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14 Seiten.

Amtliches.

Candkreis Hanau.

Aus der Sammelwasenmeisterei Bruchköbel kann ständig Fleischmehl zu Dung- und Futterzwecken käuflich bezogen werden.

Bestellungen nimmt der Verwalter der Sammelwasen­meisterei entgegen, der auch weitere Auskunft erteilen wird. Hanau den 10. Oktober 1910. A. 4503

Der Vorsitzende des Kreisausschustes.

J. V.: Dr. v. Waldow.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Die Lieferung und Aufstellung von Drahteinfriedigungen der anzulegenden Schrebergärten sollen unter Zugrunde­legung der Bedingungen und Vorschriften für die Ausfüh­rung von Arbeiten für die Stadt Hanau öffentlich ver­dungen werden.

Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zimmer 13, zur Einsicht aus und können von dort bezogen werden.

Verschlossene mit entsprechender Aufschrift versehene An­gebote sind bis zum (Eröffnungstermin am 18. d. M., vor­

mittags 11 Uhr, in genanntem Dienstzimmer einzureichen, wo die Eröffnung der Angebote im Beisein etwa erfchie-

nener Anbieter um die angegebene Zeit erfolgt. Zuschlagsfrist 14 Tage.

Hanau den 5. Oktober 1910.

. Der Magistrat.

22397

lieberarbeit von erwachsenen Arbeiterinnen und Sonn­tagsarbeit.

Nach der Entscheidung des Herrn Finanzministers vom . 12. Februar 1910 (J.-Nr. III. 360) sind die Genehmigungen zur Ueberarbeit erwachsener Arbeiterinnen (§ 138a Abs. 1 und 5 der Gewerbeordnung) und zur Sonntagsarbeit (§§ 105c Abs. 4 und 105k a. a. O.) stempelpflichtig und gemäß Tarifstelle 10 des Stempelsteuergesetzes vom 30. Juni 1909 (Ees.-Samml. S. 535) mit 3 Mk. zu verstempeln. Den Genehmigungsgesuchen ist, um deren schleunige Erledigung zu fördern, zweckmäßig eine Steuermarke im Werte von 3 Mk. beizulegen.

Becher und Pokal.

Von Georg Nicolaus, Hanau.

(Nachdruck verboten.)

Decher und Pokal, welche ehedem in jedem altdeutschen Dürgerhause vertreten waren und da auch ihrem wirklichen Gebrauchszwecke dem Gaste den Willkommtrunk zu bieten oder als altehrwürdiges Stück des Haushalts die festtäg­liche Tafel zu zieren, dienten, sucht man heute vergebens in manchem sonst stilvoll eingerichteten Haushalt.

Ja, doch in den Herren- und Eßzimmern, da stehen auf den Paneelen und Wandgesimsen, der Töpfe, Kannen, Becher und Krüge aus mancherlei Material.

Aber von keinem können wir mit Recht sagen, daß auch nur einer davon je seinem eigentlichen Daseinszwecke ge­dient hätte.

Verstaubt und blind geben alle Zeugnis davon, daß nie die Blume köstlichen Weines aus dem Grunde ihrer Tiefe aufgestiegen ist, ein Willkommen dem Gaste des Hau­ses zu bieten oder daß es ihr Beruf gewesen wäre, den Mit- gliedern der Familie durch die Vermittlung köstlichen Weines Freude zu bereiten.

Sie lasten uns kalt, alle, wie sie auf den Simsen stehen und manch trübseliger Blick, sonst freudebereiter Zecher, gleitet bedauernd darüber hin, denn die da oben haben ja ihren Beruf verfehlt.

Und doch ist unter all diesen Gefäßen kein anderes so ge­eignet wie der Becher oder Pokal aus echtem Silber, kunst­voll angefertigt, diesen Ehrendienst des Hauses zu versehen.

Funkelnder Wein, aus goldschimmerndem Grunde des Bechers kredenzt, löst bei dem Trinkenden eine ganz andere Stimmung aus als wie das der feinste Römer aus Krystall­glas zu tun vermöchte. Damit soll nicht gesagt sein, daß man von der Tafel die Gläser verbannen sollte oder auch

Erstes Blatt.

Gencral-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Mittwoch den 12. Oktober

Ich mache darauf aufmerksam, daß nur eingehend be­gründete schriftliche Gesuche berücksichtigt werden können.

Diejenigen Arbeiten, welche an Sonntagen auf Grund gesetzlicher Bestimmung des § 105c Abs. 1 Ziff. 1 bis 5 der Gewerbeordnung vorgenommen werden dürfen, unterliegen nicht der Eenehmigungspflicht. In allen Fällen, in denen Zweifel über Zulässigkeit von Sonntagsarbeiten entstehen sollten, empfehle ich, rechtzeitig bei mir Auskunft einzuholen.

Hanau den 12. Oktober 1910. 22393

Der Königliche Gewerbeinspektor.

Dr. Schröder.

Gcfniident und verlorene Gkflcnstönde re.

