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ÄekÜtolk*» ran Bering bet Buchdruck«, bei mein. «. Beifeeb «i|eS tat Ho«,

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sinn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 216 N<»nsprechan,chl>ik Nr. «05. Donnerstag bcit 15. September

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1910

Amtliches.

Einstellung in das Heer!

Alle Rekruten und Freiwillige, welche in Hanau wohn­haft find und diesen Herbst zur Einstellung gelangen, können ihre Gestellungsbefehle vom 16. ds. Mts. ab beim Bezirkskommando Paradeplatz gegen Abgabe der Rekruten-Urlaubspäße bezw. Aufnahmescheine in Empfang nehmen.

Diejenigen Rekruten, welche keine Gestellungsbefehle erhalten, gelangen voraussichtlich dieses Jahr nicht zur Einstellung und haben sich nächstes Jahr erneut zur Stamm­rolle zu melden.

Hanau den 14. September 1910.

Bezirkskommando Hanau.

Einstellung in das Heer!

Alle Rekruten und Freiwilligen, welche diesen Herbst zur Einstellung gelangen, können ihre Gestellungsbefehle vom 16. ds. Mts. ab bei den Bürgermeisterämtern gegen Abgabe der Rekruten-Urlaubspäße bezw. Annahmescheine in Empfang nehmen.

Diejenigen Rekruten, welche keine Gestellungsbefehle erhalten, gelangen voraussichtlich dieses Jahr nicht zur Ein­stellung und haben sich nächstes Jahr erneut zur Stamm­rolle zu melden.

Hanau den 14. September 1910.

Bezirkskommando Hanau.

Dicnstnachrichtcn aus dem Kreise.

In der Gemarkung Dörnigheim ist die Schweineseuche jestgestellt worden.

Hanau den 14. September 1910. V 5338

Politische Run dich au.

Die Fleischteuerung. DieRordd. Allg. Ztg." enthält ausführliche Mitteilungen über dje Unterredung, die der Landwirtschaftsminister am 13. September mit der Deputa­tion des Deutschen Fleischerverbandes gehabt hat. In der über zwei Stunden langen Unterredung wurden hauptsäch­lich die Vorschläge besprochen, die der Vorstand des Verban­des in einer von ihm überreichten Denkschrift zur Beseitt- . gung der augenblicklichen Fleischteuerung gemacht hat. In seiner Erwiderung verwies der Minister darauf, daß schon durch Erlaß an die preußischen Landwirtschaftskammern oom 27. Juli unter Bezugnahme auf die Ergebnisse der Vieh­zählung vom 1. Dezember 1909 eingehend die Maßnahmen

Schützet die deutsche Muttersprache.

Dresden, 11. Septbr. Auf dem Felde unserer Mutter­sprache arbeitet derAllgemeineDeutscheSprach- verein wie ein fleißiger Landmann, der in einem guten Acker unverdrossen allerlei Unkraut jätet, damit die Frucht um so herrlicher dastehe. Unsere Sprache ist es wert, daß sie rein und nicht durch entbehrliche Fremdlaute entstellt zum Ohr klingt. Das Kernigste hat Turnvater Jahn in seinem Deutschen Volkstum" über sie gesprochen:Klar wie des Deutschen Himmel, fest wie sein Land, ursprünglich wie seine Alpen und stark wie seine Ströme bleibt seine Sprache." Volksempfinden und Sprache hängen eng zu­sammen. In ihr prägen sich Eigenart des Volkscharakters und nationales Bewußtsein aus. Fürst Bülow schrieb einst dem Vorsitzenden des Deutschen Sprachvereins:Noch jetzt ist die Muttersprache eines der gewaltigsten Bindemittel von besonderer Bedeutung für die Erhaltung des Deutsch­tums unter den in der Fremde lebenden Deutschen." Als nach 1810 das deutsche Volksbewußtsein mächtig erwachte, machte es sich auch Luft in einem Ansturm gegen alles Welsche in Sitte und Sprache. Stephan säuberte die Sprache ver Post von Fremdwörtern, der Große Generalstab begann langsam aber stetig die entbehrlichen Fremdausdrücke zu vermeiden, die Rechtsgesetzgebung reinigte ihre Sprache, und auch in der Presse sah man mehr auf ein gutes und reines Deutsch. Aber es wucherte doch noch überall viel Unkraut. Hermann Riegel konnte mit Recht in seinem zuerst 1882 erschienenenHauptstück von unserer Mutter­sprache" deren Verschandelung durch allerlei Fremdtümelei beklagen. Sein ernstes Wort fand weiten Widerhall; eine Sprachbewegung entwickelte sich, die 1885 zur Gründung bes Allgemeinen Deutschen Sprachvereins führte, mit Her­mann Riegel an der Spitze, der damals noch in voller Manneskraft als Professor und Museumsdirektor in Braun­

