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iotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Awll'ches Organ für AM- und Landkreis Sana».
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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verantwort!, Redakteur: G. Schrecker in Hana».
?L 290 Fernsprechanschluß Nr. 230.
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Montag den 12. Dczemvcr
Aerttsprechanschluf; Nr. 230
1910
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14 Seiten.
Ntfiiiidcnc und derlorent Gkgcnstäiide rc.
Gefunden: 1 grünseidener Pompadour, 1 schwarzes )amenportemonnaie mit 20 Pfg., 1 gelbe Brosche mit 1 weißen Steinchen, 1 silbervergoldeter Ring mit rotem Stein, 1 kleines schwarzes Handtäschchen.
Verloren: 1 Hundertmarkschein, 1 Monatskarte iUt Fahrt zwischen Wilhelmsbad— Hanau-West.
Hanau den 12. Dezember 1910.
PoHtiTcbe Rundschau.
Das Kronprinzenpaar auf Ceylon. Aus Colombo, kl. Dezbr., wird berichtet: der heute zuendegehende Aufenthalt des Kronprinzen und der Kronprinzessin auf Ceylon ist in jeder Beziehung durchaus befriedigend verlaufen. Trotz des eingehaltenen Inkognitos ist von den Behörden und der Bevölkerung alles geschehen, um das Verweilen der ! hohen Gäste so angenehm wie möglich zu gestalten. Der Kronprinz benutzte, wie bekannt, die in Ceylon verlebten Tage, um die ihm hier zum erstenmale entgegentretende .'Tropenwelt kennen zu lernen und nahm an mehreren Jagd- expeditionen teil, die infolge wechselnder Witterung mancherlei Zwischenfälle mitbrachten. Der Kronprinz besuchte in Begleitung der Kronprinzessin die historischen Denkmäler ^ber Insel und besichtigte mehrere industrielle Etablissements. Gestern fand nach dem Diner bei dem deutschen Konsul ein Empfang im deutschen Klub statt, wobei der Kronprinz und die Kronprinzessin sich sämtliche Mitglieder der hiesigen deutschen Kolonie vorstellen ließ und in längeren zwangloseil Gesprächen mit ihnen verweilten. Heute gibt der Gouverneur zu Ehren des kronprinzlichen Paares ein Abschiedsfrühstück. Die Kronprinzessin besuchte hierauf die „Eneise- nau" und begibt sich mit dem Kronprinzen auf den Lloyd- dampfer „Lützow", mit dem sie die Rückreise antritt, während der Kronprinz auf die „Eneisenau" zurückkehrt. Um 6 Uhr abends verlassen beide Schiffe gemeinsam den Hafen. Am 14. Dezember morgens wird die „Eneisenau" in Bombay eintreffen, wo der Gouverneur den deutschen Thronfolger an Bord begrüßen wird und die zum Stabe des Prin- zin kommandierten englischen Herren sich melden werden.
In Besprechung der Reden des Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg führt das Wiener Fremdenblatt aus: Von den knappen streng sachlichen Reden, in denen der Reichskanzler unter Verzicht auf allgemeine Darlegungen die wich-
M MHunA iw Kmm KliiistvereiiiS. Dr. Fried Lübbecke.
n.
Die Reihe der guten Landschaften wird durch viele gleichwertige Arbeiten fortgesetzt. Besonders gefällt ein Bild von Heinrich Hermanns, Düsseldorf: Prinzengracht in Amsterdam. Gegen seine frühere reichlich peinliche, fast kläubelnde Durchführung bedeutet seine neue Art, mit breitem lustigen Pinsel zu arbeiten' einen starken Fortschritt. Mit großem Vergnügen vermißt man in diesem Bilde aus Amsterdam den schweren braunen Ton, der in seinen älteren Arbeiten fast an den sogenannten Ealbricton erinnerte.
