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General-Anzeiger
Nr. 219
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Amtliches Organ für Stadt- und Fandkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Aernsprechaitschlitst Nr. 605
Montag den 19. September
Fernsprechanschlutz Nr. 605
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1910
Amtliches.
Candkreis Fjanau.
Auf Grund des Arttkels 40 der Anweisung vom
25. Juli
1906 zur Ausführung des Einkommen- und Ergänzungs- steuer-Eesetzes hat die Königliche Regierung zu Cassel bestimmt, daß die zur namentlichen Feststellung der Steuerpflichtigen erforderliche Aufnahme des Personenstandes für das Steuerjahr 1911 in sämtlichen Orten des Bezirkes am Montag den 17. Oktober d. Js. stattzufinden hat und, wenn sie nicht an diesem Tage beendet werden kann, an den nächstfolgenden Werktagen ununterbrochen fortzusetzen und in möglichst kurzer Zeit zum Abschluß zu bringen ist.
Die Herren Bürgermeister und Eutsvorsteher setze ich hiervon in Kenntnis mit der Weisung, die Vorbereitungsarbeiten für die Voreinschätzung ungesäumt in Angriff zu nehmen.
Die zur Veranlagung der Einkommensteuer erforderlichen Formulare werden in der hiesigen Waisenhausbuchdruckerei vorrätig gehalten.
Hanau den 15. September 1910.
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission
für den Landkreis Hanau.
Frhr. Laur.
St. 1743
Wegen Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird die Hanau—Frankfurter-Straße von Station 10,7 bis Station 12,4, d. i. von der Mainkur bis zur Frankfurter Grenze, für den 20. und 21. d. Mts. und der Landweg Nr. 37 sogen. Wiesenweg von Fechenheim nach der Hanau—Frankfurter- Strahe für den 22. d. Mts. für Kraftfahrzeuge aller Art, sowie für Fuhrwerke von mehr als 20 Ztr. Ladegewicht polizeilich gesperrt.
Hanau den 19. September 1910.
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
V.5448
Were Surenu-Siaume i ' 't
Unterzeichnete Kasse sucht für Herbst 1911 beziehbare Helle Bureau-Lokalitäten nicht unter 150 qm benutzbare Fläche. Jnnen-Stadtlage bevorzugt. Kauf nicht ausgeschlossen. Anerbieten sind an den Vorstand der
Hanauer Ortskrankenkasse au richten.
20049
Die Waldmin der Umgebung Hanans.
Von Forstmeister Fenner-Wolfgang bei Hanau.
(Fortsetzung.) /
In dem im frühen Mittelalter zum größten Teile zusammenhängenden Waldgebiet der unteren Main- und Kinzigebene, in welchem erst in späterer Zeit durch Axt und Feuer für Pflug und Sense Raum geschaffen wurde, waren Eichen und Buchen in schönen Beständen die herrschenden Holzarten, denen Erlen, Birken und andere Laubhölzer sich beigesellt hatten. Mit dem künstlichen Anbau des Nadelholzes ist erst später, im 15. Jahrhundert begonnen worden- Daß die hiesigen Waldungen, in denen jetzt die Kiefer die Hauptholzart bildet, ein ausgesprochenes Laubholzgebiet waren, beweisen die in fast allen älteren Kiefernbeständen vorhandenen alten Eichen- und Buchenüberhalter, beweist ferner auch der Umstand, daß die früheren Holzberechtt- gungen, deren Ursprung sich auf viele Jahrhunderte zurückführen läßt, immer nur Eiche und Buche betreffen, soweit bestimmte Sortimente in Vettacht kommen. Von dem in der Vulau gelegenen Kloster Wolfgang heißt es in einer alten Urkunde aus der Zeit des 15. Jahrhunderts: „Man wählte als Ott (für das Kloster) keine unfruchtbare Einöde, sondern einen „schattigten Wald" fruchtbarer Eichen und Buchen". Die mittelalterliche Waldwirtschaft ging vorzugsweise aus die Erzeugung von Eichen und Buchen ganz besonders wegen der Schweinemast, und bei den Eichen auch wegen des Nutzholzes, da. sie zum Hausbau vorzugsweise verwendet wurden.
