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AUllilijts Organ für Stadt- and Fandkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Verantwort!. Redakteur: <5. Schrecker tu Hanau,
Nr. 264 fttrnspreâiaÈlus, Nr. 230. TvIINkrstllg Sc» 10. Novtllliicr im>ih'i«d)<uiid)lii6 Nr. 230. 1910
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Amtliches.
Ditilstirachnchtkn ans dem Kreise.
In der Gemarkung Ravolzhausen ist die Schweineseuche erloschen. V. 6487
Hanau den 10. November 1910.
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Politische Rundschau.
Bon der Reise des Kronprinzenpaares wird berichtet: An Bord des Reichspostdampfers „Prinz Ludwig" des Norddeutschen Lloyd, 8. Novbr. Bei der heute nachmittag erfolgten Abreise von Port Said paradierten das deutsche Kriegsschiff „Hertha" und das österreichisch - ungarische Kriegsschiff „Kaiserin Elisabeth", die Besatzungen brachten drei Hurras aus. Abends wurden in Suez die Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Scharnhorst" und „Prinz Eitel Friedrich"-passiert, von beiden Schiffen wurde der „Prinz Ludwig" mit der Nationalhymne und mit Hurrarufen begrüßt. Der Kronprinz wünschte beiden Schiffen durch Nachtsignal glückliche Heimkehr. Es herrscht angenehme, nicht zu heiße Temperatur. — Suez, 9. Novbr. Der Reichspostdampfer „Prinz Ludwig" des Norddeutschen Lloyd mit dem Kronprinzenpaar auf der Ostasienreise ist heute früh um 4 Uhr nach schneller und angenehmer Kanalfahrt in Suez eingetroffen. Die Abfahrt von Suez erfolgte um 8 Uhr.
Zur Potsdamer Kaiserbegegnung. Ssasonow erklärte Vrinem Mitarbeiter der „Now. Wr." während der Unterhandlungen in Potsdam sei deutscherseits kein Versuch gemacht worden, an der bestehenden Gruppierung der Mächte ^rtwas zu ändern. Der Reichskanzler und Herr v. Kiderlen- Vaechter hätten auf das Bestimmteste zugesichert, daß Deutschland an dem rußlandfeindlichen Charakter der türkischen Politik der letzten Zeit keine Schuld trage. Deutschland wolle die Türkei nicht gegen Rußland hetzen. Es erkenne die Vorzugsrechte Rußlands in Nordpersien an und werde dort keine Konzessionen begehren, wünsche aber, daß bei der Trassierung der in Persien etwa zu bauenden Eisenbahnen auf die Bagdadbahn Rücksicht genommen werde. Diese Frage soll noch besonders besprochen werden. Ueber Südpersien sei garnicht gesprochen worden, da Südpersien nicht in die russische Einflußsphäre fällt.
Ein Ehrentag der Marine. Gestern waren 40 Jahre verfloßen, daß vor dem Hafen von Havanna das einzige Seegefecht ausgefochten wurde, das während des deutschfranzösischen Krieges zwischen einem preußischen und einem französischen Kriegsschiffe stattgefunden hat. Das preußische Schiff war das Kanonenboot „Meteor" unter dem Kommando des Kap.-Lts. Knorr, das französische Schiff war der Aviso „Vouvet". Beide Schiffe lagen im Hafen von Havanna. Der „Meteor" nahm die Herausforderung des llJ"»M"»»»»"M»i^»M»»M««»»W»«———— I^mL-B
Frankfurter Kiiiistbciicht. Dr. Fried Lübbecke.
I.
Der Kunstfreund findet zur Zeit starke Anregung in unserer Nachbarstadt. Eine Ausstellung französischer Porträt stiche und Neuerwerbungen laden zu einem Besuch des Städelschen Instituts, in der Galerie Goldschmidt auf der. Kaiserstraße bietet sich die hochinteressante Ausstellung der Baseler Sammlung La Roche-Ringwald, im Kunstverein schließlich tagt die 12. Iahresaus st ellung Frankfurter Künstler. Alles Veranstaltungen, die bis auf die Ausstellung der Neuerwerbungen im Städel, nur kurze Zeit noch besucht werden können. Darum sei für ihren baldigen Besuch dringend geworben.
