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Erstes Blatt.

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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint tâqlich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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3?r. 64 ^ernsprechanschltts; Nr. 605»

Toniicrstag den 17. März

^ernsprechattschlub Nr. 605. 1910

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14 Seiten._________

Gtsiiiidenc lind verlorciic Gtgtiistäiide rc.

Gefunden: 1 grauer Damenpelz, 1 Mülleimer, 1 silberne Damenuhr.

Liegen geblieben in der Garderobe der Concordia: l Hutnadel, 1 lila Schleier und 1 weiße» Taschentuch (gez. T. B.)

Verloren: 1 Gummireifen von einem Kinderwagen, 1 schwarzes Portemonnaie mit 2,30 Mk., 1 oxidierte Damenuhr.

Zugelaufen: 1 junger weiß- und gelbgefleckter Bernhardinerhund m. Geschl.

Hanau den 17. März 1910.

Politische RundTthaa.

Der Reichskanzler an den Veteranen der Berliner Presse. Friedrich Stephany, der frühere lang- rige Leiter derVoss. Ztg.", feierte am Montag seinen 80. Geburtsiag. Einer der ersten Glückwünsche war der bei Reichskanzlers von Bethmann Hollweg. Die Depesche lautete:Die besten Glückwünsche zum heutigen Tage sendet dem Veteranen der Berliner Presse von Bethmann Hollweg, Reichskanzler. *

Die Frontstellung der Nationalliberalen gegen die Konservativen ist in einer Sitzung des An- baltischen Landtags sehr scharf zum Ausdruck gekommen. Der Führer der nationaUibera'.en Fraktion, Prof. Dr. Leonhardt, kam bei der Beratung des Hauptfinanzetats auf die Reichs- finanzreform zu sprechen. Daß die Konservativen in Der« bindung mit dem Zentrum die ErbschanSsteurr abgelehnt und dafür weitere indirekte Steuern eingeführt hätten, sei ein Raubzug auf die Taschen deS steuerzahlenden VolkeS. Die Konservativen hätten die Erbschaftssteuer nicht bezahlen wollen, um ihre Taschen zu schonen. Sie hätten, als sie die Reichsregierung zum Umfall in der Haltung der Reichs, sinanzrelorm zwangen, eine Erschütterung der StaatSautorität oeibeigeführt, wie es die Sozialdemokratie seit der ganzen Zeit ihres Begehens noch nicht vermocht habe. Der Redner wurde schließlich, als er den Konservativen politische Heuchelei vorwarf, zur Ordnung gerufen. Die Antwort von konser­vativer Seite war sehr scharf.

Die Marine als Arbeitgeberin. Anläßlich der drohenden Arbeiterentlassungen auf den Kaiserlichen Werften lenkt sich her Blick auf die außerordentliche Anregung unb

Drittes Abammkiilskonjcri io SriforitiwrrtinS.

DaS dritte der dieswinterlichen Abonnementskonzerte bei hiesigen Oratorienvereins brachte uni eine Aufführung der Szenen au« Goethes Faust" von Robert Schumann. Diese Faustaufführung bildete den Inhalt -er Dcbumaun'Feier, mit welcher der konzertgebende Verein in pietätvoller Weise des Hundertjährigen Geburtstages R. Schumanns dankbar gedachte. Die Büste bei beliebten Meister« prangte, oon frischem Grün umgeben, vor dem Dirigenten« pult. Aber mehr noch all durch diesen für da« Auge des KonzertbesucherS dargebotenen äußeren Schmuck bei Konzerisaales wurde die Festesstimmung des Abends charak­terisiert durch den Umstand, daß der Oratorienverein keine Opfer gescheut hat, den großen To nappart aufzu- dieten, welchen eine Faustausführung erfordert, um dem Obre bie Eindrücke zu vermitteln, welche der Komponist beabsichtigt hat. Nicht weniger als vier Solisten waren für das Konzert engagiert, ferner die durch hiesige und auswärtige Musiker und Musikbeflissene verstärkte Offenbacher Regiments« kapelle, und außerdem waren für die Solo-EnsembleS die Veikiusmitglieder Frl. A. und M. Zehner, Frl. Coquot, Frl. D i n 1 e l m a n n und Herr E. Schnell tätig.

