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tC 289 Bornsprechanschlnsj Nr. 23V.
Samstag btit 10. Dczciiibcr
Fernsprechanschtutz Nr. 230. 191
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36 Seiten.
Hus Ran au Stadt und Cand.
Hanntt, 10. Dezember.
Ac «tut Blik-Anstalt am Stein^eimerfor.
Die Bestrebungen zur Pflege der Volkswohlfahrt, die in en letzten Jabrzehnten zu einem mächtigen Kulturfaktor ngewachsen sind, ließen auch in Hanau die Wünsche nach iner zeitgemäßen, öffentlichen Badeanstalt immer mehr aut werden, zumal die seitherige Badeanstalt auf dem Gas- -erksgrundstücke durch den Gaswerksneubau in Wegfall ge- -mmen ist. Hanau mit seinen zahlreichen Industrien besaß is zur Eröffnung der neuen Badeanstalt nur noch eine Kivatbadeanstalt (Ernst) und ein kleines städt. Volksbad n der Vangertstraße.
Zn erster Linie kam daher eine Anstalt in Frage, die u billigen Preisen eine Badegelegenheit den zahlreichen mdustriearbeitern und Handwerkern, im Interesse der Volksgesundheit, ermöglichte.
Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, wurde der Bau rojektiert. Der Bau ist mit Einrichtung nun soweit ge- iehen, daß die Eröffnung am nächsten Samstag stattfin- en soll. Aus diesem Anlasie fand gestern eine Besichtigung er ganzen Anstalt, von der wir nebenstehend eine Abbil- ung bringen, durch die städtischen Körperschaften — Magi- rat und Stadtverordneten — statt. Das Resultat dieser Besichtigung äußerte sich in allgemeiner Zufriedenheit sei- ?ns der Mitglieder.
Ueber den Bau selbst ist folgendes zu sagen:
Das Gebäude besteht aus Keller-, Erd-, 1. Ober- und )achgeschoß und stellt in seinem Aeußeren wie Inneren in stattliches Gebäude dar. Ganz besonders hübsch hebt sich as Schieferdach von den gelben Putzflächen der Fassaden b. Die Architektur zeigt moderne Auffassung mit Anklängen in Barock, die als wohlgelungen bezeichnet werden kann. Jesonders ist das Bestreben nach Einfachheit und dennoch chöner Wirkungen, lobend hervorzuheben, da Steinmetzar- witen mit Ausnahme des Portals, auf das geringste Maß wschränkt wurden. Das Hauptportal nach der neuen Anlage ,u gelegen, ist kräftig hervorgehoben und wird geziert durch zwei Wassertiere, links und rechts, und einem schmiedeisernen Gitter mit eingebauter Laterne im Oberlicht. Durch Keses Hauptportal gelangt man zunächst in einen dem Wareraum vorgelagerten Windfang, dessen Wände 2 Meter wch mit Heliolithputz versehen sind. Der obere Teil der Wände und das Kreuzgewölbe sind mit einfacher, aber doch lehr wirkungsvoller Maleret versehen.
Von diesem Windfang gelangt man nach dem Warte- :aum, der mit seinen stimmungsvollen einfachen Malereien .'inen anheimelnden Eindruck macht. Links und rechts nach rorn schließen sich 2 Reserveräume an. Dem Eingänge gegenüber befindet sich die Kaste, die zugleich als Wäscheausgabe dient, auch sind in diesem Raume zwei große Eegenstrom- rpparate aufgestellt, welche das Warmwasser für die Bäder liefern.
Links vom Warteraum liegt das Volksbad für Männer und enthält 9 Brause- und 5 Wannenzellen, sowie einen Abort. Die Zellen selbst sind in solidester dauerhaftester Ausführung 2 Meter hoch mit elfenbeinfarbigen Vadean- sialtsteinen ausgeführt, die irgendwelche Unterhaltungen so gut wie ausschließen und stets leicht durch Abwaschen zu reinigen sind. Der obere Teil der Wände und die Decke sind mit Mineralfarbe angestrichen. Rechte vom W..rlecatâ schlicht sich die Frauenabteilung an, die 2 Brause- ? itr jc 5 Wannenzellen und einen Abort enthält Die Ausführung der einzelnen Zellen ist genau wie im Männerbad. Heber eine bequeme Treppe gelangt man nach dem ersten Ober- Igeschoß zu dem Heilbad und den Wannenbädern 1. Klasse, beide Abteilungen von der Treppe direkt zugängig.
Das Heilbad enthält zunächst einen geräumigen Aus- und Ankleideraum, bezw. Ruheraum. Es sind hier 6 einzelne, durch Vorhänge abgeschlostene Räume vorhanden. In jedem dieser Räume befindet sich ein Ruhebett, ein Stuhl, ein Nachttisch, ein verschließbares Kästchen für Wertsachen und dergl. mehr. In einer Reservezelle hat eine Personen- wage Aufstellung gefunden. Von dem Ruheraum gelangt man nach dem Warm- und Heißluftbad, sowie Dampfbad, ! Massage- und Duscheraum. Der Fußboden des Warm- und Heißluftbades besteht aus roten Plättchen, die Wände dagegen auch mehrfarbiger Svaltplüttchenverkleidunq. Di-.