Also zuerst ins Städelsche Institut! Dort hat die Kupferstichabteilung eine prächtige Auswahl französischer Porträtstiche des 17. und 18. Jahrhunderts zu einer stattlichen Ausstellung vereinigt, die leider nur kurze Zeit noch zur Schau stehen soll. Wie eigentlich nur die Zeit der römischen Kaiser war die der französischen Könige eine ganz auf die Persönlichkeit gestellte Epoche. In der' Gestalt des Königs gipfelt das ganze staatliche Intereße, ein starker Persönlichkeitskult zieht alle Kräfte des Landes an den ■ Hof, einem Zug, bem auch naturgemäß die Künstler folgen. Die französische Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts stellt daher nur eine Verherrlichung des Königs und seines Hofes dar. Noch heute nennen die Franzosen die Zeit des Barock den Stil Louis XI\ ., die des Rokoko den Stil Louis XV. ! Aus dieser unbedingten höfischen Ergebenheit der Künstler s ist auch die Kunst erwachsen, die die Porträtstichausstellung im Städel so vollkommen uns verführt. Eine intime, reizvolle Kunst! Wie man heute Photographien verschenkt, so überreichten sich damals Leute von Stand ihre gestochenen
„Vouvet" zu einem Zweikampf an, und am 9. November 1870 wurde dieser Kampf ausgefochten. Er lief für den „Vouvet", obgleich dieser größer und stärker armiert war, als der „Meteor", sehr ungünstig ab. Der „Vouvet" entging, schwer getroffen, der Gefangennahme durch den „Meteor" nur dadurch, daß er auf neutrales Gebiet flüchtete. Allerdings hatte auch der „Meteor" schweren Schaden an seiner Takelage erlitten. An diesen Vorgang erinnert nachstehendes Telegramm, das gestern der Staatssekretär des Reichsmarineamtes, Admiral v. Tirpitz, an den Admiral v. Knorr gerichtet hat: Anläßlich der 40jährigen Wiederkehr des Tages von Havanna gedenkt die Marine des tapferen Kommandanten des „Meteor", ihres späteren kommandierenden Admirals. Mögen Euere Exzellenz die Wiederkehr dieses Tages noch oft in voller Gesundheit feiern!
Nach einem Beschluße des Bundesrats sind die zuständigen Landesbehörden ermächtigt worden, in Fällen, in denen sie zur Erstattung oder zum Erlaße des Zolles für Zündwaren, Beleuchtungsmittel, Zigaretten, Zigarettentabak, Zigarettenpapier oder Salz aus Billigkeitsrücksichten befugt sind, auch über die Erstattung oder den Erlaß des für die Ware gezahlten oder zu zahlenden Steuerbetrages zu entscheiden.
Aus Anlaß der Heeresverstarkungen im Rechnungsjahre 1911 sollen neu errichtet werden: Eine Eeneralinspektion des Militärverkehrswesens, eine Inspektion des Militar- luftschiffahrts- und Kraftwesens, 107 Maschinengewehr- Kompanieen, ein Fußartillerie-Regiment, ein Kraftfahr- Bataillon und zwei Luftschiffahrt-Bataillone. Die hierzu erforderlichen Unteroffiziere und Mannschaften werden zu einem großen Teile durch Etatherabsetzungen bei den bestehenden Truppenteilen und durch Abrechnung an bestehenden Formationen gewonnen.
