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Bezugspreis:

Lierteljöbrlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus« gräktige Abonnenten mit dem betreff. Postausschlag. Die einzelne Nummer lostet 10 Pfg.

Einrückungsgebührt

Kotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Aulssches Organ für Stadl- and Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die ögespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg, im Neklamenteil die Zeile 45 Pfg.

Derantwortl. Rebakteur: E. Schreckerin Hanan.

$L 241 Ferrrfprechanschltttz Nr. 230.

grcitng Den 14. Oktober

st«r»sprecha»schlub Nr. 230.

1910

Amtliche?.

Eandkreis kisna«.

Die Firma Ph. Mayfarth u. Co. in Frankfurt a. M. be­absichtigt auf ihrem in der Ortslage Mainkur des Gemeinde­bezirks Fechenheim belegenen Fabrikgrundstück Karten­blatt A. Nr. 171/118 rc. einen

Universal-Dampfhammer aufzustellen und zur Vornahme aller gewöhnlichen Schmiede­arbeiten, zum Reckne und Breiten, wie auch zur Herstellung von Eesenkarbeiten in Massenfabrikation in Tätigkeit zu setzen.

Ich bringe dieses Unternehmen mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß die Beschreibung der Anlagen mit zugehörigen Zeichnungen im Bureau des Kreisaus­schusses (Kreishaus) zur Einsicht ausliegen und Ein­sprüche hiergegen innerhalb 2 Wochen, vom Tage der Veröffentlichung ab, mündlich oder schriftlich in zwei­facher Ausfertigung bei mir anzubringen sind. Später ein­gehende Einwendungen bleiben unberücksichtigt.

Zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einsprüche steht Termin

um Samstag den 29. Oktober 1910, vormittags 10 Uhr, im Bureau des Kreisausschusses an, zu welchem Unterneh­merin und Widersprechende hiermit unter dem Bemerken eingeladen werden, daß im Falle ihres Nichterscheinens gleichwohl mit Erörterung der Einsprüche vorgegangen wer­den wird.

Hanau den 13. Oktober 1910. A. 4520

Der Königl. Landrat.

J. V.: Dr. v. Waldow.

Bekonntmachnng.

Das Proviantamt kauft fortgesetzt: Hafer, Heu und Roggenstroh zu den gangbaren Tagespreisen. Neben Flegel- und Maschinenstroh wird auch Preßlangstroh angenommen, wenn die kurzen Strohteile, sogenannte Spreu, Keile oder Spelzen nicht mit eingepreßt sind.

Die Einlieferung kann ohne vorherige Anmeldung mit Ausnahme der Samstag Nachmittage an jedem Wochentag von 812 und nachmittags von 24 Uhr erfolgen.

Hanau den 10. Oktober 1910.

Proviantamt.

Liegen geblieben: im Stadttheater 1 Opernglas. Abzubolen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwallung.

Hanau den 14. Oktober 1910.

Gcsiindcnc und verlorene Geirciistliiide re.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 70 Pfg., 2 Haus­schlüssel.

Abhanden gekommen: Eine 20 Ltr. haltende Milchkanne mit einem Messingschild, auf diesem der Name Philipp Habermann in Eichen.

Verloren: 1 Zwicker.

Hanau den 14. Oktober 1910.

Politische Rundschau.

Die Reichstagsersatzwahl in Labiau-Wehlau. Die fort­schrittliche Volkspartei im Reichstagswahlkreise Labiau- Wehlau, wo eine Ersatzwahl für den verstorbenen konser­vativ-klerikalen Reichstagsabgeordneten Arendt notwendig geworden ist, stellt als gemeinsamen liberalen Kandidaten den Bürgermeister Wagner aus Tapiau auf.

