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Mittwoch

12. Oktober

Produktenbörse erheblich. Bei Eröffnung ^g Zucker um ein Franc an, Spiritus um 2 bis .3 Francs, Mehl um G Francs. Die Angestellten der Depots in Amiens, St. Quentin, Laon und Hirson schlossen sich bem Ausstand an. In Tergmer wurde eine Lokomotive mit Volldampf auf eine andere rangierende Maschine losgelaffen. Beide entgleisten. In der Umgegend von Tergnier verkehrt kein Zug, da die Drähte der Signal­anlagen zerschnitten sind. Der Zug Calais-Basel wurde über Soissons und Compiègne umgeleitet. Die Lage in Lille ist normal. In Laon ist das Ostbahnnetz noch im Be­trieb. Die Nordbahngesellschaft ließ mitteilen, daß sie be­schlossen habe, den Maschinisten Boffin, der den Ausbruch des Ausstandes veranlaßte, zu entlassen. Eine Anzahl Be­amter erhielt den Bescheid, sie würden entlassen, wenn sie sich nicht baldigst zum Dienst zurück meldeten.

Paris, 11. Oktbr. Da die Züge der Nordbahn bei Tergnier liegenbleiben, ist zwischen Erquelinnes und Lüttich ein belgischer Hilfsdienst organisiert worden. Reisende von Brüssel nach Paris erhalten Fahrkarten nur bis St. Quentin. Der Eilzug Paris-Köln verkehrte bis nachmittags nach fahr­planmäßig.

Paris, 11. Oktbr. Das Syndikat der Eisenbahnange­stellten richtet» an seine einzelnen Gruppen einen Aufruf, in dem diese aufgefordert werden, den Lockungen solcher Leute zu widerstehen, die sie mit Gewalt in eine unüberlegte Streik­bewegung hineinziehen wollen.

Paris, 11. Oktbr. Aus Pontoise, Chantilly und Treport sind Züge hier angekommen. Nachmittags ist ein Zug vom Nordbahnhof nach Lille abgegangen. Da das Beleuchtungs­personal keinen Dienst tut, ist der Nordbahnhof in Dunkel gehüllt. Von Tourcoing, Arras und Lille gehen die Züge fahrplanmäßig ab, aber in Paris kommen keine an. In Hagebrouck beschlossen die Eisenbahnangestellten den Aus­stand. Bei Arras wurden 11 Telegraphenstangen umgesägt und 35 Leitungen zerschnitten.

Vollständige Lahmlegung des Eisenbahnverkehrs.

Paris, 12. Okt. Während der Ministerpräsident Briand seine Banketrede hielt, vereinigte sich der N a t i o n a l r a t sämtlicher Eisenbahngewerkschaften und be­schloß den allgemeinen Ausstand für heute vormittag. Auf der Westbahn, die dem Staate gehört, ist der Ausstand bereits gestern abend begonnen worden. Auf der Ostbahn, der Mittelmeerbahn und der Orleansbahn tritt er in den ersten Morgenstunden in Kraft, sodaß Frankreich heute vollständig ohne Eisenbahnverkehr sein wird.

Die Waldbräuve in Amerika.

Newyork, 10. Okt. Die Lage im Waldbrandgebiet ist infolge heftigen Sturmes schlimmer, namentlich, weil die Flammen in den großen zusammenhängenden Waldungen reiche Nahrung finden. Das Feuer ist jetzt nur zehn Kilo­meter von Wmnipeg in Manitoba entfernt, wo schon die Temperatur sehr hoch ist. Auf einer Strecke von 80 Kilo­meter von Beaudette und Rainey River nach Warroad bilden die Wälder ein einziges großes Flammenmeer. An einer Stelle bei Lorretto in Manitoba, frißt eine hundert Fuß hohe und zwölf Kilometer breite Feuerwand rapide westwärts. In der letzten Nacht wurden sieben Dörfer und eine Menge kleinerer Ansiedlungen zerstört. In Rainey River und anderen Orten, wo die Flüchtlinge sich gesammelt haben, beginnt Nahrungsmangel zu herrschen. Die Eisenbahnen versuchen indessen, die Züge durchzubringen.

Kunst und Cében.