Gefunden: 2 Ausweiskarten der Hanauer Orts­krankenkasse für Hermann Grether und Wilhelm Pieron- czyk, 1 Schlüsselring mit 4 Schlüsseln.

Verloren: Verschiedene Papiere (Schul-, Einjährig- Freiwilligen-Führungs-Zeugnis rc.) für Paul Lindpaintner, 1 Portemonnaie mit 12 Mk., 1 viereckiges schwarzes Damen­portemonnaie mit 12.55 Mk., 1 kleine silberne Uhrkette mit Anhänger.

Zugelaufen: 1 rötlicher Hahn.

Hanau den 12. Oktober 1910.

Politische Rundschau.

Die sozialdemokratische Jugendbewegung. Um die Be­hörden über den staatsgefährlichen Charakter der sozial­demokratischen Jugendorganisationen zu täuschen, werden diese von der Sozialdemokratie immer als völlig unpolitisch hingestellt. Da ist nun unlängst demHalleschen Volksblatt" ein Geständnis entschlüpft, das Beachtung verdient. Das sozialdemokratische Blatt schilderte in hohen Tönen die Weihe des sozialdemokratischen Jugendheims in Weißen­fels. Selbstverständlich hat ein Sozialdemokrat dabei die Festrede gehalten, nämlich derEenoste" Oelßner, der da­rauf hinwies, daß diefreie" Jugenddas Bewußtsein in der Brust trägt, aus eigener Kraft sich ein Heim geschaffen zu haben, ohne Millionärshilfe". So berichtet dasVolks­blatt" und fährt dann fort:Trotzdem besitzt das Heim auch Innendekoration. Bilder aus den bewegten Kämpfen des Volkes gegen Knechtung und Unterdrückung schmücken es. Porträts der Altmeister im Arbeiterbefreiungskampfe blicken von den Wänden hernieder." Welche Porträts das sein mögen, ist leicht zu erraten. Es gehört nicht viel Scharfsinn dazu, um auf Lastale, Marx, Bebel und Singer zu raten. Und diebewegten Kämpfe gegen Knechtung und Unterdrückung" werden sicherlich bildliche Verherrlichungen der blutigen Revolutinonsgreuel sein, die selbstverständlich

nur .misten könnte und dieselben durch Becher zu ersetzen seien, im Gegenteil, der Becher soll eben als einzeln her­vorragendes Prunkstück dienen und zu besonderen Ehren eines Gastes, Festes oder feierlichen Aktes seinen Zweck er­füllen.

In den alten niederländischen und niederdeutschen Bür­gerfamilien da finden wir noch bei vielen als altes hoch in Ehren gehaltenes Erbstück den silbernen Becher oder Pokal, welcher wohl einst dem Ahn der Familie zu beffen Hoch­zeitstag überreicht wurde und nun durch Generationen seines Dienstes waltete. Dieser Becher hatte sie alle miter­lebt die Hochzeiten und Kindtaufen, die Begrüßungen hervorragender Gäste des Hauses; er spendete dem in die Fremde ziehenden Jüngling den Scheidetrunk; wenn dieser aber, vielleicht nach langen Jahren ins Vaterhaus zurück­kehrte, perlte aus dem Becher der Willkommengruß dem Heimgekehrten entgegen.

So rankt sich Erinnerung und Tradition um das Stück, demselben neben seinem materiellen Werte, einen weit höheren ideellen zu verleihen.

Nicht nur sind es begüterte Familien, in deren Silber­schrein der Becher nicht fehlen darf, sondern in manch ein­facher Seemannsstube am Strande der Nordsee prankt im geschnitzten Wandschränkchen oft als einziges Wertstück des -Haushaltes ein mehr oder weniger kunstvoll hergestellter silberner Becher oder Pokal.

Wenn dann an Sonn- und Feiertagen der sonst einfache Tisch etwas bester beschickt ist, dann fehlt auch nèchi der Becher mit seinem goldig blinkenden Inhalte, das Mahl zu würzen. ... f

Wer aber je mit den Lippen in eines Bechers äse ge­taucht, mit Mund und Seele getrunken hat, er bald herausfinden, daß der Trunk aus dem Becher elwav Gan3 anderes ist, als jener aus dem Glase. Erneu ganz anderen Genuß, eine andere Stimmung erzeugt dieser Trunk,

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^erttsprechanschlutz Nr. 605