Frau Emma Bellwidl-Frankfurt sang die Partie des G re 1 ch e n " und den Sopran der Solo- q u a r t e t t e. Die Solistin zeiate bei den in Bezug auf Rhythmus, Tongebung und Treffkunst oft sehr schwierigen Stellen ihrer Soli eine bis zu weiten Grenzen reichende musikalische Sicherheit und Routine. Auch trat ein sehr hübsches, starkes Empfinden vorteilhaft in die Erscheinung, welches an keiner Stelle einer Unterstützung durch äußere, physische Momente eigentlich gar nicht bedarf. 3m Gegen- K'l, Frau B e l l w i d t soll nur einzig und allein bie Seele singen lassen und auf alle übermäßige Affekie ^uch auf solche einer forcierten Tongebung verzichten. Dann wird rweisello» da» Gesamtbild ihrer musi­

Förderung, die die gesamte heimische Volkswirtschaft durch den Flottenbau erfährt. Flirßt doch der größte Teil der für die Flotte bewilligten Gelder direkt oder indirekt in die Taschen der Arbeiterschaft. Das von der Marineverwaltung in ihren Betrieben beschäftigte Arbeiterheer zählte nach dem neuesten vorliegenden amtlichen Material am 1. November 1908 23 908 Köpfe (gegen 21 607 am gleichen Tage 1907) mit einem durchschnittlichen Tageslohn von 5,35 bis 6,60 Mark. Von ihnen wurden beschäftigt auf der Kieler Reichs- werft 8500, auf der Wilhelmshavener 8134, auf der Danziger 3593, auf der Torpedowerkstatt Friedrichsort 1555, die übrigen bei den Garnisonverwaltungen, Lazaretten, Be­kleidung-« und Verpflegungsämtern, den Artillerie«, Minen« und Munition-depot». An Arbeitslöhnen wurden im Rechnungsjahr 1908 bezahlt 83,1 Millionen Mark (29,6 Millionen 1907). Davon entfielen auf die Kieler Werft 12,28 Millionen, auf die Wilhelmshavener 1 l,O6 Millionen, auf die Danziger 4,84 Millionen, auf die Torpedowerkstatt Friedrichsort 2,55 Millionen und auf die weiteren genannten Marinebetriebe der Rest. Die Zahlen beweisen wohl zur Genüge, daß der weitere Ausbau der Flotte, der eine regel« mäßige, pünktlich bezahlte Beschäftigung für Tausende von Arbeitern gewährleistet, der deutschen Arbeiterschaft nicht gleichgültig sein kann und darf. Zudem kommt dabei noch in Betracht, daß hier nur erst ein verschwindend geringer Bruchteil derjenigen Arbeiterschaft aufgezählt ist, die ihren Unterhalt von der Marine bezieht, denn am Dau unserer Schiffe ist bekanntlich die Privatindustrie ungleich stärker be­teiligt, al» el die Staatswersien find. Unb dann die unge­zählten Arbeiter, die bei der Herstellung von Geschützen, Ge­schossen und Panzerplatten, von Maschinen und nautischen Instrumenten, in der Feinmechanik und Elektrotechnik, der Textil» und Lederindustrie, derjenigen in Farben, Fette und Cele, der Nahrungsmittelbranche usw., überhaupt fast in jedem Gewerbe für die Marine tätig sind! Dabei betragen, ganz abgesehen von der Urproduktion, die Arbeitslöhne selbst vom Halbfabrikate bi» zur gebrauchsfähigen Herstellung bei fertigen Gegenstände» vielfach noch 50 vom Hundert de» Geldaufwandes. Wenn die Sozialdemokratie daher fortgesetzt gegen die MarineauSgaben Sturm läuft, so arbeitet sie damit direkt den Arbeiterinleressen entgegen.

Die Ratifikationsurkunden des deutsch-bolivianischen Handelsvertrages wurden am 15. März in La Paz auSge- wechselt. Der Vertrag tritt gemäß Artikel 11, Absatz 2 zehn Tage nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden in Kraft.