Hausmusik. Keine Kunst spricht wohl so unmittelbar zum Menschenherzen wie die Musik. Sie bedarf keiner Worte, um sich verständlich zu machen. Ihre süßen Ton­wellen finden in unserer Seele einen Widerhall und wecken dort eine Welt von Empfindungen, die, je nachdem die Mu­sik zu uns redete, ernster oder heiterer Natur sind. Gerade wir Deutschen erliegen am ersten dem Zauber, den gute Musik auf empfängliche Menschen ausübt, und die Pflege, die man der gediegenen Hausmusik in unseren Familien­kreisen angedeihen läßt, liefert uns den erfreulichen Be­weis dafür, daß sich der allgemeine Geschmack mehr und mehr vertieft und daß der Sinn für Edles, Hohes und Schönes unserm Volk auch in der jetzigen nüchternen Zeit der Elektri­zität und des Dampfes noch nicht abhanden gekommen ist. Wohl denen, die nach des Tages Last ein Stündchen Er­holung bei guter Hausmusik im Kreise der Familie verbrin­gen dürfen, wohl denen, die im Daseinskämpfe jenen sanften Genius, jenen Trost- und Friedensbringer gebührend zu schätzen und zu verstehen wissen! Ihre Herzen sind noch ein keimfähiger Boden für das Saatkorn des Guten geblieben. Shakespeare sagt:Der Mann, der nicht Musik hat in sich selbst, den nicht die Eintracht süßer Töne rührt, taugt zu Verrat, zu Räuberei und zu Tücken!" Und er hat nur zu recht, der große englische Seelenkenner. Musik ist der Schlüs­sel zu menschlichen Herzen. Wo dieser aber das Schloß den­noch nicht zu öffnen vermag, da lohnt es sich nicht, einen Blick hinter die Pforte zu werfen, die es verschließt. Welch ein wohliges Genießen liegt in dem Anhören guter Haus­musik! Man befindet sich nicht eingepfercht, wie in dem überfüllten, von blendendem Licht strotzenden Konzertsaale, in dem ein großer Teil des Auditoriums entweder nui^der Mode wegen den Vorträgen lauscht oder lediglich neue ^.oi-

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letten daselbst zur Schau zu stellen sucht. Daheim umgeben uns nur liebe Menschen, verwandte Seelen, gute Freunde. Die Phantasie schlägt ihre Fittiche um uns und versetzt unser Innenleben in höhere, reine Sphären. Solche Stunden, im Anhören guter Hausmusik verbracht, sind Stunden der Weihe.

Zn der französischen Akademie der Inschriften hat der Direktor der Altertümer in Tunis über die glücklichen Er­folge Bericht erstattet, die die unterseeischen Ausgrabungen bei Mahdia in diesem Jahre gebracht haben., Im Jahre 1907 entdeckten Schwammfischer nordöstlich vom Kap Afrika in einer Tiefe von 39 Mtr. die Ueberreste eines Schiffes, das zu Beginn der christlichen Zeitrechnung die Reise von Athen zur nordafrikanischen Küste angetreten haben mußte. Die Nachforschungen brachten über Erwarten glückliche Funde: alte Kunstwerke von hohem Interesse, Vasen, Kan­delaber, Marmorgeräte und Inschriften. Die neuen Aus­grabungen geben, wie dieTägl. Rundschau" mitteilt, den früheren an Bedeutung nichts nach. In erster Linie wurden fünf große Bronzestatuetten zutage gefördert, die sehr alt sind und sich vortrefflich erhalten haben. Unter ihnen be­findet sich ein tanzender und singender Eros, der seinen Ge­sang mit der Laute begleitet; drei Grotesken, zwei Frauen, die zum Klang der Klappern tanzen, ein Spaßmacher, der mit wunderlichen Körperverrenkungen und wilden Gri­massen vorwärts schleicht, und ein Satyr, ein prächtiges Werk von meisterhafter Kraft der Bewegung. Unter den weiteren Funden verdienen besondere Aufmerksamkeit die Statuette eines sitzenden Schauspielers, sodann eine Pla­kette, auf der Greife dargestellt sind, Bacchantenmasken, junge Satyrn. Ferner wurden bisher fehlende Bruchstücke der früher aufgefundenen Kunstwerke zutage gefördert. Am wichtigsten ist der linke Arm des großen Bronze-Eros, des besten Stückes. Es ist nun vollkommen zusammen und scheint eine Replik einer Statue von Praxiteles zu sein, die von Kallistratus erwähnt wird und von der bisher kein Exem­plar gefunden worden war. Die Entdeckungen dieses Jah­res wurden in der Schlammschicht gemacht, deren Höhe dem Inneren des Schiffes entspricht. Es scheint, daß das Fahr­zeug auf der Brücke eine Reihe Marmorsäulen geladen hatte, während im Inneren die kostbaren Kunstwerke, meist Bronzestücke, aufgestapelt worden waren.