Die Frage, ob die Berufsgenoßenschaften berechtigt sind, das von ihnen nach dem Krankenversicherungsgesetze übernommene Heilverfahren vor seinem Abschluß einzustellen und die weitere Behandlung der zuständigen Krankenkaße wieder zu überlaßen, hat das Reichsversicherungsamt bejaht. Ueber das Recht der Einstellung der Fürsorge, so heißt es in der Begründung des Entscheides, kann ein berechtigter Zweifel nicht bestehen, da die Berufsgenoßen- fchaften durch die Uebernahme des Heilverfahrens auf Grund des Krankenversicherungsgesetzes ebensowenig wie durch die Gewährung der Heilbehandlung auf Grund des Gewerbeunfallversicherungsgesetzes ihre Entschädigungspflicht anerkennen. Die Vorschriften bewegen sich hinsichtlich der hier in Frage kommenden Beziehungen auf dem Gebiete des öffentlichen Rechtes. Der Berechtigung der Ve- rufsgenoßenschaft auf Rückübertragung des Heilverfahrens auf die Krankenkaßen steht auch sonst keine Eesetzesvor- i schrift entgegen. Die Zweckbestimmung der Vorschrift des
Bildnisblätter mit einem zierlichen Poem, in einer feinen, gütigen oder schalkhaften Verbeugung. All die Grazie und der prickelnde Esprit des Rokoko, aber auch die etwas gespreizte Pathetik des Barock spricht noch heute lebenswarm aus ihnen. Mit Recht werden sie drum aufs Höchste von allen Kunstfreunden geschätzt. Waren doch ihre Verfertiger wirkliche Künstler, die nichts mit den handwerksmäßigen Photographen unserer Tage gemein hatten. Gar oft lesen wir hinter ihrem Namen das damals ebenso hoch wie heute begehrte Wort: Chevalier de Vordre de St. Michel, oder irgend einen anderen vornehmen Titel, der sie den Kavalieren des Hofes gleichberechtigt zur Seite stellte. Als Kavaliere haben sie ihre Kunst geübt: der feine Reiz einer alten Kultur liegt über ihnen, Raße, Lebensart, Troubadourklänge . . On ne peut mieux! Am besten gefallen mkr immer diese französischen hohen Geistlichen, diese feinsten Genießer, die ebenso empfänglich für das kokette Scherzwort einer schönen Marquise wie für einen frischen Jagd- ritt waren, morgens feierlich die Messe zelebrierten und abends über Platon und Aristophanes bisfutierten. Welche Raße liegt allein in ihren empfindsamen gepflegten Händen. Neben ihnen finden sich die stolzgalanten Bildnisse der hohen Herren des Hofes mit all ihren ziersamen Titeln und Wappen, graziöse Damen, die nur ganz jung oder ganz alt sein können, endlich der König selbst und seine Familie. Louis XIV., majestätisch und prunkend, voll steifer Würde, Louis XV., ein verhätschelter Liebling schöner Frauen, die Bilder ganz ihrem Charakter entsprechend, nur durch das höfisch geschulte Auge über den Zufälligkeiten des Tages gesehen. Die Namen der Künstler tun wenig zur Sache. Dre meisten Beschauer würden kaum die feinen Nuancen zwischen den einzelnen entdecken, ja, sie gern s r eines einzelnen ansehen. So sehr entwaffne e re ' die Eigenart, daß selbst die des Kunstlers ihr geepf.rr ward. Sie waren ja zugleich Kavaliere, die ych von denen von Geblüt höchstens durch eine andere ^arbe des Grlets
Krankenversicherungsgesetzes spricht dagegen wesentlich dafür, daß jenes Recht den Berufsgenoßenschaften selbst in den Fällen nicht abzusprechen ist, in denen ihre Entschädigungspflicht bereits feststeht. Die Begründung zur Novelle vom 10. April 1892 ergibt, daß den Berufsgenossenschaften ermöglicht werden sollte, durch eine wirksame Heilbehandlung schon während der Wartezeit, in der die Verletzten vielfach nicht genügend versorgt sind, eine möglichst baldige Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und damit eine Verringerung der Rentenlast zu erreichen. Der Absicht des Gesetzes, den Berufsgenoßenschaften bei gleichzeitiger Förderung der Intereßen der Verletzten eine Ermäßigung ihrer gesetzlichen Verpflichtungen zu verschaffen, würde es aber widersprechen, ein einmal übernommenes Heilverfahren auch dann durchzuführen, wenn sich im Laufe des Heiverfahrens Herausstellen sollte, daß eine Entschädigungspflicht für sie nicht in Frage kommt. Hiernach muß es den Berufsgenoßen- schaften überlaßen bleiben, nach pflichtmäßigem Ermeßen unter Berücksichtigung des an sich berechtigten Verlangens der Verletzten nach einer möglichst einheitlichen und ununterbrochenen Heilbehandlung darüber zu entscheiden, ob sie ein übernommenes Heilverfahren selbst bis zu Ende durchführen oder auf die Kassen zurückübertragen wollen.