Neben ihm seien als zwei treffliche Landschafter noch Louis Lejeune und August Westphalen hervorgehoben. Beiden gelingt vorzüglich die Luftperspektive. Zu unserem Bedauern müssen wir feststellen, daß die ausgestellten Arbeiten von Nelson Kinsley, Helmuth Liesegang und Hans v. Volkmann keine gute Vertretung des Könnens dieser Künstler darstellen. Alle diese Bilder verraten wohl die Handschrift dieser anerkannten Meister: nur, daß es keine ersten Arbeiten sind! Vielleicht dürfen wir diese im nächsten Jahre begrüßen. Vergeßen seien schließlich nicht die prächtigen Einsendungen Ludwig Dills und Albert Staguras, die von der kraftvollen Entwicklung dieser altmeisterlichen Maler beredt erzählen. Als viel bekannter tritt zu ihnen Rudolf Siek, dessen landschaftliche Lyrismen leider mehr und mehr zur Schablone werden. Weit kräftiger kommt die Siek verwandte Art Adolf Schinnerers daher, dessen sonniges Bild: „Hinterm Zaun" hier genannt sei. Noch mehr Sonne leuchtet aus dem rassigen Erntebild von Wilhelm Pippert: „ReifesKorn",während AlfredSchmidt-Stuttgart dem gleichen Problem in seinem jungen Mädchen in der Sonne, sinnig „Feldblumen" aenannt. mit feinerem Gefühl
tigsten Fragen der äußeren Politik zu behandeln liebt, war die letzte unbestreitbar die inhalts- und aufschlußreichste. In der bündigen Kürze hat sie hochbedeutsame Mitteilungen, namentlich über die Gestaltung der Beziehungen des Deutschen Reiches zu Großbritannien und Rußland geboten. Durch die Ausführungen des Reichskanzlers wurden in bestimmtester Form die friedlichen Tendenzen gekennzeichnet, welche einerseits der Dreibund, andererseits die Tripleentente verfolgen. So kann Deutschlands äußere Politik unter Bethmann-Hollwegs Führung in allen ihren Hauptgebieten auf Erfolge hinweisen. Aber von beiden Reden brachte dem Reichskanzler die erste, in der er sich mit der inneren Politik beschäftigte, keinen geringeren Erfolg als die andere. Niemals hat ein Reichskanzler wirksamer und in seiner Offenheit überzeugender gesprochen. Für eine Einigung der Ordnungsparteien ist die Kanzlerrede ein glückliches Plaidoyer gewesen, heften Eindruck nachwirken wird.
Das zerschnittene Tischtuch. Die „Kreuzzeitung" verrät ihren Lesern, daß die Nationalliberalen zwischen sich und den Konservativen das Tischtuch zerschnitten haben, und zwar nicht nur im bildlichen Sinne. Die nationalliberalen Mitglieder des Reichstages haben z. B. alle gesellschaftlichen Beziehungen zum Präsidenten Grafen von Schweren-Löwitz abgebrochen. Sie haben keine Karten bei ihm abgegeben und die nationalliberalen Vorstandsmitglieder haben die Einladung zum Vorstandsdiner des Präsidenten abgelehnt.
Eine französische offiziöse Note über die französisch-englischen Vereinbarungen betreffend das Wadai-Land bezeichnet es als einen bemerkenswerten Erfolg der französischen Diplomatie, daß England den französischen Militärbehörden das Recht eingeräumt habe, die Wadai-Stämme bis ins Darfour-Gebiet zu verfolgen, weißes zur englischen Einflußsphäre gehört.