Die lappischen Zaubertrommeln, heute außer Gebrauch, aber noch in ziemlicher Anzahl in europäischen Museen er­halten, haben in der letzten Zeit wiederholt die Aufmerk­samkeit der Ethnographen erregt und zu Deutungen der auf ihnen eingezeichneten Figuren veranlaßt. Die Zauber­trommel, mit der Linnä auf einem bekannten Bilde darge­stellt ist, wurde in Paris wieder aufgefunden, und auch in Meiningen entdeckte man in der Sammlung des Hennebergi­schen Altertumsvereins ein schönes Exemplar, das von Prof. Weinitz im Verein mit W. Lindholm in derZeitschrift für Ethnologie" 1910 abgebildet und beschrieben wurde. An dieser Beschreibung nun, und namentlich an der Deutung der auf dem Trommelfell dargestellten Figuren, übt jetzt, wie wir demGlobus", illustrierte Zeitschrift für Länder­und Völkerkunde (Verlag von F. Vieberg u. Sohn in Braunschweig) entnehmen, K. V. Wiklund in Upsala eine eingehende Kritik, indem er zeigt, daß vieles von Weinitz und Lindholm falsch gedeutet wurde. Er konnte dieses um so mehr, als zu Drontheim eine alte Handschrift vorhanden ist, die über die Meininger Trommel die genauesten Aus­künfte gibt, selbst deren Entstehungsort und frühere Be­sitzer kennt. Dadurch erhalten viele Figuren eine ganz andere Bedeutung. Ueber die Trommeln, die zu Zauber- und Wahrsagediensten von den lappischen Schamanen be­nutzt wurden, gibt Wiklund aber, unter Anführung der großen Literatur, eine belangreiche Zusammenfassung, aus der hervorgeht, daß auf ihnen ein lappischer Mikrokosmus dargestellt ist. Mit Hilfe der Zeichen auf dem Trommel­felle wurde die Zukunft enthüllt; der Zauberer legte einen Ring oder dergleichen auf das Fell, schlug dieses mit einem Hammer aus Renntierhorn, und je nachdem der Ring an die Zeichen sprang, wahrsagte er daraus. Die Zeichen waren teils mythologischer Art und stellten lappische Götter und Göttinnen oder Hilfsgeister des Zauberers dar; zum Teil aber waren sie dem täglichen Leben der Lappen ent­nommen, gaben z. B. Hütten, Schiffe, Wölfe, Renntiere wieder. Von besonderem Werte aber sind diese Zeichen als Quellen unserer Kenntnis der alten- Religion der Lappen, noch wichtiger aber werden sie dadurch, daß sie Aufschlüsse über die religiösen Vorstellungen der alten Nordgermanen geben, da sich herarsgestellt hat, daß die alte Religion der Lappen von altnordisch-heidnischen Elementen ganz durch­drungen war.

Hus Hab und "Fern.

Höchst a. M., 11. Okt. Durch eine Hutnadel, die als wirklich gefährliches Instrument längst erkannt und gefürchtet ist, wurde gestern abend am Bahnübergang ein Herr empfind­lich verletzt. Der lange Spieß, den eine Dame auf dem Haupte trug, stach ihm in dem Gedränge vor der Schranke

direkt in den Mund, sodaß die Zunge blutete. Die Nadel hätte gerade so gut auch ins Auge treffen können.

Homburg, 11- Okt. Zur Erinnerung an die heute vor 10 Jahren erfolgte Grundsteinlegung für die Saalburg legte Landrat Ritter v. Marx im Auftrag des Kaisers einen Kranz an dem Grundstein nieder.

