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Erstes Blatt.

VarnzsvreUr »«»«»Lhcklch 1,80 WU manutlich 60 Vg.. Hr m* wfartige Utonneuten mit dem bitressenden Pastkufschtaß. Sie dajtint Stummer lastet 10 Pf».

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Mtänttruck und Verlag Wr Buchdruckern Mi HWi*.

Gelieral-Anzeiger

Awtliihts Orga» für Stabt uab Landkreis Kanas.

V:- fur-f gespalten« Petttjeile eher deren Kaum 20 Pf-, in Sleüamentâ Vic Zeile 60 Uz.

*, ISaisenhmlse» in Han«.

Erscheint tâgRch Ausnahme der Sonn- «nd Feiertage, belletristischer Beilage.

veeantmaeâ. Sttdakteuer O.<«<« in Hamm.

9?L 59 FernsprechansÄlich Nr. 605»

Freitag de» 11. März

Fernsprechanschlusi Nr. 605» 1910

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14 Seiten.

Amtliches.

Bekanntmachnng.

Versendung von Paketen während der Osterzeit.

Die Versendung mehrerer Pakete mit einer Postpaket- adreffe ist für die Zeit vom 20. bis einschl. 27. März weder im inneren teutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Aus­land ausgenommen Argentinien gestattet. Nach Argen­tinien können auch in dieser Zeit mehrere, jedoch höchsten- 3 Pakete, mit einer Postpakeiadreste versandt werden.

Berlin W 66 den 3. März 1909.

Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.

J. V.: Kobelt.________________

Stadtkreis Hanau.

Ein großer Teil der hier wohnhaften und beschäftigten ausländischen Arbeiter sind den Bestimmungen bezügl. ihrer Jnlandslegitimierung bisher nicht nachgekommen. Bevor ich eine allgemeine Revision der hiesigen Betriebe behufs Fest­stellung, ob die in diesen beschäftigten Arbeiter mit ordnungS- I mäßigen Legitimationskarten versehen sind, anordne, mache ich diejenigen Arbeitgeber, welche in ihren Betrieben ausländische Arbeiter beschäftigen, wiederholt daraus aufmerksam, daß deren Arbeiterleaitimationskarten vom Jahre 1908 und 1909 mit dem 31. Dezember V Js. ihre Gültigkeit ver­loren haben und dah°r sofort zu erneuern sind.

Der Antrag auf Erneuerung ist seitens der ausländischen Arbeiter unter Vorlage ihrer Heimatpapiere und der altenLegitimationskarte bis spätestens 15. d. Mts im Sekretariat Zimmer 5 von 8 bis 9 Uhr vorm. zu stellen.

Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen Arbeiter, die ihr altes Arbeitßverhältnis gelöst haben, die vorschriftsmäßige Umschreibung ihrer Legitimationskarten binnen einer Frist von 3 Dagen nach Antritt deS neuen Arbeilsverhältnisses hier zu beantragen haben.

Hanau den 7. März 1910.

Königliche Polizei-Direktion.

P 2614 J. V.: Vr. v. Waldo w.

Landkreis Hanau.

Ä" der Gemarkung Hochstadt ist die Schweineseuche erloschen.

Hanau den 10. März 1910.

Der Königliche Landrat.

V 1549 I. V.: Dr. v. Waldow.

Politische Rundschau.