empfohlen wurden, die die weitere Hebung der inländischen Vieherzeugung und eine größere Stetigkeit in der Be­schickung der Viehmärkte herbeizuführen bezweckten; es wurde dabei besonders die Notwendigkeit betont, die Fleisch- versorgung auch fernerhin nach Möglichkeit unabhängig vom Auslande zu gestalten und deshalb unter allen Um­ständen auf solche Maßregeln zu verzichten, die der gegen­wärtigen Fleischteuerung voraussichtlich nicht wesentlich ab­helfen, wohl aber die inländische Vieherzeugung gefährden und herabmindern würden. Aus diesem Grunde glaubte der Minister die weitere Erleichterung der Einfuhr von Nutz- und Schlachtvieh auch deswegen nicht in Aussicht stellen zu können, weil der Viehbestand sowohl, wie die Höhe der Viehpreise in den für die Einfuhr in Betracht kommen­den Ländern eine erhebliche Vermehrung der Einfuhr nicht erhoffen laßen. Von der zollfteien Einfuhr von Futter­mitteln die zudem mit Rücksicht auf die Reichsfinanzen kaum ausführbar erscheine, sei eine Besserung um so weniger zu erhoffen, weil Futtermangel gegenwärtig nicht vorhanden sei, im Gegenteil, der reichliche Futtervorrat zum Teil eine schwächere Beschickung der Rindviehmärkte herbeigeführt habe. Die Herabsetzung der Viehtarife auf die Hälfte der geltenden Sätze, bei der die Bahnen ohne erhebliche Zu­buße nicht mehr befördern könnten, würden den Preis für ein Kilogramm Fleisch nur um etwa einen Pfennig ver­billigen. Die Prüfung der Frage, ob eine Herabsetzung der Schlachthofsgebühren zu erreichen und eine Verbilligung der Fleischbeschau zu ermöglichen sei, wurde seitens des Mi­nisters bereitwilligst zugesagt, dabei aber der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß auch diese Maßnahmen, wie Auf­hebung der Schlachtsteuer in verschiedenen Städten beweise, eine Minderung der Fleischpreise kaum zur Folge haben werde. Im Laufe der Unterredung wurde verschiedentlich hervorgehoben, daß der reichliche Vorrat an schlachtfähigen Schweinen und auch die Zunahme der Zufuhr von Ochsen und Rindern auf den meisten Märkten schon für die nächste Zeit einen Rückgang der Viehpreise erwarten laße. Wenn auch die Preise für Kälber und Rinder den Höchststand von 1906 an manchen Orten überschritten hätten, so sei doch ein wesentlicher Vorteil gegenüber den dem Jahre 1906 darin zu erblicken, daß Mangel an Schweinen nicht vorhanden und der Preis für diese auch in mäßigen Grenzen geblieben sei. Ueber 50 Prozent des Fleischbedarfs in Deutschland, und zwar gerade der Konsum der ärmeren Bevölkerung, werde durch Schweinefleisch gedeckt; es sei deshalb auch nicht gerechtfertigt, von einer Fleischnot und davon zu reden, daß die Fleischversorgung der arbeitenden Bevölkerung zur­zeit in Frage gestellt sei. Das ergebe sich auch aus der Tat­sache, das Fleischkonsum auf den Kopf der Bevölkerung nicht zurückgegangen ist, sondern gegen die Vorjahre noch eine

