Erstes Blatt.
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•. rümjeuhaujes ie Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stallt- un) Fandkreis Sanaa.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die fiefgefralteHt Wijeik «brr deren Ä*** M MH. im ÄeBaeicRtél bk $ck Ld M^.
SertutiwertU RÄâ«: ®. Schrecker in ^«Mm,
N^ Hl Fernsprechanschlitb Nr. 605.
Samstag den 14. Mai
Fezttfprechauschlnß Nr. 605.
1910
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Es säuselt in den Blütenbäumen Der Psingstgeist durch die stille Nacht, Daß rings aus ihren Frühlingstraume« Die schlummernde Natur erwacht. Wie sproßt und blüht es allerwärts! Des Waldes Grün glänzt sonuumhellt, Und mit ihm blüht aufs neu das Herz: Wie schön ist doch die Welt!
Es funkeln in der Morgensonne Die grünen Halme aus der Au, Und über all der Festeswonne Erglänztes im goldnen Sternenlau. Es will in seinem Sehnsuchtsdrang
Jetzt ist die Zeit, da auf die Erde
Den Daß Lom Doch Den
Kuß der blaue Himmel drückr, sie im Herbst dann Mutter werde, süßen Kusse froh beglückt, ob des Lebens Wandelung Blütenschmuck oft früh vergällt,
Das
Und
Herz durchjauchzen Flur mrd Feld weithin jubeln, stromentlang: Wie schön ist doch die Welt!
Weuu's Herz nur frisch und frei und jung, Bleibt dennoch schön die Welt.
Hat doch die Rebe, wonnig blühend, Gar manche Träne schon geweint, Bis ihre Trauben, purpurglühend, Das schönste Sonneugold durchscheint? Im Innern reist die Geisteskraft, Wenn auch der Blütenschumck zerfällt; Und wer in Liebe lebt und schafft, Dem bleibt auch schön die Welt.
Dit 6totigt$nmitt mW Mr d.MnhtltnMiL
16 Seiten
Amtliches.
Landkreis ksans«.
In den Gemarkungen Eichen und Großauheim ist die Schweineeuche erloschen.
Hanau den 12. Mai 1910.
Der Königliche Landrat.
V 2809 Frhr. L a ur.
Hanauer Kreisobstbauverein. Frühjahrs-Berslimmliiiig am Sotttttag den 22. Mai, nachmittags 3 Uhr, im Gasthaus „zur Concordia" zu Hanau.
Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Rechnungs- adlage. 3. Vorstands-Ergänzungswahl. 4. Obstverwertungs- kurlus. 5. Obstausstellung und Obstmarkt. 6. Verschiedenes. 7. Vortrag des Herrn Garteninspektors Hube r-Oberzwehren: „Wie kann ein Obstbaubeamter für die gedeihliche Entwicklung des Obstbaues im Kreise wirken?"
Da die Tagesordnung eine äußerst wichtige ist, wird um rege Beteiligung gebeten.
Der Vorstand des Hanauer Kreisobstbauvereins.
Hofacker, Vorsitzender. 11377
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Kveissparkasse zu Hanau.
Die Kreissparkaffe verzinst Spareinlagen mit 33/< °/o.
Die in den ersten drei Tagen eines Monats bewirkten Einlagen werden vom 1. des betr. Monats ab verzinst und Einlagebücher kostenfrei ausgest'-llt.
Der Borstand. 669
Gefundene und verlorene GlMNständc n.
Gefunden: 1 Jnvalidenkarte Nr. 11 für Johann • ’ Friedrich Viel, 45 Pfg. bar, 1 weißes Kinderhütchen mit blauem Band, 1 Jnvalidenkarte Nr. 18 für JobanneS
Amrhein und sonstige Papiere, I Schlüsselring mit 4 kleinen Schlüsseln, 3 Hausschlüssel an einer Schnur.
Verloren: 1 Schlüsselring mit 3 kleinen Schlüsseln,
1 Kreuzchen von Amethiststeinen.
Zugelaufen: 1 grauer Pinscher m. Gesch.
Hanau den 14. Mai 1910.
Pfiiljlstel«.