Um Luegers Nachfolge. Aus Wien wird ge­schrieben : Ueber die Nachfolgerschaft LuegerS als Bürger- meister und christlichsoziales Parteihaupt war innerhalb der Partei schon vor seinem Tode ein Kampf hinter den Kulissen ausgebrochen, der gestern nach dem Bekanntwerden des Tode« offen in die Erscheinung trat. Geßmann, Luegers ältester Kampfgenosse und nächst ihm der hitzigste Agitator der Partei, hatte es verstanden, eine letzte Unterredung, die er mit Lueger im Krankenzimmer hatte, so wiederzugeben, als ob es LuegerS Wunsch gewesen wäre, er solle sein Nachfolger sein. Geßmann glaubte dadurch, die Nachfolge für sich gesichert zu haben. Das Deutsche Volksblatt, das Organ des Geßmann feindlichen Flügels, veröffentlichte nun aber in seinem gestrigen Sonderblatt Luegers politisches Testament, worin der frühere Magistratsdirektor und jetzige Handelsminister Weiskirchner von Lueger als Nachfolger empfohlen wird. Es war ter letzte Versuch dieses Flügels, Geßmanns Kan­didatur zu stürzen. Indessen zeigt nach dem Fremdenblatt Weiskirchner, der übrigens schon früher das Testament stammt von 1907, als er noch Magistratsdirektor war gebeten hatte, von ihm abzusehen, heute keine Neigung mehr, von der neuen Karriere, die sich ihm durch Eintritt ins Ka­binett eröffnet hat, zurückzutreten, und er begründet das auch mit den Schwierigkeiten, die er durch seinen Austritt aus dem Kabinett Bienerth bereiten werde und die die ganze politische Lage umstürren würden. Geßmanns Nachfolge ist daher sicher. In seinem Privattestament setzt Lueger, da er unoerbeiratet geblieben ist, feine ebenfalls unverheirateten

beiden Schwestern, die ihm während seiner Krankheit auf­opfernde Pflegerinnen gewesen sind, als Erbinnen seines auf 100 000 bis 120 000 Kronen geschätzten Vermögens ein.

Französischer Senat. Bei der allgemeinen Beratung der Zolltarffreviston führte Seulfort aus, die vorgeschlagene Revision sei eine Folge der Erhöhung der Tarife, die man in verschiedenen Ländern vollzogen habe. Redner untersuchte die Lage Frankreichs in bezug auf die ausländischen Märkte und stellte fest, daß die Ausfuhr Frankreichs nach Deutsch­land sich vermehrt habe, aber die Zunahme lasse jetzt nach. Die Deutschen hätten eine* bessere Methode, indem sie die Ausfuhr der subventionierten Kartellbildung begünstigten, um die Preise zu erhöhen und zu regeln. Frankreich habe ohne Protest sich vor der Erhöhung der Tarife anderer Länder ge­beugt. Er glaube nicht, daß Frankreich Repressalien zu fürchten habe. Hierauf wurde die Fortsetzung der Beratung auf morgen vertagt.

Französische Deputtertenkammer. In der gestrigen Beratung des Gesetzentwurfes zum Schutze der Laienschule machte Denys Cochin (kons.) der Regierung den Vorwurf, daß sie ein Gesetz gegen die Familienväter und gegen die Freiheit der Presse und freie Meinungsäußerung mache. Grousseau (fonf.) betonte das Recht der Katholiken, gegen die atheistische Lehre, welche die Gesellschaften bedrohe, Ein­spruch in erheben. In weiteren Verlaufe der Debatte über den Gesetzentwurf zum Schutze der Laienschulen erkärte Piou (Hb.), wenn die Radikalen versuchen würden, die Rechte der Familienväter zu beeinträchtigen, würden sie entschlossene Gegner vor sich finden. Nachdem noch LefaS (fortschr. Rep.) empfohlen hatte, den Kampf gegen die Familienväter einzu­stellen, wurde die Sitzung aufgehoben. fünf der Tagetordnung für heute stehen Interpellationen über die Geschäftsführung der Liquidatoren.

Englische- Unterhaus. Bei der Beratung des Provisoriums von 9 Millionen Pfund Sterling für den Zivildienst für sechs Wochen vom 1. April ab, fragte Austen Chamberlain, warum das Provisorium in diesem Jahre einen so geringen Betrag aufweise und für eine so kurze Zeit be­stimmt fei ; der von der Regierung eingeschlagene Weg werde später in der Session ein anderes Provisorium nötig machen. Lloyd George führte au«, daß die Legierung zu der Praxi« zurückkehre, die vor dem Jahre 1896 geherrscht habe; die finanzielle Lage sei sehr ungewöhnlich. Er glaube, daß da« Hau« eine andere Gelegenheit haben werde, besonder« nach Ablauf der sechs Wochen, seine Ansicht über da« Ministerium auszusprechen, welcher Partei e« auch angehören möge. G« sei sehr wichtig, daß da« Hau« eine volle Kontrolle über die Exekutive habe, besonder« über jene Zeit. (Beifall.) Cham­berlain entgegnete, das einzige Ziel, da« die Regierung be­harrlich verfolgt habe, sei, daß sie die finanziellen Verhält­nisse ihren Nachfolgern in der größten Verwirrung hinter­lassen habe.