Decke bildet ein Tonnengewölbe. Im Warmluftbad befindet sich ein runder Tisch und einige Stühle, sowie in einer Rische ein aus Platten hergestellter Wandbrunnen, dessen plätscherndes Wasser die warme Luft anfeuchtet und den Aufenthalt ungemein angenehm macht.
Im Heißluftbad sind nur einige Stühle vorhanden und ein Wandbecken mit Trinkwastergelegenheit. Die Ausführung selbst ist genau wie im Warmluftbad. Das Dampfbad, in derselben Ausführung wie Warm- und Heißluftbad, enthält über der Verdampfungsschale ein zweietagiges Liegegestell, ferner ein Fußbad, eine Dampfdusche und eine temperierbare Brause. In jeder der vorgenannten Abteilungen befindet sich eine elektrische Uhr, die mit einer Hauptuhr im Warteraume in Verbindung steht. Der zu vorgenannten drei Räumen zentral gelegene Massageraum enthält eine Mastagebank, eine temperierbare Brause, eine Schlauchbatterie und einen Wandbrunnen. Der Fußboden besteht aus roten Sechseckplatten, die Wände dagegen sind etwa 2% Meter hoch mit weißen Viereckplättchen und ab und zu blauen Einlagen versehen, was dem Raume ein sauberes und freundliches Aussehen verleiht. Vom Massageraum gelangt man in den großen Duscheraum, der in seiner Gesamtheit den schönsten Raum im Gebäude darstellt. Hier sind vorhanden eine Stachel- und Kopfbrause, eine Sitzdusche mit Seitenstrahl, eine Strahl- und Regenbrause, eine große Brause (eiserne Jungfer) mit direktem Wasserleitungsdruck, eine Holzbadewanne für medizinische Bäder, sowie ein größeres Vollbadebassin. Der Fußboden und die Wände soweit das Wasser steht, sind mit blauen Plättchen versehen, der obere Wandteil sowie die Wände des ganzen Raumes sind mit weißen Platten mit blauen Einlagen versehen. Sehr stimmungsvoll nehmen sich die Buntverglasungen in diesem Raume aus. Kehren wir zum Treppenaufgang zurück. Rechts von diesem befinden sich die Wannenbäder erster Klasse. Vorhanden sind, um einen ge
räumigen Flur gelagert, 7 Wannenzellen, ein Reserveraum, ein Abort und ein Besenschrank. Der Fußboden des Flures ist mit Linoleumbelag versehen und daher geräuschlos. Die Wände sind etwa 1,50 Meter hoch mit bemaltem Preßputz versehen, über dem sich ein in kräftigen Farben gemalter Fries befindet, der über jeder Türe die Zellennummer sinngemäß in sich aufnimmt. Der übrige Teil der Wände und die Decke ist weiß gehalten. Die Ausstattung der Zellen besteht aus je einer Fließenbadewanne mit anschließender 2 Meter hohen Plattenbekleidung, einem Garderobenständer, der gleichzeitig Sitzgelegenheit, Nachtschrank, Spiegel, Schirmständer rc. in sich vereinigt. Ueber den Platten befindet sich ein abwechselnder lebhafter Fries, der die Zelle sehr freundlich stimmt. Der obere Teil der Wände und die Decke ist weiß mit Mineralfarbe gestrichen. Erwähnt sei noch, daß sich über jeder Badewanne, auch im Erdgeschoß, eine elektrische Klingel befindet, die nach einem auf dem Flur angebrachten Tablett führt und dort durch Niederfallen einer Klappe die Zellennummer angibt, von der geläutet wurde. Außerdem ist in jeder Etage ein Wäscheschacht vorgesehen, sodaß die verbrauchte Wäsche direkt in die Wäscherei im Kellergeschoß gelangt.
Im Dachgeschoß, zu dem man durch eine von der Badeanstalt abgesonderte Treppe gelangt, befinden sich zwei Wohnungen für die Vadewärter. Die eine Wohnung besteht aus 3 Zimmern, Küche, Speisekammer und Abort, sowie geräumigen abgeschlossenen Vorplatz. Die andere Wohnung enthält 4 Zimmer, Küche, Speisekammer, Abort und abgeschlossenen Vorplatz. _ . t , . .
. Der Fußboden der Zimmer besteht aus Steinholz, dre Wände sind in moderner Auffassung auf Turhohe mrt Farbe in zwei Tönen getupft und mit abwechselndem Anne ersehen. Der obere Teil der Wände und dre Decke ist weiß Gehalten
Ganz besonders hübsch empfindet man die tiefen Fensternischen, welche durch das Dachwerk bedingt wurden, und die in anderen Farbtönen gehalten sind wie die eigentlichen Zimmerwände.
In dieser Etage befindet sich noch ein größerer nicht ausgebauter Bodenraum, der groß genug ist, später eine weitere Wohnung einrichten zu können.