Elsatz-lothringikcher LandesauSschutz. In der gestrigen Sitzung deS LandeSauSschusse» für Elsaß-Lothringen wurde zur Abstellung der FriedhofSskandale von der Loth« ringer Gruppe eine Erklärung abgegeben, die die Regierung

kalischen Darstellung noch schöner werden, wie el vor­gestern ohnedies schon gewesen ist. Das auf diese einfache Weise geübte und gestärkte Gefühl für eine vorteilhafte An­wendung und Verteilung zarter und doch eindring­licher Farben und der auf diesem Wege bis zu unfehl­barer Sicherheit geschärfte Blick für eine harmonische Linienführung wird es dann verhindern, daß inner­halb eine» und desselben Rahmen» solche Kontraste ent» stehen, welche ästhetisch nicht zu rechtfertigen sind (z. B. der gesangStechnische Gegensatz zwischen der von innigem Wohl­laut getragenen 1. Szene und dem schrillen und grellen Hilf, rette mich von Schmach und Tod", ferner der Kontrast zwischen dem in der Tongebung prächtig gesponnenenJene Rosen, au« den Händen heiliger Büßerinnen" und den scharf geschliffenen hoch gelegenen Soli bei SchlußchoreS 1)

Fräulein Klara Funke-Frankfurt, welche die Partien der M a rt h e, Sorge, Mater gloriosa und den Alt der S o l o q u a r 1 e tt e sang, schien stimmlich leider nicht gut disponiert. Die jedenfalls hieraus resul­tierende Vorsicht in ihrer Tongebung tat der gesang­lichen Wirkung ihrer Soli einen gewissen Abbruch. Der gutturale Klang der Vokale und die überall in derselben Weise fast bis zur Stopfung ausgedehnte Lautabdâmpfuug einiger Äonfonanten (besonders der Seattle) bezeugte dem aufmerksamen Hörer sofort der Solistin Indisposition, sodaß dessen Aufmerksamkeit sich gerechte, weise hauptsächlich der rein musikalischen Seite und der deklamato­risch e n B e h a n d l u n g bei Dichtungs inhaltes der Frl. Funkt'icheu Soli zuzuwenden hatte. Hierin leistete die Sängerin ihr Best-Möglichstes, ohne daß sie jedoch da« durch allein ihre Gesänge zu besonderer Bedeutung zu er­beben vermochte.

Herrn Christian Kaus-Wiesbaden waren die Baßpanikn übertragen (Mephistopheles, Böser Geist. Pater profundus). Der Solist ist in dem

zur Vorlage eines entfprechenden Gesetzentwürfe« auffordert. Die Regierung lehnte ein Eingehen auf diese Erklärung ab, weil nicht angegeben sei, in welcher Richtung sich das Gesetz bewegen solle. Von liberaler Seite wurde einer Simultani- sierung der Friedhöfe das Wort geredet. Ein solcher Gesetz« rntwurf würde die Zustimmung de« Hauses finden. Die Lothringer rieten, ohne ihre Wünsche genau zu präzisieren, daß die Regierung sich mit der Kirche in« Benehmen setzen solle, was da« Zentrum dahin auffaßte, daß die Lothringer auch die konfessionelle Scheidung der Friedhöfe wünschten, wo da» bestehende Gesetz die« nicht zuläßt, sobald nur ein Teil der Gemeinde eine solch« wünschte.