Der jungliberale Vertretertag in Köln. Wegen des am 1. und 2. Oktober in Cassel abgehaltenen nationalliberalen Parteitages wurde der diesjährige Vertretertag des Reichs­oerbandes der Vereine der nationalliberalen Jugend, der nach Äöln einberufen ist, auf Samstag und Sonntag, den 22. und 23. Oktober, verlegt. Am Freitag geht der Ver- treterversammlung eine Eesamtvorstandssitzung des Reichs­verbandes voraus, die sich mit den letzten Vorbereitungen zu der Tagung beschäftigen wird. Im Mittelpunkt der Ver­handlungen am Samstag steht der politische Bericht des Verbandsvorsitzenden Dr. Fischer mit anschließender Dis- kusiwn der Vertreter. Am Sonntag erstatten dann Dr. Mehrmann-Coblenz und Dr. Trescher-Düsieldorf Referate

Auswärtige Politik Deutschlands mit besonderer Beriicksichtrgung der Wirtschaftsfragen". Samstag abend bie Jubiläumsfeier des 10jährigen Bestehens des Reichvuerlmndes der Vereine der nationalliberalen Jugend begangen werden.

40 Sozialdemokraten unter den 77 in Moabit Verhaf- icten. Von polizeioffiziöser Seite wird mitgeteilt, daß bei

den Streikunruhen in Moabit von den wegen der Ausschrei­tungen der Staatsanwaltschaft vorgeführten 77 Personen 40 den sozialdemokratischen Gewerkschaften angehören. Da­von sind 20 Mitglieder der sozialdemokratischen Wahlver- eine Berlins. Auch die Verletzten sind zu einem sehr großen Teil politisch und gewerkschaftlich organisiert. Ob die sozial­demokratische Treffe auch jetzt noch behaupten will, daß die Sozialdemokratie mit den Moabiter Unruhen nichts zu tun gehabt habe?

Die Kaffernrevolte in Deutsch-Südwestafrika. Ein aus Lüderitzbucht in Kapstadt eingetroffener Reisender erzählt: Die Unruhen in Wilhelmsthal haben damit begonnen, daß 250 bis 300 beim Eisenbahnbau beschäftigte Käftern ein Hotel angriffen, in dem ihnen Getränke verweigert worden waren. Sie warfen die Fenster ein und wollten das Haus stürmen, als ein Dutzend Soldaten auf sie mehrere Salven abgab, durch die 12 Käftern getötet wurden; die übrigen entflohen.

Argentinien. Aus Buenos Aires, 12. Oktbr., wird gemeldet: Der neue Präsident der Republik Saenz Pena und der Vizepräsident Dr. de la Plata haben heute in feier­licher Weise von ihren Aemtern Besitz genommen und in einer gemeinsamen Sitzung der Kammer und des Senats den Eid geleistet. Der Präsident verlas alsdann eine Bot­schaft, in der er erklärte, die internationale Politik der neuen Regierung werde eine Politik der Freundschaft für Europa und der Brüderlichkeit für Amerika sein. Er habe die Präsidentschaft unter den günstigsten Vorzeichen über­nommen. Das Land erfreue sich des Friedens, der großen Wohltat, den er dauernd zu gestalten sich bemühen werde. Der Präsident kündigte hierauf an, daß er Aenderungen im Wahlgesetz vorschlagen, das Los der Arbeiter zu ver­bessern und den Preis der notwendigsten Lebens- und Be­darfsartikel herabzusetzen suchen werde. Er sei Anhänger der progressiven Erbschaftssteuer. Saenz Pena empfahl so­dann ein Arbeitsunfallgesetz und erklärte, er werde seine ganze Aufmerksamkeit dem öffentlichen Unterricht, insbe­sondere dem Volksschulwesen zuwenden und sich auch mit dem Schutz der Einwanderer durch Erleichterung des An­kaufs kleinerer Besitzungen beschäftigen. Saenz Pena sagte zum Schluß, er werde ein Präsident aller Argentinier sein, sich über die Parteikämpfe stellen und sich nur von der Ent­wickelung und Größe Argentiniens leiten lassen. Darauf übergab der bisherige Präsident Figueroa Alcorta seinem Nachfolger die Gewalt, wobei beide Reden wechselten. Die Truppen erwiesen unter den Beifallsrufen der Menge die militärische Ehre.

Fus Rab und fern.