1910

derfreien" Jugend als nachahmenswerte Vorbilder vor Augen gerückt werden müssen. So beweist das Weißenfelser Beispiel klipp und klar, wie die Arbeiterjugend für ihre Partei erzogen wird. Wie auch in anderer Weise die Sozial­demokratie bestrebt ist, die Jugend für ihre revolutionären Zwecke heranzubilden, zeigt ein Flugblatt, das in Hannover massenweise an die Schulkinder kurz vor ihrer Entlastung aus der Schule verteilt worden ist. In dem Blatte heißt es: Was tat die Volksschule, um Ihnen Gesundheit und Kraft zu geben? Sie tat nichts! In überfüllten Zimmern, mit ge­preßter Brust hockten Sie mit Ihren Gefährten beieinander. Was tat die Volksschule, um Ihr Misten zu bereichern und zu befestigen? Sie tat nichts! Durch melancholisches Aus­wendiglernen von Bibelsprüchen, Religionserzählungen und Glaubenssätzen erhielten Sie Kenntnis von einem märchenhaften Jenseits, und durch Vertröstung auf dieses Jenseits lernten Sie die Zufriedenheit mit einer Wirt­schaftsordnung, deren Unrecht und Bitternis von Ihren jungen gequälten Seelen oft schon so grausig schneidend emp­funden wird. Die Schönheit der Erde aber blieb Ihnen ein Rätsel. Die Menschheit kann und wird den Himmel auf Erden haben, wenn sie nur will, die Entwickelung des Welt­alls, seiner Sonnen, Erden und Lebewesen weist diesen Weg zu Glück und Harmonie. Das Gefühl, das Verständnis hier­für ist zu wecken. Die Menschen muffen Vertrauen zur Willenskraft wiedergewinnen und die große Sehnsucht nach Weisheit. Wir gebrauchen Gesunde und Kluge!" Man sieht, die Sozialdemokratie ist eifrig an der Arbeit, Herz und Sinn der Jugend mit lockendem Sirenengesang für ihre revolutionären Zwecke einzufangen. Ohne Widerstand kann sie in die kritiklosen und nicht ausgereiften Gemüter der Jugendlichen ihre Ideen und Tendenzen einpflanzen und sich so begeisterte Vorkämpfer für ihre gesellschaftsfeindlichen Endziele heranziehen. Denn daß die Jugendlichen, die durch die Schule der sozialdemokratischen Jugendorganisation ge­gangen sind, dermaleinst keine gedankenlosen Mitläufer, sondern in ihrer Art überzeugte Sozialisten und revo­lutionäre Demokraten sein und als solche ihren Mann stellen werden, darüber kann wohl nicht der leiseste Schatten eines Zweifels sein. Es ist daher die höchste Zeit, daß dieser roten Sturmflut, die über unsere Jugend, die Zukunft unseres Vaterlandes, hereinzubrechen droht, ein fester Damm entgegengesetzt werde. Nur in einer machtvollen or­ganisatorischen Zusammenfassung unserer schulentlassenen Jugend unter dem sturmerprobten Banner des Christen­tums und Deutschtums kann der Gefahr gesteuert und ge­trotzt werden.

Die Entwickelung, die der englische Außenhandel im September d. Js. genommen hat, ist wiederum als günstig zu bezeichnen, unterscheidet sich aber von der Derkehrsge-

Ganz anders mutet jeglicher Wein aus der goldigen Tiefe des Kelches uns an. Auf eine schöne und gute Ver­goldung des Jnnenraumes soll man bei jedem Kelche achten, derselbe mag von außen unvergoldet blankes, mattes oder abgetöntes Silber darstellen, ganz gleich, der Jnnenraum soll vergoldet und poliert sein.

Denn nur ein solcher wird den Wein wie flüssiges Gold mit spielenden Lichtern erscheinen lasten und ist geeignet selbst ein minder gutes Gewächs munden zu lasten.

Die Poesie des Trinkens auch im Trinken kann solche liegen war von altersher nur mit dem Becher verknüpft. Die alten Heldengestalten der Germanen kannten keine Gläser, aber der Becher, mit Meth gefüllt, kreiste schon in ihrer Runde.

Darum sollten auch die Hausfrauen dieses altehrwürdige Stück deutschen Hausrates, weil es jetzt so modern ist, nicht dazu verdammen, lediglich als verstaubtes Zierrat, auf den Wandgesimsen herumstehen zu lasten. Sie gebe ihm seinen Ehrenplatz am Tische des Hauses wieder und sorge dafür, daß er seinem Berufe, den sonntäglichen und feiertäglichen Tisch zu zieren und uns den Wein in der stimmungsoollsten Art zu kredenzen, zurückgegeben werde.

Es braucht ja nicht immer ein teuerer und schwer silber­ner Pokal zu sein, auch den einfachen Tischverhaltnisten an­gepaßt, sind solche Stücke oft zum Preise, den man sonst ohne Bedenken für vergänglichere Sachen ausgibt, zu haben.

Wer sich es leisten kann, der soll bei der Anschaffung eines solchen Stückes darauf achten, in jedem Falle einen von Hand getriebenen Becher, dessen Wandungen eine ge­nügende Metallstärke besitzen, zu erstehen, denn nur ein solcher wird für Generationen aushalten und wenn nötig, leichter zu reparieren sein, wie solche, die nur fürs Auge ge^ schaffen, aus dünnstem Silberblech gepreßt sind.

r t Wer aber nicht über eine allzu große Kaste verfügt, der >bh^ ^er Anschaffung lieber von einer reichen und kunstvollen Ziselierung ab, wähle einfachere, deshalb doch schlanke ebb