schweig lebte. Dieser Verein feiert heute hier, wo er einst gegründet wurde, das Fest seines 25jährigen Bestehens, gleichzeittg mit seiner 16. Hauptversammlung. Seine Be­strebungen find bekannt. In einer vorzüglichen Denkschrift, die Studienrat Prof. Dr. Dunger-Dresden zu dem Fest geschrieben hat, werden sie kurz in folgenden Worten ausge­drückt:Der Verein wird von der vaterländischen Be­wegung getragen, er stellt sich in den Dienst des nationalen Gedankens und glaubt eine vaterländische Pflicht zu er­füllen, wenn er in den weitesten Kreisen des deutschen Volkes das Sprachgewißen zu schärfen und Liebe zu unserer schönen, reichen Muttersprache zu wecken sucht." Der Deut­sche Sprachverein bekämpft nicht unterschiedslos alle frem­den Ausdrücke; mit Besonnenheit und Mäßigung folgt er dem Wahlspruche seines Gründers: Kein Fremdwort für das, was Deutsch gut ausgedrückt werden kann. Allen kirch­lichen und politischen Bestrebungen steht er fern. Er hat daher in allen Parteien Mitglieder, und ihre Zahl ist nicht gering. Sie ist gegenwärtig auf mehr als 30 000 ange­wachsen. Er hat 324 Zweigvereine, von denen eine Anzahl auch im Ausland besteht, so in England, Amerika, Südwest- und Ostafrika, Australien, Italien, Rumänien, Belgien und Luxemburg. Einzelne dieser Zweigvereine sind zu hoher Blüte gelangt. So hat der New-Porker mehr als 1000, der Londoner etwa 600 Mitglieder. An praktischer Arbeit hat der Verein in den 25 Jahren seines Bestehens viel geleistet. Er hat, um nur einiges zu nennen, nach und nach neun Verdeutschungsbücher herausgegeben und überall Anregun­gen zur besseren Behandlung der deutschen Sprache erteilt. Seit einigen Jahren gibt er auch sogenannteSprachecken heraus. Es sind das kurze, gemeinverständlich geschriebene Aufsätze über Sprachpflege und Sprachreinigung, e un­entgeltlich den Zeitungen zugesandt werden.

machen von diesen Aufsätzen 1700 Zeitungen Gebrauch. Weiter gibt-der Verein seine bekannte Z°>tA>st â seit 189t mit ihren wissenschaftlichen Beins

Steigerung erfahren hat. Der Minister erklärte schließlich, daß er eventuell weitere Maßnahmen ins Auge fassen werde; er könne aber auch für diesen Fall in erster Linie nur eine Erleichterung der Fleischeinfuhr, die übrigens schon jetzt keineswegs unbedeutend sei, in Aussicht stellen.

Aus den Ortsgruppen des Hansa-Bundes. Die Orts­gruppe Frankfurt a. M. plant die Errichtung eines Han­delsmuseums und einer Gewerbehalle. Die vorbereitenden Schritte find bereits unternommen, eine ständige Gewerbe- ausstellung zu schaffen. Die Ortsgruppe Göttingen be­schloß, um den Handwerkern und kleinen Detaillisten eine Besierung ihrer wirtschaftlichen Lage durch Einrichtung einer geordneten kaufmännischen Buchführung zu ermög-- lichen, unter Mitwirkung der dortigen Verbände der Hand­lungsgehilfen Unterrichtskurse für Frauen und Töchter von den in Frage kommenden Erwerbsgruppen in der Buch­haltung ins Leben zu rufen. Ferner soll für die dortigen Mitglieder des Hansa-Bundes ein eigener Nechnungsführer angestellt werden, um gegen eine mäßige monatliche Ver­gütung die Bücher für diejenigen Mitglieder der Orts­gruppe zu führen, die für diese Arbeit selbst keine Zeit haben, denen andererseits aber die Anstellung eines Buch­halters zu teuer kommt. Die Ortsgruppe Bromberg ist wegen eines Konsumvereins der dortigen staatlichen Beam­ten an amtlicher Stelle vorstellig geworden.