Frankfurt, 12. Oktober. Auf dem gestern von Wohltätig­keitsvereinen veranstalteten Margueritentag, dessen Ergeb­nis der Säuglingsfürsorge zu Gute kommen soll, wurden rund eine Million Margueriten verausgabt, dazu kommt, noch eine große Anzahl von Postkarten. Die Blumenver- käuferinnen, die sich mit Lust und Liebe der Sache wid­meten, hatten einen schweren Dienst. Einer Anregung aus Stadtverordnetenkreisen folgend, hat der Magistrat die Stadtverordnetenwahlen auf einen Sonntag verlegt und zwar auf den 13. November. Es ist dies das erste Mal, daß in Deutschland Wahlen auf einen Sonntag gelegt werden. Der wegen Betrügereien verhaftete Reichsgraf v. Dunin- Brozowski wurde zur Beobachtung seines Geisteszustandes in die Irrenanstalt verbracht. Dieser Tage wurde, wie mitgeteilt, ein junger Bankbeamter namens Georg Röder unter dem Verdacht verhaftet, die bekannten Betrügereien bei einer hiesigen Bank ausgeführt zu haben. Jetzt ist auch Röders Bruder in Untersuchungshaft genommen worden; in seinem Besitz fand man nämlich einen Schlüssel zum Depo­sitenfach einer hiesigen Bank, in dem sich 12 000 Mk. be­funden haben sollen.

Homburg, 11. Oktober. Sanitätsrat Dr. v. Noorden über­nimmt wiederum vom 1. November 1910 bis 15. April 1911 die ärztliche Leitung des französischen Sanatoriums Eorbio bei Montan. Den starken Zuspruch unseres Bades aus dor­

tiger Gegend hat Bad Homburg lediglich der warmen Emp­fehlung des Herrn v. Noorden zu verdanken. Am Sams­tag kam auf dem Schulberg eine Reservewagen der Elek­trischen ins Rollen und sauste führerlos abwärts bis zur Saalburgstraße, wo er stehen blieb. Dem Beamten, der in dem Wagen saß und völlig machtlos dem Ereignis gegen- überstand, muß es bei der tollen Fahrt angst un °9 worden sein, denn daß der Wagen nicht entg ers ,

wahres Wunder anzusehen. - t ffi ^

Wu. 11. Oktober. Eine edeld°n,-nd° DE °>- Einrichtung zweier Wannen- und zwer

Schule 3000 Mark gestiftet, ebenso schenkte sie 2000 Mark für die Herstellung von Plattenbelag im Treppenhaus.

Witzenhausen, 11. Oktober. Warum die Kolonialfrauen­schule aufgelöst werden mußte. Nach dem kurzen Bestand von nur zwei Jahren ist die Kolonialfrauenschule geschlossen worden. Die Leitung sowohl, wie die Schülerinnen gehörten fast ausschließlich hocharistokratischen Kreisen an. Dement­sprechend wurde der Pensionspreis auf 1200 Mark festgesetzt; das war ein Preis, den junge Mädchen, welche sich dem schweren Kolonialdienst unterziehen wollen, einfach nicht erschwingen konnten. Diejenigen aber, welche ihn zahlen konnten, betrachteten den Aufenthalt in Witzenhausen mehr als Sport und angenehme Abwechslung in ihrem Leben. Ernstlich hat wohl kaum eine Schülerin daran gedacht, die Mühsalen des Kolonialdienstes auf sich zu nehmen. Als einst ein höherer Kolonialbeamter sich die Schülerinnen vorstellen ließ, faßte er sein Urteil über sie in die harten Worte zu­sammen: Mit solch überzüchtetem Material ist in den Kolo­nien nichts anzufangen. Dann haben Bräute von Farmern und Missionaren die Schule trotz des hohen Preises aufge­sucht, um Ausbildung für ihren künftigen Berus zu finden. Diese sind aber bald wieder gegangen, denn sie waren ent­täuscht, als sie Unterricht in den gewöhnlichen Hausarbeiten erhielten, die ihnen völlig vertraut waren, während die eigentlichen Kolonialfächer ihnen nicht in genügendem Um­fange geboten wurden. Der Unterricht war eben auf die Damen zugeschnitten, die von der Picke auf lernen müssen. Trotz des hohen Pensionspreises wurden bedeutende Summen zugesetzt, die allerdings von Gönnern der Schule gedeckt wur­den. Auch über sonstige Verhältnisse wurde lebhaft geklagt. Da jedoch diese Angelegenheiten die Staatsanwaltschaft be­schäftigen, so sei über sie noch nichts mitgeteilt. Der Gedanke, die Kolonialfrauenschule in einer änderns Stadt fortzu­setzen, ist gescheitert und wohl nie ernstlich erwogen worden. Dahingegen besteht die Hoffnung, daß sie auf anderer Grund­lage in Witzenhausen neu erstehen wird, sobald gewisse Ver­hältnisse, über die bisher noch nicht viel in die Oeffentlich- keit gedrungen ist, ihre Erledigung gefunden haben.