Friebberg, 11. Oktbr. Bei einer Beerdigung am ver­gangenen Sonntag nachmittag mußten die Leidtragenden einem bedauerlichen Vorkommnis auf dem hiesigen Friedhofe beiwohnen. Der Totengräber G. war nämlich in einem Zu­stande, daß er taum stehen konnte. Den Sarg, den er durch den Beförderungsapparat ins Grab hinunter ließ, hatte er so schnell fahren lassen, daß er unten aufplumste. Später, als er den Sarg eindecken wollte, fiel er selbst ins Grab hinein. Die städtische Behörde hat G. gleich dieses Postens enthoben.

Giessen, 11. Okt. Das Kreisamt hat für den Kreis Gießen sämtliche Viehmärkte und Tierschauen wegen des Aus­bruchs der Maul- und Klauenseuche in Norddeutschland ver­boten. Wie man erfährt, soll das Verbot durch sämtliche Kreisämter in ganz Hessen erlassen werden.

r- Aus dem Kreise Biedenkopf, 11. Oktbr. Die Fortführung der sog. Scheldetalbahn von Oberscheid nach Wallau an der Eisenbahnlinie Marburg-Creuzthal macht er­freuliche Fortschritte. Die Bahnhöfe, welche einen schmucken Eindruck machen, sind beinahe fertig gestellt und die Kgl. Eisenbahndirektion hat die Herstellung des Oberbaues aus­geschrieben. Der erst vor einigen Jahren vergrößerte Bahn­hof zu Wallau bleibt vorläufig unverändert, nur die Gleis­anlagen müssen erweitert werden. Man glaubt bestimmt, daß die Bahn, die mit ihrer ganzen Länge von 26,2 Kilo­meter nur den Regierungsbezirk Wiesbaden berührt, bis zum 1. Juli 1911 in Betrieb genommen werden kann.

r- Kirchhain, 11. Oktbr. In Neustadt im hiesigen Kreise wurde auf die Aussage eines kleinen Jungen hin, eine fremde Dame verhaftet, weil sie diesem Geld genommen häte. Später stellte sich heraus, daß der Kleine das Geld verloren hatte und aus Angst die Wahrheit zurückhielt.

Grossenmoor (Kreis Hünfeld), 9. Oktbr. Sein eigenes dreijähriges Kind überfahren hat gestern abend der Land­wirt E. dahier. Das Kind, das von seinem siebenjährigen Bruder begleitet war, lief in einem unbewachten Augen­blick unter den Wagen und wurde überfahren. Es blieb auf der Stelle tot. Den unglücklichen Vater trifft keinerlei Schuld.

Düsseldorf, 11. Oktbr. Die Stadtverordneten geneh­migten das Abschiedsgesuch des Oberbürgermeisters Marx und bewilligten ihm das volle Jahresgehalt von 18000 Mark als Pension.

Spreebsaal.

H. Eine Überwachung des gesetzlichen Laden- schluffes hat der Deutsch-nationale Hand­lungsgehilfen-Verband am Montag abend im ganzen Deutschen Reiche zur Durchführung gebracht. Die hierbei gemachten Ermittelungen sollen in erster Linie den gesetzgebenden Körperschaften als Material zur Begründung der Forderung des D. H. V., Anstellung von Handels­inspektoren, überwiesen werden. Hier in Hanau hatte der Detaillistenverein durch Inserate, Zirkulare und persönliche Erinnerungen die Ladeninhaber vorher ermahnt, rechtzeitig zu schließen, trotzdem konnte noch eine ganze Anzahl Geschäfte verschiedener Branchen von der hiesigen Ortsgruppe des D. H. V. festgestellt werden, die sich eine Uebertretung des Ladenschlußgesetzes zu schulden kommen ließen.

Patent-Erteilungen.

Nr. 227 374. Aus zwei Blechen bestehende Heizplatte für Trockenvorrichtnngen. Fa. Benno Schilde in Hers­feld, vom 19. September 1909 ab. Sch. 33 7333. Kl. 82a.

Nr. 226 482. Doppelseitige Verschalung zum Herstellen von Stampfwänden. Peter Hedrich in Frankfurt a. M., Haufstraße 10, vom 11. Juni 1909 ab. H. 47 216. Kl. 37e.

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