Parlamentarisches aus Hessen. Der Zweiten Kammer der Stände ging als Drucksache eine Anfrage des Abgeord­neten Köhler zu, betreffend die Automobilunglücksfälle von Obermörlen und Dietzenbach.

Eine Gesamtaussperrung in der Metallindustrie? Der Vorstand des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller hat beschloßen, auf Donnerstag den 22. September eine Aus­schußsitzung nach Berlin einzuberufen, welche über die Ge­samtaussperrung zugunsten der angegriffenen Seeschiffs­wersten Beschluß fassen soll.

Zur Borkumer Spionageaffäre schreibt dieOstfries. 3tg.":Wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, find einige Deutsche verhaftet worden, die mit den dingfest gemachten Engländern in ständiger Beziehung gestanden haben sollen. Demnach würde fich die Spionageangelegen­heit zu einer regelrechten Landesverratssache auswachsen. Nähere Einzelheiten bekannt zu geben, verbietet fich im In» teresie einer gründlichen und umfaßenden Untersuchung. Jedenfalls aber hat der ganze Fall zur Folge gehabt, daß Borkum, Helgoland und Wangeroog künftig teilweise völlig abgesperrt werden. Ferner find nach unseren Informa­tionen die lleberwachungsvorschristen bedeutend verschärft worden."

längere Aufsätze mehr gelehrter Art abgedruckt werden. Die Mitarbeiter find zum großen Teil angesehene Sprach­forscher, die an Hochschulen die deutsche Sprachwissenschaft vertreten. Auch die Zeitschrift für deutsche Mundarten er­scheint seit 1905 im Verlage des Vereins, der damit für die Mundartenforschung große Geldopfer bringt. Zwölf Preis­arbeiten wurden im Lauf der Jahre von dem Deutschen Sprachverein ausgeschrieben. So ist seine Tätigkeit recht vielgestaltig. Wenn er heute nach fünfundzwanzigjährigem Wirken auf den durchlaufenen Weg zurückblickt, so kann er mit der Denkschrift sagen: Das Bestreben, fremben Sprach­stoff auszuscheiden, und die Muttersprache zu Ehren zu bringen, ist in allen Volkskreisen lebendig. Fremdwörter werden aus den Satzungen von Vereinen und Gesellschaften entfernt, die Zeitungen mahnen ihre Mitarbeiter zur Sprachreinheit, für gute Verdeutschungen werden Preise ausgesetzt, man verlangt deutsche Speisekarte, deutsche Tanz­karte; in Spiel und Sport, im Vereinsleben, in Gewerbe und Handel, in Kirche und Schule, in Wissenschaft, Technrl und Kunst, bei Schriftstellern, Behörden und Regierungen, in fürstlichen Kreisen überall hat die Sprachreinigung eifrige Fürsprache gefunden. Es ist das eine Erscheinung, die in der Geschichte der deutschen Sprache einzig dasteht. Wohl hat es auch früher ähnliche Bestrebungen gegeb , aber sie waren auf einzelne Personen oder kleinere Kreise hpfAränft Die jetzige Sprachenbewegung hat das ganze SZs^ sie erstreckt M auch auf die Deut- sâien in fremden Ländern, die sonst solchen Fragen völlig gleichgültig gegenüberstanden. Trotzdem bleibt natürlich noch viel zu tun übrig. Davon war man auch bei der heu­tigen Feier überzeugt, zu der aus allen Teilen des Reiches und auch von den ausländischen Zweigvereinen zahlreiche Vertreter nach Dresden gekommen waren. Eine lange Liste von zum Teil hervorragenden Namen, an ihrer Spitze der gegenwärtige Vorsitzende des Vereins, Geheimer Rat Otto Sarrazin, bekanntlich einer der ältesten und eifrigsten