Mainz, 11. Oktober. Ein Unbekannter, der sich drei Tage auf der Ingelheimer Au umhertrieb und sich zu ertränken versuchte, aber wieder gerettet wurde, hat sich jetzt dort er­hängt. Die Leiche wird der Gießener Anatomie übergeben. Der ledige 38jährige Schuhmacher Josef St. von hier hat

sich vor einigen Tagen aus seiner Wohnung entfernt. Er ist bekleidet mit schwarzem Anzug, schwarzem Schlips und weichem Filzhut. Es wird angenommen, daß St. sich ein Leid angetan hat.

Vom Kahlgrund, 11. Oktober. Auf der Kahlgrund-Eisen­bahn wurden bis jetzt 210 Waggon Aepfel befördert. Die Obsternte dürfte in diesem Jahre dem Kahlgrund eine Ein­nahme von 500 000 Mark bringen.

Alzenau, 11. Oktober. Mit Beschluß der Distriktsrats­ausschüsse Alzenau und Schöllkrippen wurde der Techniker Theodor Hornung von Eroßwelzheim vom 1. Januar ab als Distriktstechniker angestellt.

Schweinheim, 12. Oktober. In dem seit kurzem wieder in Betrieb gesetzten Granitsteinbruch auf dem Stengerts bei Schweinheim erlitt gestern durch herabstürzende Stein­massen der Arbeiter Stebe aus Schweinheim einen doppelten Knöchelbruch. Der Verunglückte wurde in das Spital nach Aschaffenburg verbracht. Die übrigen Arbeiter kamen mit heiler Haut davon.

Würzburg, 13. Oktober. Ein tragisches Schicksal hat sich gestern erfüllt: nach 31 Jahren völliger Blindheit ist der frühere Monteur Sanner, Veteran von 1866 und 1870/71, gestorben. Im Feldzuge gegen Frankreich erlitt er durch einen Sturz eine Gehirnerschütterung, nach Rückkehr in die Heimat arbeitete er in der Waggonfabrik Noell sieben Jahre lang, wo er dann plötzlich das Augenlicht verlor. Die zahllosen Einspritzungen, um die Sehkraft wieder herzu­stellen, hatten schließlich noch vollständige Lähmung zur Folge, sodaß er die letzten zwei Jahre fast hrlf- und reglos zu Vette lag. Die kränkliche Frau des Märtyrers, Me Sanner-Mutter, ist unfern Theaterbesuchern noch in guter Erinnerung: sie war 28 Jahre lang Beschließerin im zweiten '^Kreuznach, 11. Oktober. Der Regierungspräsident hat den aanzen Kreis Kreuznach als eine landschaftlich hervorragende Gegend erklärt und unter den Schutz des Gesetzes gegen die Verunstaltung landschaftlich schöner Gegenden gestellt. Bau­ten werden fernerhin in unserem Kreis nicht mehr ge­nehmigt, wenn sie das Landschaftsbild oder das Bild eines Ortes gröblich verunstalten.

Viernheim, 11. Oktober. Erhängt hat sich in der elter­lichen Wohnung die 19jährige Tochter des Wirtes Math. Treger von hier.