Die kommende Hungersnot in Ruhland. Der bekannte Meteorologe Gribojedow veröffentlicht eine auf streng wissenschaftlicher Grundlage beruhende Untersuchung, nach der er zu der Ueberzeugung gelangt, daß Rußland im kommenden Erntejahre eine beinahe vollständige Mißernte in Wintergetreide zu erwarten hat. Der Ausfall an Winter­weizen und -Roggen kann leider nicht durch eine stärkere Sommergetreideernte wertgemacht werden, denn an der Hand von Beobachtungsreisen muß Herr Gribojedow diese Hoff' nung vernichten, er sagt eine Periode der Dürre voraus, die in die für die Kornbildung wichtigen Monate Juni und Juli fallen soll. Das Ansehen, das Herr Gribojedow ge­nießt, ist so groß, daß seine Ankündigungen keinen Zweifel erfahren, sondern die größte Besorgnis erregen. Seine Be­obachtungen sind der Gegenstand ernster Beratungen in wirtschaftlichen Vereinigungen und parlamentarischen Ver­bänden, die schon jetzt auf Maßnahmen seitens der Re­gierung dringen. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß die Witterungsverhältnisse sich unversehens ändern können, doch beiden die Befürchtungen Gribojedows zum großen Teile in jedem Falle bestehen. Mit einer solchen Mißernte hätte auch das Ausland zu rechnen, soweit es russisches Getreide verbraucht, oder überhaupt auf ausländische überseeische Märkte angewiesen ist. Ganz besonders prekär gestaltet sich natürlich die Lage in Rußland nicht nur in staatsfinanzieller Hinsicht, sondern auch im Hinblick darauf, daß die Industrie und der Handel des Landes in hohem Grade von der Ge­staltung der Ernte abhängen. Eine Mißernte kann and) nicht ohne verderblichen Einfluß auf die im Gange befind­liche Agrarorganisation bleiben, sondern diese wird in einer nicht wünschenswerten Weise aufaehalten werden. Aus allen diesen Gründen wird den Voraussagen Gribojedows nament« lich in parlamentarischen Kreisen die ernsteste Aufmerksamkeit geschenkt.

Canada «nd die Vereinigten Staaten. An- läßlich der Schwierigkeiten, welche sich bei den Zollvertrags- Verhandlungen zwischen Canada und den Vereinigten Staaten ergaben, wird in New-Dork neuerding« immer mehr in der Presse der Gedanke erwogen, ob nicht der Zeitpunkt ge­kommen sei, zum mindesten eine wirtschaftliche, vielleicht auch eine politische Angliederung Canada« an die Vereinigten Staaten zu versuchen. So schreibt z. B. die Washingtoner Post* :Bestände zwischen der Union und Canada absoluter Freihandel, so würde Canada binnen wenigen Jahren ein Teil bet Vereinigten Staaten sein. Es scheint aber fast, als gehe die Politik unserer Regierung dahin, ihr Möglichstes zu versuchen, diese naturgemäße Entwickelung zum mindesten zu verzögern, wenn nicht zu verhindern. Schließlich wird die Vereinigung der beiden Länder doch kommen müssen. Das ist unvermeidlich, wenn tO un« auch England« Freundschaft kosten roirb.* Ganz ähnlich sprechen sich mehrer« ander« Blätter au«. In Canada denkt man freilich darüberwesent­lich ander«. So schreibt z. B. die in Ottawa erscheinende See* :Es mag schon seine Richtigkeit haben, daß Amerika? Wunsch und Politik auf Annexion Canadas geht. Aber diesseits der Grenze denkt man wesentlich ander« und wünscht bei aller Wahrung guter Beziehungen nichts weniger, al« Canada von der Union verschluckt zu sehen.*

WetterePolitische Runvschau" im zweiten Blatt.