Die französische Schlappe im Wadailande. Die Blätter „Depeche Algerienne" und „Echo de Paris" veröffentlichen zwei Briefe des in Wadai gefallenen Oberstleutnants Moll vom 11. August und 7. Dezember 1909, und des Leutnants Georg, der letzhin verwundet wurde, vom 5. Februar 1910. In allen Briefen beklagen sich die Absender über allzu übereilt vorgenommene Erorberungen Frankreichs im Sudan bei völlig ungenügenden Streitkräften, wodurch die Besetzung, die Organisierung und Ausnützung der neu erworbenen riesigen Landstrecken unmöglich, ja die bloße Aufrechterhaltung der französischen Herrschaft äußerst schwierig gemacht werde. Moll und Georg könnten nicht überall gleichzeitig sein, würden aber von allen Seiten zu Hilfe gerufen und hätten vergebens Verstärkungen erbeten. Nicht einen Mann hätten sie erhalten. Moll sagt wörtlich: es wird ernste Geschichten geben, ich wasche meine Hände in Unschuld. entgegentritt. In diesem Bilde ist soviel Sonne, daß fast die Farben trübe werden. Aber der Eindruck echter Sommerhitze wird überzeugend durch diese Malerei vermittelt. Die Worpsweder Schule wird gut durch zwei charakteristische Arbeiten von Otto Modersohn vertreten, während Arbeiten von Karl Jutz jun., Heinrich Otto und Arthur Wansleben (Düsseldorf) und Aug. Lüdecke, Karl Meyer-Bas el und Claus Bergen (München) bestätigen, wie fleißig und ehrlich zur Zeit in Düsseldorf und München gearbeitet wird.
Zwei kleine Sonderkapitel bedeuten die Marine- und Winterbilder dieser Ausstellung. Aber auch hier gibt es diesmal Gutes und weniger Gutes. Von prächtiger Frische, von fast emailartigem Schmelz ist das Brandungsbild Wilhelm Harbuchens, von dem schon im vorigen Jahre so schöne Arbeiten zu sehen waren. Weniger wollen uns in diesem Jahre die Arbeiten von HedwigLinden- b e r g gefallen, von denen das eine „Meeresstille" sehr wenig Meeresätem verspüren läßt. Sehr stimmungsvoll wirkt dagegen der „Herbstmorgen" von HansVölker — eine Segelyacht, die leise durch einen breiten Kanal mit flachen Ufern gleitet, über die sich ein weiter kühler Himmel dehnt. Mit einem abschreckenden Beispiel einer unangenehmen Sensationskunst sei diese Reihe geschloßen! Wohl jeder wird dieses Bild auch ohne Nennung finden, falls er überhaupt den Unterschied zwischen Kunst und Panoptikum zu rßachen weiß.
Von gesundem Wintersport mit roten Backen und leuchtenden Augen erzählen die zahlreichen Winterlandschaften. Die Arbeiten von Max Esterle und Wilhelm Lachenmeyer sind wahrhaft freudige Bekenntnisse zur Winterpracht. Da gibts wahren Schnee in jauchzender Bläue, still ragende Tannen im Rauhreifschmucke in Fülle zu sehen. Weniger schön sind die Bilder von Paul Wermann, die sicher von vielen als „sehr schon bewundert werden dürften.
Georg spricht von einem Ueberfall der Kolonne Molls an* fang 1910, wobei die Khonds, die zwanzig Schützen töteten, das Lager von Sigee völlig überraschten und darin Kamele, Vorräte, Waffen erbeuteten und den Leutnant im Kampfe verwundeten. Aus allen drei Briefen ergibt sich die äußerst kritische Lage im ganzen östlichen Sudan.
Der Pforte sind nunmehr auch die schriftlichen Antworten der Kretamachte auf die letzte Note gegen die Beschlüße der kretischen Kammer zugegangen. Die Antworten besagen, die Pforte wiffe wohl, daß die souveränen Rechte der Türkei von den Schutzmächten anerkannt werden und man den Vorgängen in der kretischen Nationalversammlung keine Aufmerksamkeit zu schenken brauche. Solche Manifestationen hätten schon früher stattgefunden, aber keinen Einfluß auf den Beschluß der Mächte betreffend die souveränen Rechte der Türkei und die Verwaltung der Insel gehabt. Die Mächte würden die Frage in ernste Erwägung ziehen, sobald sich eine günstige Gelegenheit dazu biete.
Ein meuterndes Seebataillon.
London, 10. Dezbr. Der brasilianische Gesandte in London erhielt heute vormittag vom Minister des Aeußern in Rio de Janeiro die telegraphische Mitteilung, daß ein Bataillon Marinesoldaten eines Forts Rios gemeutert habe. Die Regierung habe ein Kriegsschiff .entsendet, welches das Feuer auf das Forts eröffnete.