Treten wir nun der Frage näher, wie es zu erklären ist, daß jetzt in unseren Waldungen das Nadelholz, besonders die Kiefer, als herrschende Holzart bezeichnet werden kann und das Laubholz zurückgetreten ist, so müssen wir uns den Zustand gegenwärtig halten, in welchem diese Waldungen sich in früheren Jahrhunderten befunden haben.
Politische Rundschau.
Der Reichskanzler beabsichtigt in Berlin einzutreffen, um eine Sitzung des preußischen Staatsmi'nisteriums zu leiten und mit den Staatssekretären zu konferieren. Den wich- ttgsten Beratungsstoff dürfte die Art der Dalanzierung des neuen Reichsetats bilden. Der Reichsschatzsekretär ist, so lange er darauf angewiesen bleibt, mit den jetzigen Einkünften des Reiches zu wirtschaften, genötigt, die Balanzie- rung des Etats durch große Abstriche an den einzelnen Ressortforderungen zu ermöglichen. Da die Erträge der Finanzreform aber hinter den Erwartungen zurückbleiben, rückt die Gefahr nahe, daß mit den Streichungen auch auf das Gebiet der notwendigen Bedürfnisse des Staates hinübergegriffen werden muß. Daher dürfte auch im Hinblick auf die zu erwartenden größeren Mehrausgaben jetzt schon die Frage geprüft werden, ob allein mit sparsamer Wirtschaft das Gleichgewicht im Reichshaushaltsetat aufrecht erhalten werden kann.
Der neue Unterstaatssekretär im Kolonialamt. Der zum Unterstaatssekretär des Reichskolonialamts ernannte bisherige Bürgermeister von Metz, Dr. Böhmer, ist ein Diplomat von geroanbten Umgangsformen und eine aristokratische große Erscheinung. Ueber seine persönlichen politischen Anschauungen läßt sich ein bestimmtes Urteil nicht fällen; er bekannte sich hier und da zu liberalen Anschauungen, kann aber vielleicht eher als fteikonservativ bezeichnet werden. Die städttschen Finanzen in Metz hat er nach besten Kräften in Ordnung gebracht und das Budget im Gegensatz zu seinem Vorgänger nach richtigen Grundsätzen neu organisiert. Auf gute Beziehungen zur Presse hat Dr. Böhmer, der sich auch als gewandter Redner in politischen Versammlungen zeigte, von jeher großes Gewicht gelegt. Beim Kaiser erfreut der neue Unterstaatssekretär sich großer Beliebtheit. Während des Empfanges im Jahre 1908 gratulierte der Kaiser dem Bürgermeister zu seiner Wahl und redete ihn des öfteren mit „Mein lieber Böhmer" an. Dr. jur. Böhmer erhielt auch schon nach kurzer Zeit die goldene Amtskette, die seinem Vorgänger erst nach jahrelanger Tätigkeit verliehen worden war.
Keine Wahlparole der Regierung. Die „Nordd. Allgem. Zeitung" schreibt: Angeregt durch einen Artikel der „Frankfurter Zeitung" hat sich die Tagespresse vielfach mit einer Wahlparole oder einem Wahlprogramm der Regierung beschäftigt. Solche Erörterungen finden einen günstigen Boden in der Besorgnis, von der die besten Kräfte der Natton im Hinblick auf die Verbitterung unter den bürgerlichen Parteien und auf die sozialdemokrattschen Erfolge bei den Nachwahlen zum Reichstag erfüllt sind. Ohne Zweifel hat jene Verbitterung bei diesen Erfolgen mitgewirkt. Was
Wie erwähnt, war der Urwald schon längst verschwunden zur Zeit, als die Stürme der Völkerwanderung durch die Lande brausten, nachdem die Römer fast 500 Jahre lang als die Herren hier im Lande gehaust hatten. Man darf sich aber auch ebensowenig unsere Waldungen vom Ausgang des Mittelalters bis zum Ende des 18. Jahrhunderts (17. und frühere Jahrhunderte) als wohlgepflegte Forste, wie wir sie jetzt sehen, vorstellen, in denen die Forstkultur zu ergänzen suchte, was die natürliche Verjüngung versagte. Aus dem deutschen Urwald des Liedes und der Sage waren vielfach verlichtete und verheidete Bestände geworden; die Holznutzung wurde regellos, plenterweise, betrieben; verschiedene Holzarten jeden Alters standen auf einer Fläche, wo je nach Bedarf gehauen und die entstandenen Lücken und Blößen sich selbst überlassen wurden.