Ueber den Wohnungen befindet sich der eigentliche Bodenraum, in dem zwei größere Reservoire für Kalt- und Warmwaster Aufstellung fanden. Alles Badewasser wird von diesen Reservoiren entnommen.
Im Kellergeschoß befinden sich die Wäscherei, deren Maschinen mit elektrischer Kraft betrieben werden, ein Bügel- und ein Kulissentrockenraum, eine Heizkammer, in der die von außen einströmende frische Luft mittelst Radiatorenheizkörper vorgewärmt, und in besonderen Knälen nach dem Warm-, Heißluft- und Dampfbad geleitet wird.
Außerdem befindet sich hier die Zentralheizungs- sowie Warmwasserbereitungsanlage: 4 große Niederdruckdampfkessel, in einem tieferliegenden Keller aufgestellt, von denen ein ganzes Netz von Röhren durch das ganze Gebäude sich verzweigt.
In unmittelbarer Nähe der Heizungsanlage befindet sich ein weiterer Raum für Koks- und Holzvorräte.
Nach kaum einjähriger angestrengter Arbeit steht heute das stattliche Gebäude vollendet da. Es ist ein Meisterwerk moderner Baukunst, das seinem Erbauer und Bauleiter, Herrn Stadtbauführer Architekt Kögel und den beteiligten hiesigen Meistern, unbestrittene Ehre macht. Die neue Badeanstalt ist aber auch ein ehrendes Zeugnis bereitwilligster Opferfreudigkeit und zeugt von weitgehendem sozialen Verständnisse sowohl unserer städtischen Verwaltung wie auch der städtischen Körperschaften und dieser selbst.
Die Eesamtkosten einschließlich Einrichtung und Innen- tarbeschaffung, die auf 115 000 Mark veranschlagt find, sollen, wie uns von zuverlästiger Seite mitgeteilt wurde, aller Voraussicht nach nicht überschritten worden sein.
Da die Gesamtanlage dem Publikum einige Tage zur Besichtigung zugängig gemacht werden soll, wird die Inbetriebsetzung in nächster Zeit erfolgen.
Nachstehend seien noch die an dem Bau beteiligten Handwerksmeister, soweit wir dieselben erfahren konnten, erwähnt: I. L. Wörner hier, Erd- und Letonarbeiten; J. C. Jäger & Rumpf hier, Zimmerarbeiten; H. Heyd hier, Dachdeckerarbeiten; K. E. Ohl hier, Spenglerarbeiten; Motzel & Co., Miltenberg, Steinmetzarbeiten; Fr. Gehler hier, Elaserarbeiten; I. H. Hack hier, Schreinerarbeiten; I. Schnitzer hier, Schlosserarbeiten; H. Jung hier, Schloster- arbeiten; I. Wörner hier, Treppen; I. Förster hier, Tüncher- und Malerarbeiten; Schmidt & Brenner hier, Steinholzfußböden; Kalkwerke A.-E. hier, Plattenarbeiten; Hch. Amend hier, gesamte badetechnische Einrichtung, Heizung und Wäschereieinrichtung, Kanalisation und Beleuchtungs- anlage.
Trotz der schönen Anlage bleibt zu bedauern, daß kein Schwimmbad errichtet wurde. Das Projekt soll ja den Anbau einer Schwimmhalle ohne Weiteres zulastxn. Hier wäre Gelegenheit für einen edlen Spender geboten, sich ein dauerndes Denkmal zum Wohle der gesamten Einwohnerschaft zu setzen.
Hoffentlich geschieht dies recht bald.
* Evangelischer Männerabend. Mittwoch den 14. Dezember, abends ‘^9 Uhr, in der „Concordia" (Eingang vom Paradep'atz). Herr Oberl hrer Junge wird sprechen über: „Volk und Land der Massuren", ein jetzt sehr zeitgemäßes Thenw, da so viel über die Polensrage geredet und geschrieben wird.
* Stadttheater. Das Japanerstück „Taifun" geh« am heutigen Samstag nochmals und zwar bei kleinen Prei'en in Szene. „Taifun" gehört zu den wirkungsvollsten Werken dieser Spielzeit und die bisherigen Aufführungen des Stückes fanden rauschenden Beifall; die Rolle des Japaners Dr. Tokeramo spielt Herr D rektor S 1 e f f t e r. Am Sonntag nachmittag wird bei ermäßigten Preisen Lehans ‘ Operette „D i e l u st i g e Witwe" und am .Sonntag abend „D i e Pupp e" anfgeführt. Auch der Montag bringt eine Opereltenvorstellung, indem bei ermäßigten Preisen „Wiener Blut" von Johann Strann wiederholt wirb.
* Im nationallibrralen Rednerkursus fand vorgestern abend ein Diskussionsabend statt, in dem der Leiter, Herr Generalsekretär Brehm, die Ergebnisse seines letzten Vortragszyklus in interessanter Weise zusamenfaßte und ein Redeturnier zwischen den Teilnehmern selbst inszenierte. Hiermit tritt nun eine Weih- nachtspaufe ein. Die Wiedereröffnung des Kursus nach Neujahr wird den Teilnehmern noch bekannt aegeben.