon längst darauf gerüstet, den Mürtyrertod zu erleiden. Der mächtige König K a l k a ll i empfing sie aber freundlich und sorgte ihnen für ein besseres Unterkommen. Alle Hoff­nung auf Befreiung wurde ihnen immer wieder vereitelt. In stiller Ergebung mußten sie ihre Leiden ertragen und mußten Tag für Tag die furchtbarsten Greuel in dieser Blut- stadt Kumassi mit ansehen. Während sie gefangen gehalten wurden, erlitten Tausende als Gefangene, als Sklaven, als Totenopfer den Tod, ihre Leichname wurden an der Schä­delstätte auf einen Haufen geworfen. Die Gefangenen aber hatten reichlich Zeit die heidnischen Greuel, die schrecklichen Gebräuche kennen zu lernen, denn länger als vier Jahre mußten sie in dieser Gefangenschaft schmachten. Erst nach langen SBer^anblungen und ernsten Drohungen gelang es dem englischen Gouverneur der Eoldküste ihre Befreiung zu erwirken. Am 2. Februar 1874 konnten sie in die eng­lische Festung einziehen und bald durften sie nach Europa zurückkehren. Jetzt führten die Engländer ben Krieg gegen den Ashantee-König mit mehr Energie und der Genera W o l s e l e y schlug seine Heere und eroberte seine . aup - stabt Die Macht des Ashantee-Reiches war gebrochen sehnten sich Ramseyer und seine Frau dana . t mo Stätten' das Evangelium des Friedens zu ve ehrten sie sie so viel hatten leiden muffen. Im 2-^1875 keyrâ deshalb nach Af-i-° zurück und »W"?« Bunten R= °0 Mbetofi. nicht weit van «um* S>" konnten fi- -U Jahre in reichem Segen arbeiten, brs endlich bte Seit kam,

Aerusprechanschlich Nr. 230. 1910

seinerzeit die ungarische Regierung, der Kostuth angehörte, der Annexionsaktion dankenswerte Unterstützung habe an­gedeihen lasten. Es besteht, so sagte er, nicht die geringste Verschiedenheit der Ansichten darüber, daß wir unsere konser­vative Politik fortsetzen, unsere Bündnisse sorgfältig pflegen müsten. Darüber dürfen wir aber auch unsere Beziehungen zu den anderen Mächten nicht verpesten. Das Ententever- Hältnis zu Rußland von 1987 existiert nicht mehr, aber unsere Beziehungen zu Rußland sind befriedigend. Im vorigen Minter haben sich beide Regierungen anläßlich der Wiederaufnahme normaler diplomatischer Beziehungen da­rüber ausgesprochen, welches die Ziele ihrer Politik am Balkan sind. Dabei wurde konstatiert, daß kein Gegensatz der Auftastungen besteht. Die Gerüchte von einer türkisch­rumänischen Konvention wurden von Rumänien demen­tiert; sie stammen wahrscheinlich von einer Seite, die ein Interests daran hat, Unruhe zu stiften und der vielleicht daran gelegen ist, die Verhandlungen, welche zwischen der Türkei und Paris wegen der Anleihe geführt werden, zu stören.

Die albanefische Auswanderung. Die Auswanderung aus den Wilajets Kostowo und Skutari nach Montenegro nimmt täglich größere Dimensionen an und setzt die monte­negrinische Regierung immer größeren Verlegenheiten aus. Alle Bemühungen der Emigranten, straflos in ihre Heimat zurückkehren zu können, haben keinen Erfolg gehabt. Heute hat die Regierung allen Vertretern der Großmächte ein Memorandum überreicht, in welchem sie auf die schwierige Lage hinweist, in der sie sich befindet. Ein Ausschuß von Bürgern hat einen Aufruf an die Bevölkerung erlösten, in welchem um freiwillige Gaben für die Emigranten gebeten wird.

Die Lage des kaufmännischen Arbeitsmarktes ist nach dem Berichte der größten kaufmännischen Stellenvermitt­lung, der des Vereins für Handlungskommis von 1858 in Hamburg, über die ersten 9 Monate des Jahres andauernd günstig. Dem Verein wurden 19 757 offene Stellen gemeldet, gegen 16 440 in der entsprechenden Zeit des Vorjahres, dem­nach mehr 3317 Aufträge. Die Zahl der Bewerber stieg nur um 1488, nämlich von 19 786 auf 21 274. Wenn man berück­sichtigt, daß der Verein in den letzten drei Jahren einen ganz gewaltigen Aufschwung genommen hat seine Mit­gliederzahl stieg in dieser Zeit von 80 000 auf über 100 000 so hätte man annehmen müsten, daß auch die Bewerber­zahl eine gleiche Steigerung von 25 Proz. erfahren würde. Dem ist aber nicht so, denn sie erhöhte sich nur um 8 Proz. Auch ist das ein Beweis der sich besternden Konjunktur. Die Zahl der vermittelten Stellen beträgt 7856, gegen 6574

da sie in Kumassi selbst das Evangelium verkündigen konn­ten. Im Jahre 1896 wurde die Ashanteeherrschaft ganz ver­nichtet und schon am 4. Februar eilte Ramseyer mit seinem Neffen Perregeaux von Abetofi her nach Kumassi und begründete auf diesem blutgetränkten Boden eine neue Missions st ation. Aber auch hier mußten die vielge­prüften Missionsleute noch eine schwere Gefahr bestehen. Die unterworfenen Ahsanteer vereinigten sich zu einem Auf­stand gegen die englische Herrschaft. Die englische Besatzung wurde eng eingeschlosten, auch die Missionare mußten in dem Fort ihre Zuflucht suchen. Den andringenden Ashanteern konnte man kaum Widerstand leisten. Es blieb kein anderer Ausweg, als sich durch die feindlichen Linien durchzuschlagen. Die Missionsfamilie mußte sich auch diesem gefahrvollen Durchbruch anschließen. Unter großen Mühseligkeiten ent­gingen sie den Händen der Feinde und gelangten glücklich an der Küste. Nur ein Missionar Weller unterlag den Strapazen der Belagerung und der Flucht. Im Jahre 1900 wurden die Ashanteer abermals von England besiegt und ihre Macht ganz gebrochen. Schon am 15. Februar 190 kehrte Ramseyer mit seiner Frau zum 3. Male nach Asm a zurück. Die zerstörte Missionsstation wurde wieder aufge­baut und bald stand ein stattliches Missionshaus auf den rauchgeschwärzten Trümmern. Durch fleißige, treue Arbert wurde die zerstreute Christengemeinde aufs Neue gesammâ Nacki iuoei Jahren kehrte aber Ramseyer um ferner lerdenden Frau willen nach Europa zurück. Am 9. April 1906 ging bte treue Gefährtin heim. Er aber zog zum 4. Male Hrnaus nach Afrika erbaute in Kumassi eine schöne Missionskirche, die am 25. Oktober 1908 feierlich eingeweiht wurde. Ihr Elockenklang vom stattlichen Turme herab verkündet jetzt eine neue Zeit für das Ashantee-Reich, wo jetzt schon 500 Christen gewonnen sind. Missionar Ramseyer aber ist glück­lich, daß er nach all den Leiden seines Lebens die Zeit noch erleben durfte. Er weilt jetzt als 70jähriger wieder in der Schweiz und es wird ihm und uns eine Freude fein, wenn er nächsten Sonntag aus den Erfahrungen seines Lebens berichten und die Gnade des treuen Gottes rühmen tann. x