Mit der schwedischen Regierung ist eine Vereinbarung getroffen worden, die die gesundheitspolizeiliche Behandlung der Fährschiffe der Linie Saßnitz —Trelleborg bei etwa eintretender Choleragefahr betrifft.
Die Guildhallrede des Premierministers Asquith. Aus dem Lordmayorbankett in der Guildhall erklärte Premierminister Asquith, es habe einige Regungen und Bewegungen an verschiedenen Teilen des internationalen Horizonts gegeben, aber keine, die den Frieden unter den Großmächten zu stören drohe. „Wir sind stets bereit," fuhr der Minister fort, „uns anderen zur Erzielung der Beruhigung anzuschließen. Wir haben keine Beweggründe abenteuerliche Pläne zu fördern. Wir brauchen keine Abenteuer, sondern Beständigkeit und Frieden. Es ist eine gewiße Beunruhigung durch den so sensationellen wie unbegründeten Bericht verursacht worden, daß wir im Begriffe seien, uns in die inneren Angelegenheiten Persiens einzumischen. Die Tatsachen sind folgende: Seit einiger Zeit haben sich die Handelsstraßen in Nordpersien in einem Zustand größter Unsicherheit befunden. Die britischen Firmen fordern naturgemäß von uns, zu tun, was wir vermöchten, um dem abzuhelfen. Wir stellten daher an die persische Regierung das dringende Ersuchen, daß, wenn sie nicht im Stande sei, mit den eigenen Truppen diese Wege zu überwachen, sie ihre Zustimmung dazu erteilen soll, daß eine persische Truppe unter dem Befehl von britischen Offizieren aufgestellt werde, bie zu diesem Zweck von der indischen Regierung gestellt werden sollen.
I unterschieden. Drum sei hier keine Aufzählung von Namen aus dieser Reihe signierter Künstler verlangt. Nur einiger sei gedacht, die sich heute derselben Beliebtheit wie zu ihren Lebzeiten erfreuen und die für die Entwickelung I dieser feinen Aristokratenkunst von großer Bedeutung sind.
Ihnen voran steht der aus den Niederlanden eingewanderte Gerard Edelin ck, der mit Vorliebe fast lebensgroße Porträts in einer breiten, an Rubens erinnernden Manier fertigte, Bilder von einer gewißen Größe der Auffaßung, wie sie zur Zeit des Sonnenkönigs in der Lust lag. Ihm nahe steht Robert Nanteuil, der zugleich Maler und Stecher war, in der peinlichen Durcharbeitung jedoch Edelinck übertraf. Zwischen beiden gruppieren Idj Claude Mellon und Antoine Masson. Besonders genannt sei des letzteren prächtiger Turennekopf. Stecher von weniger aufdringlichem Temperament find Drevet, Tardieu, Gaillard, Beauvarle t, denen eine ganze Reihe gleich bedeutender Namen noch angereiht werden könnte. Hervorgehoben seien nur noch Ch. Simonneau, dem wir ein prächtiges Bild der vielgeliebten Liselotte von der Pfalz verdanken. Die echt deutschen Zuge der Matrone laßen uns noch heute erraten, wie treu sie in den langen Jahren am französischen Hofe an ihrem heimischen Wesen hing und sich so die Achtung ihrer neuen Umgebung erzwang. Von pikantem Intereße sind fernerhin die etwas süßlichen Stiche N a t t i e r s und seiner Gehilfen, in denen die reizenden Damen des Hofes als Verkörperungen der vier Elemente oder der Tugenden dargestellt sind.
Nach dem Abschied von dieser trefflichen Sammlung gehts eine Treppe höher. Da fallen zunächst im Ostflügel in der Reihe der südlichen Kabinette einige angenehme Veränderungen auf. Früher hingen dort die alt- und neufrankfurter Künstler im engen Verein, sodaß man bei der Fülle von Bildern kaum zum Genuß kam. Jetzt sind die meisten Altfrankfurter wie Seekatz, Schütz Pforr D e ck e r u. a. mit ihren meist nur kulturhistorisch wichtigen