Wichtiger als Holz waren der Wildstand, die Schweinemast und besonders auch die Waldweide und die Streu- nutzung, welch letztere im Laufe der Zeit geradezu ein Fluch für die Waldungen wurde und mehr als die unwirtschaftliche Ausnutzung des Holzes zur Verschlechterung derselben beigetragen hat. So sah es vom Ende des Mittelalters bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in unseren Waldungen durch diese verderbliche Mißwirtschaft recht betrübend aus; Klagen blieben nicht aus. 1539 sagt die Gräflich-Hanauische Regierung, sie könne zum Neubau der hölzernen Kinzigbrücke, zu dem sie den 3. Teil beizutragen hatte, kein Holz aus ihren Waldungen mehr geben, da der Wald schon zu sehr gelichtet sei. Der starke Verbrauch an Holzkohlen für die Feuerung in offenen Kaminen im Schlosse zu Hanau — jährlich ca. 40 Wagen voll — hat auch damals zur Lichtung unseres Waldes mit beigetragen, zumal da zum Verkohlen nur vorzügliches Stammholz verwendet wurde.
Ende des 17., während des 18. und nach Anfang oes 19. Jahrhunderts hatte bekanntlich die Angst vor r 9- dem Holzmangel angesichts der verluhteten. - ^ ' derart um sich gegriffen, daß es als etn dringendes Be-
I der Reichskanzler in seiner Reichstagsrede vom 9. Dezember 1909 in Bezug auf ausgezeichnete Geschäfte des Radikalismus vorausgesehen hat, tritt leider mehr und mehr in Wirklichkeit. Es ist auch richtig, daß diese Voraussicht nicht von der Pflicht entbindet, nach Möglichkeit Vorsorge dagegen zu treffen, daß nicht ein blinder Mißmut, eine ungestüme politische Verhetzung des Volkes eine gefährliche innere Lage schaffe. Wir können aber versichern, daß an der obersten verantwortlichen Stelle nicht nach Schlagworten gesucht, noch heute schon entschieden wird, welche einzelne Frage bei den nächsten allgemeinen Wahlen zum Reichstage in den Vordergrund zu rücken wäre. Mit Wahlparolen, die sich nicht aus der Natur der Dinge ergeben, mit künstlichen Schlagworten läßt sich dem Uebel, das wir beklagen, überhaupt nicht beikommen. Leistet das deutsche Volk in der praktischen Arbeit fortwährend Großes, so wird es sich auch in seiner politischen Betätigung und Kultur der Herrschaft der Phrase enttvöhnen und seine Geschicke so wenig nach übler Laune, wie nach einseittgen Klassen- oder Jnteressen- wünschen mit bestimmen müssen. Der Reichskanzler hält für seine Hauptaufgabe, die Reichsgeschäfte so zu führen, daß das der Nation zum Gedeihen des Erwerbslebens ebenso wie zu ihrem militärischen Schutz Nöttge gesichert und ihre stetige kulturelle Entwicklung gewahrt werden. Es ist daher ein im einseitigsten radikalen Parteiinteresse genährter Aberglaube, daß irgend etwas einer geistigen oder wirtschaftlichen Reaktion Aehnliches im Werke sei. Eine solche Absicht liegt allen maßgebenden Faktoren des Reiches fern.