Pfingsten ist da! Von der Himmelskönigin längst be' siegt sind auch die letzten Spuren des Wmters, und hoffnungsvolles Leben, Sprossen und Blühen lacht unS überall in der weiten Natur entgegen. Pfingsten ist diesmal im vollsten Umfange „daS liebliche Fest", als welche? Altmeister Goethe es so unüberlrefflich schön geschildert hat. Ja, das Alte ist vergangen, siehe es ist alles neu geworden! Die große Missa solemnis klingt durch den Waldesdom. Zum Jubelgesang der gefiederten Waldbewohner wiegen die Blumen still ihre Häupter. Leise küßt sie der zitternde Sonnenstrahl, aus den Tälern wallen der Erde Weihrauchwolken empor zum Himmel, und allenthalben vernimmt man das Lob Gottes:
Du segnest herrlich das frische Feld, Zn Blüten dampfet die volle Welt.
Aber das Festkleid der Natur macht Pfingsten nicht allein aus; des Festes wahre Weihe liegt in seiner geistigen Bedeutung. Pfingsten ist nicht bloß das Frühlingsfest der Natur, es ist auch das Früblingsfest des Christentums. Es ist das Geburtsfest der christlichen Kirche, da einst der Geist Gottes herniederkam in Gestalt von Feuerzungen auf die Schar der Jünger, ihnen die Kraft gebend, Christi Lehre kühn und freudig zu bekennen und hinauszutragen in alle Lande. So feiern wir Pfingsten alS ein Fest des Geistes, und wenn wir uns an der herrlichen Gotteswelt draußen erfreuen, so muß uns die Natur zu einem Tempel werden, in dem das Lied von der Herrlichkeit des Schöpfers und der unendlichen Fülle seines Geistes hell erklingt und uns mahnt:
Seele, schmücke dich aufs beste, Daß dein Lied den Schöpfer preist, Zu dem letzten großen Feste Zu dem Fest, vom heil'gen «seist!
„Herr, wie sind deine Werke so groß und viel," lautet der Text der Predigt, „du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte," der Güte ohne Grenzen.
die das Erschaffen« nicht, wie die alte heidnische West glaubte, einem erbarmungslosen Fatum, einem unahänder- lichen Schicksal preisgeben, sondern mit Weisheit regieren und erhalten will. Zu einer Stätte der Offenbarung Gottes wird uns die äußere Natur, indem sie uns den Schleier von den erhabenen Schöpfungsgedanken lüstet, aus denen alle Wesen und Kräfte hervorgegangen sind und in denen die Mittel ihrer Erhaltung ruhen; seinen ewigen Gesetzen folgt der Prozeß, durch welchen sich in der Vergänglichkeit ein neues Werden vollzieht, das die Grundlage für die Entfaltung aller geistigen Wesen bildet.
Freilich nicht jeder ist sich der hohen sittlichen Bedeutung des Pfingstfestes bewußt, nicht jeder weiß die stumme und doch so beredte Sprache des Lebens und Webens in der Natur zu verstehen, gar viele gehen achtlos ihren Weg, und das lebendige Buch der Natur ist ihnen ein Buch mit sieben Siegeln. Wer aber mit offenem Auge und offenem Herzen hinausgeht inß Freie, wer empfänglich ist für das geheimnisvolle Rauschen der Bäume und ihre Sprache verstehen kann, wer das Wort Gottes lebendig erschallen hört aus dem Flüstern und Lispeln der Gräser, aus dem Sprudeln der Quelle und aus dem Jubelton der kleinen gefiederten Sänger, der ist auch für die Lehren empfänglich, die uns das Pfingstfest gibt. Und diese Lehren, sie sind keine anderen als jene, die Jesu Mund den Jüngern und der ganzen Welt gepredigt, sie sind dieselben, die todesmutig die Apostel verkündet haben. Diese Lehren aber, sie alle fassen sich zusammen in der großen Lehre des göttlichen Dulders, der Lehre von der Nächstenliebe.
So soll denn auch das heutige Pfingstfest wie alle die Marksteine des Christentums, die wir festlich begehen, eine Mahnung sein zur Liebe und Verträglichkeit, zum Wohltun und zur Barmherzigkeit, zur Frömmigkeit nnb zum Gotst vertrauen. Wie zu jener Zeit, da die Jünger, von dem Geiste Gottes durchdrungen, sich zusammenscharten und die erste christliche Gemeinde bildeten, so soll auch heute noch der Mensch zum Menschen stehen und um alle sich das Band echter Humanität, Vaterlands- und Gerechtigkeitsliebe schlingen So wird auf Elden jene Glückseligkeit erstehen, die jeder gute Mensch anstrevt, das Glück, soweit es unserem unvollkommenen Erdenleben beschieden. Darum
Laß nur zu deines Herzens Zoten Der Pfingsten vollen Segen ein! Getrost, und du wirst neu geboren Antz Geik und Feuerstamm« sein!