Rio de Janeiro, 10. Dezbr. Heute nacht kurz vor Mitternacht meuterte ein Seebataillon, das in der Kaserne auf der in der Bai von Rio de Janeiro in geringer Entfernung der Stadt gelegenen Insel Das Cobras untergebracht ist. Nach heftigem Geschützfeuer, das die Kriegsschiffe gegen 5 Uhr früh gegen die Insel eröffneten, boten die Meuterer an, sich zu ergeben. Um 11 Uhr vormittags herrschte in der Stadt völlige Ruhe.
Rio de Janeiro, 11. Dezbr. Die Blätter behaupten, daß die Beweggründe der Meuterer geringfügiger Natur seien. Die Empörung auf Rio Grande del Sul dauerte nur kurze Zeit. Mehrere Mann sind gefallen, darunter ein Offizier. Das Artilleriefeuer auf die Insel Cobras dauerte bis 3H Uhr nachmitags. Von der Insel wurde das Schießen erwidert. Am Ufer und den angrenzenden Wegen lagen mehrere Tote.
Rio de Janeiro, 11. Dezbr. Der Senat beschloß trotz des Einspruchs von Ruy Barbosa die Verhängung des Belagerungszustandes für dreißig Tage. Die aufständische Bewegung ist nunmehr ganz erstickt. Die Bataillone der Aufständischen hatten über 200 Tote und Verwundete. Die Stadt ist ruhig.
Rio de Janeiro, 11. Dezbr. Da die Meuterer um einen Waffenstillstand bis 10 Uhr 30 Minuten morgens gebeten haben, um die Verwundeten wegzuschaffen, wurde die Be-
Mit den Namen dreier bewährter Altmeister sei die Abteilung der Landschaft beschloßen: HermannUrban, Karl Schmoll v. Eisenwerth und Carl Saltzman n. Mit ihren Arbeiten verbindet man bereits ein festes Urteil, das auch auf dieser Ausstellung unerschüttert bleibt.
Sehr reich haben uns diesmal die Tier- und Blumenmaler beschert. Allen voran seien Willy Tiedjens lichtgetränkte Tierbilder gestellt. Seine Pferde, Schwäne und Hähne leben in einer sonndurchstrahlten Luft ein eigenes Leben, das ihnen uns gegenüber jede Befangenheit nimmt. Leider verleitete den Künstler ein zu virtuoses Können bei den kämpfenden Hähnen zu unerfreulicher Flüchtigkeit. Ganz anders sieht Adolf Hosse seine Tiere. Bei ihm tritt das Studium der Atmosphäre gegenüber dem Jntereffe an dem Tiere selbst zurück. Mit peinlicher Genauigkeit sind seine Pferde Zug um Zug der Natur nachgebildet, sodaß der Pferdefreund seine lebhafte Freude an diesen lieben Haustieren haben muß. Denn aus diesen Bildern spricht zu ihm das Herz eines Malers dem dre Natur des Tieres innig vertraut ist. Nicht unerwähnt bleibe an dieser Stelle die feintonige Zeichnung des Rothenburger Meisters: Herbst in Wilhelmsbad, aus der eine gleich sensible Empfindung spricht. Weniger.angenehm sind die etwas geleckten Hundebilder von Alice Läotard, so sehr man die technische Sicherheit bewundern mag. Als einfache Schwarzweißzeichnungen würden sie sicher von höherem Reize sein, da der Malerin ein kräftiger Farbensinn versagt zu sein scheint. Dann werden noch ein paar ziemlich mäßige Landschaften mit Pferden von M ü l l e r - M ü n st e r gezeigt. In der Blumenmalerei beherrschen diesmal merkwürdiger Weise nicht die Damen das Feld. Gewiß sind auch von ihnen ansprechende Arbeiten zu finden, z. B. von Anna Beyer und Fanny Tiedjen-Bieber, aber ungleich stärkere Arbeiten sandten diesmal die männlichen Kollegen wie Adolf Beyer, Karl Hafer und