Parlamentarisches.

Die Budgetkommission des Reichstages setzte gestern die Besprechung der Mannesmann-Angelegenheit fort. Ein Mitglied der fortschr. Volkspartei erklärte, die Ver­öffentlichung de« Weißbuche« schädigte die Mannesmannschen Interessen. Ueber die Konzessionsurkunde hatte die deutsche Regierung eine ander« als die vorgestern mitgetellte Auf­fassung. Den jetzigen Standpunkt zu ändern, könne man dem Auswärtigen Amt nicht zumuten. Er hoffe auf Ver­ständigung. Die Budgetkommission möge diese Erwartung in einer Resolution auSdrücken. Ein nationalliberaler Ab­geordneter erklärt«, vor der Veröffentlichung des Weißbuches hätte man sich an ein Schiedsgericht wenden sollen. Eine absolut« Unrichtigkeit deS marokkanischen Berggesetzes sei nicht nachgewiesen; di« Forderungen an den Snltan müßten aufrechterhalten werden. Die Brüder ManneSmann hätten mit den eigenen Interessen di«

deutschen Interessen zu wahren gesucht. Das Auswärtige Amt müsse seinen Fehler wieder gut machen. Ein an­deres Mitglied der fortschrittlichen Volkspartei begrüßte die vorgeschlagene Einsetzung eines Schiedsgericht«. An einem Monopol ManneSmann hätten wir kein Interesse. Ein Sozialdemokrat wie« den Versuch eine- nationalliberalen Blatte«, den Staatssekretär des Verkehr- mit sozialdemo­kratischen Abgeordneten zu denunzieren, zurück. Staats­sekretär Freiherr v. Schön: Da« Weißbuch habe nicht di« Mannesmannschen Interessen schädigen können, weil sei» Inhalt und noch weit mehr den Gegnern ManneSmann« und den fremden Regierungen bekannt gewesen sei. DaS Weißbuch sei veröffentlicht worden, weil da« Auswärtige Amt genötigt war, den leidenschaftlichen Angriffen gegenüber seine Stellung zu wahren. An dem Gerücht, der deutsch« Botscha'ter habe privatim erklärt, die Sympathien der deutschen Regerung ständen mehr auf fetten der Union des Mines, sei kein wahre- Wort. Ebenso entschieden müsse er gegen die Vorwürfe gegen den Konsul Dassel Verwahrung ein­legen, der nur seine Pflicht tat, al- er auf den zweifelhaften Charakter der Angelegenheit aufmerksam machte. Unrichtio sei, daß Dassel seine Berichte au« einer reizbaren, nervöser Stimmung heraus geschrieben habe. Zu einem Zweifel, ob Freiherr v. Wangenheim ausreichend informiert gewesen sei, sei kein Anlaß. Die Herbeiführung de« Beschlusse« des diplomatischen Korps vom 20. August 1908 habe die der Interessen Deutschlands und der Gebrüder ManneSmanr drohende Gefahr abgewandt. Die spanische Regierunc und das Ministerium Morel selber habe der deutschen Regierung erklärt, sie seien in allen Punkten bei Minenfrage mit dem Inhalt deS Weißbuche« einverstan­den. Das Auswärtige Amt sei bereit, zu Beratunger über ein Berggesetz die Brüder ManneSmann vertraulich zuzuziehen, die sich aber bisher ablehnend verhielten. Sir Mitglied der fortschr. Volkspartei legte eine Resolution vor, die die Regierung verpflichten sollte, die Mannesmann-In­teressen mit allem Nachdruck wahrzunehmen. Ein Abânde- rungSanhag der Wirtsch. Vgg. will die Resolution etwas anders formuliert und die Verpflichtungen der Gebrüder Mannesmann schärfer betont wissen. Gegen beide wandte sich ein Mitglied der Reichspartei. Ein nationalliberaler Ab- geordneter hält die Mannesmannschen Anlvrüche für iu Recht