OesterreichischeS Abgeordnetenhaus. Zu Be- ginn der gestrigen Sitzung bei Abgeordnetenhauses beant­wortete der Handelsminister Weißkirchner die Interpellation der Abgeordneten Seitz und Pitaeco, in der der Regierung Vorwürfe gemacht werden, daß sie von der Ermächtigung zum Abschluß von Handelsverträgen mit verschiedenen au«, wärtigen Staaten, namentlich Rumänien, Montenegro, Serbien, Frankreich, Amerika und Argentinien keinen Gebrauch mache. Der Minister versicherte, daß die Regierung bemüht fei, bie Aktion möglichst zu beschleunigen und die Verträge in raschester Zeit abzuschließen. Durch da» Derhältni» zu Un­garn und die seinerzeitige Haltung bei Kabinett» Wekerl« seien den Handelsverträgen Hindernisse, erwachsen.^ Wekerle habe seine Zulage nicht eingehalten. Das Hau« möge daraus ersehen, daß somit bie handelspolitischen Verhandlungen nicht von der österreichischen Regierung allein abhängen. Die Regierung sei sich bewußt, daß die Ordnung der Handels­beziehungen zum AuSlande umso dringender sei, als die un­günstige Konjunktur in vielen Produktionszweigen leider noch anhalte. Da die Schaffung der Handelsverträge ebenso im Jnieresse Ungarn» wie Oesterreich» liege, hoffe die Regierung auch bald auf den Abschluß der Aktion. Die, Vorlage über die Errichtung einer italienischen Rech1»sakultât wurde dem DudgetanSschusse zugewiesen. Abg. Waldner empfahl im Namen de» Deutschen NationalverbandeS Triest all Ort der Fakultät.

Englische- OberhanS. Bei der fortgesetzten Be­ratung bei Vorschläge» von Lord Roseberry erklärte Lord Curzon, der Augenblick sei für die Erwägung der Reform­frage außerordentlich günstig. Da» Ziel müsse sein, zu einer allgemeinen Verständigung über die Grundlagen der beabsichtigten Reform zu kommen. Er kritisierte al»danv die Haltung der Regierung, die sich von einer jeden Er« örterung der Reformvorschläge fernhalte und sprach die Hoff­nung au», daß bie PeerS die jetzt gebotene Gelegenheit nicht verpassen, und ehrlich, aufrichtig und entschieden an einen wirklichen und annehmbaren Reformpian herantreten würden. Wen»» er auch gegen die nur aus Wahlen hervorgegangene glücklichen Besitz einer echten und rechten Baßstimme, deren Klang durchdrungen und gesättigt ist von einer herzerfreuenden Jugendfrische und deren Färbung durch alle Register hindurch da» charakteristische Daßtimbre zur Schau trägt. Die SangeSweise bei Solisten ist schlicht und einfach, von einer einnehmenden, ,»nge;ivungenen Natür­lichkeit, seine Tongebung ist leicht und locker. Bon solch guten Eigenschaften getragen, erzielten die Soli de» Herrn K a u S eine volle Wirkung.

Herr Anton Kohmann-Frankfurt sang dir Tenorpartien (Ariel, Pater so Station» und Soloquartette.) Auch seine Darstellungen ernteten wohlverdienten Beifall. In ruhigen, sicheren Tönen brachte er seine Nummern zu schöner Geltung. Die geschickte Be­handlung seiner klangvollen, weichen Tenorstimme wirkte vorteilhaft in der Verbindung mit einer dem jeweiligen StimmungSgehalte gut angepaßlen Deklamation.

Der Träger der Titelrolle, der B-ritonist Herr R t ch. Schmid-Hannover, sang neben seinem F a u st noch ben Pater Seraphious, Doctor Marianus und die Barilonstellen der S o l o q u a r t e t t e. Herr R. Schmid war, das wollen wir gleich kur; und bündig vorweg sagen, gesanglich ein prächtiger Faust.

Ein herrliches, besonders nach der Höhe hin sehr umfang­reiche« Organ nennt Herr R. Schmid sein eigen. Mit diesem Organ, welches in seiner Tonkârbung ebenso intensiv als Bariton charakterisiert ist wie die vorher besprochene Gesangsstimme bei Herrn KauS als Baß, entwickelt Herr R. Schmid Töne von blendendem Glanz und bestrickendem Reiz. Auch in Bezug auf musikalische Empfindung und Aus­drucksweise blieb der Solist seinen Partiten nichts schuldig. Dem vorzüglichen Gesamteindruck seiner Leistungen vermochte auch die zuletzt bei Herrn Schmid sich bemerkbar machende kleine Heiserkeit seinen Abbruch zu tun. Jedenfalls haben seine Siimmbänder dein anfangs ganz enormen Rauch ein kleines Opfer bringen müssen, der im Saale sich entwickelt