Der Inhalt der kommenden Militärvorlage. Die „Mil.- pol. Korr." will jetzt, nachdem die Heeresnovelle das Reichsschatzamt passiert und die kaiserliche Genehmigung erhalten hat, folgende zuverlässige Angaben über die dem Reichstage zu unterbreitenden Forderungen machen können: Es ist zunächst und als notwendigste Forderung in Hinblick auf den in Frankreich bestehenden Vorsprung die Aufstellung von Maschinengewehr-Kompanien für die Infanterie vorgesehen. Ebenfalls dringlich ist der Ausbau der technischen Truppen, die zusammen mit den um je eine Kraftwagen- Kompanie zu vermehrenden Train-Bataillonen der neuen Generalinspektion der Verkehrstruppen unterstellt werden. Bei diesen Kompanien soll in Zukunft die Ausbildung der miltärischen Kraftwagenführer erfolgen, von denen die mo- bile Armee wegen des bei den 2. Staffeln geplanten Ersatzes der tierischen Kraft durch die mechanische sehr starken Bedarf haben wird. Sämtliche Neuformationen und Forderungen der Vorlage werden bis 1914 gestaffelt. Bis zu diesem Jahre, das dem Reiche durch Freiwerden gewisser Einnahmen größere finanzielle Bewegungsfreiheit gibt, wird auch die für die 37. u. 39. Division in Allenstein und Colmar i. Elsaß geplante Ergänzung ihrer Feldartillerie zu Btt-
dürfnis erkannt wurde, die Waldungen besser zu pflegen und dicht geschlossene Bestände heranzuziehen. Aus dieser Zeit stammt die große Ausdehnug des Kiefernanbaues. Als einfachstes Mittel zur Füllung lichter Laubholzjungwüchse mochte die Kiefernsaat erscheinen. Von den so entstandenen, mit Laubholz noch gemischten Beständen ist man dann, nachdem die natürliche Verjüngung aufgegeben war, allmählich zu den reinen und fast reinen Beständen der jüngeren Altersklassen der Kiefer gekommen. Zur Verschlechterung der Waldungen in der vorerwähnten Zeit haben auch die vielen Berechtigungen, die auf ihnen lasteten, beigetragen; besonders die „Bulau" (Oberförsterei Wolfgang) hat bis in die jüngste Zeit hinein darunter zu leiden gehabt.
Die Bürger der Altstadt Hanau (nur diese, nicht auch die von Neu-Hanau), soweit sie „eigenen Rauch" hatten, und die fronbaren Untertanen des Dorfes Niederrodenbach hatten in dem Walde Bulau (d. f. 33 Forstorte des Reviers Wolfgang in einer Gesamtgröße von 8205 Acker 120 Quadratmeter N. oder 958,336 Hektar) die Berechtigung zum Bezüge des zu ihren Gebäulichkeiten nötigen Eichenholzes (Eckpfosten und Grundschwellen) forstfrei gegen Erstattung des Hauerlohnes und Entrichtung von Kreuzern (oder 15 Pfg.) Forstgebühren für jeben Stamm. Auch das zu dem „Städtischen- und Kommunal-Land- Brücken- und Wasserbauwesen" notige Erchen- und Tannen- bolr wurde forstfrei abgegeben. Die bespannten Ortsburger erbietten auch dao erforderliche Geschirrholz (Eichen und Buchen) zu Deichseln, Achsen, Leiterbäumen usw. forstfter gegen Zahlung des Hauerlohnes. Zum Brennholzbedarf wurde das in den Jahresschlägen anfallende Holz einschließlich des Brockenholzes forstfrei gegen Erstattung des Hauerlohnes abgegeben; außerhalb der Jahresschläge stand den Berechtigten das in den offenen Huten (d. h. nicht eingehegten Orten) zur Nutzung gebrachte Stock- und Wurzelholz zu. Das Einsammeln von Leseholz mit der Erlaubnis des